Die Entstehung der ›Teenager‹. Rock'n'Roll, Blue Jeans, Hollywood und die Coca-Colonisierung der Jugendkultur in Österreich


Seminararbeit, 2015

29 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Österreich und der „American Way of Life“ – US-Einfluss in Kultur und Alltagsleben der 50er Jahre

Die Coca-Colonisierung der Jugendkultur Österreichs

Wesentliche Elemente der Jugendbewegung in den 50er Jahren

The Wild Ones – Entstehung und Kriminalisierung der „Halbstarken“ in Österreich

The Mild Ones – Entwicklung zu konsumorientierten Teenager

Bedeutung der Jugendbewegungen in den 50er Jahren

Schlussbemerkungen

Verwendete Literatur

Aufsätze in Fachzeitschriften und Beiträge in Sammelbänden

Vorwort

Simona Winkler

Im Rahmen des Proseminars Jugend und Jugendkulturen in Österreich 1918-1989, beschäftigten wir uns eingehend mit den gesellschaftspolitischen und sozialhistorischen Entwicklungstendenzen der Jugendbewegungen im 20. Jahrhundert. Dieser Themenkomplex verspricht eine sehr vielseitige Auswahl an Strömungen, die hauptsächlich von Jugendlichen getragen wurden und sich kenntlich von der breiten Masse der jeweiligen Zeit unterschieden haben. Manches greift die Jugendkultur, die bekanntlich als Subkultur verstanden wird, vom vorherrschenden System auf, anderes wiederum wird vollkommen entgegengesetzt ausgelebt. Es werden gewisse Elemente, wie Kleidung, Musik, Aussehen oder Sprache verwendet, um die Meinung sowie die ideellen, politischen oder kulturellen Vorstellungen im öffentlichen Raum zu demonstrieren und sich auch optisch vom Mainstream abzuheben.

Eine Jugendbewegung des 20. Jahrhunderts, welche sich besonders stark dieser optischen Merkmale bediente, waren die Rock’n’Roller der Nachkriegszeit– auch als Halbstarke und in weiterer Folge als Teenager bezeichnet. Beeinflusst von der US-Unterhaltungs- und Medienindustrie, zählten Blue-Jeans, Elvis-Tolle und Petticoats zum neuen Erscheinungsbild der österreichischen Jugend in den 1950ern, die vorwiegend Rock’n’Roll-Musik sowie Hollywoodfilme mit Marylin Monroe oder Marlon Brando der heimischen Kultur vorzog und dadurch nicht selten für Provokation und Aufregung sorgte.

Die Arbeit zum Thema „Die Entstehung der ›Teenager‹. Rock'n'Roll, Blue Jeans, Hollywood und die Coca-Colonisierung der Jugendkultur in Österreich“ soll im Folgenden genauer auf diesen Akkulturationsprozess der österreichischen Jugend in den 1950er Jahren eingehen und die Beweggründe dafür herausarbeiten. Nachdem ich im Zuge einer vorangegangenen Proseminararbeit zum Thema „Mode als Massenkonsum – Bedeutung und Konsum von Bekleidung um 1950“ bereits erste wissenschaftliche Untersuchungen in diese Richtung machen konnte und das Auftreten der oben genannten Modephänomene wie Blue Jeans oder Petticoats in Westeuropa beschrieben habe, wird der Fokus nun speziell auf die österreichische Jugend gelegt und nicht nur Kleidung, sondern auch Musikstile, Auftreten und konsumorientierte Elemente – wie Coca Cola oder Hollywoodfilme - behandelt.

Die Arbeit sollte nicht nur jene ansprechen, die sich für die Jugendforschung und Kulturgeschichte Österreichs interessieren und dementsprechend bereits über Kompetenz in diesem Themenkomplex verfügen, sondern auch für diejenigen einen Anreiz bieten, die keine Vorkenntnisse in diesem Bereich aufweisen. Ein besonderer Dank gilt selbstverständlich dem Lehrveranstaltungsleiter Prof. Gerald Sprengnagel, der sowohl im Seminar, als auch in der Endphase der Arbeit begleitende Unterstützung bot sowie dem Redaktionsteam, welches vor allem die anfängliche Literaturrecherche und die formale Gestaltung der Arbeit betreute.

