Hat der Kalte Krieg - in Berlin - im Theater begonnen?


Seminararbeit, 1997

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Grundzüge des Kalten Krieges

2. Die Berliner Theatersituation nach dem Krieg

3. Die „Steine des Anstoßes“
3.1. Cyankali
3.2. Die Diskussion um Cyankali
3.3. Die Konfrontation Wolf-Karsch
3.4. Die russische Frage
3.5. Die Diskussion um Die russische Frage

4. Schlussbetrachtung

5. Bibliographie

1. Grundzüge des Kalten Krieges

Wilfried Loth[1] beschreibt die Situation der Alliierten nach dem Krieg. Bis zum Kriegsende 1945 herrschte unter ihnen noch demonstrative Einigkeit. Man vertraute auf das one-world-concept einer friedlichen Staatengemeinschaft ohne Hitler. Die Frage nach der Zukunft des besiegten Deutschlands war nicht zu Ende gedacht worden. Auf den ersten großen Konferenzen der Siegermächte ließen sich aber beginnende Unstimmigkeiten und ideologische Gegensätze nur noch mühsam vertuschen, so bei der Konferenz von Jalta im Februar 1945. Eine der wenigen eindeutigen Entscheidungen, die getroffen werden konnten, lautete. Entwaffnung, Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Einteilung Deutschlands in vier Zonen mit einem gemeinsamen Kontrollrat. Im Juli/August 1945 fand die Konferenz von Potsdam statt, auf der man ebenfalls nur einen minimalen Konsens fand. Man schuf bewusst Provisorien und vermied eine endgültige Lösung. Pläne, das Land, das die Welt in einen mörderischen Krieg geführt hatte, so zu zerstückeln, dass es nie wieder eine derart massive Militärmacht würde aufbieten können, versandeten während der nachfolgenden Auseinandersetzungen. Obwohl es auf der Hand liegt, dass zwei so grundlegend verschiedene Gesellschaftssysteme wie die USA und die Sowjetunion beim Zwang zum gemeinsamen Handeln kollidieren mussten, war der Weg in den Kalten Krieg zu diesem Zeitpunkt noch abzuwenden. Denn beide Nationen hatten im Grunde kein Interesse daran, wieder in einen mörderischen Konflikt verwickelt zu werden. Loth präzisiert:

Den entscheidenden Anstoß zur Durchsetzung der Konfrontationstendenzen gaben die USA, indem sie der Sowjetunion eine eindeutige Anerkennung ihrer osteuropäischen Sicherheitssphäre verweigerten. Gewiß, zumindest Präsident Roosevelt hatte erkannt, daß die sowjetischen Forderungen nach Garantien gegen eine erneute antisowjetische Ausrichtung ihrer westlichen Nachbarregion nicht völlig unberechtigt waren: und da er wußte, daß er gegen das sowjetische Vorgehen in dieser Region ohnehin nicht viel ausrichten konnte, hatte er im Interesse an einer dauerhaften Verständigung mit dem sowjetischen Partner für geboten gehalten, die sowjetischen Ansprüche auf Osteuropa grundsätzlich anzuerkennen. [...] In der amerikanischen Öffentlichkeit herrschte dagegen die Erwartung vor, die osteuropäischen Völker könnten sich nach dem Muster liberaler Demokraten organisieren; und da die Regierung diese Illusion aus Furcht vor einem Rückfall des amerikanischen Volkes in den Isolationismus sogar noch durch demonstrative Bekenntnisse zum Selbstbestimmungsrecht förderte, geriet sie bald unter den Druck einer öffentlichen Bewegung, die eine Revision der im östlichen Europa geschaffenen Machtverhältnisse verlangte. (Loth, 58-59).

Ein Faktor, der das Selbstbewusstsein der USA bei dieser Forderung verstärkte, war ihr Atomwaffenmonopol. Die Folge des sich steigernden Misstrauens war eine deutliche aggressiver werdende Sprache und ein Umschlagen der einstigen Gemeinsamkeit in eine Freund-Feind-Einteilung. Das bestimmende Schlagwort der USA-Politik der folgenden Jahre hieß containment: Eindämmung des sowjetischen Expansionsdrangs, welcher anfänglich mehr unterstellt wurde als dass er tatsächlich vorhanden war.

Sowohl Ost als auch West kamen nun „ihren“ Gebieten Deutschlands politisch entgegen, um sie für das eigene Lager zu erhalten. Westdeutschland wurde großzügig finanziell unterstützt, um den wirtschaftlichen Aufbau zu fördern, Stalin spielte immer noch mit dem Gedanken an ein Gesamtdeutschland, um sich den westdeutschen Politikern anzunähern. Allerdings schränkte er die demokratischen Elemente in der Ostzone so stark ein, dass es den westzonalen Willen zum Bündnis mit Nordamerika forcierte. Die russische Vorgehensweise der immer stärkeren Abriegelung des eigenen Machtbereichs verängstigte die Westeuropäer, so dass sie sich verstärkt an die USA anlehnten. Die Systeme standen sich immer feindlicher gegenüber. Die Sowjetunion zog ihre Konsequenzen: „Verbliebene Freiräume autonomer politischer Kräfte wurden brutal beseitigt, die Vielfalt pragmatischer Aktionsformen und Strukturen durch eine strikte Ausrichtung am sowjetischen Vorbild ersetzt, eigenständige Kommunistenführer durch moskauhörige Stalinisten ersetzt.“ (Loth, 62).

