Im Rahmen des Masterseminars „Biblische Basistexte“ im Kath. Religionsunterricht beschäftigten wir uns auch mit dem Gleichnis des barmherzigen Samariters. Bei dem ersten Vorbereitungstreffen unserer Gruppe legten wir in Diskussionen fest, den Schwerpunkt etwas mehr auf die praktische Anwendung der Texte in der Schule und dadurch zwangsläufig auch auf die Vorschläge dazu in den Schulbüchern zu legen.
Dass man im Beruf als Lehrkraft mit Schulbüchern in Verbindung kommt ist klar, deshalb erschien es sinnvoll, schon im Studium verschiedene Bücher und deren Präsentationsform, Vorschläge und Arbeitsweisen zu vergleichen. In der Seminarstunde selbst wurden Gruppen gebildet, die über das didaktische Konzept, den Lebensweltbezug, die Textauswahl etc. zweier Bücher diskutieren sollten. Des Weiteren sollten Chancen und Schwierigkeiten erarbeitet werden. Besonders war nach auch gefragt, wie man die eigenen Ideen mit den Vorschlägen der Schulbuchautoren verknüpfen könnte.
In dieser Hausarbeit soll nun eine intensivere Betrachtung und Vergleich zweier Schulbuchreihen zum Thema „Der barmherzige Samariter“ erfolgen. Hierfür wurden viele Schulbücher nach dem Thema durchsucht und letztendlich zwei Reihen näher betrachtet, die das Thema in verschiedenen Jahrgängen aufzeigen: TREFFPUNKT RU von Bamming et al. und die Trutwin-Reihe RELIGION SEKUNDARSTUFE I - ZEIT DER FREUDE BEZIEHUNGSWEISE ZEICHEN DER HOFFNUNG. Bevor es zur Erläuterung der Vorgehensweise bei der Schulbuchanalyse geht, werden kurze exegetische Hinweise zu dem Gleichnis als Input geliefert. In Kapitel 4 und 5 werden beide Schulbuchreihen analysiert und auf die Chancen und Schwierigkeiten überprüft, bevor die Ergebnisse abschließend in einer Zusammenfassung gesammelt werden. Zunächst folgt allerdings einige exegetische Hinweise zum Gleichnis des barmherzigen Samariters.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exegetische Hinweise
3. Zum methodischen Vorgehen bei der Schulbuchanalyse
4. Zeit der Freude 5/6 & Zeichen der Hoffnung 9/10
4.1 Präsentationsformen
4.2 Thematische Kontextierung
4.3 Kontextierung im Arrangement der Schulbuchseiten
4.4 Methodische Hinweise & Aufgabenstellungen
4.5 Deutung des Gleichnisses & Lernziele
5. Treffpunkt RU 5/6 & Treffpunkt RU 7/8
5.1 Präsentationsform
5.2 Thematische Kontextierung
5.3 Kontextierung im Arrangement der Schulbuchseiten
5.4 Methodische Hinweise & Aufgabenstellungen
5.5 Deutung des Gleichnisses & Lernziele
6. Zusammenfassung und Vergleich der gewonnen Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit analysiert und vergleicht die didaktische Aufbereitung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter in zwei ausgewählten Schulbuchreihen für den Religionsunterricht der Sekundarstufe I. Ziel ist es, die Unterschiede in der Präsentation, der methodischen Umsetzung und der inhaltlichen Deutung des Gleichnisses herauszuarbeiten sowie deren Chancen und Schwierigkeiten für die praktische Anwendung im Unterricht zu bewerten.
- Didaktische Analyse von Religionsschulbüchern
- Exegetische Grundlagen des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter
- Vergleich von Präsentationsformen und Aufgabenstellungen
- Schulbuchreihen: TREFFPUNKT RU und Trutwin-Reihe (ZEIT DER FREUDE / ZEICHEN DER HOFFNUNG)
- Reflexion über Lernziele und Kompetenzvermittlung
Auszug aus dem Buch
2. Exegetische Hinweise
Im Zentrum der Lehre Jesu stehen neben den Nachfolgeaufforderungen und entsprechender Lebensgestaltung vor allem Gleichnisse, also „poetische Erzählungen“1. Der barmherzige Samariter ist eben eines jener Gleichnisse, eine klassische Beispielerzählung, durch welche Jesus sein Verständnis von Nächstliebe verdeutlichen und weitergeben will2. Mit dem Blick auf den Aufbau fällt zuerst auf, dass die narrative Erzählung von einer Frage und der Antwort darauf eingerahmt ist. Ein Gesetzeslehrer stellt eine herausfordernde Frage an Jesus (Lk 10, 25), die Jesus aber an ihn zurückgibt. Jesus antwortet in der Stellung eines vollmächtigen Lehrers indem er die kurze Schriftauslegung zweier alttestamentlichen Gebote (Dtn 6,5 & Lev 19,18) des Gesetzeslehrers als richtig tituliert (Lk 10, 28). Erst auf eine erneute Nachfrage – „Und wer ist mein Nächster?“ (Lk 10, 29) beginnt Jesus mit der Erzählung des Gleichnisses (Lk 10, 25 – 35): Sehr kurz wird ein Überfall auf einen Reisenden angesprochen, der daraufhin alleine zurückgelassen wird. Drei Personen kommen an den halb tot daliegenden Mann vorbei. Jeder dieser Personen bedeutet für den Niedergeschlagenen Hoffnung, gerettet zu werden3.
