Die Arbeit trägt vor allem zur Beantwortung folgender zentraler Fragen bei:
- Welche Gesprächsrunden im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen können als Polit-Talks bezeichnet werden und warum?
- Welche Funktionen haben Gäste, die in Polit-Talks eingeladen werden? Wie unterscheidet sich ihre Zusammensetzung zwischen den Sendungen?
- Welche Funktionen haben die politischen Gäste? Welche Hierarchiestufen nehmen sie dabei ein?
- Unterscheidet sich die Zusammensetzung der Gäste in Plenarwochen und Nicht-Plenarwochen?
- Wie gut bilden Polit-Talks die politische Wirklichkeit (also das gewählte Parlament) ab?
- Wie inszenieren sich die Gäste? Wie inszenieren sich v.a. Politiker im Vergleich zu anderen Akteuren? -> Das Fallbeispiel "Maybritt Illner"
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Das politische System und die Medien 4
2.1. Zum Verhältnis von Politik und Medien 4
2.1.1. Paradigmen 5
2.1.2. Mediatisierung und Politainment 6
2.2. Das Spährenmodell medialer Politikvermittlung 8
2.3. Inszenierung 10
2.3.1. Definition und Dimensionen 10
2.3.2. Politik als Theater 11
2.4. Personalisierung 14
2.5. Selbstdarstellungsstrategien politischer Akteure 15
3. Der Polit-Talk 18
3.1. Das Genre 18
3.1.1. Definition und Typologie 18
3.1.2. Historische Entwicklung 20
3.2. Zur Wahrnehmung von Polit-Talks 22
3.3. Gäste in Polit-Talks 24
3.3.1. Relevanz 24
3.3.2. Teilnehmerkategorien 25
3.3.3. Talkshow-Präsenz aus der Perspektive politischer Akteure 29
3.4. Der öffentlich-rechtliche Programmauftrag 30
3.5. Aktuell relevante Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen 32
3.5.1. Einschaltquoten 33
3.5.2. Geschichte und Moderation 34
4. Forschungsdesign und methodische Umsetzung 41
4.1. Zentrale Fragen der Studie 41
4.2. Methode 43
4.3. Datenmaterial 44
5. Darstellung der Ergebnisse 48
5.1. Polit-Talks im öffentlich-rechtlichen Fernsehen 48
5.2. Struktur und Funktionen von Gästen in Polit-Talks 53
5.2.1. Funktionen nicht-politischer Akteure 53
5.2.2. Zentrale Merkmale politischer Akteure 59
5.2.3. Vielfalt und Ausgewogenheit politischer Gäste 64
5.2.4. Die Häufung von Akteuren 69
5.2.5. Politische Akteure in Plenarwochen 72
5.3. Wie inszenieren sich politische Gäste? 75
5.3.1. Einführung und erste Erkenntnisse 75
5.3.2. Ergebnisse der untersuchten Variablen 79
6. Reflexion der Ergebnisse 87
7. Schlussbetrachtung und Ausblick 92
Literaturverzeichnis
Codebuch
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das politische System und die Medien