1948/49 hatten sich dann zwei deutsche Staate konstituiert, ebenso war die Formierung in Machtblöcke mit gegensätzlichen Gesellschaftssystemen zur Tatsache geworden. Taktik und Ziel des nun einsetzenden „Kalten Krieges“ war, die Gegensätze und Widersprüche im anderen Lager zu erkennen, publik zu machen und soweit wie möglich zu fördern.

2. Die Berliner Theatersituation nach dem Krieg

Schneider[2] beschreibt die gespannte Lage auf den Theaterbühnen der alliierten Sektoren. Die ersten beiden Jahre waren geprägt von dem Ringen der Dramatiker und Kritiker um eine zeitgemäße Form theatralischen Ausdrucks. Im Fokus der unmittelbaren Nachkriegszeit war die Auseinandersetzung mit dem erlebten Faschismus, die Frage nach der Kollektivschuld der Deutschen, die Konfrontation mit Hunger und Not und das Elend der heimkehrenden Soldaten. Dies sind auch die Themen, mit denen sich deutsche Autoren hauptsächlich beschäftigten. Bestimmender Faktor auf den Bühnen der „Hauptstadt“ wurde erst später die Politik der Besatzungsmächte, die den Ehrgeiz entwickelt hatten, ihre Kultur zu verbreiten. So war die internationale Dramatik und im Exil geschriebene Stücke deutscher Schriftsteller am stärksten vertreten, zumal man nach 12 Jahren Zensur und Isolation den Anschluss an die Welt wieder finden wollte. Man setzte Kulturoffiziere ein, die entschieden, welche Stücke wünschenswert waren, dem Ziel der Umerziehung des deutschen Volkes dienten bzw. dieses nicht behinderten. Max Frisch, der kurz nach Kriegsende die Situation kennen gelernt hatte, bezeichnete die amerikanischen Verantwortlichen der ersten Stunde als „viele freundliche Nullen“ (zitiert bei Schneider, 21), denen die Deutschen Erklärungen über die Theaterliteratur ihrer Länder geben mussten. Genauso wenig rigide wurde anfänglich die russische Kulturpolitik gelenkt. Beleg dafür ist der Einsatz von heimgekehrten Exil-Deutschen, die in den alliierten Zensur-Behörden arbeiteten. Diese waren natürlich nicht an der inneren Spaltung ihrer wieder gewonnenen Heimat interessiert.

Schneider konzentriert sich auf Berlin als Ort, an dem die aufkeimende ideologische Auseinandersetzung sichtbar zu werden begann. In keiner anderen Stadt musste man sich auf so engem Raum arrangieren bzw. voneinander abgrenzen. Diese Abgrenzung drückte sich dann immer deutlicher auf den Bühnen aus. Und hier waren es die beiden Großmächte, die massiv mit kultureller Propaganda hervortraten. Großbritannien und Frankreich hielten sich in diesem „Krieg“ anfänglich zurück. Exemplarisch für das Aufbrechen des offenen Konflikts sind zwei Aufführungen: Friedrich Wolfs Cyankali und Konstantin Simonovs Die russische Frage.

[...]


[1] Loth, Wilfried. „Die Konfrontation der Großmächte: Ursachen und Ziele des `Kalten Krieges´“. In: Hill, Werner (Hg.). Befreiung durch Niederlage. Die Deutsche Frage: Ursprung und Perspektiven. Frankfurt/M., 1986. 55-66.

[2] Schneider, Rolf. Theater in einem besiegten Land. Dramaturgie der deutschen Nachkriegszeit 1945-1949. Frankfurt/M., 1989.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Hat der Kalte Krieg - in Berlin - im Theater begonnen?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Kunst- und Kulturwissenschaft. Seminar für Ästhetik)
Veranstaltung
"Auferstanden aus Ruinen?! Theater und Theaterkritik in Berlin zwischen 1945 und '49. Eine ästhetisch-kulturelle Analyse
Note
1,7
Autor
Jahr
1997
Seiten
13
Katalognummer
V31422
ISBN (eBook)
9783638324397
ISBN (Buch)
9783638778480
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beleuchtet die Kulturpolitik im russisch und im amerikanisch besetzten Sektor Berlins nach dem 2. Weltkrieg. Zwei Theateraufführungen werden als Meilensteine auf dem Weg in den Kalten Krieg betrachtet: Konstantin Simonovs "Die russische Frage" und Friedrich Wolfs "Cyankali".
Schlagworte
Kalte, Krieg, Berlin, Theater, Auferstanden, Ruinen, Theaterkritik, Eine, Analyse, Kalter Krieg, Friedrich Wolf, Cyankali, Alliierte
Arbeit zitieren
Cornelia Neumann (Autor), 1997, Hat der Kalte Krieg - in Berlin - im Theater begonnen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31422

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