Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Schicksal und Vorsehung in Gellerts Roman "Leben der schwedischen Gräfin von G***"

Titel: Schicksal und Vorsehung in Gellerts Roman "Leben der schwedischen Gräfin von G***"

Hausarbeit , 2013 , 17 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Prädestination besitzt in der christlichen Glaubensrichtung eine zentrale Bedeutung. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Glaubenslehre im 18. Jahrhundert, in der Zeit, in welchem auch das Werk „Leben der schwedischen Gräfin von G***“ entstanden ist, welches in Form eines Briefromans vom Autor Christian Fürchtegott Gellert geschrieben wurde.

Die Prädestination ist mit dem heutigen Begriff der Vorherbestimmung zu verstehen und erscheint in Gellerts Bildungsroman in verschiedenen Problematiken. In dem autobiografischen Roman beschreibt die fiktive Protagonistin, die Gräfin von G***, ihr Familienname ist nicht bekannt, ihr Leben und damit verbunden auch das ihres Personenumfeldes. Dieses ist gespeist von glücklichen Lebensphasen aber auch von Schicksalsschlägen. Die Figuren und die Protagonistin stehen in den Phasen des Glückes und des Unglückes permanent in einem Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbestimmung.

Das Ziel vorliegender Untersuchung ist es, die Rolle der Prädestination, die sie im gesamten Roman einnimmt, zu erhellen und den Umgang der Figuren mit dieser herauszuarbeiten. Dabei wird untersucht, welche Funktionen die Prädestination besitzt und wie letztendlich Gellert das Problem der Selbstbestimmung in Abhängigkeit der göttlichen Fremdbestimmung zu lösen versucht. Das Letztere verlangt nach der Frage hinsichtlich der Freiheit der Figuren in ihrem Handeln und Willen unter dem Aspekt der Prädestination.

Zu diesem Zweck werden verschiedene Forschungsbeiträge zum Themenbereich der Prädestination hinzugezogen, mit deren Hilfe der Begriff der Prädestination zuerst bestimmt und abgegrenzt, anschließend durch die Ergebnisse ein Bezug auf Gellerts Roman geschaffen wird. Umrahmt wird diese Untersuchung mit der Frage, wer das Leben lenkt und leitet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Die Frage nach der Selbstbestimmung

4. Funktionen der Prädestination im Roman Leben der schwedischen Gräfin von G***

4.1 Legitimation und Sicherung des Herrschaftssystems

4.2 ‚Heilige Sorglosigkeit‘

4.3 Verdrängung der Schuld und die Einsicht der Machtlosigkeit

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Prädestination im Roman "Leben der schwedischen Gräfin von G***" von Christian Fürchtegott Gellert. Ziel ist es zu analysieren, wie der Autor das Spannungsfeld zwischen göttlicher Vorherbestimmung und menschlicher Selbstbestimmung darstellt und welche Funktionen die Vorstellung der Prädestination für die Romanfiguren bei der Bewältigung von Lebenskrisen und Schuldfragen einnimmt.

  • Analyse des Begriffs der Prädestination im 18. Jahrhundert
  • Untersuchung von Handlungsspielräumen und Selbstbestimmung der Protagonisten
  • Instrumentalisierung der Prädestination zur Legitimation von Herrschaftsstrukturen
  • Analyse der Flucht in die "heilige Sorglosigkeit" als Verantwortungslosigkeit
  • Untersuchung der Verdrängung von Schuld durch Berufung auf ein gottgegebenes Schicksal

Auszug aus dem Buch

4.1 Legitimation und Sicherung des Herrschaftssystems

Das 18. Jahrhundert, in welchem Zeitraum auch Gellerts Werk entstand, ist von einer offenen Differenzierung der Menschen in Stände geprägt. Es wird zwischen drei Ständen unterschieden, in welche die Menschen eingeordnet werden. Dem ersten Stand, dem der Klerus angehört, dem zweiten Stand, dem der Adel angehört und dem dritten Stand, dem die Bürger und Bauern zugeordnet werden. In dem Bildungsroman befinden sich Hinweise, in denen diese Aufteilung der Menschen in gesellschaftliche Klassen durch die Prädestination legitimiert wird.

Als die Gräfin von G*** nach ihrer Vermählung mit dem Grafen einen Ausflug mit ihrem Schwiegervater unternimmt, stößt sie auf einem Gut des Grafen auf eine Frau. Es stellt sich heraus, dass diese Frau die ehemalige Geliebte ihres Mannes ist. Von ihrem Schwiegervater erfährt die Gräfin die Umstände dieser Liebschaft. Anschließend gesteht ihr der Graf, dass er Caroline, so heißt seine frühere Geliebte, zur Frau genommen hätte, wenn sie die Erlaubnis des Hofes bekommen hätten, die ihnen aber nicht von demselben zugesprochen wurde. Daraufhin richtet sich die Gräfin zu den Lesern und erwähnt in Bezug auf Caroline und der Verweigerung der Ehe: „Ich sah beinahe keinen Vorzug, den ich vor ihr hatte, als daß ich adlig geboren war.“ (Gellert, S. 16) An dieser Stelle wird eine Anspielung auf eine nicht standesgemäße Ehe gemacht, die von der dortigen Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Eine nicht standesgemäße Heirat verbietet die Gesellschaft, da es annimmt, dass Gott bestimmt habe, dass Menschen zu einem bestimmten Zweck auf die Welt kommen. Dieser Glaube an einen bestimmten Zweck wird aus den Worten des Vaters des Grafen, der im Sterbebett liegt und seine Untertanen zu sich ruft, nochmals deutlich hervorgehoben:

Der Tod hebt diesen Unterschied [Standesunterschied] auf, und ich gehe in eine Welt, wo ihr soviel als ich sein werdet und wo ihr für die Erfüllung eurer Pflichten ebensoviel Glück erhalten werdet, als ich für die Erfüllung der meinigen. (Gellert, S. 19f.)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Prädestination im 18. Jahrhundert ein und umreißt die Fragestellung zur Spannung zwischen göttlicher Vorherbestimmung und menschlicher Freiheit in Gellerts Roman.

2. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel grenzt die Begriffe Schicksal, Vorsehung und Prädestination wissenschaftlich voneinander ab, um eine Grundlage für die Analyse des Romans zu schaffen.

3. Die Frage nach der Selbstbestimmung: Es wird untersucht, ob innerhalb eines prädestinierten Lebens in Gellerts Roman Raum für individuelle Entscheidungen besteht, wobei der Begriff des "Möglichkeitsfeldes" zentral ist.

4. Funktionen der Prädestination im Roman Leben der schwedischen Gräfin von G***: Dieses Hauptkapitel analysiert, wie die Figuren Religion instrumentalisieren, um Herrschaftsverhältnisse zu sichern, Verantwortung abzuschieben und eigene Schuld zu verdrängen.

5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass Gellert die göttliche Vorbestimmung nicht als Aufhebung menschlicher Freiheit begreift, sondern zur bewussten Lebensgestaltung mittels Vernunft aufruft.

Schlüsselwörter

Prädestination, Vorsehung, Schicksal, Selbstbestimmung, Gellert, Leben der schwedischen Gräfin von G***, Aufklärung, Standesgesellschaft, Verantwortungsübertragung, Handlungsfreiheit, Vernunft, Schuldverdrängung, Herrschaftssystem, Theologie, Bildungsroman

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die Protagonisten in Christian Fürchtegott Gellerts Roman "Leben der schwedischen Gräfin von G***" mit dem theologischen Konzept der Prädestination umgehen und welche Auswirkungen dieser Glaube auf ihr Handeln hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Spannungsverhältnis zwischen göttlicher Vorherbestimmung (Prädestination), menschlicher Selbstbestimmung sowie der Missbrauch religiöser Konzepte zur Rechtfertigung gesellschaftlicher Machtverhältnisse.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es herauszuarbeiten, welche Funktionen die Vorstellung einer prädestinierten Welt für die Romanfiguren erfüllt, insbesondere in Bezug auf die Vermeidung von Verantwortung und die Bewältigung von moralischen Konflikten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf fachwissenschaftliche Sekundärliteratur zu den Begriffen Schicksal, Vorsehung und Prädestination, um den Text systematisch zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Legitimation von Herrschaftssystemen, das Phänomen der "heiligen Sorglosigkeit" sowie die psychologischen Mechanismen der Schuldenverdrängung durch die Berufung auf das Schicksal.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Prädestination, Selbstbestimmung, Aufklärung, Standesgesellschaft und christliche Vorsehungslehre definiert.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Schicksal und Vorsehung im Roman?

Die Untersuchung arbeitet heraus, dass Schicksal im Roman oft negativ und als unabwendbares, punktuelles Ereignis wahrgenommen wird, während Vorsehung als ordnende, vernünftige göttliche Lenkung begriffen wird, was die Figuren zur Rechtfertigung ihres Handelns nutzen.

Welche Rolle spielt die Vernunft im Kontext der Prädestination?

Die Vernunft dient laut der Analyse als Gegengewicht zur fatalistischen Hinnahme der Prädestination; sie ermöglicht es den Figuren, moralische Urteile zu treffen und eigenverantwortlich zwischen verschiedenen Lebenswegen zu wählen.

Warum spielt die ständische Differenzierung eine Rolle in der Untersuchung?

Die ständische Struktur ist essenziell, da die Prädestination im Roman instrumentalisiert wird, um die soziale Ordnung zu legitimieren und den dritten Stand zur Akzeptanz seiner untergeordneten Rolle zu bewegen.

Wie wird das Konzept des "Möglichkeitsfeldes" in der Arbeit definiert?

Das Möglichkeitsfeld beschreibt den Entscheidungsfreiraum, der dem Menschen trotz eines prädestinierten Lebens bleibt, und verdeutlicht, dass jeder Einzelne die Freiheit besitzt, seine Haltung zu den vorgegebenen Lebensumständen bewusst zu wählen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Schicksal und Vorsehung in Gellerts Roman "Leben der schwedischen Gräfin von G***"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V314330
ISBN (eBook)
9783668134270
ISBN (Buch)
9783668134287
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstbestimmung Fremdbestimmung Prädestination Schicksal Fügung Freier Wille Autonomie Gellert Leben der schedischen Gräfin von G***
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2013, Schicksal und Vorsehung in Gellerts Roman "Leben der schwedischen Gräfin von G***", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314330
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  17  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum