Medienkompetenz und medienerzieherisches Handeln. Wie Eltern ihre Kinder vor den Gefahren des Internets schützen können

Analyse und Lösungsansätze


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kinder und Jugendliche im Netz
2.1. Fakten zur Internetnutzung
2.2. Gefahren und Risiken im Internet

3. Medienerzieherisches Verhalten der Eltern
3.1. Einschätzung der Kinder und Kontrollverhalten
3.2. Medienkompetenz und Medienerziehung

4. Schlusswort

Literatur:

1. Einleitung

„15-Jährige tötet sich nach Cyber-Mobbing. Ihre Eltern sagen, ihre Tochter sei mit Beschimpfungen und Mobbing in sozialen Netzwerken wie Facebook nicht zurechtgekommen“ (Stern 22.09.2012, online). Aber nicht nur in Grossbritannien, auch in den Vereinigten Staaten, und weiteren europäischen Ländern, wie Holland, wird von Suiziden aufgrund von Cybermobbing berichtet. Das Internet birgt viele Gefahren und Mobbing ist nur eine davon. Sucht man beispielsweise auf Google nach „Internetsucht Kind“ lassen sich in nur 0.25 Sekunden 44`900 Ergebnisse finden. Und, „sexuelle Belästigung“ findet heute, laut SRF (2013), am häufigsten via Internet statt (vgl. online).

Nicht überraschend ist deshalb, dass der Umgang mit den neuen Medien nicht nur durch die Medien, sondern auch in Familienhaushalten und Schulen grosse Aufmerksamkeit erfährt (vgl. Steiner/Goldoni 2011, S. 86). Medienkompetenz gilt als Schlüsselkompetenz und deren Erlangung ist im heutigen Zeitalter von zentraler Bedeutung (vgl. Wegel/Kerner & Stroezel 2013, S. 161). Adäquates medienerzieherisches Handeln der Sozialisationsinstanzen, wie der Schule und Eltern, im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist daher so wichtig wie noch nie zuvor wenn es darum geht, den Gefahren im Internets zu begegnen und dieses angemessen zu nutzen.

Die Frage, die sich aufdrängt, ist, wie Medienkompetenz und das medienerzieherische Handeln gestärkt werden können. Im Rahmen dieser Arbeit soll vor allem der familiäre Kontext und somit die Frage wie Eltern ihre Kinder vor den Gefahren des Internets schützen könne n, im Fokus stehen.

Für die Beantwortung der Fragestellung wird in einem ersten Teil die aktuelle Ausgangslage dargestellt. Zum einen wird das Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen diskutiert: Wie, weshalb, wie oft und unter welchen Bedingungen wird das Internet von Heranwachsenden genutzt, ist dabei die zentrale Frage. Zum anderen werden die Gefahren, die das Internet für Heranwachsende birgt, dargestellt. Diese Überlegungen sind Voraussetzung, um zu verstehen wo Handlungsbedarf besteht und wo angesetzt werden kann.

Im dritten Kapitel wird schliesslich spezifisch auf das elterliche Erziehungs- und Kontrollverhalten im Hinblick auf die Nutzung des Internets von Kindern Bezug genommen, um in einem abschliessenden Kapitel die Ausgangsfrage beantworten zu können.

Die Arbeit stützt sich primär auf den Aufsatz von Melanie Wegel, Hans-Jürgen Kerner und Holger Stroezel und die Befunde der 3. Tübinger Schülerbefragung (2013), die Studie von Hermida (2013) der Universität Zürich mit dem Titel „Schweizer Kinder und Jugendliche im Internet: Risikoerfahrungen und Umgang mit Risiken“ sowie die Studie von Olivier Steiner und Marc Goldoni zu medienerzieherischem Handeln von Eltern (2011). Wobei Letztere eher explorativer Art ist, da sie sich ausschliesslich auf Basel-Stadt bezieht. Eine umfassendere und repräsentative Studie für Schweizer Kinder und Jugendliche konnte leider nicht gefunden werden.

2. Kinder und Jugendliche im Netz

2.1. Fakten zur Internetnutzung

Anders als für alle vorherigen Generationen ist es für heutige Kinder und Jugendliche normal mit dem Internet aufzuwachsen. Im Folgenden soll kurz dargestellt werden, wie die Ausstattung von Kindern mit verschiedenen neuen Medien aussieht und wie diese genutzt werden. Im Zentrum steht dabei der Zugang und die Nutzung des World Wide Web.

Die allermeisten Kinder und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren, 97%, haben Zuhause einen Computer. Befragt wurden im Jahr 2011 1159 Eltern von 10-17-jährigen Kindern in Basel-Stadt, in der Schweiz (vgl. Steiner/Goldoni 2011, S. 2). In 96% aller Haushalte verfügt dieser über einen Zugang zum Internet. Etwa die Hälfte besitzt zwei oder mehr Computer. Seit Kurzem wird das Internet aber nicht mehr ausschliesslich über den Computer genutzt. Fast alle neueren Spielkonsolen und Fernseher können mit dem Internet verbunden werden. Etwas über die Hälfte aller Familienhaushalte verfügt über eine Spielkonsole und 27.3% aller eine mit Internetzugang ausgerüstete Spielkonsole. Somit ist also die Hälfte aller Spielkonsolen internettüchtig. Ausserdem gaben 16% der befragten Eltern an, dass bei ihnen ein Fernseher mit Internetanschluss im Wohnzimmer steht (vgl. Steiner/Goldoni 2011, S. 25ff.).

Aber auch die Kinderzimmer sind immer häufiger mit Medien ausgestattet. So haben zum Beispiel 43.8% aller Kinder im Alter von 13 Jahren Zugang zum Internet vom Kinderzimmer aus. Sei dies mittels Computer, Fernseher oder Spielkonsole. Über die Hälfte aller Jugendlichen ab 14 Jahren besitzt einen eigenen Computer im Kinderzimmer und die meisten sind auch ans Internet angeschlossen. Die genauen Angaben der Anteile an den jeweiligen Medien im Kinderzimmer können untenstehender Graphik aus der Studie von Steiner und Goldoni (2011) entnommen werden (vgl. S. 27). Deutlich wird darin auch, dass die Medienausstattung der Kinderzimmer mit dem Alter korreliert. Je älter die Kinder, desto mehr Medien befinden sich im Kinderzimmer. Des Weiteren haben Goldoni und Steiner (2011) herausgefunden, dass die Ausstattung der Kinderzimmer mit neuen Medien stark mit dem Bildungshintergrund der Eltern zusammenhängt. „Hier ergibt sich der auffallende Befund, dass – mit Ausnahme von Computern mit Internetzugang – die Ausstattung von Kinderzimmern mit neuen Medien bei Eltern mit formal tiefem Bildungsstand deutlich höher ausfällt“ (a.a.O., S. 28.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil der Kinder mit Medien im Kinderzimmer nach Jahren, kumuliert (Steiner/Goldoni 2011, S. 27)

Allerdings wird das Internet heute längst nicht mehr nur von Zuhause aus genutzt. Handys, Tablets und andere mobile Geräte, wie Musikplayer und tragbare Spielkonsolen, bieten die Möglichkeit von Unterwegs auf das Internet zuzugreifen. Ausserdem gibt es immer mehr öffentliche Plätze, Restaurants und Cafes, die kostenlos Wifi zur freien Nutzung zur Verfügung stellen. Das EU-Kids-Online-Projekt, das im Jahr 2012 die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Jahren über 33 verschiedene Länder, unter anderem auch in der Schweiz, untersuchte, kam zu folgenden Ergebnissen (vgl. Hermida 2013, S. 3). 97% aller Kinder nutzen das Internet regelmässig von Zuhause aus. Ebenfalls ein hoher Anteil, nämlich 66%, nützt das Internet in der Schule und nahezu ein Drittel, 30%, aller Kinder und Jugendlichen greift auf das Internet von unterwegs, beispielsweise von einer öffentlichen Bibliothek oder in einem Internetcafé, zu. Genau die Hälfte aller Kinder greift mit mobilen Geräten, wie beispielsweise dem Handy, Spielkonsole oder MP3-Spieler, aufs Internet zu. Dabei nimmt die Nutzung mit steigendem Alter zu. So nutzen bei den 15 bis 16-Jährigen ganze 72% ein Mobiltelefon um ins Internet zu kommen (vgl. a.a.O., S. 5f). Genutzt wird das Internet primär zum Abspielen und Herunterladen von Musik. Des Weiteren wird es, laut der befragten kanadischen Schülerinnen und Schülern, genutzt, um Emails zu Lesen und zu Schreiben und zum „Surfen“ sowie zum Spielen und schliesslich zum Chatten mit echten oder auch nur virtuellen Freunden und Bekannten. Die Nutzung des Internets als Rechercheinstrument für die Schule nimmt dabei den letzten Rang ein (vgl. Wegel et al. 2013, S. 162). Schweizer Kinder und Jugendliche nutzen das Internet täglich etwas mehr als eine Stunde, wobei sich kaum soziodemografische Unterschiede zeigen. Die Nutzungszeit steigt mit zunehmendem Alter bis auf das dreifache, 96 Minuten bei 15 bis 16-Jährigen im Vergleich zu 35 Minuten pro Tag bei 9 bis 10-Jährigen, an (vgl. Hermida 2013, S. 6).

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass es kaum Kinder gibt, die Zuhause keinen Computer zur Verfügung haben. Dies sind nämlich nur kleine 3%. Allerdings haben selbst diese Kinder die Möglichkeit an Orten ausserhalb, bei Freunden, in der Schule oder in der Bibliothek, einen Computer oder das Internet zu nutzen, da es in der heutigen Zeit nebst dem Computer zahlreiche weitere mobile Geräte gibt, die ans Netz angeschlossen werden können. Zudem ist fast überall freier Internetzugang via Wifi zu finden.

2.2. Gefahren und Risiken im Internet

„Sexuelle Darstellungen, Cybermobbing, Sexuelle Nachrichten, Kontakt und Treffen mit Fremden, problematische nutzergenerierte Inhalte, übermässige Internetnutzung und Missbrauch persönlicher Daten […]“ (Hermida 2013, S. 6).

Die Liste der Risiken, die das Netz mit sich bringt, ist lang. Aufgrund des beschränkten Rahmens dieser Arbeit soll deshalb im Folgenden beispielhaft nur auf die ersten zwei genannten Punkte, Cybermobbing und sexuelle Darstellungen, eingegangen werden.

Cybermobbing beziehungsweise Cyberbullying kann laut Smith (2008, nach Sticca 2011, S. 4) definiert werden als ein aggressives und absichtliches Verhalten, welches von einer oder mehreren Personen ausgeführt wird, wiederholt vorkommt, auf ein wehrloses Opfer gerichtet ist und, in Abgrenzung zu traditionellem Mobbing, nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern durch die Verwendung elektronischer Mittel erfolgt (S. 147). Wie die Schlagzeile in der Einleitung zeigte, kann Cybermobbing so weit gehen, dass sich Kinder und Jugendliche deswegen das Leben nehmen. Nachgewiesen werden konnte ausserdem, dass Cyberopfer, ebenso wie auch traditionelle Mobbingopfer, erhöhte Depressivitätswerte aufweisen. Die Schätzungen der Verbreitung von Cybermobbing variieren äusserst stark. Dies kann zum einen auf methodische Unterschiede in der Befragung und Auswertung, oder aber auch auf tatsächliche internationale Unterschiede zurückzuführen sein (vgl. Sticca 2011, S. 6). So wurden laut einer amerikanischen Studie 32%, der befragten Jugendlichen, die sich täglich im Internet aufhalten, schon einmal Opfer. Dazu gehört, dass es einmal vorgekommen ist, dass beispielsweise private Nachrichten an Dritte weitergeleitet wurden, sie bedrohliche oder aggressive Nachrichten erhalten haben oder etwa, dass peinliche Bilder von ihnen verbreitet wurden. In einer deutschen Studie gaben rund 32% an „alle paar Monate“ im Chat gemobbt zu werden. Das Forschungsteam dieser Studie geht davon aus, dass etwa 2.2% bis 7.3% mehrmals monatlich das Opfer von Attacken wurden (vgl. Wegel et al., S. 164). Die Studie „EU Kids Online hingegen kam für die Schweiz zu einem deutlich niedrigeren Ergebnis. Mobbing via Internet sollen nur gerade 5% aller befragten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz schon einmal erlebt haben. Mit zunehmendem Alter steigt sowohl die Internetnutzung (vgl. Kapitel 2.1.), als auch der Anteil an Cybermobbing. So erleben in der Gruppe der 15 bis 16-Jährigen 7% Mobbing über das Internet. Dabei sind Mädchen doppelt so häufig betroffen als Jungen (vgl. Hermida 2013, S. 10). Der Unterschied zwischen der dargestellten amerikanischen, der deutschen und der schweizer Studie ist markant. Wie schon erwähnt, ist es möglich, dass Cybermobbing in der Schweiz weniger häufig vorkommt als im Ausland. Ebenso wahrscheinlich ist, dass andere Messmethoden verwendet und die Grenze wo Mobbing anfängt und aufhört, anders gesetzt wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Medienkompetenz und medienerzieherisches Handeln. Wie Eltern ihre Kinder vor den Gefahren des Internets schützen können
Untertitel
Analyse und Lösungsansätze
Hochschule
Universität Zürich  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Kontexte und Bedingungen ausserschulischer Bildung und Erziehung
Note
5
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V313533
ISBN (eBook)
9783668131538
ISBN (Buch)
9783668131545
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienerziehung, Internet
Arbeit zitieren
Sonja Gross (Autor:in), 2014, Medienkompetenz und medienerzieherisches Handeln. Wie Eltern ihre Kinder vor den Gefahren des Internets schützen können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313533

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