Die Post im Wandel der Zeit. Wie entwickelt sich die Briefkultur im Laufe der Jahrhunderte?


Seminararbeit, 2010

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung ... Seite 3
II. Historie: Anfänge der Post ... Seite 4
2.1 Das Telegramm als Vorbote des Fax ... Seite 6
III. Systematik: Erste Anf ä nge der Briefkultur ... Seite 9

3.1 Liebesheirat entfacht postierte Liebe ... Seite 10
3.2 Die Post als Wegbereiter für den literarischen Goethe ... Seite 11
3.3 Vom einsamen Provinzschreiber zum ruhmsüchtigen Verfasser ... Seite 14
IV. Briefkultur in der modernen Post ... Seite 15
V. Schlussbetrachtung ... Seite 16
Literaturverzeichnis ... Seite 18

I. Einleitung

Post steht für Nachrichtenvermittlung. Das lateinische Wort posita statio bezeichnete ursprünglich den festgelegten Aufenthaltsort von Nachrichtenübermittlern zu Pferd. Im Italienischen bürgerte sich dann für den Boten als Vermittler die Kurzform posta ein. [1]

In dieser Arbeit werde ich den historischen Bezug von der Post in ihren Anfängen zur heutigen modernen Post (2011) unter Beleuchtung des Aspekts der Briefkultur herstellen.

Um die Anfänge der Post mit der heutigen vergleichen zu können, bedarf es einer geschichtlichen Betrachtungsweise. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf die verschiedenen Formen der schriftlichen Nachrichtenübermittlung und ihrer literaturwissenschaftlichen Bedeutung gerichtet. Dazu werde ich eingangs die Entstehung der Post in Deutschland und die technischen Entwicklungen betrachten. Der Brief, als Oberbegriff für Nachrichtenvermittlung, durchläuft verschiedene Stationen. Die Vorform des Briefes entsteht handgeschrieben auf Papyrus, entwickelt sich dann zum Telegramm, welches die Vorform des Faxes bildet.

Um den literaturwissenschaftlichen Bezug herstellen zu können, werde ich weiter auf die Entwicklung der Briefkultur eingehen, welche das formgebundene Verfassen einer Nachricht beschreibt. Der letzte Teil dieser Arbeit behandelt die Briefkultur in der modernen Post.

Diese Arbeit führt Sie etappenweise durch die postalische Entwicklung und zeigt auf wie die Formen der Nachrichtenübermittlung in der Post entsprungen sind, sich weiterentwickelten und wie sich dadurch das Verständnis der Briefkultur veränderte.

Hierbei liegt der Fokus auf der Forschungsfrage „Die Post im Wandel der Zeit: Wie entwickelt sich die Briefkultur im Laufe der Jahrhunderte?". Die Schlussbetrachtung wird einen prägnanten Überblick der bereits herausgearbeiteten Erkenntnisse liefern.

Als angehende Literaturwissenschaftlerin hege ich ein grundlegendes Interesse für das Medium Nachrichtenübermittlung. Den Grund für die Thematik dieser Arbeit lieferte mir jedoch kürzlich mein Professor. Er beklagte kaum mehr handschriftliche Briefe zu erhalten.

Ist nun e-mailen die neue Form der Briefkultur und Werke wie „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" gehören der Vergangenheit an?

Dieser Überlegung Klarheit zu verschaffen wird hier meine Hauptaufgabe sein.

II. Historie: Anfänge der Post

Der Ursprung der Post, im weitesten Sinne, liegt bereits im alten Ägypten. Seit Bestehen der Schrift gibt es die Form der Nachrichtenübermittlung. Bekannt ist die Überlieferung des systematischen Transports von Papyrusblättern durch Fußboten. Die Erfindung des Postsystems in Deutschland geht allerdings auf Franz von Taxis zurück.[2] Diese Erfindung wird der Entdeckung Amerikas gleichgesetzt, so der Reichspublizist Johann Jacob Moser:

Es bleibt also das formliche Postwesen allerdings eine Taxische Erfindung, welche gantz [!] erstaunliche Folgen nach sich gezogen und die Welt in manchen Sachen fast in einem anderen Model gegossen hat ... und ist es zwar jetzo [!] so leicht nachzumachen wie die Schiffahrt [!] dem Columbo; wer weiß aber, ob die Welt nicht noch eben so lang als zuvor würde gestanden seyn [!], ohne von den Posten oder America etwas zu erfahren, wenn kein Taxis und kein Columbos gekommen wäre?[3]

Im Mittelalter wurden Nachrichten durch Boten zu Fuß oder vereinzelt auch zu Pferd übermittelt.

Beauftragt durch Fürsten, Klöster oder städtischen Kaufleuten beförderten sie die Briefe eigenhändig zum Empfänger, wobei eine Tagesstrecke nie mehr als dreißig Kilometer betrug. Doch nicht überall existierten solche Botendienste, daher nahmen auch zufällig vorbeikommende Metzger, Händler oder Fuhrleute die Sendungen mit.[4] Da die Metzger meist mit Pferd und Wagen ausgestattet waren, wurde die Zunft der Nachrichtenübermittlung auf sie übertragen. [5] Die Zustellung dauerte oft Wochen und war immer davon abhängig ob sich ein Bote fand. Auch war es unsicher ob die Briefe ihren rechtmäßigen Empfänger fanden.