Der erste – ein Priester -, „der gerade noch am Tempel dem gleichen Gott gedient hat“4, geht auf der anderen Straßenseite vorbei. Über die Motive des Priesters wird nichts geschrieben, sei es Angst, Gleichgültigkeit oder Unsicherheit. Der zweite Mann, ein Levit, der ebenso ein Gottesmann ist, geht auch kommentarlos an dem Opfer vorbei. Laut Feldmeier bekommt die „[…] skandalöse Nichtbeachtung [durch die Tatsache, dass es sich um Gottesmänner handelte,] die besondere Schärfe“5. Für die damaligen Hörer verstörend, hilft nämlich nicht einer der oberen zwei dem Daliegenden, sondern die dritte Person, ein Samariter. Jahrelange soziale, geschichtliche und religiöse Differenzen mit Juden machten die Samariter zu den verhassten Menschen zu dieser Zeit6. Aus diesem Grund werden die Zuhörer nicht erwartet haben, dass gerade dieser in dem niedergeschlagenen Juden seinen Nächsten sieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Seminarkontexts und Begründung der Auswahl der untersuchten Schulbuchreihen für die Analyse des Gleichnisses.
2. Exegetische Hinweise: Kurze exegetische Einordnung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter als Grundlage für die anschließende didaktische Untersuchung.
3. Zum methodischen Vorgehen bei der Schulbuchanalyse: Erläuterung der Kriterien der Schulbuchauswahl und der methodischen Schritte der Untersuchung.
4. Zeit der Freude 5/6 & Zeichen der Hoffnung 9/10: Analyse der Trutwin-Reihe hinsichtlich Präsentation, Kontextierung, Methodik und Deutung des Gleichnisses.
5. Treffpunkt RU 5/6 & Treffpunkt RU 7/8: Analyse der Schulbuchreihe TREFFPUNKT RU und Vergleich der dortigen methodischen Ansätze mit denen der zuvor untersuchten Reihe.
6. Zusammenfassung und Vergleich der gewonnen Ergebnisse: Synthese der Analyseergebnisse und kritische Reflexion des Nutzens beider Buchreihen im Religionsunterricht.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Schulbuchanalyse, Gleichnis, barmherziger Samariter, Nächstenliebe, Didaktik, Sekundarstufe I, Kompetenzorientierung, Biblische Basistexte, Handlungsauftrag, Interpretation, Religionsbuch, Schülerorientierung, Lebensweltbezug, Trutwin-Reihe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Analyse und dem Vergleich zweier Schulbuchreihen, die das Gleichnis des barmherzigen Samariters für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe I aufbereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Präsentationsformen, die thematische Kontextierung, das methodische Arrangement der Inhalte sowie die angestrebten Lernziele der ausgewählten Religionsbücher.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Schulbücher das Gleichnis interpretieren, welche Schwierigkeiten bei der praktischen Anwendung entstehen können und wie Lehrkräfte diese Materialien gewinnbringend einsetzen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Schulbuchanalyse, bei der Sichtung, Strukturierung und kritische Begutachtung der Inhalte im Kontext der jeweiligen Lehrpläne kombiniert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Reihen "TREFFPUNKT RU" und der "Trutwin-Reihe", wobei jeweils die Aspekte Gestaltung, Aufgabenstellung und Interpretation des Gleichnisses gegenübergestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Religionsunterricht, Nächstenliebe, Schulbuchanalyse, Kompetenzorientierung und der didaktischen Aufarbeitung biblischer Gleichnisse.
Welche Rolle spielt der "Appellton" in der Analyse?
Der Autor identifiziert einen für Religionsbücher typischen Appellton, der Schüler teilweise mit moralischen Forderungen überfordert und deren Bereitschaft, sich eigenständig auf das Thema einzulassen, hemmen kann.
Welche Bedeutung kommt dem Perspektivwechsel im Gleichnis zu?
Der Autor kritisiert, dass viele Schulbücher den wichtigen Perspektivwechsel des Gleichnisses – die Frage "Wem werde ich zum Nächsten?" – zugunsten einer allgemeinen Hilfe-Diskussion vernachlässigen.
- Arbeit zitieren
- Johannes Kraft (Autor:in), 2015, Das Gleichnis des barmherzigen Samariters. Analyse der Darstellung in verschiedenen Schulbüchern für den Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313544