2.1. Zum Verhältnis von Politik und Medien
2.1.1. Paradigmen
2.1.2. Mediatisierung und Politainment
2.2. Das Spährenmodell medialer Politikvermittlung
2.3. Inszenierung
2.3.1. Definition und Dimensionen
2.3.2. Politik als Theater
2.4. Personalisierung
2.5. Selbstdarstellungsstrategien politischer Akteure
3. Der Polit-Talk
3.1. Das Genre
3.1.1. Definition und Typologie
3.1.2. Historische Entwicklung
3.2. Zur Wahrnehmung von Polit-Talks
3.3. Gäste in Polit-Talks
3.3.1. Relevanz
3.3.2. Teilnehmerkategorien
3.3.3. Talkshow-Präsenz aus der Perspektive politischer Akteure
3.4. Der öffentlich-rechtliche Programmauftrag
3.5. Aktuell relevante Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
3.5.1. Einschaltquoten
3.5.2. Geschichte und Moderation
4. Forschungsdesign und methodische Umsetzung
4.1. Zentrale Fragen der Studie
4.2. Methode
4.3. Datenmaterial
5. Darstellung der Ergebnisse
5.1. Polit-Talks im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
5.2. Struktur und Funktionen von Gästen in Polit-Talks
5.2.1. Funktionen nicht-politischer Akteure
5.2.2. Zentrale Merkmale politischer Akteure
5.2.3. Vielfalt und Ausgewogenheit politischer Gäste
5.2.4. Die Häufung von Akteuren
5.2.5. Politische Akteure in Plenarwochen
5.3. Wie inszenieren sich politische Gäste?
5.3.1. Einführung und erste Erkenntnisse
5.3.2. Ergebnisse der untersuchten Variablen
6. Reflexion der Ergebnisse
7. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Gäste in öffentlich-rechtlichen Polit-Talks agieren, welche Funktionen sie erfüllen und inwiefern ihre Inszenierung als „Sozialrollendrama“ zur politischen Kommunikation in den Medien beiträgt, wobei insbesondere der Einfluss von Strukturmerkmalen (wie Plenarwochen) und das individuelle Verhalten der Akteure empirisch analysiert werden.
- Analyse des Verhältnisses von politischem System und Mediensystem
- Strukturanalyse der Gäste in Polit-Talks nach Funktionsgruppen
- Untersuchung der Selbstinszenierungsstrategien politischer Akteure
- Überprüfung der Ausgewogenheit der Gästeauswahl (Pluralismusgebot)
- Methodischer Vergleich von quantitativer Inhaltsanalyse und qualitativer Untersuchung auf Ebene von Kommunikatorsequenzen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Als der Berliner Imam Abdul Adhim Kamouss am 28. September 2014 in der ARD-Talkshow Günther Jauch als Gast auftritt, nutzt er die Sendung, um intensiv Werbung für sich und seine Weltanschauung zu betreiben. In der Sendung zum Thema „Gewalt im Namen Allahs – wie denken unsere Muslime“ argumentiert Kamouss wortreich. Als Prediger sei es seine Aufgabe, Jugendliche zu „Friedensstiftern“ zu erziehen. So könnte er seinen Teil dazu beizutragen, die islamistische Radikalisierung in Deutschland zu stoppen. Er präsentiert zudem einen Brief des Berliner Innensenators, der ihm für verschiedene Initiativen gegen Gewalt in Berlin dankte. Kamouss stellt sich in der Talkshow durchweg als friedensliebender Prediger dar. Es ist allerdings derselbe Imam, der laut Bundeszentrale für politische Bildung (Jugendkultur, Islam und Demokratie…, 2012) einen „hochgradig radikalisierungsfördernden“ (ebd.) Islam vertritt. Der in der Berliner Al-Nur-Moschee predigt, die deutschen Sicherheitsbehörden zufolge als Sammelpunkt militanter Islamisten gilt (Bartsch, Popp & Scheuermann, 2012). Und der aufgrund seines maßgeblichen Einflusses auf die Berliner Islamistenszene seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet wird (Langer, 2014). Günther Jauch eröffnet Abdul Adhim Kamouss eine Bühne, auf der dieser sich einem breiten Fernsehpublikum nach seinen eigenen Vorstellungen präsentieren kann.
Der Auftritt des Imams sorgt im Nachgang für eine gewaltige Diskrepanz zwischen der Beschreibung durch Sicherheitsbehörden und der Wahrnehmung der Person Abdul Adhim Kamouss bei Betrachtung der Sendung. Das Echo der klassischen wie der sozialen Medien ist gewaltig. Alle führenden Printmedien greifen den Auftritt des Imams auf, die meisten kritisieren ihn scharf. Grundtenor der Qualitätsmedien ist, dass einer Person mit Werten, die klar „in einem Spannungsverhältnis zum Grundgesetz“ (Bittner, 2014) stehen, ein solch großes öffentliches Forum zur Verbreitung seiner Thesen gegeben wurde.
Der Imam tat bei Günther Jauch allerdings nur, was viele andere Akteure, die in Talkshows eingeladen werden, auch tun: Er inszenierte sich selbst. Akteure versuchen über Auftritte in Gesprächssendungen, die Öffentlichkeit von den eigenen Positionen zu überzeugen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Selbstinszenierung politischer Akteure in Talkshows ein und erläutert die Forschungsfrage sowie das dreistufige Untersuchungsdesign der Arbeit.
2. Das politische System und die Medien: Dieses Kapitel theoretisiert das Spannungsfeld zwischen Politik und Medien, definiert Begriffe wie Inszenierung und Personalisierung und beleuchtet die Rolle von Politikern im medialen Raum.
3. Der Polit-Talk: Das Kapitel definiert das Genre Polit-Talk, erörtert dessen Entwicklung, die Gästestruktur sowie die Relevanz der Sendungen für den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag und stellt die relevanten Sendeformate vor.
4. Forschungsdesign und methodische Umsetzung: Hier werden die Forschungsfragen spezifiziert und das methodische Vorgehen beschrieben, das eine Kombination aus quantitativer Gästestruktur-Analyse und qualitativer Inhaltsanalyse von Kommunikatorsequenzen umfasst.
5. Darstellung der Ergebnisse: Der Hauptteil präsentiert die empirischen Ergebnisse zur Gästestruktur in Polit-Talks, analysiert das Verhalten politischer Akteure und prüft den Einfluss von Rahmenbedingungen wie Plenarwochen.
6. Reflexion der Ergebnisse: Das Kapitel reflektiert die zentralen Befunde der Studie, diskutiert deren Implikationen für die Medienlandschaft und ordnet die Ergebnisse in den weiteren gesellschaftspolitischen Kontext ein.
7. Schlussbetrachtung und Ausblick: Die abschließende Betrachtung fasst die Bedeutung der Polit-Talks als „Sozialrollendramen“ zusammen und schlägt Ansätze für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen vor.
Schlüsselwörter
Polit-Talk, Talkshow, Inszenierung, Personalisierung, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Politainment, Politische Akteure, Gästestruktur, Sozialrollendrama, Medienkommunikation, Pluralismus, Inhaltsanalyse, Debattenshow, politische Kommunikation, Medienautonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, wie Politiker und andere Akteure in öffentlich-rechtlichen Polit-Talkshows auftreten und wie sie sich dort inszenieren, um ihre politischen Ziele zu verfolgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Politik und Medien, die Struktur und Zusammensetzung von Gästegruppen in Polit-Talks sowie die Analyse von Selbstdarstellungsstrategien im Fernsehen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, auf einer empirischen Basis zu klären, ob sich politische Akteure durch ihre Inszenierung als Akteure im „Sozialrollendrama“ unterscheiden und ob die Redaktionen der Talkshows dem öffentlich-rechtlichen Vielfaltsgebot entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt ein dreistufiges Trichterverfahren, das eine quantitative Analyse der Gästestruktur (Vollerhebung) mit einer qualitativen Inhaltsanalyse von Kommunikatorsequenzen (turns) verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil präsentiert detaillierte Ergebnisse zur Gästestruktur, analysiert die Parteienverteilung, überprüft den Einfluss von Plenarwochen auf die Gästebesetzung und untersucht verbales Verhalten anhand spezifischer Variablen wie Argumentationsstil und Quellenbelegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Polit-Talk, Inszenierung, Personalisierung, Politainment, Sozialrollendrama und Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Gibt es einen Einfluss von Bundestags-Plenarwochen auf die Zusammensetzung der Talkshows?
Die Analyse zeigt einen leichten Effekt: In Plenarwochen steigt der Anteil an Bundespolitikern in den Sendungen, da diese durch ihre physische Präsenz in Berlin leichter für die Aufzeichnungen zu gewinnen sind.
Werden in Talkshows immer dieselben Politiker eingeladen?
Die weit verbreitete Annahme, dass stets dasselbe Personal auftritt, wird durch die empirischen Daten widerlegt. Die überwältigende Mehrheit der Gäste tritt im Untersuchungszeitraum nur einmal in Erscheinung; die Wahrnehmung einer Häufung beruht nur auf einer sehr kleinen Gruppe von „Dauergästen“.
Inwiefern unterscheidet sich das Verhalten von Politikern in Talkshows von anderen Gästen?
Politiker agieren in Polit-Talks deutlich aktiver, unterbrechen häufiger, weichen bei unangenehmen Fragen öfter aus und nutzen die Sendezeit gezielter für offensive Selbstdarstellung und Eigenwerbung im Vergleich zu Experten oder Vertretern aus der Wirtschaft.
- Quote paper
- Urs Schulze (Author), 2015, Politik als Sozialrollendrama. Gästestruktur und Inszenierung in öffentlich-rechtlichen Polit-Talks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314032