Die Entstehung der Teenager – Rock’n’Roll, Blue Jeans, Hollywood und die Coca-Colonisierung der Jugendkultur Österreichs

Einleitung

Die 50er Jahre des 20. Jahrhundert waren sowohl für Österreich als auch für die ehemalige BRD eine Zeit der Modernisierung, des technischen, wirtschaftlichen aber auch sozialen Wandels. Nach jahrelangen Entbehrungen im Zuge des Zweiten Weltkrieges und den anfänglichen Wiederaufbaujahren nach 1945 kehrte infolge des Wirtschaftsaufschwungs bereits Anfang der 50er Jahre relativer Wohlstand und Stabilität in weiten Teilen der Bevölkerung ein. Und dies war es auch, was zu erhalten galt: Sicherheit und Stabilität, sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer Hinsicht. Zudem wollte man sich in Österreich weitestgehend von den Gräueltaten der unmittelbaren Vergangenheit – dem Nationalsozialismus und dem Holocaust – distanzieren, was zur Verdrängung und Nicht-Auseinandersetzung mit dieser Thematik führte. Wesentliche Elemente dieses Verdrängungsmechanismus‘ waren die Restauration alter gesellschaftlicher Strukturen, wie die Rollen der Geschlechter, die Hochstilisierung früherer Epochen, wie der Zeit der Habsburgermonarchie und die Überbetonung von Traditionskultur und österreichischem Brauchtum, was eine weitere Distanzierung von Deutschland und somit auch vom NS bedeutete.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Mitte der 50er Jahre war in Österreich wesentlich durch die Besatzung der Alliierten geprägt, wobei vor allem die USA einen großen Einfluss auf die Wirtschaft und Kultur des Landes ausübte. Durch die finanziellen Mittel im Zuge des Marshallplans kam die Wirtschaft in Österreich und der BRD wieder in Schwung und die Mehrheit der Bevölkerung konnte am damit einsetzenden Massenkonsum teilnehmen, der sich in Amerika bereits in der Zwischenkriegszeit entwickelt hatte. Nach den sogenannten Fresswellen, wo sich die Bevölkerung mit Nahrungsmittel und Güter des Grundbedarfs eindeckte, folgten Konsumwellen in Bekleidung und Einrichtungsgegenständen.

Vor allem aber die junge Bevölkerung Österreichs fand großen Gefallen an der US-Populärkultur und den neuen Möglichkeiten in Konsum und Freizeitgestaltung. Rock’n’Roll, Hollywoodfilme, Blue Jeans und Coca Cola wurden somit zu wesentlichen Elementen einer Jugendbewegung, die sich von den traditionellen und konservativen Zwängen der Elterngeneration abzuheben versuchte und dadurch die wiedererlangte Sicherheit und Ruhe im Land gefährdete. Schockiert über die neuen Klänge aus den Wurlitzern und der Freizeitgestaltung der sogenannten Halbstarken – wozu hauptsächlich das Herumlungern an Straßenecken, lautes Mopedfahren und Boogie-Woogie-Tanzen zählte – wurde rasch vom Ansteigen der Jugendkriminalität gesprochen.Gegen Ende der 50er Jahre verebbte die Diskussion allmählich und es kam zu einer Art Kooperation zwischen Jugend und Freizeitindustrie. Man arrangierte sich mit den Interessen der Jugendlichen und räumte ihnen gewisse Freiheiten ein, allerdings unter der Voraussetzung, Grenzen einzuhalten. Der Rock’n’Roll wurde gegen Ende der 50er Jahre softer, das Aussehen adretter und die Manieren der Jugendlichen vorbildlich, wodurch das Bild einer konsumorientierten, unpolitischen Jugend entstand und der Protestcharakter der Halbstarken-Bewegung beinahe gänzlich verschwand.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich vor allem mit folgenden Forschungsfragen:

