Der autoritative und der autoritäre Erziehungsstil. Verhaltensauffälligkeiten im Vergleich


Hausarbeit, 2015

12 Seiten, Note: 5.5 (von 6, Schweiz)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Elterliches Erziehungsverhalten
2.1 Erziehungsstile
2.2 Typologie nach Baumrind

3 Die Korrelation zwischen Kindesverhalten und elterlichem Erziehungsstil
3.1 Bei autoritärem Erziehungsverhalten
3.2 Bei autoritativem Erziehungsverhalten
3.3 Vergleich

4 Schlusswort

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Problematische Entwicklungen insbesondere des kindlichen Sozialverhaltens, meistens aggressives oder extrem schüchternes Verhalten, aber auch Hyperaktivität werden mit elterlichem Erziehungsverhalten in Zusammenhang gebracht“ (Reichle & Franiek, 2009, S. 13).

Die elterliche Erziehung spielt eine entscheidende Rolle für die verhaltensspezifische Entwicklung von Kindern. Psychoanalytische Theorien betonen vor allem seit dem zwanzigsten Jahrhundert die Wichtigkeit von frühkindlichen Erfahrungen in den Familien. Diese Erfahrungen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung von inneren Konflikten, Abwehrmechanismen und die Verinnerlichung von Werten und Normen (vgl. Maccoby, 2000, S. 3). Grundsätzlich werden seit Diana Baumrinds Typologie drei Erziehungsstile unterschieden: Der autoritative, der autoritäre und der laissez-faire Erziehungsstil. Der letztgenannte wird seinerseits unterteilt in ein permissives und vernachlässigendes Erziehungsverhalten (vgl. Wild & Lorenz, 2009, S. 243).

Welches Erziehungsverhalten Eltern anwenden, ist abhängig von den Erfahrungen, die sie in ihren Herkunftsfamilien gemacht haben (vgl. Ratzke, Gebhardt-Krempin & Zander, 2008, S. 242f). Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie werden Erziehungsstile einerseits weitergegeben oder andererseits bewusst durchbrochen. Die durch die Erziehung vermittelten Wertvorstellungen, Meinungen und Haltungen weisen für die Kinder einen prägenden Charakter auf. Zur Aufgabe der Eltern gehört es somit, ihren heranwachsenden Kindern soziale, kulturelle und gesellschaftliche Werte und Normen zu vermitteln, um zu gewährleisten, dass sie sich mit den Erwartungen und Anforderungen der Gesellschaft zurechtfinden. Hierzu ist zu beachten, dass Erziehungsstile abhängig sind von diesen Normen und Werten, wobei auch die persönlichen Eigenschaften der Eltern eine essenzielle Rolle spielen (ebd. S. 242f)

Da Erziehungsstile wie bereits erwähnt einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Verhaltens von Kindern haben, beschäftigt sich die vorliegende Seminararbeit mit der folgenden Frage: Welche Verhaltensauffälligkeiten zeigen Kindern, die autoritär erzogen werden im Vergleich zu jenen, die unter einem autoritativen Erziehungsstil aufwachsen?

Zudem sollte aus der Arbeit hervorgehen, welche Rolle die Erziehungsstile für die Entwicklung des Kindes spielt und was dies für die Praxis bedeutet. Die Hypothese der Verfasserinnen lautet hierzu, dass autoritär erzogene Kinder in ihrer Entwicklung deutlich mehr Verhaltensauffälligkeiten zeigen, als Kinder die unter einem autoritativen Erziehungsstil aufwuchsen.

Um die oben erwähnte Frage beantworten zu können, wird zunächst darauf eingegangen, was überhaupt unter Erziehungsstilen zu verstehen ist, welche Formen es im Einzelnen gibt und schliesslich werden Verhaltensauffälligkeiten anhand von Forschungsartikeln analysiert und miteinander in Beziehung gesetzt. Der Vollständigkeitshalber wird ebenfalls erläutert, was unter dem laissez-faire Erziehungsstil zu verstehen ist, wobei jedoch in dieser Arbeit kein Vergleich mit den anderen beiden Erziehungsformen gemacht wird. Literaturhinweis (in welchem Kapitel beziehen wir uns auf welche Texte bzw. Autoren)

2 Elterliches Erziehungsverhalten

In folgendem Kapitel soll verdeutlicht werden, was unter dem Begriff Erziehungsstil zu verstehen ist und welche Formen hierzu bekannt sind. Im Speziellen wird schliesslich auf die Erziehungstypologie nach Baumrind eingegangen und die drei relevanten Erziehungsstile erläutert.

2.1 Erziehungsstile

Unter dem Begriff Erziehungsstil wird eine relativ verfestigte situations- und zeitübergreifende Reaktion der Eltern, gegenüber ihren Kindern verstanden (vgl. Ratzke et al., 2008, S. 244).

Intraindividuell handelt es sich folglich um eine relativ stabile Variable, wohingegen interindividuell variable Tendenzen bestehen, bestimmte Erziehungspraktiken anzuwenden (vgl. Reichle & Franiek, 2009, S. 12). Somit unterstützen einige Eltern eher erwünschtes Verhalten und andere reagieren auf unerwünschtes Verhalten mit Bestrafungen und strengeren Regeln. Allgemein lässt sich der Erziehungsstil als eine übergeordnete Kategorie auffassen, die zwischen den Erziehungseinstellungen, Erziehungszielen und Erziehungspraktiken differenziert (vgl. Ratzke et al., 2008, S. 244).

Ratzke, Gebhardt-Krempin und Zander (2008, S. 244) definieren die elterliche Erziehungseinstellung als sogenannte Erlebensdispositionen, die auf der Erlebens- und Verhaltensebene die Qualität und Intensität der Eltern-Kind-Beziehung widerspiegeln. Einige Beispiele von Erlebensdispositionen sind das Mass an elterlicher Permissivität, Zärtlichkeit oder das Einfühlungsvermögen. Mit elterlichen Erziehungszielen hingegen sind Sollvorstellungen oder –anforderungen gemeint, welche Eltern im Erleben und Handeln ihrer Kinder realisiert haben wollen. Zu solchen Zielen gehören beispielsweise Normen, Selbstständigkeit und Leistungsorientierung.

Nach Ratzke et al. (2008, S. 224) beinhalten elterliche Erziehungspraktiken im Gegensatz zur Erziehungseinstellung und zu den Erziehungszielen, „konkrete verbale und nonverbale Handlungen der Eltern gegenüber ihren Kindern in bestimmten erziehungsrelevanten Situationen“. Beispiele hierfür sind Belohnungen für ein gewünschtes und Bestrafung für ein unerwünschtes Verhalten.

Grundsätzlich werden beim elterlichen Erziehungsverhalten die beiden Variablen Emotionalität und Kontrolle als Grunddimensionen angesehen. Ergänzt werden diese durch die Konsistenz und die Konsequenzen im Erziehungsmilieu (vgl. Ratzke et al., S. 249). Entscheidend ist somit die Qualität der emotionalen familiären Beziehung und wie Eltern ihre Emotionen und Kontrollmechanismen kommunizieren und begründen.

2.2 Typologie nach Baumrind

Nachdem erläutert wurde, was im Allgemeinen der Begriff Erziehungsstil beinhaltet, soll im Folgenden auf die Typologie der Erziehungsstile eingegangen werden. Die amerikanische Psychologin Diana Baumrind (1991, nach Wild & Lorenz, 2009, S. 243) hat hierzu um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts mehrere Studien über die Verhaltensmuster von Eltern und ihren Kindern durchgeführt. Bei ihren Untersuchungen achtete sie auf die Funktionalität von elterlichen Erziehungspraktiken und deren Auswirkungen auf mehr oder weniger kompetente Heranwachsende. Kompetenz definierte Baumrind anhand zweier Kriterien: Einerseits muss soziales Verantwortungsbewusstsein sowie soziale Fertigkeiten vorhanden sein und andererseits eine gewisse Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Aus ihren Studien leitete sie schliesslich drei grundlegende Erziehungsstile ab, welche im Folgendem genauer illustriert werden.

Der autoritäre Erziehungsstil

Gemäss Baumrind (1991, nach Wild & Lorenz, 2009, S. 243) versuchen Eltern, die einen autoritären Erziehungsstil anwenden, das Verhalten und die Einstellungen ihrer Kinder zu formen und zu kontrollieren. Dabei orientieren sie sich an religiösen Normen, moralischen Vorstellungen oder an sozialen Konventionen. Von essenzieller Bedeutung beim autoritären Erziehungsstil sind traditionelle Werte wie Respekt und Gehorsamkeit gegenüber den Eltern. Es werden kontrollierende Verhaltensweisen als notwendig erachtet und gegebenenfalls auch unangemessenes Verhalten bestraft.

