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Meteorologie für Massen. Der Wetterbericht im Spannungsfeld von Information und Unterhaltung

Eine Inhaltsanalyse

Title: Meteorologie für Massen. Der Wetterbericht im Spannungsfeld von Information und Unterhaltung

Diploma Thesis , 2006 , 124 Pages , Grade: 1,6

Autor:in: Christiane Ruth Bayer (Author)

Communications - Miscellaneous
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„... und nun das Wetter!“: So lautet der typische Schlusssatz vieler Nachrichtensendungen im Fernsehen vor der Überleitung zum Wetterbericht. Im deutschen Fernsehen haben sich in den vergangenen Jahren rund um die Wetternachrichten auffallende Veränderungen ergeben: Die Informationen zu Sonne, Wind und Graupelschauern werden heute auf den meisten Kanälen zunehmend frischer, bunter und lockerer präsentiert. Die Wetterberichte ähneln immer mehr US-amerikanischen „Weather-Shows“.

Die vorliegende Arbeit analysiert vier Eckjahre der Sender ARD, ZDF, RTL und SAT.1 im Zeitraum von 1993 bis 2005.

Ursächlich für das Phänomen "Weathertainment" ist das Ineinandergreifen mehrerer Aspekte, in erster Linie die Kommerzialisierung in Folge der Liberalisierung der Wetter- und Fernsehbranche, der technische Fortschritt sowie das gestiegene Interesse der Öffentlichkeit an Wetterinformationen. Auf Grund des enormen Konkurrenzdrucks ringen öffentlich-rechtliche und private TV-Sender um die Gunst der Zuschauer, insbesondere bei Sendungen, die ein großes Zuschauerinteresse und damit hohe Einschaltquoten erwarten lassen. Eine solche Schlüsselposition nehmen im Programmablauf Wetterberichte ein: Deren Werbeumfeld erzielt Höchstpreise.

Mit dem Instrument der Inhaltsanalyse wird die Frage beantwortet, ob, in welchem Umfang und mit welchen Mitteln die meteorologischen Informationen für das Millionenpublikum des Fernsehens in den vergangenen Jahren im Sinne des Infotainmentkonzepts modifiziert wurden. Der besondere Reiz ergibt sich beim Fernsehen dabei aus dem Zusammenwirken von optischen und verbalen Gesichtspunkten.

Zum Nachweis unterhaltsamer Elemente wurde ein speziell auf TV-Wetterberichte zugeschnittenes, inhaltsanalytisches Kategoriensystem entwickelt, mit dem sich die möglichen Veränderungen von Sendedauer, Präsentation, Inhalt und Sprache messen lassen.

Die Längsschnittstudie ist so angelegt, dass sie Rückschlüsse auf drei verschiedene Ebenen zulässt, die vor allem in Hinblick auf die bereits erwähnten, der Studie zu Grunde liegenden Umbrüche in der Medien- und Wetterbranche von Interesse sind: Erstens die möglichen Veränderungen entlang der Zeitachse, also die Unterschiede zwischen den einzelnen Jahren. Zweitens der gegebenenfalls vorhandene Kontrast zwischen den einzelnen Sendern. Zum Dritten könnte die Untersuchung auf Trends bei der Wetterberichterstattung einzelner TV-Anbieter hinweisen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wetter und Mensch

