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Hat der Kalte Krieg - in Berlin - im Theater begonnen?

Title: Hat  der Kalte Krieg - in Berlin - im Theater begonnen?

Seminar Paper , 1997 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Cornelia Neumann (Author)

Cultural Studies - European Studies
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Bis 1945 herrschte unter den Alliierten noch Einigkeit, aber bereits auf den ersten Konferenzen der Siegermächte ließen sich Unstimmigkeiten und ideologische Gegensätze nur noch mühsam überspielen. Obwohl zwei so grundlegend verschiedene Gesellschaftssysteme wie die USA und die Sowjetunion beim Zwang zum gemeinsamen Handeln kollidieren mussten, war der Weg in den Kalten Krieg zu diesem Zeitpunkt noch abzuwenden. Beide Nationen hatten im Grunde kein Interesse daran, wieder in einen Konflikt verwickelt zu werden. Da die USA aber der SU ihre osteuropäische Sicherheitssphäre verweigerte, heizte dies die Kontroverse an, zumal die amerikanische Öffentlichkeit der Meinung war, in den osteuropäischen Länder würden liberale Demokratien entstehen. Die amerikanische Regierung geriet unter den Druck, die sich abzeichnenden Machtverhältnisse in Osteuropa zu revidieren. Die Folge des sich steigernden Misstrauens war eine deutliche aggressiver werdende Sprache und ein Umschlagen der einstigen Gemeinsamkeit in eine Freund-Feind-Einteilung. Das bestimmende Schlagwort der USA-Politik der folgenden Jahre hieß containment: Eindämmung des sowjetischen Expansionsdrangs. Ost und West kamen nun „ihren“ Gebieten Deutschlands politisch entgegen, um sie für das eigene Lager zu erhalten. Westdeutschland wurde großzügig finanziell unterstützt, Stalin spielte immer noch mit dem Gedanken an ein Gesamtdeutschland. Allerdings schränkte er die demokratischen Elemente in der Ostzone so stark ein, dass es den westzonalen Willen zum Bündnis mit Nordamerika forcierte. Die russische Vorgehensweise der immer stärkeren Abriegelung des eigenen Machtbereichs verängstigte die Westeuropäer, so dass sie sich verstärkt an die USA anlehnten. Die Systeme standen sich immer feindlicher gegenüber. 1948/49 hatten sich dann zwei deutsche Staate konstituiert, ebenso war die Formierung in Machtblöcke mit gegensätzlichen Gesellschaftssystemen zur Tatsache geworden. Taktik und Ziel des nun einsetzenden „Kalten Krieges“ war, die Gegensätze und Widersprüche im anderen Lager zu erkennen, publik zu machen und soweit wie möglich zu fördern.

Vor diesem Hintergrund setzt meine Untersuchung zur Rezeption der Stücke „Cyankali“ und „Die russische Frage“ ein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Grundzüge des Kalten Krieges

2. Die Berliner Theatersituation nach dem Krieg

3. Die „Steine des Anstoßes“

3.1. Cyankali

3.2. Die Diskussion um Cyankali

3.3. Die Konfrontation Wolf-Karsch

3.4. Die russische Frage

3.5. Die Diskussion um Die russische Frage

4. Schlussbetrachtung

5. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die These, ob der Kalte Krieg seinen Ursprung in der Berliner Theaterlandschaft der Nachkriegsjahre nahm. Dabei wird analysiert, inwiefern kulturelle Auseinandersetzungen und die gezielte Instrumentalisierung des Theaters als Propagandamittel durch die Besatzungsmächte zur ideologischen Spaltung Deutschlands beitrugen.

  • Grundlagen des Kalten Krieges und die Rolle der Alliierten
  • Die Berliner Theatersituation als Spiegel gesellschaftlicher Konflikte
  • Fallstudie I: Die Kontroverse um Friedrich Wolfs „Cyankali“
  • Fallstudie II: Die ideologische Debatte um Konstantin Simonovs „Die russische Frage“
  • Die Instrumentalisierung der Kulturpolitik im Ost-West-Konflikt

Auszug aus dem Buch

Die Konfrontation Wolf-Karsch

Dies waren die Gegebenheiten. Am 8.3.1947 fand eine Inszenierung auf der Bühne des Hebbel-Theaters statt, an der sich ein erbitterter Streit entzündete. Am heftigsten und prägnantesten reagierte Walther Karsch vom Westberliner Tagesspiegel in seiner Rezension vom 9.3.1947. Er verdammte es als „gewaltsam zurechtkonstruiertes Tendenzstück“ (zitiert bei Wolf und Hammer, 334), welches in primitiver „Schwarz-Weiß-Technik“ (ebenda, 351) Probleme darstellt, die längst nicht mehr von Belang seien: „Hier wird mit Argumenten gekämpft, über die nicht nur neue medizinische Erkenntnisse hinweggegangen sind, sondern gerade neue Einsichten in die gesellschaftlichen Zusammenhänge hinweggegangen sind“ (ebenda, 350).

