Eine empirische Untersuchung des Zusammenhangs verschiedener Wachstumsindikatoren auf Basis der Datenbank S&P 500


Bachelorarbeit, 2012
34 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Fragestellung
1.3 Gang der Arbeit

2 Allgemeine Grundlagen zur Wachstumsmessung und Vorstellung wichtigsten Faktoren
2.1 Faktor Zeit bei der Untersuchung von Firmenwachstum
2.2 Relative und absolute Messmethoden
2.3 Beschreibung der möglichen Indikatoren
2.3.1 Vermögenswachstum
2.3.2 Mitarbeiterwachstum
2.3.3 Umsatzwachstum
2.3.4 Sonstige Indikatoren zur Erfassung von Firmenwachstum
2.4 Probleme bei der Messung von Firmenwachstum

3 Zusammenhänge zwischen den wichtigsten Indikatoren
3.1 Umsatz- und Vermögenswachstum
3.2 Vermögens- und Mitarbeiterwachstum
3.3 Mitarbeiter- und Umsatzwachstum

4 Formulierung von Hypothesen
4.1 Umsatz- und Vermögenswachstum
4.2 Vermögens- und Mitarbeiterwachstum
4.3 Mitarbeiter- und Umsatzwachstum

5 Replikation der Untersuchung von Shepherd und Wiklund mit der Datenbank S&P 500 und Interpretation der Ergebnisse
5.1 Vorstellung der Forschungsarbeit von Dean Shepherd und Johan Wiklund
5.2 Definition der Datenbank
5.3 Beschreibung der Methodik
5.4 Vorstellung der Resultate
5.4.1 Analyse der Resultate der Tabelle
5.4.2 Analyse der Resultate der Tabelle
5.4.3 Analyse der Resultate der Tabelle

6 Überprüfung der aufgestellten Hypothesen und Interpretation der gewonnen Ergebnisse
6.1 Umsatz- und Vermögenswachstum
6.1.1 Überprüfung der aufgestellten Hypothesen
6.1.2 Allgemeine Interpretation der gewonnenen Daten
6.2 Vermögens- und Mitarbeiterwachstum
6.2.1 Überprüfung der aufgestellten Hypothesen
6.2.2 Allgemeine Interpretation der gewonnenen Daten
6.3 Mitarbeiter- und Umsatzwachstum
6.3.1 Überprüfung der aufgestellten Hypothesen
6.3.2 Allgemeine Interpretation der gewonnenen Daten
6.4 Interpretation der Korrelation der Indikatoren zu sich selbst

7 Zusammenfassung und Ausblick

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Korrelation zwischen den relativen und absoluten Messungen eines Indikators

Tab. 2 Korrelation des absoluten Wachstums der einzelnen Indikatoren zueinander

Tab. 3 Korrelation des relativen Wachstums der einzelnen Indikatoren zueinander

Abstract

Die Arbeit stellt eine empirische Untersuchung auf Basis der Datenbank S&P 500 dar. Eine zentrale Fragestellung ist die Identifizierung der wichtigsten Indikatoren für Unternehmenswachstum und deren Zusammenhang untereinander. Zur entsprechenden Thematik werden Hypothesen aufgestellt und mit Hilfe der Datenbank überprüft. Zusätzlich findet die eingeschränkte Validierung der Studie von Shepherd und Wiklund aus dem Jahre 2009 statt. Aus den gemeinsamen Er- gebnissen werden Unterschiede und Übereinstimmungen abgelesen und interpre- tiert

Eine unter Vorbehalt erteilte Möglichkeit der Ableitung von unterschiedlichen Indikatoren wird festgestellt mit dem Zweck Studien miteinander vergleichbar zu machen. Für zukünftige Studien muss die Unterscheidung zwischen jungen und alten Unternehmen vorgenommen werden.