Unter welchem historischen und gesellschaftspolitischen Kontext entstand Mitte der 50er Jahre die Jugendbewegung der Halbstarken in Österreich und welche Bedeutung spielten die USA dabei? Welche Elemente der US-Kultur wurden insbesondere für die Artikulierung der neu entstandenen Jugendkultur verwendet und wie wurde darauf von Seiten der Autoritäten und Medien reagiert? Wie kam es zur Entwicklung der Teenager-Kultur und wie lässt sich diese von der Bewegung der Halbstarken abgrenzen? Und zu guter Letzt: Welche gesellschaftspolitische Relevanz hatte die Jugendbewegung der 50er Jahre für weitere soziale Veränderungen im Land? Oder bleibt nach wie vor das Bild einer unpolitischen und konsumorientierten Jugend bestehen? Um diese Fragestellungen beantworten zu können, wird u. a. die wissenschaftliche Literatur von Sebastian Kurme[1], Gerhard Jagschitz[2], Hans Veigl[3] und des Salzburger Universitätsprofessors Reinhold Wagnleitner[4], der sich in mehreren Werken mit der Coca-Colonisation der österreichischen Kultur beschäftigte und diesen Begriff maßgeblich prägte, verwendet.

Der Fokus der Arbeit liegt auf dem US-amerikanischen Einfluss in der Jugendkultur Österreichs in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu den frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die österreichische Jugend soll hierbei klar im Vordergrund stehen, wobei internationale Vergleiche zur amerikanischen sowie westdeutschen Jugendkultur gezogen werden.

Zu Beginn der Arbeit soll der historische Kontext, in dem diese Jugendbewegung in Österreich entstehen konnte, nämlich die Besatzungszeit mit den damit verbundenen wirtschaftlichen, technischen und sozialen Neuerungen, konstituiert werden. Als nächstes werden die wesentlichen Elemente der Jugendkultur in den 50er Jahren, die durch den US-Einfluss auch in Österreich und Westdeutschland Einzug hielten, genauer erläutert. Dazu zählen Coca Cola, Hollywoodfilme, Rock’n’Roll sowie Kleidungsstücke wie Blue Jeans, Lederjacke und Petticoats. Im Anschluss daran wird auf die Entstehung und Kriminalisierung dieser neu entstandenen Jugendbewegung der Halbstarken eingegangen und der stille Wandel von den Wild Ones zu den Mild Ones beschrieben, was zur Entwicklung der konsumorientierten Teenager führte. Zum Abschluss soll der gesellschaftspolitische Charakter der Jugendkultur in den 50er Jahren herausgearbeitet werden, unter besonderer Berücksichtigung der Frage nach der Relevanz und politischen Sozialisation dieser Bewegung.

Österreich und der „American Way of Life“ – US-Einfluss in Kultur und Alltagsleben der 50er Jahre

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der damit beginnenden Besatzungszeit in Österreich und Westdeutschland, fungierte die USA für die Bevölkerung vorwiegend als „Helfer in existenzieller Not“[5]. Mit Care-Paketen, die Lebensmittel und weitere Güter des Grundbedarfs beinhalteten sowie durch Veranstaltungen und Ferienlager für Kinder und Jugendliche, boten die Amerikaner soziale Unterstützung während der Wiederaufbauzeit in Westeuropa.

Durch das 1948 in Kraft getretene European Recovery Programme (kurz ERP, oder auch Marshallplan genannt) wurde europäischen Staaten finanzielle sowie materielle Hilfe durch die USA gewährleistet. Durchaus bekannt ist die Tatsache, dass diese Hilfeleistungen nicht nur uneigennützig motiviert waren, vielmehr profitierten die USA von der angehenden wirtschaftlichen Stabilität Westeuropas, da ein neuer Absatzmarkt geschaffen wurde und die Vormachtstellung gegenüber der Sowjetunion gesichert war.[6]

Die Wirtschaft Österreichs und der BRD konnte sich in nur wenigen Jahren stabilisieren, die Reallöhne stiegen an und die Arbeitslosenquote sank erheblich. Nachdem die existentiellen Bedürfnisse nach dem Kriegsende gestillt wurden, kam es zu regelrechten Konsumwellen in Bekleidung und Einrichtungsgegenständen, bedingt durch die erhöhte Kaufkraft und das Nachholbedürfnis, das in den Köpfen der Bevölkerung existent war.[7] Die Einführung rationalisierter Herstellungsverfahren wie das von Henry Ford entwickelte Fließband begünstigte die ansteigende Massenproduktion in Europa, wodurch schneller, günstiger und in höheren Stückzahlen produziert und somit auch abgesetzt werden konnte. Es war der Beginn des Massenkonsums in Westeuropas, dem auch der Großteil der österreichischen Bevölkerung ab den 50er Jahren beiwohnte.[8] Für Österreich waren vor allem die technischen Neuerungen in der Landwirtschaft eine bedeutende Veränderung. Durch neue Gerätschaften wie Traktoren und Anhänger, Kunstdünger und Schädlingsbekämpfungsmittel wurde die Landwirtschaft von Grund auf modernisiert.[9]