Karsch spricht ihm jeden Wahrheitsgehalt ab, sowohl zu seiner Entstehungszeit als auch jetzt. Auffällig ist, dass der Schwerpunkt auf die geschilderten Begebenheiten gelegt wird und weniger auf die Qualität der Inszenierung. Die Schauspielerleistungen werden am Rand gestreift, um so mehr die literarische Substanz der Figuren bemängelt. Karsch tritt eher als politischer Kämpfer denn als Theaterkritiker auf. So banalisiert er das Anliegen Wolfs: Man baue vor und propagiere meinetwegen auch von der Bühne her die Verwendung empfängnisverhütender Mittel, die schon längst Allgemeinbesitz der Damen und Herren der Gesellschaft sind, so dass diese es gar nicht mehr nötig haben, sich ein Attest beim Arzt zu erschleichen. Dann würde wohl die Frage nach der sozialen Indikation überflüssig werden, genauso überflüssig, wie es war, das Stück aus der Mottenkiste des Klassenkampfes zu holen (ebenda, 352).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Grundzüge des Kalten Krieges: Eine historische Einordnung der alliierten Beziehungen und des Übergangs von der Kriegsallianz zur Konfrontationspolitik zwischen Ost und West.

2. Die Berliner Theatersituation nach dem Krieg: Analyse der Theaterlandschaft unter der Kontrolle der Besatzungsmächte, die ihre Kulturpolitik als Instrument zur Umerziehung und Propaganda nutzten.

3. Die „Steine des Anstoßes“: Detaillierte Untersuchung zweier kontroverser Theateraufführungen, die den Ost-West-Konflikt exemplarisch auf der Bühne austrugen.

3.1. Cyankali: Einführung in Friedrich Wolfs Stück und dessen historische Relevanz im Kontext des Abtreibungsparagraphen 218.

3.2. Die Diskussion um Cyankali: Dokumentation der unterschiedlichen Rezeption und der politischen Auseinandersetzungen in den verschiedenen Besatzungszonen.

3.3. Die Konfrontation Wolf-Karsch: Analyse des direkten ideologischen Streits zwischen dem Autor Friedrich Wolf und dem Kritiker Walther Karsch als Manifestation des Kalten Krieges.

3.4. Die russische Frage: Vorstellung des Stückes von Konstantin Simonov und dessen Wahrnehmung als bewusste Kampfansage der östlichen Seite.

3.5. Die Diskussion um Die russische Frage: Auswertung der heftigen Kritiken und der aufgeheizten Stimmung im Ensemble sowie in der öffentlichen Presselandschaft.

4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit zur Validität der These, dass das Theater eine maßgebliche Rolle im Prozess der deutschen Teilung einnahm.

5. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.

Schlüsselwörter

Kalter Krieg, Berlin, Theater, Nachkriegszeit, Besatzungsmächte, Kulturpolitik, Ideologie, Cyankali, Die russische Frage, Friedrich Wolf, Walther Karsch, Propaganda, West-Ost-Konflikt, Paragraf 218, Bühnenpraxis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Einfluss des Theaters auf den Beginn des Kalten Krieges in Berlin zwischen 1945 und 1949 und beleuchtet die Rolle der Bühne als Ort politischer Auseinandersetzung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Kulturpolitik der Siegermächte, die ideologische Spaltung innerhalb Berlins und die Wirkung von Theaterstücken als Propagandainstrumente.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu belegen, dass die politische Spaltung Deutschlands sich frühzeitig in kulturellen Debatten auf Berliner Theaterbühnen manifestierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine ästhetisch-kulturelle Analyse, die auf der Auswertung von zeitgenössischen Kritiken, Dokumentationen und theaterwissenschaftlicher Literatur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert zwei konkrete Theaterstücke – „Cyankali“ und „Die russische Frage“ – sowie die daraus resultierenden öffentlichen und kritischen Debatten zwischen den politischen Lagern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Kalter Krieg, Kulturpolitik, Propaganda, Ideologie und Theaterinszenierung in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Warum wird gerade der Fall „Cyankali“ als Beispiel herangezogen?

Das Stück dient als Beispiel dafür, wie ein sozialpolitisches Thema (Abtreibung) instrumentalisiert wurde, um ideologische Gräben zwischen Ost- und Westsektor offenzulegen.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Rolle des Theaters?

Die Arbeit schließt sich der These an, dass das Theater mehr als nur Unterhaltung war; es fungierte als Registratur des Zeitgeistes und als Ort, an dem die deutsche Teilung szenisch vorweggenommen wurde.

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Details

Title
Hat der Kalte Krieg - in Berlin - im Theater begonnen?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Kunst- und Kulturwissenschaft. Seminar für Ästhetik)
Course
"Auferstanden aus Ruinen?! Theater und Theaterkritik in Berlin zwischen 1945 und '49. Eine ästhetisch-kulturelle Analyse
Grade
1,7
Author
Cornelia Neumann (Author)
Publication Year
1997
Pages
13
Catalog Number
V31422
ISBN (eBook)
9783638324397
ISBN (Book)
9783638778480
Language
German
Tags
Kalte Krieg Berlin Theater Auferstanden Ruinen Theater Theaterkritik Berlin Eine Analyse Kalter Krieg Friedrich Wolf Cyankali Alliierte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Cornelia Neumann (Author), 1997, Hat der Kalte Krieg - in Berlin - im Theater begonnen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31422
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