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Europäische Union veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Statistiken über das Wachstum des realen BIP (Bruttoinlandsprodukt) ihrer Mitgliedsstaaten. „Zur Berechnung der Wachstumsrate des BIP in Volumeneinheiten wird das in aktuellen Preisen gemessene BIP zu Preisen des Vorjahres bewertet (…); daraus ergibt sich eine sog. verkettete Reihe. Dies bewirkt, dass Preisänderungen keinen Einfluss auf die Wachstumsrate haben.“ (Eurostat, 2012) Dadurch ist es möglich inflationsbereinigte Zahlen anzugeben.

Laut Angaben der Europäischen Kommission betrug das jährliche Wirtschafts- wachstum aller EU-Länder im Jahre 2011 gesamtdurchschnittlich 1,5 % (Eurostat, 2012).

Um das Wirtschaftswachstum eines Staates anzugeben, wird die relative Veränderung des realen BIP gegenüber dem Vorjahr verwendet. Diese Formel ist international anerkannt und standardisiert. Weltweit sind alle Länder nach diesem Kriterium miteinander vergleichbar (Cebula, 2010, S. 1688).

Geht man von der volkswirtschaftlichen Ebene einen Schritt nach unten, werden die einzelnen Unternehmen und damit die betriebswirtschaftliche Ebene erreicht. Die privaten und öffentlichen Unternehmen in einer Volkswirtschaft erwirtschaften mit ihrem Umsatz das oben erwähnte BIP (Duden Wirtschaft von A bis Z, 2009). Das Wachstum dieser Unternehmen, die aus den unterschiedlichsten Sektoren kommen, zu beschreiben ist deutlich schwieriger und in der Forschungswelt kaum standardisiert. Es gibt Häufungen von Vorgehensweisen, die Wirtschaftsforscher anwenden (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 105). In der zusammenfassenden Lite- ratur zum Thema Firmenwachstum findet man drei wesentliche Faktoren mit deren Hilfe Firmenwachstum definiert werden kann (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 107 f.).

Der erste Faktor ist Zeit. Wachstum ist ein Prozess, der über Zeit hinweg betrach- tet werden muss (Davidsson & Wiklund, 2000, S. 27-28). Diese Erkenntnis unter- stützt auch D. Whetten im Jahre 1987: „ (…) growth is a relative measure of size, as observed over time.” (Whetten, 1987, S. 341) Die Erhebung der Daten muss in regelmäßigen Abständen erfolgen und auf die gleiche Art und Weise geschehen.

Der Turnus sollte mindestens ein Jahr betragen, da bei kleiner gewählten Abständen, wie zum Beispiel eine vierteljährige Erhebung der Daten, saisonale Schwankungen (zum Beispiel Frühjahrsbelebung der Wirtschaft) die Messungen verzerren würden (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 242). Die meisten Untersuchenden führten ihre Datenerhebung über einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren durch. Nur wenige hatten Unternehmenskennzahlen, die sechs Jahre oder länger erfasst wurden (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 108).

Der zweite Faktor betrifft die Wahl der Formel. Dean Shepherd und Johan Wiklund beschreiben in einem zusammenfassenden Werk ein Verhältnis von 50:50, wenn es um die Entscheidung geht, ob eine relative oder absolute Messung erfolgen soll (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 108). Beide Formeln haben ihre Schwerpunk- te. Die absolute Messung bevorzugt größere Unternehmen, während die relative Messung die kleineren Teilnehmer des Marktes in ein günstigeres Licht rückt (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 239-240). Die Wahl bleibt am Ende dem Forschenden überlassen (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 108), wobei ein he- terogener Datenpool die Wahl erschwert und ein homogener Datenpool die Ent- scheidung erleichtert.

Der dritte Faktor beschäftigt sich mit der Wahl des Indikators bzw. der Wahl der Indikatoren. Für einen besseren Überblick möchte ich die wichtigsten drei Indikatoren vorstellen und deren Beziehungen untereinander grob skizzieren (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 238).

