„In meinem Reich geht die Sonne niemals unter“ (Habsburg 2013). Diesen Satz soll Karl V beim Betrachten seines Reiches gesagt haben. Diese historisch nicht einwandfrei überlieferte Sachlage, so falsch sie in ihrer eigentlichen Aussage auch zu sein scheint, gibt Anlass und Einführung für ein Weltreich, in welchem die Sonne tatsächlich nie unterging – das Britische Weltreich, oder auch Britisches Imperium genannt.
Es umschloss zu seiner Blütezeit circa ein Viertel der Erdbevölkerung und deckte einen vergleichbaren Teil der Erdoberfläche ab. Ferguson bestätigt dies: „Once there was an Empire that governed roughly a quarter of the world´s population, covered about the same proportion of the earth´s land surface and dominated nearly all its oceans” (2003: XI). Er fährt weiter fort, indem er die Wichtigkeit des Imperiums an sich beschreibt und sagt, dass es sich zudem um das größte Imperium der Welt handelte: „The British Empire was the biggest Empire ever, bar none“ (2003: XI).
Interessanter noch als der Aufbau dieses scheinbar unvergleichlichen Reiches ist die Analyse seines Unterganges. Warum zerfallen Weltreiche, wo sie doch eigentlich international unantastbar sind? Warum kann der „schoolboy“ (Ferguson 2003: 295), welcher nach Ferguson das Ende des britischen Imperiums vorhersagte, letztendlich das Land an sich retten, „[b]ut, in the end, […] he could [not] save the British Empire“ (Ferguson 2003: 295).
Hierbei ist von Winston Churchill die Rede, der mit 17 Jahren diese unheilvolle Ankündigung machte. Letztendlich konnte er jedoch, wie oben beschrieben, das Imperium nicht retten, because „[t]here was nothing straightforward about the end of the British Empire.“ (Darwin 2012: 342). Diese Arbeit wird sich folglich mit den Umständen des Endes des britischen Imperiums befassen, bei welchen nach Darwin offensichtlich »nichts einfach« war.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. 1. Thema der Arbeit
1. 2. Forschungsfrage
1. 3. Theorieperspektive
1. 4. Aufbau der Arbeit
1. 5. Methodisches Vorgehen
1. 6. Forschungsstand
2. Definitionen
3. Theorieansätze
3. 1. Warum Weltreiche untergehen
3. 2. Relative Power Cycle Theory
3. 3. Power Transition Theory
3. 4. Hegemonic Stability Theory
3. 5. Long Cycle Theory
4. Der Niedergang des britischen Imperiums
4. 1. Das British Empire – Ein historischer Abriss
4. 3. 1919, die Blütezeit Großbritanniens?
4. 4. Finanzielle Probleme und koloniale Autonomiebestrebungen
5. Fall Of The British Empire – Eine Verkettung unglücklicher Umstände oder theoretisch erklärbar?
5. 1. Von der Weltpolizei zum Kriegsgegner
5. 2. Finanzielle Probleme trotz größter Ausdehnung
5. 3. Der Freiheitsdrang der Kolonien
6. Konklusion und Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den Niedergang des Britischen Imperiums vor dem Hintergrund verschiedener Hegemonialtheorien zu analysieren und zu prüfen, ob dieser Prozess theoretisch erklärbar ist oder als eine Verkettung unglücklicher Umstände betrachtet werden muss.
- Analyse und Vergleich der vier gängigsten Hegemonialtheorien
- Historische Untersuchung des Britischen Imperiums von 1815 bis in die Zwischenkriegszeit
- Bewertung der Anwendbarkeit von Machttheorien auf reale historische Prozesse
- Untersuchung finanzieller Belastungen und kolonialer Autonomiebestrebungen als Faktoren des Niedergangs
Auszug aus dem Buch
3. 2. Relative Power Cycle Theory
Die Relative Power Theory wurde von den Autoren Doran und Parsons (1980) in ihrem Werk War and the Cycle of Relative Power beschrieben. Sie gehen hierbei vor allem auf den elementaren Zyklus der Macht eines Staates ein, welcher ähnlich einer wirtschaftlichen Konjunkturkurve, eine Aufwärts und Abwärtsbewegung beschreibt, die den relativen Machterhalt eines Staates gegenüber anderen Staaten verdeutlicht. Die staatlichen Machtkapazitäten unterliegen folglich einem zyklischen Verlauf. Der Wechsel und damit die Dynamik dieser Machtentwicklung sind, so die Autoren, den natürlichen Wachstumsgrenzen geschuldet, da die internationale Größe und wirtschaftliche Entwicklung Messungen von Machtkapazitäten dieser Theorie sind, wobei hierdurch auch die Relativität im Machtvergleich zweier Länder belegt wird.
Die Autoren zeigen diese Definition mit den Worten: „a period of time during which something becomes established, reaches a peak, and declines“ (Doran/ Parson 1980: 947). Kriegsentscheidend sind in dieser Theorie folglich zwei Fragen: Wie entwickelt sich die eigene Macht relativ gesehen zu anderen Machtherden (wie viel Einflussvermögen hat also der eigene Staat) und an welchem Punkt des „Power Cycles“ befindet sich der Protagonist an der untersuchten zeitlichen Stelle. Zweites ist aufgrund der immanenten Wichtigkeit der kritischen Punkte von Belang, indem ein beiderseitiges Befinden an eben jenen einen major war unterstützend beeinflusst, da vor allem die relative Macht zu anderen Großmächten von Bedeutung ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Untergangs des Britischen Imperiums ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich dessen theoretischer Erklärbarkeit.
2. Definitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe, wie die zeitliche Dimension und der Status des Imperiums, für die weitere Analyse geklärt.
3. Theorieansätze: Hier werden vier zentrale Hegemonialtheorien vorgestellt, die als Grundlage für die spätere Untersuchung historischer Prozesse dienen.
4. Der Niedergang des britischen Imperiums: Dieser Teil betrachtet die historische Entwicklung Großbritanniens vom 19. Jahrhundert bis zur Zwischenkriegszeit.
5. Fall Of The British Empire – Eine Verkettung unglücklicher Umstände oder theoretisch erklärbar?: Dieses Kapitel führt die Theorieanalyse mit den historischen Daten zusammen, um die Forschungsfrage zu beantworten.
6. Konklusion und Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, welche die begrenzte Anwendbarkeit der Theorien auf den komplexen Niedergangsprozess aufzeigt.
Schlüsselwörter
Britisches Imperium, Hegemonialtheorien, Relative Power Cycle Theory, Power Transition Theory, Hegemonic Stability Theory, Long Cycle Theory, Pax Britannica, Niedergang, Weltmacht, Historische Analyse, Koloniale Autonomiebestrebungen, Erster Weltkrieg, Internationale Politik, Machtverlust, Systemische Dynamik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen des Niedergangs des Britischen Imperiums und hinterfragt, ob dieser Prozess durch existierende politikwissenschaftliche Hegemonialtheorien erklärbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des British Empire, hegemoniale Machtstrukturen, das zyklische Auftreten von Kriegen und die Auswirkungen von kolonialen Autonomiebestrebungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die These zu verifizieren, ob das Ende des Imperiums theoretisch erklärbar ist oder durch unglückliche Umstände entstand, wobei die Anwendbarkeit gängiger Hegemonialtheorien geprüft wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird eine Theorieanalyse durchgeführt, bei der Hegemonialtheorien mit historischen Erkenntnissen aus der Fachliteratur verglichen und theoretisch interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Machtmodelle, eine historische Darstellung des Niedergangs sowie die vergleichende Analyse dieser beiden Bereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören das British Empire, Hegemonialtheorien, Pax Britannica, Machtzyklen und die Rolle kolonialer Unabhängigkeitsbewegungen.
Wie bewertet der Autor die Anwendbarkeit der Power Transition Theory?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Power Transition Theory zwar den Ausbruch des Ersten Weltkrieges teilweise erklären kann, aber bei der Gesamtanalyse des Niedergangs an ihre Grenzen stößt.
Warum spielt die Rolle der Kolonien eine besondere Rolle in der Argumentation?
Die Autonomiebestrebungen der Kolonien sind für den Autor ein wesentlicher Faktor, der durch politische Machttheorien kaum erfassbar ist und somit gegen eine rein theoretische Erklärbarkeit des Niedergangs spricht.
- Citar trabajo
- Philipp Freund (Autor), 2013, Fall Of The British Empire. Eine Verkettung unglücklicher Umstände oder theoretisch erklärbar?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313569