„Mikrobloggingplattform“ ist wohl die beste Bezeichnung für den Dienst, der von Twitter angeboten wird. Doch was genau muss man sich darunter vorstellen? Das Medienunternehmen Twitter setzt sich zum Ziel, „jedem die Möglichkeit zu geben, seine Ideen und Informationen sofort und über Grenzen hinweg zu teilen“, wobei dies über sogenannte Tweets – Kurznachrichten mit dem Umfang von maximal 140 Zeichen – geschehen soll. Twitter ist demnach eine Plattform, die jedem Nutzer die Gelegenheit bietet, seine Gedanken oder Ideen in Form einer ‚Mikronachricht‘ mitzuteilen.
Freilich entstehen so unter anderem neue Möglichkeiten für Unternehmen zum Beispiel in einer marketingfördernden Funktion (vgl. dazu z. B. Grabs / Banour 2013). Demuth / Schulz (2010) weißen aber demgegenüber darauf hin, dass auch auf der Ebene der Sprache sich neue Entwicklungen und Besonderheiten zeigen, die häufig übergangen werden (vgl. ebd., S. 6): In ihrer Arbeit stellen sie unter anderem fest, dass ein Tweet sich als „Textsortenvariante der Textsorte Hypertext“ (ebd., S. 52) herausstellen lässt. Inwieweit ein einzelner Tweet aber als autonomer Text an sich gelten kann, überlassen sie einer noch ausstehenden semantischen Analyse der Kommunikation auf Twitter (vgl. ebd.).
Genau an diesem Punkt soll die folgende Arbeit ansetzen: Es geht also um die Textualität von Tweets und inwiefern einzelne Textualitätskriterien auf die Textsortenvariante Tweet zutreffen, wobei ich mich speziell auf das semantische Kriterium der Kohärenz konzentriert habe. Ich versuche zu zeigen, dass sich trotz beziehungsweise gerade wegen der Textkürze von Tweets, kohärenzbildende Effekte ergeben müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommunizieren mit Twitter
3. Kohärenz und Wortbildung
4. Korpusauswertung
4.1 Wortbildungen mit Hashtag
4.2 Das Hashtag als autonomes Wort
4.3 Alternative Konstruktionen
5. Sprachökonomische Aspekte
6. Das Hashtag und der Diskurs
7. Schluss
8. Literaturverzeichnis
9. Korpus
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Textualität von Tweets mit dem Fokus auf das semantische Kriterium der Kohärenz. Ziel ist es aufzuzeigen, dass trotz der Kürze von Tweets durch hashtagbasierte Wortbildungen kohärenzstiftende Effekte und semantische Zusammenhänge entstehen.
- Textualitätskriterien bei Mikroblogs
- Semantische Kohärenzbildung durch Wortbildung
- Isotopie-Konzept nach Greimas in der Twitter-Kommunikation
- Die Doppelfunktion von Hashtags als Themenmarker und Wortbildungselement
- Sprachökonomische Aspekte der Zeichenbegrenzung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Mikrobloggingplattform“ (Demuth / Schulz 2010, S. 6) ist wohl die beste Bezeichnung für den Dienst, der von Twitter angeboten wird. Doch was genau muss man sich darunter vorstellen? Das Medienunternehmen Twitter setzt sich zum Ziel, „jedem die Möglichkeit zu geben, seine Ideen und Informationen sofort und über Grenzen hinweg zu teilen“1, wobei dies über sogenannte Tweets – Kurznachrichten mit dem Umfang von maximal 140 Zeichen – geschehen soll. Twitter ist demnach eine Plattform, die jedem Nutzer die Gelegenheit bietet, seine Gedanken oder Ideen in Form einer ‚Mikronachricht‘ mitzuteilen.
Freilich entstehen so unter anderem neue Möglichkeiten für Unternehmen zum Beispiel in einer marketingfördernden Funktion (vgl. dazu z. B. Grabs / Banour 2013). Demuth / Schulz (2010) weißen aber demgegenüber darauf hin, dass auch auf der Ebene der Sprache sich neue Entwicklungen und Besonderheiten zeigen, die häufig übergangen werden (vgl. ebd., S. 6): In ihrer Arbeit stellen sie unter anderem fest, dass ein Tweet sich als „Textsortenvariante der Textsorte Hypertext“ (ebd., S. 52) herausstellen lässt2. Inwieweit ein einzelner Tweet aber als autonomer Text an sich gelten kann, überlassen sie einer noch ausstehenden semantischen Analyse der Kommunikation auf Twitter (vgl. ebd.).
Genau an diesem Punkt soll die folgende Arbeit ansetzen: Es geht also um die Textualität von Tweets und inwiefern einzelne Textualitätskriterien auf die Textsortenvariante Tweet zutreffen, wobei ich mich speziell auf das semantische Kriterium der Kohärenz konzentriert habe. Ich versuche zu zeigen, dass sich trotz beziehungsweise gerade wegen der Textkürze von Tweets, kohärenzbildende Effekte ergeben müssen.
Dazu habe ich mich lediglich mit einem Teil der Kommunikation auf Twitter – nämlich mit hashtagbasierten Tweets – auseinandergesetzt. Zudem stehen bei dieser Arbeit die textualitätsbildenden Effekte der Wortbildung im Vordergrund, die ich mit einer Analyse nach dem Isotopie-Konzept von Greimas (1971) herausstellen will.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Textualität bei Mikroblogs ein und definiert das Ziel, die Kohärenzbildung in hashtagbasierten Tweets zu untersuchen.
2. Kommunizieren mit Twitter: Dieses Kapitel beschreibt die verschiedenen Ebenen der Kommunikation auf Twitter und die visuelle sowie funktionale Rolle der Hashtags.
3. Kohärenz und Wortbildung: Hier werden theoretische Grundlagen der Kohärenz und das Isotopie-Konzept von Greimas vorgestellt, um sie später auf Twitter-Texte anzuwenden.
4. Korpusauswertung: Der Autor präsentiert die Erstellung des Korpus aus 200 Tweets und analysiert die verschiedenen Funktionen der Wortbildungen und Hashtags.
4.1 Wortbildungen mit Hashtag: Dieser Abschnitt untersucht konkrete Nominalkomposita, bei denen das Hashtag als Erstglied fungiert.
4.2 Das Hashtag als autonomes Wort: Hier wird der syntaktische Status des Hashtags analysiert, wenn es als eigenständiges Satzglied im Tweet steht.
4.3 Alternative Konstruktionen: Es werden abweichende Strukturen wie Genitivkonstruktionen betrachtet, die ebenfalls semantische Zusammenhänge herstellen.
5. Sprachökonomische Aspekte: Das Kapitel befasst sich mit der Frage, wie Nutzer durch Ellipsen und Wortbildungen das Zeichenlimit von 140 Zeichen einhalten.
6. Das Hashtag und der Diskurs: Hier wird das Hashtag als Mittel zur Konstituierung eines gesellschaftlichen Diskurses interpretiert.
7. Schluss: Der Schlussteil fasst zusammen, dass Hashtags als doppelt motivierte Kohärenzmittel fungieren und textlinguistische Analysen bei Twitter sinnvoll sind.
Schlüsselwörter
Twitter, Mikroblogging, Kohärenz, Hashtag, Wortbildung, Isotopie, Textualität, Textsorte, Sprachökonomie, Nominalkomposita, Diskursnetzwerk, Hypertext, Textzusammenhang, Semantik, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die textlinguistischen Merkmale von Tweets, insbesondere wie kurze Nachrichten ohne klassischen syntaktischen Zusammenhang dennoch kohärent wahrgenommen werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Rolle von Hashtags als Wortbildungselemente, die Kohärenzbildung durch Isotopieketten und die sprachökonomischen Rahmenbedingungen der 140-Zeichen-Grenze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist der Nachweis, dass hashtagbasierte Wortbildungen bei Tweets trotz extremer Textkürze semantische Kohärenz stiften und so die Kommunikation auf Twitter strukturieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Analyse von 200 Tweets durchgeführt, wobei die theoretische Grundlage das Isotopie-Konzept von Greimas (1971) bildet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die syntaktische Verwendung von Hashtags, die Bildung von Nominalkomposita zu einem gemeinsamen Thema (#MH17) und die Auswirkungen auf die Sprachökonomie und Diskursbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Twitter, Hashtag, Wortbildung, Kohärenz, Isotopie, Sprachökonomie und Diskursnetzwerk.
Warum ist das Hashtag für die Kohärenz so wichtig?
Laut Autor fungiert das Hashtag als explizites Kohärenzmittel, das verstreute Einzelaussagen verschiedener Verfasser zu einem gemeinsamen semantischen Bedeutungsganzen verknüpft.
Welche Rolle spielt die 140-Zeichen-Grenze?
Sie erzwingt eine ökonomische Sprachverwendung. Der Autor zeigt, dass Wortbildungen hier ein probates Mittel sind, um Informationen pointiert und kompakt zu bündeln.
- Arbeit zitieren
- Jonas Schreiber (Autor:in), 2014, Kohärenz und Wortbildung in der hashtagbasierten Twitter-Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314234