Das Ziel dieser Arbeit ist herauszuarbeiten, wie Sozialunternehmen ihre Kapitalgeber managen sollten. Dafür wird die Frage beantwortet, wie Sozialunternehmen sich finanzieren. Dann werden Herausforderungen in der Finanzierung von Sozialunternehmen geprüft und untersucht, wie sich diese Probleme im Unternehmen und auf Systemebene lösen lassen.
Für diese Arbeit wurde zunächst eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt. Aus den Ergebnissen der Literaturarbeit werden Thesen aufgestellt, die im empirischen Teil anhand von Experteninterviews diskutiert werden. Mithilfe dieser Diskussion werden die Thesen erweitert.
Ein Ergebnis der Arbeit ist, dass Mezzaninkapital sowohl für Sozialunternehmer als auch für Investoren das attraktivste Ausgestaltungsmerkmal der Finanzierung zu sein scheint. Die Auswahl der Finanzierungsquelle ist von der Regelmäßigkeit der Einkünfte durch Leistungsempfänger oder die öffentliche Hand abhängig. Sozial motivierte Investoren scheinen für Sozialunternehmen die passendste Finanzierungsquelle zu sein. Eine Herausforderung in der Finanzierung von Sozialunternehmen sind Konflikte zwischen den Sozialunternehmen und ihren Kapitalgebern.
Des Weiteren gibt es verschiedene Konflikte zwischen den einzelnen Finanzierungsquellen, wenn diese unterschiedliche Erwartungen an die soziale und finanzielle Rendite stellen. Im Unternehmen lassen sich diese Konflikte vorrangig durch eine gute und transparente Kommunikation mit den Kapitalgebern und unter den Kapitalgebern mindern. Auf Systemebene scheint es vor allem nötig den Impact Investing-Markt in Deutschland auf Angebots- und Nachfrageseite weiterzuentwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2. Die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen in der Literatur
2.1 Definition des Begriffs „Sozialunternehmen“
2.2 Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung von Sozialunternehmen
2.2.1 Eigenkapital
2.2.2 Fremdkapital
2.2.3 Mezzaninkapital
2.2.4 Spenden
2.2.5 Hybridkapital
2.3 Finanzierungsquellen von Sozialunternehmen
2.3.1 Leistungsempfänger und öffentliche Hand
2.3.2 Philanthropen
2.3.3 Sozial motivierte Investoren
2.3.4 Kommerziell motivierte Investoren
2.4 Das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen
2.4.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie als Grundlage des Kapitalgeber-Managements
2.4.2 Herausforderungen im Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen
2.4.3 Lösungsansätze für die Herausforderungen im Kapitalgeber-Management
2.5 Zwischenfazit
3. Beschreibung der Methodik und der Durchführung
4. Evaluation
4.1 Diskussion der Thesen
4.1.1 These 1: Ausgestaltungsmerkmale der Finanzierung
4.1.2 These 2: Finanzierungsquellen
4.1.3 These 3: Konflikte zwischen Kapitalgebern und Sozialunternehmern
4.1.4 These 4: Konflikte unter den Kapitalgebern
4.1.5 These 5: Lösungsansätze im Unternehmen
4.1.6 These 6: Lösungsansätze auf Systemebene
4.2 Abschließende Bewertung der Diskussionsergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Sozialunternehmen ihre Kapitalgeber effektiv managen können. Dabei wird analysiert, welche Finanzierungsformen existieren, welche Herausforderungen bei der Akquise von Kapital entstehen und durch welche Maßnahmen Konflikte zwischen Sozialunternehmern und Kapitalgebern auf Unternehmens- und Systemebene gelöst werden können.
- Analyse der Finanzierungsinstrumente für Sozialunternehmen
- Differenzierung der Kapitalgeber (Philanthropen, sozial/kommerziell motivierte Investoren)
- Untersuchung von Konfliktpotenzialen (Prinzipal-Agent-Problematik)
- Entwicklung von Lösungsstrategien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Eigenkapital
Eigenkapital ist nachranging und permanent, das heißt es wird ohne Rückzahlungsanspruch vergeben. Der Investor kann sich nur aus dem Unternehmen zurückziehen, indem er seinen Anteil an einen anderen Investor übergibt. Der Investor trägt bei dieser Form der Finanzierung das höchste Risiko (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 280). Im Gegenzug für das Risiko erhält er einen Anteil am Unternehmen. Dadurch hat er eine gewisse Kontrolle über das Unternehmen, da er Miteigentümer wird und in der Regel Stimmrechte erhält. Diese werden in den vertraglichen Vereinbarungen geregelt und sind von der Rechtsform des Unternehmens sowie der Höhe der Anteile abhängig (vgl. Spiess-Knafl 2012, S. 76). Normalerweise verlangen Investoren als Gegenleistung zur Überlassung des Eigenkapitals eine Beteiligung an zukünftigen Gewinnen.