2.1 Das Wetter – eine Einführung

2.2 Die Bedeutung des Wetters für den Menschen

2.3 Historische Entwicklung meteorologischer Kommunikation

2.3.1 Wetteraberglauben - Donner und Dürre als göttliche Botschaft

2.3.2 Wetterforschung – mit Messung und Experiment zur Meteorologie

2.3.3 Wetter für Massen – Berichterstattung in modernen Medien

2.4 Charakteristika des Wetterberichts

2.4.1 Allgemeine Kennzeichen

2.4.2 Textsorte und Sprache

2.4.3 Produktionsweise

2.4.4 Die Wettersendungen bei ARD, ZDF, RTL und SAT.1

3. Wetter und Fernsehen

3.1 Gravierender Umbruch in der deutschen Wetterindustrie

3.1.1 Die Liberalisierung des Wettermarktes

3.1.2 Konkurrenz der Wetterdienstleister

3.1.3 Exkurs: Die Wetterbranche in den USA und die „Weathermen“

3.2 Gravierender Umbruch in der deutschen Fernsehlandschaft

3.2.1 Die Einführung des dualen Rundfunksystems

3.2.2 Die Konvergenz-Diese

3.2.3 Konkurrenz der Fernsehsender

3.3 Konsequenzen für die Gestaltung von Nachrichten und Wettersendungen

3.3.1 Charakteristika traditioneller Fernsehnachrichten

3.3.2 Die veränderte Gestaltung von Nachrichten- und Wettersendungen

4. Wetter und Infotainment

4.1 Infotainment: unterhaltende Präsentation von Information im Fernsehen

4.1.1 Begriffsdefinitionen und Hintergrund

4.1.2 Forschungsstand

4.1.3 Die Infotainment-Theorie nach Früh/Wirth

4.1.4 Strategien und Merkmale der Infotainisierung

4.2 Fazit: Eingrenzung des Forschungsgegenstands und Hypothesenbildung

5. Untersuchungsdesign

5.1 Die Inhaltsanalyse

5.2 Untersuchungsgegenstand und -zeitraum

5.3 Untersuchungsziel und -instrument

5.4 Reliabilitätstest

6. Ergebnisse und Auswertung

6.1 Ergebnisse auf formaler Ebene

6.2 Ergebnisse auf der Ebene „Sendedauer“

6.3 Ergebnisse auf der Ebene „Präsentation“

6.4 Ergebnisse auf der Ebene „Inhalt“

6.5 Ergebnisse auf der Ebene „Sprache“

6.6 Ergebnisse auf der Ebene „Infotainment“

6.7 Interpretation der Ergebnisse

7. Resümee

8. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit meteorologische Informationen für das Fernsehpublikum in den Jahren 1993 bis 2005 durch Infotainment-Elemente modifiziert wurden und ob sich ein Trend zu einer unterhaltsameren Berichterstattung abzeichnet.

  • Wandel der Fernsehwetterberichterstattung in Deutschland
  • Einfluss der Liberalisierung des Medienmarktes auf Wetterberichte
  • Anwendung der Infotainment-Theorie nach Früh/Wirth
  • Vergleichende Längsschnittstudie der Sender ARD, ZDF, RTL und SAT.1
  • Strukturelle Analyse von Präsentation, Inhalt und Sprache

Auszug aus dem Buch

2.2 Die Bedeutung des Wetters für den Menschen

Der Mensch ist – wie alle Lebewesen – als Bestandteil der natürlichen Umwelt wetterabhängig. Extreme Witterungsbedingungen, Gewitter oder wetterbedingte Katastrophen wie Überschwemmungen und Dürren können den Menschen und seinen Lebensraum gefährden. Extremtemperaturen wie starker Hitze oder Kälte hält der menschliche Organismus ohne entsprechenden Schutz nicht lange stand. Ludes konstatiert diesbezüglich: „Für ihr Überleben sind menschliche Gruppierungen darauf angewiesen, kontinuierlich Informationen über ihre Lebenswelt zu erhalten“ (LUDES 1993: 3). Die Ansprüche an Schutzmaßnahmen wie Wohnung und Kleidung gestalten sich in Abhängigkeit von den Klimabedingungen des Wohnortes.

Das Wetter ist die Grundlage für Existenz und Leben. Die Erträge in Land-, Vieh- und Forstwirtschaft, Handel und Verkehr sind extrem von den herrschenden Wetterverhältnissen beeinflusst. Die kluge Deutung der Geschehnisse am Himmel konnte einst über volle Kornspeicher oder Hungersnöte entscheiden: „Da das Wetter je nach Region mehr oder weniger starken Wechseln unterzogen ist und wir in vielfacher Weise von ihm abhängen, besteht seit Menschengedenken das Bedürfnis nach einer oft überlebenswichtigen Wettervorhersage“ (SETTEKORN 1999: 13). Historische Umbrüche wie die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert schufen neue Ansprüche: „Die fortschreitende ökonomische Entwicklung [...] forderte eine genauere Berücksichtigung der Witterungsbedingungen und damit zum Beispiel den Aufbau von Sturmwarnsystemen und die Bereitstellung von Klimadaten [...].“ (KÖRBER 1987: 200).

Das Wetter geschieht permanent, wirkt überall und ist für jeden jederzeit fühlbar, wodurch es in der alltäglichen Wahrnehmung breiten Raum einnimmt. Dies und die wechselhafte, unberechenbare Natur des Wetters machen es, wie Settekorn ausführt, „[...] zu einem geradezu idealen Gegenstand der Alltags- und Massenkommunikation. Wie in wenigen anderen Bereichen kann die Kommunikation beim Wetter unterschiedslos an die unmittelbare Alltagserfahrung aller anknüpfen, und das rund um den Globus. [...] Wetter geht durch die Haut, schlägt aufs Gemüt oder stimmt uns heiter; es ist gesund oder ungesund; bei manchen kündigt sich ein Wetterwechsel spürbar an Wund- oder OP-Narben an; bei Föhnlage steigt in betroffenen Gebieten regelmäßig die Selbstmordrate, und weil Millionen sich auf die Suche nach ganz bestimmten Wetterlagen machen, ist es Quintessenz einer weltumspannenden Tourismusbranche“ (SETTEKORN 1999: 12f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Themas, der Forschungsfrage zur Veränderung der Wetterberichterstattung im Kontext von Information und Unterhaltung sowie der gewählten methodischen Vorgehensweise.

2. Wetter und Mensch: Darstellung der Bedeutung des Wetters für den Menschen, dessen historischer Wahrnehmung und der Entwicklung meteorologischer Kommunikation bis hin zur modernen Massenmedienberichterstattung.

3. Wetter und Fernsehen: Analyse der Umbrüche in der deutschen Wetter- und Fernsehbranche durch Liberalisierung und duales Rundfunksystem sowie deren Auswirkungen auf die Berichterstattung.

4. Wetter und Infotainment: Theoretische Herleitung des Infotainment-Begriffs und dessen Anwendung auf den Wetterbericht, inklusive der Definition relevanter Dimensionen wie Emotionalisierung und Dynamisierung.

5. Untersuchungsdesign: Erläuterung der Inhaltsanalyse als Methode, des Zeitraums (1993-2005), der Materialauswahl der vier Sender sowie des entwickelten Kategoriensystems zur Messung der Infotainisierung.

6. Ergebnisse und Auswertung: Detaillierte Darstellung der empirischen Ergebnisse hinsichtlich Sendedauer, Präsentation, Inhalt und Sprache bei ARD, ZDF, RTL und SAT.1 inklusive Interpretation der Daten.

7. Resümee: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Bestätigung der aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der Zunahme von Infotainment-Elementen.

8. Ausblick: Reflexion über die zukünftige Entwicklung der Wetterberichterstattung im Spannungsfeld zwischen Unterhaltungswert und Informationsauftrag.

Schlüsselwörter

Wetterbericht, Infotainment, Fernsehen, Deutschland, Medienforschung, Inhaltsanalyse, Weathertainment, Sendedauer, Wettervorhersage, Wetterdaten, Journalismus, Nachrichtensendung, Medienwandel, Programmgestaltung, Unterhaltung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wandel der Fernseh-Wetterberichterstattung in Deutschland zwischen 1993 und 2005 im Kontext von zunehmender Kommerzialisierung und Infotainment.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die zentralen Felder sind die historische Einordnung des Wetters für den Menschen, die ökonomischen Umbrüche im deutschen Fernsehmarkt sowie die methodische Analyse von unterhaltsamen Gestaltungselementen in TV-Wetterberichten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu belegen, ob und mit welchen Mitteln (Präsentation, Sprache, Inhalt) Wetterberichte in den vergangenen Jahren unterhaltsamer gestaltet wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer empirischen Inhaltsanalyse, für die ein spezielles Kategoriensystem entwickelt wurde, um die Sendedauer, Präsentation, Inhalte und Sprache der Wetterberichte zu quantifizieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Infotainment nach der Theorie von Früh/Wirth erläutert, gefolgt von einer detaillierten empirischen Auswertung der Daten der vier Sender ARD, ZDF, RTL und SAT.1.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Infotainment, Weathertainment, Wetterbericht, Medienwandel, Sendedauer und Inhaltsanalyse.

Wie unterscheidet sich die Berichterstattung der ARD von privaten Sendern?

Die ARD zeigt im Vergleich zur "Tagesschau" (altes Format) einen deutlichen Wandel durch das Kachelmann-Konzept, während private Sender wie RTL und SAT.1 von Beginn an stärker auf unterhaltsame, personalisierte Formate setzten.

Welche Rolle spielt die Sendedauer bei der Untersuchung?

Die Sendedauer dient als Indikator für die "Relevanz" des Wetterberichts; die Arbeit untersucht, ob längere Sendezeiten korrelieren mit einer Zunahme unterhaltender Elemente, was bei den meisten Sendern bestätigt werden konnte.

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Details

Title
Meteorologie für Massen. Der Wetterbericht im Spannungsfeld von Information und Unterhaltung
Subtitle
Eine Inhaltsanalyse
College
University of Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Course
Kommunikations- und Medienwissenschaft
Grade
1,6
Author
Christiane Ruth Bayer (Author)
Publication Year
2006
Pages
124
Catalog Number
V314223
ISBN (eBook)
9783668131675
ISBN (Book)
9783668148512
Language
German
Tags
Wetterbericht Medien Wetter und Mensch Wetterprognose Meteorologie Historische Entwicklung meteorologischer Kommunikation Wetteraberglauben Wetterforschung Wettersendung Wetterindustrie Wettermarkt Wetterbranche Wetterdienstleister Fernsehlandschaft Privatsender Infotainment Fernsehnachrichten Nachrichten ARD ZDF RTL und SAT.1 1993 bis 2005 Weather-Show weathertainment
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Ruth Bayer (Author), 2006, Meteorologie für Massen. Der Wetterbericht im Spannungsfeld von Information und Unterhaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314223
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