Das Mitarbeiterwachstum ist ein etablierter Indikator, der die Veränderung der Beschäftigung in einem Unternehmen erfasst. Die Politik, die stets die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit als Ziel propagiert, hat Interesse an einer positiven Entwicklung dieses Faktors. Ebenso sind Manager bzw. der Vorstand angehalten, Veränderungen an der Organisationsstruktur vorzunehmen, wenn die Beschäftigtenzahlen im eigenen Unternehmen rasant wachsen und nicht mehr adäquat zur bestehenden Organisation sind (Davidsson & Wiklund, 2000, S. 34-37).

Der zweite Indikator ist das Vermögenswachstum. Das Vermögen eines Unternehmens kann man an der Bilanzsumme ablesen, beispielsweise als die Summe von Anlagen- und Umlaufvermögen. Für wachstumsorientierte Unternehmer/Manager ist die Generierung von Vermögen der Hauptzweck eines Unternehmens. Dementsprechend hat Vermögenwachstum eine hohe Priorität (Davidsson & Wiklund, 2000, S. 37-38).

Der dritte Indikator bezieht sich auf den Umsatz des Unternehmens. Die zusam- menfassende Literatur beziffert den Anteil der Studien, die Umsatzwachstum als Indikator verwenden, auf über 60 % (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 107). Ein an- deres zusammenfassendes Werk sagt aus, dass 75 % der Studien, die Umsatz- wachstum berücksichtigten, ausschließlich diesen einen Indikator verwendeten (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 238). Diese Tatsachen unterstrei- chen die Wichtigkeit dieser Messgröße, die sowohl für Firmengründer, Manager als auch für die Politik wichtig ist (Davidsson & Wiklund, 2000, S. 34-37). Während die einen auf höhere Steuereinnahmen aus einem hohen Gewinn setzen (Politik), fokussiert die Hoffnung der Anderen lediglich einen höheren Gewinn (Manager und Unternehmer).

Im folgenden Teil werden die Vor- und Nachteile, sowie die Grenzen der einzelnen Indikatoren dargestellt.

Trotz der absoluten Mehrheit an Studien, die Umsatzwachstum als Indikator ver- wenden, gibt es wichtige Gründe, die anderen Indikatoren zu berücksichtigen. Kimberly argumentierte 1976, dass Dienstleistungsunternehmen Mitarbeiter- wachstum und produzierende Unternehmen einen Vermögenswachstum erfahren werden (Kimberly, 1976, S. 24). Folglich ist es sinnvoll, den Indikator Mitarbeiter- wachstum auszuwerten um Unternehmenswachstum in der Dienstleistungsbran- che festzustellen. Auf der anderen Seite können in der produzierenden Industrie durch Rationalisierung Mitarbeiter durch Maschinen ersetzt werden (Davidsson & Wiklund, 2000, S. 37). Dieses Wachstum wäre nicht an den Mitarbeiterzahlen ab- zulesen, sondern an der Vermögensänderung.

Das Unternehmen Nike hat beispielsweise durch Outsourcing sein Umsatzwachstum gesteigert, ohne dabei Mitarbeiter einzustellen oder Anlagenvermögen zu erwerben. Dieses Wachstum wäre nur am Umsatz festzustellen (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 107).

Anhand dieser Beispiele sieht man die Schwierigkeit, das Wachstum eines Unternehmens mit einem bestimmten Indikator zu erfassen. Hinzu kommt noch die Frage nach dem Faktor Zeit und der Formel. Um ein Gefühl für diese Thematik zu vermitteln, wird im nächsten Abschnitt eine Studie erläutert, die sich mit diesem Problem auseinandergesetzt hat.

Dean Shepherd und Johan Wiklund haben in ihrem zusammenfassenden Werk aus dem Jahre 2009 diese Faktoren (Indikator, Zeitspanne, Formel) miteinander verglichen und deren Beziehungen zueinander erfasst. Ihr Datenpool bestand aus 68.830 schwedischen Startup-Unternehmen, welche zwischen 1994 und 1998 registriert wurden. Die ersten sechs Jahre ihrer Existenz wurden verfolgt und ausgewertet (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 105).