Im Fall von Sozialunternehmen wird der Gewinn jedoch meistens nicht ausgeschüttet, eine Vollausschüttung gibt es nie. Durch die Reinvestition der Gewinne in das Sozialunternehmen entsteht dafür ein vermehrter sozialer Gewinn (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 280).
Eigenkapital hat den Vorteil, dass es unbegrenzt zur Verfügung steht. Mitspracherechte sind jedoch ein zentrales Thema. Für Unternehmer, die sich für eine Eigenkapitalfinanzierung entscheiden, verringert sich durch sie der Einfluss auf ihr Unternehmen (vgl. Achleitner et al. 2011b, S. 280). Klassische Eigenkapitalbeteiligungen an Sozialunternehmen sind selten, weil die Ausschüttungen in der Regel geringer sein werden als bei profitorientierten Unternehmen und klassische Exit-Strategien schwierig zu realisieren sind, da sie die sozialen Ziele der Sozialunternehmer untergraben können (vgl. Bank of England (Hg.) 2003, S. 47–49).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Phänomen des Sozialunternehmertums ein, erläutert die Bedeutung der Finanzierung als Grundlage und definiert die explorative Zielsetzung der Arbeit.
2. Die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen in der Literatur: Dieses Kapitel liefert einen Literaturüberblick zu Definitionen, Finanzierungsinstrumenten sowie den verschiedenen Kapitalgeber-Typen und deren Erwartungen im Kontext der Prinzipal-Agent-Theorie.
3. Beschreibung der Methodik und der Durchführung: Hier wird der methodische Ansatz der qualitativen Experteninterviews sowie deren Auswertung durch ein Kategoriesystem dargelegt.
4. Evaluation: Dieses Kapitel diskutiert die aus der Literatur abgeleiteten Thesen anhand der geführten Experteninterviews und bewertet die Diskussionsergebnisse abschließend.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Finanzierung von Sozialunternehmen zusammen, betont die Relevanz der Kommunikation zur Konfliktlösung und gibt Ausblicke auf die Weiterentwicklung des Impact Investing-Marktes.
Schlüsselwörter
Sozialunternehmen, Finanzierung, Sozialunternehmertum, Impact Investing, Kapitalgeber-Management, Mezzaninkapital, Prinzipal-Agent-Theorie, Soziale Rendite, Finanzielle Rendite, Wirkungsmessung, Konfliktmanagement, Soziale Innovation, Stiftungen, Risikokapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Sozialunternehmen ihre Finanzierung sichern und ihr Kapitalgeber-Management optimieren können, um soziale und ökonomische Ziele in Einklang zu bringen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung beleuchtet verschiedene Finanzierungsinstrumente, die Typologie von Kapitalgebern, die Konfliktpotenziale zwischen diesen Akteuren sowie Lösungsansätze zur Verbesserung der Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es, Thesen über die Finanzierung und das Management von Sozialunternehmen zu entwickeln, die durch Experteninterviews validiert und erweitert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein explorativer Ansatz gewählt, der auf einer Literaturanalyse und qualitativen Experteninterviews mit fünf Fachleuten aus verschiedenen Bereichen der Sozialfinanzierung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Finanzierungsinstrumente und Konflikttheorien sowie eine empirische Diskussion, in der Thesen zu Konfliktbewältigung und Marktentwicklung erörtert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Konzepte sind das "Sozialunternehmertum", "Impact Investing", "Prinzipal-Agent-Probleme", "Mezzaninkapital" und die Herausforderung der "Wirkungsmessung".
Welche Rolle spielt die Prinzipal-Agent-Theorie in der Arbeit?
Sie dient als theoretischer Rahmen, um die Interessenkonflikte zwischen Sozialunternehmern (Agent) und Kapitalgebern (Prinzipal) zu analysieren und Agency-Kosten zu verstehen.
Was ist die Bedeutung von social impact bonds in diesem Kontext?
Sie werden als erfolgsabhängige Finanzierungsinstrumente diskutiert, die die öffentliche Hand und private Investoren verbinden können, um spezifische soziale Ziele zu erreichen.
Warum ist Mezzaninkapital für Sozialunternehmen attraktiv?
Es bietet eine hohe Flexibilität, ermöglicht Kapitalgebern Stimmrechte, ohne die Kontrolle des Unternehmers so stark wie bei reinem Eigenkapital zu beschneiden, und gilt als attraktiver Kompromiss.
Welche Bedeutung hat eine hybride Organisationsstruktur?
Eine Kombination von Rechtsformen (z.B. GmbH und e.V.) hilft, den sozialen Zweck zu schützen und gleichzeitig den Zugang zu verschiedenen Kapitalquellen zu erleichtern.
- Arbeit zitieren
- Sophia Braun (Autor:in), 2015, Die Finanzierung und das Kapitalgeber-Management von Sozialunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313480