Neben der wirtschaftlichen Hilfeleistung und den technischen Neuerungen waren es aber auch die kulturellen Einflüsse der USA, die in Österreich und Westdeutschland Spuren hinterlassen haben.

Bereits in den ersten Tagen der Besatzungszeit im Frühjahr 1945 wurde in Österreich eine US-Kulturagentur eingerichtet (Information Services Branch), die damit beauftragt war, ein positives Image der USA in den Besatzungszonen zu propagieren. Nicht nur die erfolgreichen Investitionen durch den Marshallplan, auch die von ihnen organisierten Freizeitaktivitäten wurden dementsprechend in Szene gesetzt. In Verbindung dazu konnte die USA ihre Machtposition auch in der österreichischen Medienlandschaft ausnützen und gründete zahlreiche Zeitungen (wie die Salzburger Nachrichten, die Oberösterreichischen Nachrichten und den Wiener Kurier), Zeitschriften und Radiosender (allen voran die Sender Rot-Weiß-Rot und Blue Danube). Man führte den amerikanischen Boulevardjournalismus in diesen Medienunternehmen ein sowie die TV- und Radiosendungsformate aus den USA (wie Quizshows oder Radiosendungen mit Zuhörerbeteiligung). Dieser mediale Einfluss war entscheidend für die Verbreitung der US-Kultur in Europa, da die Entscheidung über das Radio- und TV-Programm nun größtenteils von amerikanischen Konzernen getroffen wurde. Zudem wurden zwölf Amerikahäuser in Österreich errichtet, wo Bücher, Zeitschriften, Schallplatten, Dias, Filme und Poster der US-Kulturindustrie erhältlich waren und mittels Busse sogar in ländliche Gebiete Österreichs verbreitet wurden. Die amerikanischen GI’s konnten mit Nylonstrümpfen und Schokolade bei österreichischen und westdeutschen Frauen eine durchaus positive Wirkung erzielen, was zum Phänomen der „Chocolate Girls“ (österreichische Frauen, die US-Soldaten heirateten oder mit ihnen sexuelle Beziehungen führten) beitrug.[10]

Obwohl ein Teil der österreichischen Bevölkerung dem US-Einfluss und den damit einhergehenden Modernisierungen durchaus kritisch gegenüber stand und sich gegen die Adaption des American Way of Life aussprach, wurden die wirtschaftlichen Neuerungen im Hinblick auf die verbesserte Lebenssituation mehrheitlich begrüßt.[11]

War das stereotype Image der Amerikaner im Europa der Zwischenkriegszeit noch mit zahlreichen Negativ-Charakterisierungen, wie Geschmacklosigkeit, brutalem Materialismus, sprachlicher Primitivität, Oberflächlichkeit und Korruption konnotiert, wurden sie dank erfolgreicher Propagandastrategien und dem gelungenem Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg allgemeinhin mit Demokratie, Konsumkultur, Freiheit, Modernität und Antifaschismus sowie Antikommunismus gleichgesetzt.[12] Vor allem auf die junge Bevölkerung Österreichs schienen die USA mit ihrer Populärkultur eine besondere Anziehungskraft auszuüben, was die fortschreitende Coca-Colonisierung der heimischen Jugendkultur vorantrieb.

Die Coca-Colonisierung der Jugendkultur Österreichs

Wie bereits erwähnt wurden Teile der amerikanischen Popkultur, ihre Wirtschafts- und Marketingstrategien, die Form der Massenmedien sowie Produktions- und Absatzverfahren nach dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa übernommen, was zur Entstehung des Massenkonsums und der weitgehenden Demokratisierung der Gesellschaft Österreichs und Westdeutschlands beitrug. Diesen Akkulturationsprozess amerikanischer Lebensweisen beschreibt der Salzburger Historiker Reinhold Wagnleitner als Coca-Colonisation oder auch Coca-Colonisierung. Der Begriff der Amerikanisierung, der häufig für diese Entwicklung verwendet wurde, lehnt Wagnleitner ab, da dieser „mehr verdrängt und verschleiert, als er erklärt.“[13] Er begründet den von ihm geprägten Begriff Coca-Colonisation wie folgt:

„Ich habe dieses Phänomen Coca-Colonisation genannt, denn Coca Cola ist nicht nur der weltweit am besten bekannte Markenartikel. Coca Cola ist darüber hinaus auch der zweitbeste von allen Menschen verstandene Terminus – gleich nach ok.“[14]

Die weltweite Popularität des Markengetränks spricht demnach für sich und die Mehrheit der Bevölkerung würde Coca Cola mit Amerika, Wohlstand, Konsum und Globalisierung assoziieren. Da das koffeinhaltige Softgetränk Anfang der 50er Jahre ausschließlich für die Besatzungssoldaten hergestellt wurde, konnte es von der österreichischen Bevölkerung zunächst nicht käuflich erworben werden. Umso größer war die Freude bei der österreichischen Jugend, dass die US-Soldaten an den von ihnen organisierten Veranstaltungen Coca Cola, Kaugummi und Schokolade verschenkten[15], was den Beginn der fortschreitenden Konsumierung von US-Exportartikel und somit die Entstehung einer konsumorientierten Jugend bedeutete. Coca Cola steht in diesem Zusammenhang nur als eines von vielen bedeutenden Elementen der US-Freizeit- und Kulturindustrie, die von der österreichischen Jugend zur Selbstinszenierung und Abgrenzung vom Elternhaus verwendet wurde. Im Folgenden sollen die weiteren US-Importprodukte, wie die Musik des Rock’n’Roll, Hollywoodfilme sowie Kleidungsstücke wie Blue Jeans und Cowboystiefel genauer dargestellt werden.

Wesentliche Elemente der Jugendbewegung in den 50er Jahren

Der 12. April 1954 gilt mit der Erstausstrahlung des Films Blackboard Jungle als Geburtsstunde des Rock’n’Rolls. Im Vorspann des US-Hollywoodfilms, der die Jugendproblematik thematisiert, wurde Bill Haleys Song „Rock around the clock“ eingespielt, wodurch der Titel weltweite Erfolge erzielen konnte und allgemeinhin als erster internationaler Hit des Rock’n‘Rolls bezeichnet wird.[16]

Während Wiesbauer/Fischer-Kowalski von einem plötzlichen Auftauchen dieser neuen Musikrichtung sprechen,[17] sieht Kurme in der Entstehung des Rock’n’Rolls eine jahrzehntelange musikalische Entwicklung, dessen Wurzeln in unterschiedlichen Stilen und Regionen verankert sind und von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Umständen begleitet wurde.[18] Der Rock’n’Roll enthält sowohl Rhythmen und Tanzfolgen des afroamerikanischen Blues, als auch Elemente des Country & Western und Hillbilly, einer zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Folkloremusik der vorwiegend weißen Landbevölkerung im Süden der USA. In den 50er Jahren bildete somit Rock’n’Roll neben Blues und RnB, Gospel, Folk, Country & Hillbilly sowie Jazz die sechste Strömung der US-Populärmusik und konnte durch Interpreten wie Bill Haley, Chuck Berry, Little Richard, Jerry Lee Lewis und Elvis Presley international verbreitet werden. Unterstützt wurde diese Verbreitung von Massenmedien wie TV und Radio, die ab 1950 auch in Westeuropa vermehrt in den Haushalten zu finden waren, sowie durch Disk Jockeys, die für Radiosender Rock’n’Roll-Platten auflegten und somit deren Popularität noch mehr förderten. Einer der berühmtesten Disk Jockeys der 50er war Alan Freed, der für den in Cleveland situierten Radiosender WJW ab November 1954 die Sendung Alan Freeds Rock’n’Roll Party moderierte. Aufgrund dieser Namensgebung betitelte er sich selbst gern als Mr. Rock’n’Roll und behauptete, der Erfinder des Begriffs Rock’n’Roll zu sein. Laut Kurme gab es den Ausdruck allerdings schon vor Alan Freeds Sendung und zwar in der afroamerikanischen Umgangssprache als Synonym für Geschlechtsverkehr.[19]

[...]