- Betrachtet man die Korrelation der einzelnen Indikatoren zu sich selbst (Gegenüberstellung von absoluten und relativen Messergebnissen dessel- ben Indikators), existiert lediglich bei Mitarbeiterwachstum ein moderat- starker Zusammenhang.
- Alle anderen Kombinationen ergaben nur schwache Zusammenhänge.

Geht man nun in die Kombinatorik der einzelnen Indikatoren zueinander und un- terteilt absolute und relative Messmethoden, können folgende Tatsachen bestätigt werden:

- Bei der absoluten Messung waren es Mitarbeiter- und Umsatzwachstum und bei der relativen Messung Umsatz- und Vermögenswachstum, die eine starke Korrelation zeigten.
- Zwischen Umsatz- und Vermögenwachstum konnten nur schwache Zu- sammenhänge festgestellt werden (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 116). Des Weiteren wurden Zusammenhänge zwischen absoluten und relativen Mess- methoden und verschiedenen Zeitspannen betrachtet (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 110-111).
- Ein Indikator hat eine starke Korrelation mit sich selbst, wenn man die Zeit- spanne ändert. Eine Ausnahme bildet das Vermögenswachstum bei der re- lativen Messung (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 114).

Die Ergebnisse der Studie versuchen eine Grundlage zu schaffen, mit der Wachs- tum von Firmen einheitlicher und konsequenter erforscht werden kann. Um Diese Forschung voranzutreiben, fordern die Autoren eine Replikation der Studie mit unterschiedlichen Datenbanken (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 120). Da diese Validierung noch nicht stattgefunden hat, wird diese Arbeit sich damit auseinan- dersetzen.

1.2 Zielsetzung und Fragestellung

Ziel der Bachelorarbeit ist die Replikation der Studie „Are we comparing apples with apples or apples with oranges? Appropriateness of knowledge accumulation across growth studies.“ der beiden Autoren Dean Shepherd und Johan Wiklund aus dem Jahre 2009.

1. Welche sind die wichtigsten Indikatoren zur Messung von Unternehmens- wachstum?
2. Welche theoretischen Zusammenhänge bestehen zwischen den wichtigs- ten Indikatoren?
3. Werden die Ergebnisse der Studie von Shepherd und Wiklund durch die Validierung an der Datenbank S&P 500 bestätigt?
4. Welche Abweichungen sind festzustellen und welche Ursachen können diese haben?

1.3 Gang der Arbeit

Die Arbeit ist in sechs Bereiche unterteilt.

Im ersten Abschnitt wird die Problematik des Themas kurz umschrieben. Des Weiteren werden die Ziele, auf die später eingegangen wird, grob skizziert. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den grundlegenden Faktoren, die bei der Messung von Wachstum wichtig sind. Diese werden definiert und auf deren Wirkung wird eingegangen. Der Fokus liegt bei den Eigenschaften der drei wichtigsten Indikatoren der Wachstumsmessung.

Im dritten Abschnitt werden diese drei Indikatoren näher betrachtet. Der Zusam- menhang zwischen ihnen wird erläutern. Ursachen für schwache, moderate und starke Zusammenhänge werden diskutiert und mit existierender Literatur vergli- chen.

Im vierten Teil werden aus den bisherigen Informationen Hypothesen abgeleitet, welche sich in erster Linie auf die Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Indikatoren beziehen.

Im fünften Abschnitt wird die zu validierende Studie „Are we comparing apples with Apples or Apples with Oranges? Appropriateness of knowledge accumulation across growth studies.” von Dean Shepherd und Johan Wiklund vorgestellt. Anschließend richtet sich der Blick auf die durchzuführende empirische Untersuchung. Die Datenbank der Untersuchung wird definiert und die Methodik beschrieben. Es folgt die unkommentierte Analyse der Resultate.

Im sechsten Teil werden die aufgestellten Hypothesen auf ihre Richtigkeit überprüft. Gleichzeitig erfolgt die Interpretation der Resultate. Dabei werden alle präsentierten Tabellen erklärt und kommentiert.