„1490 (...) fiengen [!] die Posten an bestellet [!] zu werden/ auß [!] Befelch Maximiliani I. (…)". [6] Der Beginn des organisierten Postwesens war auf politischer Seite begründet; Kaiser Maximilian I. bedurfte nach schneller Nachrichtenübermittlung und setzte deshalb seinen Reichtum zur Finanzierung ein. Die Regierung eines habsburgischen Großstaates wäre ohne regelmäßige Postverbindungen nicht tragbar gewesen. Damit blieb die Post jedoch dem Kaiser vorbehalten. Konkurrierend zu der staatlichen Post gründete Franz von Taxis ein Postsystem das auch die private Nachrichtenübermittlung mit einschloss.[7] Durch die Einrichtung der Post gewann die Nachrichtenübermittlung an Geschwindigkeit, wie es auch im ersten Postvertrag von 1505 vorgesehen ist. Hier verstand man unter Post eine Briefbeförderung per Pferdewechsel. [8] Die Besonderheit bei diesem Vertrag liegt in der Gleichberechtigung zwischen Franz von Taxis und dem Staat; ein Präzedenzfall im Völkerrecht.[9]

Innerhalb eines Jahrhunderts zeichnete sich der Erfolg der privaten Taxis-Post ab; eine neue

Kommunikationsstruktur wurde gebildet. Es gab erstmals eine funktionierende, regelmäßige, zügige und preisgünstige Nachrichtenübermittlung in Form von Privatpost, Warenproben und Personenbeförderung per Postpferd.

Aufgrund der immensen Nachfrage, bedingt durch die Zersplitterung Deutschlands nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde im 17. Jahrhundert das Postsystem international ausgebaut. Die internationale Postlinie verkehrte wöchentlich und die Laufzeit der Briefe bewies sich als zuverlässig. So dauerte eine Briefsendung von Brüssel nach Venedig nur noch zehn Tage, eine enorme Steigerung hinsichtlich der Anfänge des Mittelalters. Das Postsystem nahm erste Vorformen der heutigen Post an. So befanden sich die Briefe sortiert nach dem jeweiligen Bestimmungsort in versiegelten Pakten, welche der Postreiter in wetterfesten Postsäcken, den sogenannten Felleisen zum Empfänger beförderte. Auch musste ein Aviso mit sich geführt werden. Dieser Ausweis enthielt die Reitgeschwindigkeit, Anzahl, Gewicht und Bestimmungsort der Briefpakete, sowie die Portoverrechnung. [10]

Die Blütezeit der Briefe entfaltet sich im 18. Jahrhundert, der Aufklärungszeit.

Bei finanziell gut betuchten Gelehrten entwickelte sich eine regelrechte Schreibsucht. Die Briefe wurden länger und persönlicher. Kein Posttag sollte ungebraucht gelassen werden; somit entstand ein postwendender Briefwechsel. Freundschaften wurden postalisch gepflegt, man erwartete wenigstens alle vierzehn Tage einen Brief von guten Freunden.[11]

Durch die aufkommende Reiselust erreichte um 1830 die Personenbeförderung durch die Postkutsche ihren Höhepunkt. Der systematische Straßenausbau und die Verbesserung der Kutschentechnik, welche eine Dichte des Postnetzes nach sich zog, garantierte das die Postkutsche der Eisenbahn noch um zwei Jahrzehnte überlegen blieb. Thurn und Taxis setzte ihre Nutzung der Eisenbahn zum Posttransport durch eigene Waggons jedoch erst 1860 ein.[12]

[…]


[1] Vgl. Behringer, Wolfgang: Thurn und Taxis: Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen, S. 14.
[2] Vgl. Behringer, Wolfgang: Thurn und Taxis: Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen, S. 13.
[3] Zit. nach ebd., S.14.
[4] Vgl. ebd., S. 16.
[5] Vgl. Glaser, Hermann: Die Überwindung des Raumes. Beseelte Erfahrung, in: Die Post in ihrer Zeit: Eine
Kulturgeschichte menschlicher Kommunikation, S.81.
[6] Zit. nach Behringer, Wolfgang: Thurn und Taxis: Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen, S. 26.
[7] Vgl. ebd., S. 21-23.
[8] Vgl. ebd., S. 18.
[9] Vgl. ebd., S. 35.
[10] Vgl. Behringer, Wolfgang: Thurn und Taxis: Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen, S. 79.
[11] Vgl. ebd., S. 114-116.
[12] Vgl. ebd., S. 179-181.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Post im Wandel der Zeit. Wie entwickelt sich die Briefkultur im Laufe der Jahrhunderte?
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
Kultur und Medien - Geschichte und Konzepte
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V314022
ISBN (eBook)
9783668126015
ISBN (Buch)
9783668126022
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Post, Briefkultur, SMS, E-Mail, Fax, Telegraph, Goethe, Briefwechsel mit einem Kinde, Bettina von Arnim, Brentano, Kommunikation, Neue Medien, Technik, Uni Bonn, Wandel
Arbeit zitieren
B.A. Nadine Mallmann (Autor), 2010, Die Post im Wandel der Zeit. Wie entwickelt sich die Briefkultur im Laufe der Jahrhunderte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314022

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