Die Entscheidungsgewalt liegt ausschliesslich bei den Eltern, wobei den Kindern ebenfalls ihre Freizeitgestaltung vorgeschrieben wird (vgl. Ecarius, 2007, S. 137).

Reichle und Franiek (2009, S. 16) haben in ihrer Studie den autoritären Erziehungsstil als „Machtvolle Durchsetzung“ bezeichnet. Darunter verstehen sie einen rauen und barschen Erziehungsstil, der mit Überreaktionen, Emotionaler negativen Stimmungen sowie mit Zwangs- und Kontrollaspekten verbunden ist. Reichle und Franiek setzen autoritäres Erziehungsverhalten dabei gleich mit dem Fehlen eines positiven Elternverhaltens. Dominierend sind sieben Dimensionen, die den Erziehungsstil auszeichnen: 1. Die Eltern haben die Entscheidungsmacht. 2. Es herrschen starre und unflexible Regeln. 3. Befehle sind häufig. 4. Über die Interessen der Kinder wird hinweggesehen. 5. Nebenwirkungen werden in Kauf genommen. 6. Eine starke Kontrollausübung ist wichtig und schliesslich 7. Es werden harte Bestrafungen – jedoch nicht in körperlicher Hinsicht – eingesetzt.

Der autoritative Erziehungsstil

In der autoritativen Erziehung begründen Eltern ihre Entscheidungen gegenüber ihren Kindern und erwarten ebenfalls Gehorsamkeit. Es werden Verhaltensstandards formuliert, welche die Kinder zu erfüllen haben. Im Gegensatz zur autoritären Erziehung begründen die Eltern diese Standards und wenden Restriktionen an, ohne die individuellen Wünsche der Kinder zu missachten (vgl. Ecarius, 2007, S. 138).

Eltern leiten somit ihre Kinder, indem sie ihr Verhalten und ihre Entscheidungen erklären (vgl. Wild & Lorenz, 2009, S. 243). Beim autoritativen Erziehungsstil weisen die Eltern ein konsistentes Verhalten auf und folgen ihren normativen Überzeugungen und Ansprüchen. Zudem erwarten sie von ihren Kindern, dass sie zum Familienwohl beitragen indem sie beispielsweise im Haushalt mithelfen. In Bezug auf die Eltern-Kind-Beziehung sind autoritative Eltern sehr fürsorglich, haben eine starke emotionale Verbindung zu ihren Kindern und unterstützen sie sowohl bei schulischen Anforderungen als auch bei ihren persönlichen Interessen. Literaturangabe??

Der laissez-faire Erziehungsstil

Der laissez-faire Erziehungsstil wurde von Baumrind (1971, nach Ratzke et al., 2008, S. 245) in Bezug auf Familien in zwei Unterkategorien unterteilt. Dabei differenzierte sie zwischen einem permissiven und einem vernachlässigendem Erziehungsverhalten. Der Vollständigkeitshalber sollen diese Erziehungsstiltypen ebenfalls erläutert werden.

Merkmale des permissiven Erziehungsstils

Eltern, die ihre Kinder permissiv erziehen, verhalten sich meist liebevoll und unterstützend ihren Kindern gegenüber (vgl. Wild & Lorenz, 2009, S. 243). Die Eltern verzichten grundsätzlich auf Strafen und autoritäre Durchsetzungspraktiken und begegnen ihren Kindern mit grosser Akzeptanz. Zudem werden Konfrontationen vermieden und es wird darauf verzichtet Grenzen konsequent durchzusetzen. Die Kinder sind hierbei von nahezu allen Zwängen befreit (vgl. Ecarius, 2007, S. 138).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der autoritative und der autoritäre Erziehungsstil. Verhaltensauffälligkeiten im Vergleich
Hochschule
Universität Zürich  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
„Bedingungen gelingenden Lernens“
Note
5.5 (von 6, Schweiz)
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V313524
ISBN (eBook)
9783668135970
ISBN (Buch)
9783668135987
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erziehungsstil, verhaltensauffälligkeiten, vergleich
Arbeit zitieren
Sonja Gross (Autor), 2015, Der autoritative und der autoritäre Erziehungsstil. Verhaltensauffälligkeiten im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313524

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