In journalistischen Publikationen wird vermehrt ein Augenmerkt auf die hohen Scheidungsraten gelegt und verbreitet. Betrachtet man sich hingegen die goldenen, heiratsstarken 1950/60 Jahre, die Generation meiner Eltern, ist ein beachtlicher Wandel zu erkennen. Verbindlichkeit in Paarbeziehungen und Familien scheint immer mehr zu verschwinden.
In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit dem Wandels von Verbindlichkeiten in Familie/Partnerschaft befassen und die Frage nach dem Warum, also den Ursachen untersuchen. Dies werde ich anhand von soziologischen Theorien und gesellschaftlichen Entwicklungen aufzeigen. Spezifisch werde ich der Frage nach gehen, ob es heute einfacher ist, sich von einem Partner zu trennen/scheiden zu lassen als noch vor einem halben Jahrhundert.
Zuerst werde ich den Begriff "Familie" beleuchten. In diesem Kapitel werden signifikante Zeitfenster grob nachgezeichnet, da eine ausführliche Darstellung im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich wäre. Wichtig zur Thematik sind die Betrachtungen der vorindustriellen "Familie", der Familie im 18./19. Jahrhundert, Familie in den 1950/1960 Jahren und heute. Hieraus soll deutlich werden, welche unterschiedlichen Erscheinungsformen die Familie aufweist und welche Merkmale sie kennzeichnet.
Im Anschluss daran wende ich mich soziologischen Theorien zu, die erklären was den Strukturwandel im Bereich der Familie/Partnerschaft begünstigt. Hierbei konzentriere ich mich auf das Zeitfenster 1960 bis in die Gegenwart und versuche stets Vergleiche zwischen 1950/60 und heute zu ziehen. Daran schließt sich eine Darstellung an, wie sich ein Verlust von Verbindlichkeiten gegenwärtig bemerkbar macht.
Am Ende werde ich das Erarbeitete auswerten und versuchen, der vorangehenden Fragestellung Antwort zu geben.
Zur Bearbeitung verwende ich Fachliteratur einschließlich der basa-online Materialien, auch werde ich auf Statistiken des Bundesamtes und Informationen aus der Bundeszentrale für politische Bildung zurückgreifen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Familie
2.1 Familie historisch – heute
2.1.1 16.-19. Jahrhundert
2.1.2 Spätes 18. und 19. Jahrhundert
2.1.3 Familie 1950/60
2.2 Definition von Familie
2.3 Funktionen der Familie
2.4 Familie als Institution
3 Ursachen des Wandels
3.1 Soziologische Theorien
3.2 Die Rolle der Frau
3.3 Wandel von Ehe und Partnerschaft
3.4 Wertewandel
4 Verlust an Verbindlichkeit
4.1 Begriff "Pluralisierung der Lebensformen"
4.2 Beziehungswandel und Lebensformen
4.3 Eheschließungen und Scheidungen
4.4 Beziehungsbiographien
5 Schluss / Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Wandel von Verbindlichkeiten in Familien und Partnerschaften. Das primäre Ziel ist es, die Ursachen für die abnehmende Stabilität traditioneller Ehemodelle zu identifizieren und die Frage zu beantworten, ob Trennungen und Scheidungen in der heutigen Gesellschaft einen leichteren Zugang finden als vor einem halben Jahrhundert.
- Historische Entwicklung der Familienformen vom 16. Jahrhundert bis heute.
- Soziologische Theorien zur Deinstitutionalisierung und Individualisierung (u.a. Beck und Tyrell).
- Die veränderte Rolle der Frau und deren Einfluss auf die finanzielle Autonomie.
- Der Wandel von Ehe und Partnerschaft im Kontext eines allgemeinen Wertewandels.
- Empirische Betrachtung von Scheidungsraten und alternativen Lebensformen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Soziologische Theorien
Es gibt diverse soziologische Theorien zum neueren Wandel von Lebensformen, was sehr nah im Zusammenhang mit Verlust von Verbindlichkeiten in Familie und Partnerschaft steht. Meines Erachtens ist eine Erklärung aus zwei Thesen wichtig, die folgend beleuchtet werden.
Zum Einen ist es die These der Deinstitutionalisierung der Familie nach Hartmann Tyrell. 1950/60 galt die Familie und die Ehe als Institution. Tyrell beschreibt (1970) die Auflösung der Institution Familie und Ehe mit folgenden Thesen: Erstens sei es die Ablösung der Gesellschaft von religiösen Bindungen zu einem Lebenswandel zur menschlichen Vernunft. Des Weiteren musste man sich früher zur Ehe entscheiden, um als Mann und Frau zusammen leben zu können, es gab somit einen Trauzwang, womit die Ehe und Familie eine Monopolstellung aufzeigt habe (Huinink/Konietzka 2007, S. 104). Deinstitutionalisierung würde hier bedeuten, dass unverheiratetes Zusammenleben oder auch Alleinbleiben gesellschaftlich akzeptiert sei und z.B. Alleinlebende nicht mehr, wie noch gegen Ende des 19. Jahrhundert als "alte Jungfer" oder "Hagestolz" (Schneider/Rosenkrank/Limmer 1998, S. 31) stigmatisiert würden.
Hieran schließt sich ein dritter Punkt an. Jeder sei 1950/60 auf die Ehe und Familie verwiesen, da es als attraktive Rolle und Absicherung galt. Tyrell spricht hier von einer „Motivationskrise“ (Huinink/Konietzka 2007, S. 104), da man einfach nicht mehr verheiratet sein müsse. Deinstitutionalisierung meint auch ein Abwenden von traditionellen Normen und soziale Kontrolle, da eine Permissivität (Kompromissbereitschaft) zu alternativen Lebensformen zur Familie bestünde. Das letzte Stück der Deinstitutionalisierung beschreibt die Auflösung von „Sinn- und Verweisungszusammenhängen“ (ebd.). So führte damals eine Liebesbeziehung zur Ehe, was nach der These nicht mehr der Fall sei.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Beobachtung steigender Scheidungsraten und stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen für den Verlust von Verbindlichkeit in heutigen Beziehungen.
2 Die Familie: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Familie nach und beleuchtet Definitionen sowie die soziologische Rolle der Familie als Institution.
3 Ursachen des Wandels: Hier werden zentrale Theorien wie die Individualisierung und Deinstitutionalisierung diskutiert, sowie der Einfluss der Frauenrolle und des Wertewandels analysiert.
4 Verlust an Verbindlichkeit: Der Hauptteil bietet eine empirische Analyse der Pluralisierung von Lebensformen, Scheidungszahlen und der Transformation von Beziehungsbiographien.
5 Schluss / Ausblick: Das Fazit beantwortet die eingangs gestellte Forschungsfrage und bietet einen Ausblick auf die Auswirkungen dieses Wandels auf nachfolgende Generationen.
Schlüsselwörter
Familie, Partnerschaft, Verbindlichkeit, Individualisierung, Deinstitutionalisierung, Ehescheidung, Lebensformen, Wertewandel, Rollenbild, Frauenerwerbstätigkeit, Pluralisierung, Beziehungsbiographien, Sozialer Wandel, Heiratsneigung, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation von familiären und partnerschaftlichen Bindungen in der modernen Gesellschaft und der Frage nach den Ursachen für den scheinbaren Verlust an Verbindlichkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen der historische Wandel der Familienstruktur, soziologische Individualisierungsthesen, die veränderte ökonomische Rolle der Frau sowie statistische Trends bei Eheschließungen und Scheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die Gründe für die abnehmende Stabilität von Ehen zu identifizieren und zu klären, ob Trennungen heute tatsächlich leichter vollzogen werden als vor 50 Jahren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse soziologischer Fachliteratur sowie auf die Auswertung statistischer Daten des Bundesamtes und weiterer Quellen zur Familienforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Deinstitutionalisierung der Familie, den Einfluss des Wertewandels sowie konkrete Daten zur Pluralisierung der Lebensformen und zum Wandel der Eheschließungs- und Scheidungszahlen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Individualisierung", "Deinstitutionalisierung", "Pluralisierung der Lebensformen" und "Beziehungsbiographien".
Warum spielt die Rolle der Frau eine zentrale Rolle in der Argumentation?
Die Autorin argumentiert, dass die Emanzipation der Frau und ihre gewonnene finanzielle Unabhängigkeit maßgeblich dazu beigetragen haben, dass Frauen nicht mehr zwingend in einer Ehe verweilen müssen, was die Stabilität der klassischen Institution Ehe beeinflusst.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der "Leichtigkeit" einer Trennung?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Trennungen heute leichter sind, da die finanzielle Abhängigkeit von Frauen reduziert wurde und gesellschaftliche Normen eine lebenslange Bindung nicht mehr alternativlos erzwingen.
- Arbeit zitieren
- Nicole Jacob (Autor:in), 2014, Trennung leicht gemacht? Ursachen des Wandels von Verbindlichkeiten in Familie und Partnerschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314361