Dieser Aufsatz stellt den Text und die zentralen Aussagen von Foucaults „Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses“ in einem ersten Teil vor und diskutiert sie in einem zweiten Teil. Die Arbeit gliedert sich dementsprechend in vier Teile: Einleitung, Thesen, Diskussion und Schlusswort.
„Der Körper der Verurteilten“ ist das erste Kapitel des Werkes Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses, welches 1975 von Michel Foucault geschrieben und von Walter Seitter aus dem Französischen übersetzt wurde.
Der französische Philosoph, Soziologe, Historiker und Übersetzer Michel Foucault analysiert in diesem Kapitel, am Beispiel der Transformation der Strafformen zwischen der frühen Neuzeit und der Moderne, wie sich die Machttechniken im letzten Jahrhundert verändert haben. Er beschreibt anschaulich die Hinrichtung Damiens 1757, der vor versammelter Menge auf dem Grève-Platz in Paris gemartert wird. Sein Körper sollte mit glühenden Zangen gezwickt, seine Haut mit geschmolzenem Blei, siedendem Öl und anderen heissen Flüssigkeiten verbrannt, seine Glieder durch vier Pferde abgerissen und der restliche Körper vom Feuer vernichtet werden. Diese Verurteilung wird dem „Haus der jungen Gefangenen in Paris“, einem Gefängnis, das rund 75 Jahre später bestand, gegenübergestellt.
„Das eine Mal eine Leibesmarter, das andere Mal eine Zeitplanung“, so lautet das zusammenfassende Fazit. Der Strafstil hat sich, in Abhängigkeit der gesellschaftlichen Ordnung, innerhalb kürzester Zeit grundlegend verändert. Der Körper ist nicht länger Hauptzielscheibe der strafenden Repression. Der Akt der Bestrafung wird immer mehr im Geheimen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, durchgeführt, die Marten, die „peinlichen Strafen“ verschwinden zunehmend. Es ist der Eintritt in das „Zeitalter der Strafnüchternheit“.
Diesen beobachteten Sachverhalt analysiert Foucault hinsichtlich der Macht- und Herrschaftsstrukturen. Da seine Annahmen und Thesen sehr verschachtelt und zum Teil auch nur implizit sind, werden seine Hauptthesen, um sie im Anschluss angemessen diskutieren zu können, in den Kapiteln etwas umfänglicher dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Thesen
Diskussion
Schlussfolgerung und Abschliessende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem ersten Kapitel „Der Körper der Verurteilten“ aus Michel Foucaults Werk „Überwachen und Strafen“ auseinander, um die zentralen Thesen des Autors zum Wandel der Strafformen von der frühen Neuzeit zur Moderne zu analysieren und methodisch zu hinterfragen.
- Transformation der Strafformen (vom Martern zur Disziplinierung)
- Macht- und Herrschaftsstrukturen im Strafvollzug
- Die begriffliche Dichotomie von Körper und Seele
- Kritische Reflexion der Foucaultschen Argumentationsweise
- Produktivität von Macht und Wissen
Auszug aus dem Buch
Einleitung
„Der Körper der Verurteilten“ ist das erste Kapitel des Werkes Überwachen und Strafen- Die Geburt des Gefängnisses, welches 1975 von Michel Foucault (siehe Abbildung 1) geschrieben und von Walter Seitter aus dem Französischen übersetzt wurde. Der französische Philosoph, Soziologe, Historiker und Übersetzer (vgl. Müller 2002 online) Michel Foucault analysiert in diesem Kapitel, am Beispiel der Transformation der Strafformen zwischen der frühen Neuzeit und der Moderne, wie sich die Machttechniken im letzten Jahrhundert verändert haben.
Er beschreibt anschaulich die Hinrichtung Damiens 1757, der vor versammelter Menge auf dem Grève-Platz in Paris gemartert wird. Sein Körper sollte mit glühenden Zangen gezwickt, seine Haut mit geschmolzenem Blei, siedendem Öl und anderen heissen Flüssigkeiten verbrannt, seine Glieder durch vier Pferde abgerissen und der restliche Körper vom Feuer vernichtet werden (vgl. Foucault 1975, S. 9). Diese Verurteilung wird dem „Haus der jungen Gefangenen in Paris“, einem Gefängnis, das rund 75 Jahre später bestand, gegenübergestellt.
„Das eine Mal eine Leibesmarter, das andere Mal eine Zeitplanung“ (ebd., S. 14), so lautet das zusammenfassende Fazit. Der Strafstil hat sich, in Abhängigkeit der gesellschaftlichen Ordnung, innerhalb kürzester Zeit grundlegend verändert. Der Körper ist nicht länger Hauptzielscheibe der strafenden Repression (ebd., S. 14f). Der Akt der Bestrafung wird immer mehr im Geheimen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, durchgeführt (ebd., S. 17), die Marten, die „peinlichen Strafen“ verschwinden zunehmend. Es ist der Eintritt in das „Zeitalter der Strafnüchternheit“ (ebd., S. 23).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk Foucaults ein und erläutert anhand historischer Beispiele den Wandel der Bestrafung von der öffentlichen Folter hin zur verdeckten Disziplinierung.
Thesen: In diesem Kapitel werden Foucaults Annahmen dargestellt, wonach die Bestrafung vom Körper auf die Seele verlagert wurde und Macht als produktives Element der Gesellschaft fungiert.
Diskussion: Die Autorin hinterfragt kritisch Foucaults Annahmen zur Seele und der Körper-Seele-Dichotomie und weist auf mögliche logische Lücken in dessen Argumentation hin.
Schlussfolgerung und Abschliessende Bemerkungen: Die Arbeit resümiert, dass Foucaults Vorgehen aus heutiger wissenschaftlicher Sicht problematisch ist, da er Begriffe unzureichend definiert und implizite Annahmen nicht explizit begründet.
Schlüsselwörter
Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Körper der Verurteilten, Strafformen, Machttechniken, Strafvollzug, Seele, Macht und Wissen, Disziplinierung, Strafschauspiel, Moderne, Herrschaftsstrukturen, Justiz, Körper, Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das erste Kapitel von Michel Foucaults einflussreichem Werk „Überwachen und Strafen“ und untersucht den Übergang von körperlicher Züchtigung zu modernen, seelenorientierten Strafsystemen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der historische Wandel der Strafe, die Rolle der Macht in der Gesellschaft, die Definition des Begriffs der „Seele“ im Kontext der Justiz und die Veränderung von Machttechniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Foucaults Thesen über die Transformation der Bestrafung darzulegen und diese einer kritischen wissenschaftlichen Überprüfung hinsichtlich ihrer Argumentationslogik und Begriffsbildung zu unterziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, um Foucaults Argumente zu rekonstruieren und diese anhand von logischer Konsistenz sowie definitorischer Präzision kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Foucaults Thesen – wie das Verschwinden des öffentlichen Strafschauspiels und die Verlagerung der Bestrafung auf die „Seele“ – detailliert dargestellt und anschließend in einer Diskussion hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Foucault, Überwachen und Strafen, Strafformen, Machttechniken, Seele, Disziplinierung und Herrschaftsstrukturen.
Warum bezweifelt die Autorin die Schlussfolgerung, dass die Seele nun das Ziel der Bestrafung sei?
Die Autorin kritisiert, dass Foucault das Gegensatzpaar Körper/Seele voraussetzt, ohne dieses wissenschaftlich fundiert zu definieren, und stellt die Frage, ob nicht ein Kontinuum oder eine andere Interpretation der „peinlichen Strafen“ denkbar wäre.
Wie bewertet die Autorin die wissenschaftliche Arbeitsweise von Foucault?
Sie beurteilt das Vorgehen als teilweise unwissenschaftlich, da der Autor wichtige Begriffe wie Körper und Seele nicht präzise abgrenzt und sich auf Quellen stützt, deren Auswahl als nicht repräsentativ und einseitig empfunden wird.
Warum wird Foucaults Argumentation als „stringent, aber anfällig“ bezeichnet?
Die Autorin erkennt an, dass Foucaults Texte logisch aufgebaut sind und überzeugend wirken, stellt jedoch fest, dass bei genauerer Betrachtung der impliziten Annahmen die Plausibilität der Argumentation leicht ins Wanken gerät.
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- Sonja Gross (Author), 2015, Über die zentralen Aussagen des Kapitels "Der Körper der Verurteilten" in Foucaults „Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313525