[1] Kurme, Sebastian, Halbstarke. Jugendprotest in den 1950er Jahren in Deutschland und den USA, Frankfurt/New York 2006.

[2] Jagschitz, Gerhard (Hg.), Die „wilden“ fünfziger Jahre. Gesellschaft, Formen und Gefühle eines Jahrzehnts in Österreich, St. Pölten u. Wien 1985.

[3] Veigl, Hans, Die 50er und 60er Jahre. Geplantes Glück zwischen Motorroller und Minirock, Wien 1996.

[4] Wagnleitner, Reinhold, Coca-Colonisation und Kalter Krieg. Die Kulturmission der USA in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg, Wien 1991.; Vgl. Wagnleitner Reinhold, The Empire of the fun. Die US-Popkultur und die Demokratisierung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Fröschl, Thomas (Hg.), Nordamerikastudien. historische und literaturwissenschaftliche Forschungen aus österreichischen Universitäten zu den Vereinigten Staaten und Kanada, Wien 2000, S. 211-230.

[5] Schoiswohl Johann, Der US-amerikanische Einfluss im Alltag der Nachkriegszeit. Spuren des Akkulturationsprozesses. Eine soziokulturelle Analyse im Raum Wels – Oberösterreich, Diplomarbeit Salzburg 1990 , S. 52.

[6] Vgl. ebd. S. 53.

[7] Vgl. Haupt, Heinz-Gerhard, Konsum und Handel. Europa im 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 2003, S. 121-125.

[8] Vgl. Schrage Dominik, Die Verfügbarkeit der Dinge. Eine historische Soziologie des Konsums, Frankfurt 2009, S. 166.

[9] Vgl Schoiswohl, US-Einfluss, 1990, S. 64.

[10] Vgl. Wagnleitner, Coca-Colonisation, 1991, S. 427-428.

[11] Vgl. Schoiswohl, US-Einfluss, 1990, S. 54.

[12] Vgl. Wagnleitner, Coca-Colonisation, 1991, S. 23.; Vgl. Wagnleitner, US-Popkultur, 2002, S. 225.; Vgl. Obermüller, Gerhard, Konsum, Protest, Rebellion. Zur Entstehung der Jugendkultur in den USA und Westeuropa 1945-1970, Diss., Universität Salzburg 1994, S. 22.

[13] Wagnleitner, US-Popkultur, 2002, S. 228.

[14] Ebd., S. 229.

[15] Vgl. Schoiswohl, 1990, S. 52.

[16] Vgl. Kurme, Halbstarke, S. 151, 152.

[17] Vgl. Fischer-Kowalski, Marina /Wiesbauer, Elisabeth, „Früchterln“ und was sie fruchten. Zur Jugendkultur in den fünfziger Jahren, in: Jagschitz, Gerhard (Hg.), Die „wilden“ fünfziger Jahre. Gesellschaft, Formen und Gefühle eines Jahrzehnts in Österreich, St. Pölten u. Wien 1985, S. 64-79, S. 66.

[18] Vgl. Kurme, Halbstarke, 2006, S. 153.

[19] Vgl. Kurme, Halbstarke., 2006, S. 155.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung der ›Teenager‹. Rock'n'Roll, Blue Jeans, Hollywood und die Coca-Colonisierung der Jugendkultur in Österreich
Hochschule
Universität Salzburg
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2015
Seiten
29
Katalognummer
V314357
ISBN (eBook)
9783668130913
ISBN (Buch)
9783668130920
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entstehung, rock, roll, blue, jeans, hollywood, coca-colonisierung, jugendkultur, österreich
Arbeit zitieren
Simona Winkler (Autor), 2015, Die Entstehung der ›Teenager‹. Rock'n'Roll, Blue Jeans, Hollywood und die Coca-Colonisierung der Jugendkultur in Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314357

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