Der letzte Teil besteht aus einem zusammenfassenden Schlusswort.

2 Allgemeine Grundlagen zur Wachstumsmessung und Vorstel- lung der wichtigsten Faktoren

2.1 Faktor Zeit bei der Untersuchung von Firmenwachstum

„ (…) growth is a relative measure of size, as observed over time.” (Whetten, 1987, S. 341) Diese grundsätzliche Erkenntnis erhielt David Whetten 1987, als er Wachstum beschrieb. Wachstum ist ein Prozess, der über eine bestimmte Zeit hinweg betrachtet wird. Es stellen sich zwei Fragen: Wie oft werden die Wachs- tumsfortschritte überwacht und über welchen Zeitraum hinweg? Eine Erfassung in einem jährlichen Intervall erscheint logisch, da bei einem kleiner gewählten Intervall, saisonale Schwankungen die Zahlen verzerren würden (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 242). Eine Erfassung alle zwei Jahre oder gar länger würde wichtige Unternehmensentwicklungen möglicherweise nicht vollständig dokumentieren. Ein anderer Aspekt ist die Tatsache, dass Organisati- onsformen, wie die Aktiengesellschaft, ihre Unternehmenskennzahlen jährlich ver- öffentlichen (§§ 264, 242 HGB). Dies standardisiert die Aufnahme der Kennzah- len.

Ein weitaus wichtigerer Punkt ist die Dauer der Datenerfassung. Shepherd und Wiklund haben in ihrem zusammenfassenden Werk 82 Studien analysiert und bei über 60 % betrug die gewählte Zeitspanne zwischen einem und fünf Jahren (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 108). Nur 19 Autoren entschieden sich für einen anderen Zeitraum.

Um eine Regressionslinie aufzustellen, werden mindestens 15 Intervalle benötigt. Also betrachtet man die Unternehmen über 15 Jahre oder man nimmt die Daten vierteljährig auf. Im Normalfall werden die Daten vierteljährig erhoben, da eine Studie über 15 Jahre hinweg zu aufwändig und am Ende nicht mehr aktuell wäre. Möchte man nur die absolute- oder relative Größenänderung feststellen, reicht eine annuelle Datenaufnahme aus. (Makridakis, Wheelwright, & McGee, 1983, S. 458).

2.2 Relative und absolute Messmethoden

Um Wachstum festzustellen, benötigt man einen Referenzwert (= t0) aus der Vergangenheit und einen aktuellen Wert (= t1) aus der Gegenwart. Die Differenz der beiden Größen ist das Wachstum. Das weitere Vorgehen ist nicht so eindeutig definiert. Man betrachtet das Wachstum entweder absolut (t1-t0) oder relativ [(t1- t0)/t0] (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 239). Jede dieser Messmethoden hat Vor- und Nachteile für kleine bzw. große Unternehmen. Weinzimmer hat 1998 diese Tatsache bildlich veranschaulicht:

Für eine Firma mit zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr ist es einfacher im nächs- ten Jahr weitere 100 Millionen Euro Umsatz mehr zu erwirtschaften, als für eine Firma die einen jährlichen Umsatz von 200 Millionen Euro hat. Wenn das kleinere Unternehmen es jedoch schafft, hat dieses ein relatives Umsatzwachstum von 50%, während das Zwei-Milliarden-Unternehmen lediglich 5 % Wirtschaftswachs- tum generiert hat (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 239-240).

Daraus resultiert, dass kleine Unternehmen mit relativen Formeln bessere Ergeb- nisse liefern und größere Unternehmen mit absoluten Formeln (Delmar, Davidsson, & Gartner, 2003, S. 193). Im zusammenfassenden Werk von Shepherd und Wiklund aus dem Jahre 2009 wurden 82 Studien untersucht, die sich mit Wachstum auseinandersetzten. 37 benutzten die relative Formel und 32 zogen die absolute Formel vor. Daran kann man das ausgewogene Verhältnis zwischen den beiden Methoden ablesen (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 108).

Ein weiterer Aspekt ist der Zusammenhang zwischen den beiden Messmethoden. Hier ist zu erwähnen, dass die Resultate aus absoluter und relativer Messung nicht zwangsläufig zusammenhängend sind. So ist die Korrelation zwischen abso- lutem und relativem Mitarbeiterwachstum der einzige Wert der als stark interpre- tiert werden kann. Die anderen Werte sind bestenfalls moderat zueinander (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 111). Deswegen argumentierten die beiden Wirt- schaftswissenschaftler, dass man lediglich bei Mitarbeiterwachstum von den abso- luten auf die relativen Werte schließen darf (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 121). Am Ende ist es dem Forschenden überlassen sich für eine Messmethode zu ent- scheiden oder gar beide zu benutzen (Shepherd & Wiklund, 2009, S. 108).

2.3 Beschreibung der möglichen Indikatoren

Im folgenden Abschnitt werden die wichtigsten Indikatoren Vermögen, Mitarbeiter und Umsatz einzeln beschrieben (Weinzimmer, Nystrom, & Freeman, 1998, S. 238). Im letzten Teil wird kurz auf die Alternativen eingegangen und deren marginale Bedeutung besprochen.

2.3.1 Vermögenswachstum

Das Vermögenswachstum ist ein Indikator, der stark mit der Kapitalintensität einer Industrie zusammenhängt (Delmar, Davidsson, & Gartner, 2003, S. 193). Er be- schreibt das Anlagen- und Umlaufvermögen eines Unternehmens und ist folglich die Summe der Aktiva in einer Bilanz. Das Vermögen ist für den Unternehmensin- haber ein sehr wichtiger Faktor, da es um „sein Vermögen“ geht. Genauso ist der Manager am Vermögenswachstum interessiert (Davidsson & Wiklund, 2000, S. 34-37). Vermögenswachstum kann generiert werden, ohne dass dabei neue Mit- arbeiter eingestellt werden. Dies ist durch die Anschaffung von Maschinen mög- lich, welche durch die vorhandenen Mitarbeiter bedient werden oder gar vorhan- dene Mitarbeiter ersetzen. Auf die Spitze getrieben, kann man eine inverse Be- ziehung zwischen Mitarbeiter und Vermögenswachstum erkennen (Davidsson & Wiklund, 2000, S. 37).

Die Dienstleistungsindustrie lässt sich mit Vermögenswachstum nicht ausreichend beschreiben, was Kimberly bereits 1976 erkannt hat. Die produzierende Industrie ist mit dem Vermögenswachstum treffender zu präzisieren (Kimberly, 1976, S. 24). Diese Tatsachen sprechen dafür, dass Vermögenswachstum alleine das Wachstum nicht ausreichend beschreiben kann.

2.3.2 Mitarbeiterwachstum

Das Mitarbeiterwachstum beziffert die Anzahl der Arbeitnehmer in einem Unternehmen. Aus der Perspektive der Politik ist Mitarbeiterwachstum ein Hauptzweck von Unternehmen (McKelvie & Wiklund, 2010, S. 282).

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Eine empirische Untersuchung des Zusammenhangs verschiedener Wachstumsindikatoren auf Basis der Datenbank S&P 500
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät)
Veranstaltung
Lehrstuhl für Unternehmensführung
Note
1,8
Autor
Jahr
2012
Seiten
34
Katalognummer
V314176
ISBN (eBook)
9783668128408
ISBN (Buch)
9783668128415
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
S&P 500, Unternehmenswachstum, Umsatzwachstum, Mitarbeiterwachstum, Vermögenswachstum, empirische Untersuchung
Arbeit zitieren
Eugen Morlang (Autor), 2012, Eine empirische Untersuchung des Zusammenhangs verschiedener Wachstumsindikatoren auf Basis der Datenbank S&P 500, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314176

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Eine empirische Untersuchung des Zusammenhangs verschiedener Wachstumsindikatoren auf Basis der Datenbank S&P 500


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden