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Ludwig Wittgenstein und Thomas von Aquin über Analogie

Eine vergleichende Gegenüberstellung

Titel: Ludwig Wittgenstein und Thomas von Aquin über Analogie

Hausarbeit , 1998 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Frank Drescher (Autor:in)

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Gegenstand dieser Arbeit ist die Darstellung des Begriffs der „Analogie“ in den späten Werken, d.h. in den beiden Summen des heiligen Thomas von Aquin, um ihn dann anschließend dem Begriff der „Familienähnlichkeit“ bei Ludwig Wittgenstein zum Vergleich gegenüberzustellen. Wie sich zeigt, handelt es sich hierbei um eine aufschlussreiche Begegnung der beiden großen philosophischen Denker in ihren Analogie-Konzeptionen.

„Analogie“ ist ein aus dem Griechischen stammender Bergriff, der lateinisch mit „proportio“ (später als Fremdwort dann auch mit „analogia“) wiedergegeben wird. Er bedeutet soviel wie „Ähnlichkeit“, „Entsprechung“, „Verhältnis“ .

Mit Hilfe der Analogie ist Erkenntnis möglich, indem ein Seiendes nach seinem Verhältnis zu einem anderen erfasst wird; es wird durch Vergleich erschlossen oder zumindest verdeutlicht, z.B. der Läufer war schnell wie ein Pfeil, das Auge verhält sich zum Körper wie der Verstand zur Seele.

Voraussetzung hierbei ist jedoch, dass eines der Analogate (Träger eines analogen Verhältnisses) bekannter ist als das andere, und dass zwischen beiden zugleich Identität und Differenz besteht, denn ohne Identität bestünde keine Vergleichsmöglichkeit, ohne Differenz brächte der Vergleich nur eine Wiederholung ohne neuen Aufschluss (Tautologie).

Bei der Analogie handelt es sich also um eine „Differenz-Identität“ ; die Analogielehre wurde, wie im folgenden noch dargestellt wird, in der Scholastik vor allem für die Gotteserkenntnis weiterentwickelt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Analogie“ – Eine allgemeine Definition und historische Herleitung des Begriffs

3. Der Analogiebegriff bei Thomas von Aquin

3.1 Definition des Analogiebegriffs beim hl. Thomas

3.2 Die Analogielehre des hl. Thomas

3.3 Der Sinn und die Möglichkeit analoger Prädikation

3.4 Sprachliche Dimensionen der Analogielehre des hl. Thomas von Aquin

4. Der Begriff der Familienähnlichkeit bei Ludwig Wittgenstein

4.1 Darstellung des Begriffs der Familienähnlichkeit bei Ludwig Wittgenstein

5. Analogie beim Aquinaten und Wittgensteins Familienähnlichkeit – ein Vergleich beider Konzeptionen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das logisch-semantische Problem der Beschreibung radikal Verschiedener mit identischer Sprache, wobei sie das Konzept der Analogie bei Thomas von Aquin dem Begriff der Familienähnlichkeit bei Ludwig Wittgenstein gegenüberstellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Funktion als Lösung für sprachphilosophische Grenzüberschreitungen aufzuzeigen.

  • Die philosophische Problematik der analogen Gottesrede
  • Die Analogielehre in der Scholastik bei Thomas von Aquin
  • Die Konzeption der Familienähnlichkeit in Wittgensteins späten Werken
  • Vergleichende Analyse von Strukturprinzipien in der Sprachpraxis
  • Die Bedeutung von Kontext und Differenz-Identität für die Begriffsbestimmung

Auszug aus dem Buch

4.1 Darstellung des Begriffs der Familienähnlichkeit bei Ludwig Wittgenstein

Welches sprachliche Phänomen Wittgenstein mit dem Begriff „Familienähnlichkeit“ bezeichnet und welche Konzeption sich dahinter verbirgt, versucht er anhand der Vorgänge deutlich zu machen, die „Spiele“ genannt werden:

Betrachtet man Brettspiele, Kartenspiele, Ballspiele, Kampfspiele usw., so kann man zwar nicht sagen, was all diesen gemeinsam ist, man wird jedoch eine Reihe von Ähnlichkeiten, Verwandtschaften feststellen. Brettspiele besitzen untereinander viele Verwandtschaften; vergleicht man diese dann mit Kartenspielen, findet man zwar viele Entsprechungen, allerdings verschwinden auch viele gemeinsame Züge, andere wiederum treten auf. Geht man nun zu Ballspielen über, bleibt wieder manches Gemeinsame erhalten, anderes hingegen geht verloren.

Welche Gemeinsamkeiten besitzen all diese Vorgänge, so dass man sie als Spiele bezeichnen kann? Sind alle unterhaltend? Man vergleiche Schach mit dem Mühlespiel. Geht es überall um Gewinnen und Verlieren, um eine Konkurrenz der Spielenden? Man denke an Patiencen, oder aber auch an ein Kind, das einen Ball gegen eine Wand wirft; hier fehlen diese Züge. Ebenso vergleiche man das Geschick beim Schachspiel mit dem, welches Tennis erfordert.

Diese Liste an Beispielen ließe sich noch weiter fortführen, doch worum es geht, ist deutlich geworden: Ähnlichkeiten tauchen auf oder verschwinden. Zwischen allen Spielen befindet sich „ein kompliziertes Netz von Ähnlichkeiten, die einander übergreifen und kreuzen. Ähnlichkeiten im Großen und Kleinen.“ Wittgenstein charakterisiert diese Ähnlichkeiten „durch das Wort ‚Familienähnlichkeiten‘; denn so übergreifen und kreuzen sich die verschiedenen Ähnlichkeiten, die zwischen den Gliedern einer Familie bestehen: Wuchs, Gesichtszüge, Augenfarbe, Gang, Temperament, etc. etc.“ So bilden auch Spiele eine „Familie“.

Ein Begriff kann zwar zu einem bestimmten Zweck in festen Grenzen gebraucht werden, dazu muss er jedoch vorher eine exakte Definition erhalten. Er kann aber auch so gebraucht werden, „dass der Umfang des Begriffs nicht durch eine Grenze abgeschlossen ist.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die sprachphilosophische Problematik der Beschreibung nicht-empirischer Gegenstände ein und definiert den Rahmen des Vergleichs zwischen thomistischer Analogielehre und Wittgensteins Familienähnlichkeit.

2. „Analogie“ – Eine allgemeine Definition und historische Herleitung des Begriffs: Hier wird der Ursprung der Analogie von der Mathematik über Platon bis zu Aristoteles nachgezeichnet, um die Basis für die scholastische Entwicklung zu legen.

3. Der Analogiebegriff bei Thomas von Aquin: Das Kapitel erläutert, wie Thomas Analogie als Mittelweg zwischen Univokation und Äquivokation bestimmt, um Gott ohne Agnostizismus oder Pantheismus beschreibbar zu machen.

4. Der Begriff der Familienähnlichkeit bei Ludwig Wittgenstein: Die Untersuchung stellt Wittgensteins Konzept anhand der berühmten Spiel-Beispiele dar und zeigt, wie Begriffe ohne feste Grenzen durch Überlagerungen von Ähnlichkeiten funktionieren.

5. Analogie beim Aquinaten und Wittgensteins Familienähnlichkeit – ein Vergleich beider Konzeptionen: Dieses Kapitel synthetisiert die Ergebnisse, indem es die formalen und sprachpragmatischen Gemeinsamkeiten herausarbeitet, während es gleichzeitig die metaphysischen Unterschiede der beiden Denker betont.

Schlüsselwörter

Analogie, Familienähnlichkeit, Thomas von Aquin, Ludwig Wittgenstein, Gottesrede, Univokation, Äquivokation, Differenz-Identität, Sprachphilosophie, Semantik, Scholastik, Philosophische Untersuchungen, Prädikation, Metaphysik, Sprachgebrauch

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das sprachphilosophische Problem, wie Begriffe verwendet werden können, um über Dinge zu sprechen, die sich der direkten empirischen oder definitorischen Erfassung entziehen, wobei der Fokus auf dem Vergleich zweier Ansätze liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die mittelalterliche Analogielehre, wie sie Thomas von Aquin in seinen Summen darlegt, und Wittgensteins Sprachspiel-Theorie, insbesondere das Konzept der Familienähnlichkeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der thomistischen analogen Gottesrede und Wittgensteins Familienähnlichkeit aufzuzeigen, um zu klären, wie beide Denker das Problem der Bedeutungskonstitution lösen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine komparative Analyse durchgeführt, die primär auf der Textinterpretation zentraler philosophischer und theologischer Werke beider Autoren basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Definition der Analogie bei Thomas von Aquin, seine Sprachreflexionen sowie die Übertragbarkeit dieser Gedanken auf Wittgensteins späte Sprachphilosophie anhand konkreter Beispiele wie dem des "Spiels".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Analogie, Familienähnlichkeit, Sprachphilosophie, Differenz-Identität und Gottesrede bestimmt.

Inwiefern unterscheidet sich der Ansatz von Thomas von Aquin von dem Wittgensteins?

Der Hauptunterschied liegt im Kontext: Thomas von Aquin argumentiert als Theologe innerhalb eines metaphysischen Rahmens, während Wittgenstein als Sprachphilosoph die Analogie von einer funktionalen, erfahrungsbasierten Perspektive betrachtet.

Warum ist das Beispiel der „schwimmenden Häuser“ für die Argumentation wichtig?

Es illustriert, wie Menschen durch den Vergleich von Ähnlichkeiten unbekannte Phänomene benennen, was die Funktionsweise analoger Begriffsbildung verdeutlicht, ohne dass eine universelle Definition vorliegen muss.

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Details

Titel
Ludwig Wittgenstein und Thomas von Aquin über Analogie
Untertitel
Eine vergleichende Gegenüberstellung
Hochschule
Universität Münster  (Katholisch-Theologische Fakultät - Seminar für Philosophische Grundfragen der Theologie)
Veranstaltung
Seminar: „Der ‚ganze‘ Wittgenstein“
Note
1,0
Autor
Frank Drescher (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1998
Seiten
16
Katalognummer
V313817
ISBN (eBook)
9783668125902
ISBN (Buch)
9783668125919
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas von Aquin Ludwig Wittgenstein Analogie Familienähnlichkeit Philosophie Systematische Theologie Philosophische Grundfragen der Theologie Katholische Theologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Frank Drescher (Autor:in), 1998, Ludwig Wittgenstein und Thomas von Aquin über Analogie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313817
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  16  Seiten
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