Trennung leicht gemacht? Ursachen des Wandels von Verbindlichkeiten in Familie und Partnerschaft


Hausarbeit, 2014

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Familie
2.1 Familie historisch - heute
2.1.1 16.-19. Jahrhundert
2.1.2 Spätes 18. und 19. Jahrhundert
2.1.3 Familie 1950/60
2.2 Definition von Familie
2.3 Funktionen der Familie
2.4 Familie als Institution

3 Ursachen des Wandels
3.1 Soziologische Theorien
3.2 Die Rolle der Frau
3.3 Wandel von Ehe und Partnerschaft
3.4 Wertewandel

4 Verlust an Verbindlichkeit
4.1 Begriff "Pluralisierung der Lebensformen"
4.2 Beziehungswandel und Lebensformen
4.3 Eheschließungen und Scheidungen
4.4 Beziehungsbiographien

5 Schluss / Ausblick

Literaturnachweis

1 Einleitung

In journalistischen Publikationen wird vermehrt ein Augenmerkt auf die hohen Scheidungsraten gelegt und verbreitet. Betrachtet man sich hingegen die goldenen, heiratsstarken 1950/60 Jahre, die Generation meiner Eltern, ist ein beachtlicher Wandel zu erkennen. Verbindlichkeit in Paarbeziehungen und Familien scheint immer mehr zu verschwinden.

In meiner Hausarbeit möchte ich mich mit dem Wandels von Verbindlichkeiten in Familie/Partnerschaft befassen und die Frage nach dem Warum, also den Ursachen untersuchen. Dies werde ich anhand von soziologischen Theorien und gesellschaftlichen Entwicklungen aufzeigen. Spezifisch werde ich der Frage nach gehen, ob es heute einfacher ist, sich von einem Partner zu trennen/scheiden zu lassen als noch vor einem halben Jahrhundert.

Zuerst werde ich den Begriff "Familie" beleuchten. In diesem Kapitel werden signifikante Zeitfenster grob nachgezeichnet, da eine ausführliche Darstellung im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich wäre. Wichtig zur Thematik sind die Betrachtungen der vorindustriellen "Familie", der Familie im 18./19. Jahrhundert, Familie in den 1950/1960 Jahren und heute. Hieraus soll deutlich werden, welche unterschiedlichen Erscheinungsformen die Familie aufweist und welche Merkmale sie kennzeichnet.

Im Anschluss daran wende ich mich soziologischen Theorien zu, die erklären was den Strukturwandel im Bereich der Familie/Partnerschaft begünstigt. Hierbei konzentriere ich mich auf das Zeitfenster 1960 bis in die Gegenwart und versuche stets Vergleiche zwischen 1950/60 und heute zu ziehen. Daran schließt sich eine Darstellung an, wie sich ein Verlust von Verbindlichkeiten gegenwärtig bemerkbar macht.

Am Ende werde ich das Erarbeitete auswerten und versuchen, der vorangehenden Fragestellung Antwort zu geben.

Zur Bearbeitung verwende ich Fachliteratur einschließlich der basa-online Materialien, auch werde ich auf Statistiken des Bundesamtes und Informationen aus der Bundeszentrale für politische Bildung zurückgreifen.

2 Die "Familie"

2.1 Familie- historisch bis heute

2.1.1 16.-19. Jahrhundert

Vor der industriellen Zeit lebten ca. 80% der Menschen in kleinen Dorfgemeinschaften und erwirtschafteten ihren Lebensunterhalt durch die Landwirtschaft (vgl. Rerrich 1990, S. 31). Die damals zusammenlebende Sozialform wurde nach Brunner (1978) als Wirtschafts- und Sozialgebilde kategorisiert und mit dem Begriff "das ganzen Haus" bezeichnet und umschließt mehr als die Kernfamilie (vgl. Peukert 2012, S. 13). Die Kernfamilie umfasst 2 Erwachsene mit mind. einem Kind. Zum multifunktionalen "ganzem Haus" zählten weiterhin, je nach Wirtschaftsweise, Knechte und Mägde, Gesellen, Handwerker. Signifikantestes Merkmal war hierbei die Vereinigung von Familienleben und Produktion. Im Haus wurde unter gefühlsarmen Bindungen gemeinsam gelebt und gearbeitet. Der Hausvater in der Stellung des Patriarchen gab die normativen und strukturellen Ordnungsregeln im Haus vor. Eheschließungen waren kalkuliert, es ging dabei nicht um Emotionen/Liebe sondern um materielle Interessen wie die Mitgift der Frau, die den Besitz erhielten und das Überleben sichern sollten. Gezeugte Kinder wurden als potenzielle Arbeitskräfte und Altersvorsorge angesehen, ohne dass eine besondere Eltern-Kind-Bindung bestand (ebd.).

In dieser Zeit hatten die Menschen wenig Möglichkeit in anderen Städten oder Dörfern erwerbstätig zu sein. Sie schlossen sich einem Hausvater an und zählten so zu den lohnlosen, arbeitenden Mitgliedern des Hauses.

In dieser Zeit wird sehr deutlich, dass es sich bei der fremdbestimmten Familienbildung um materielle Faktoren handelte, welche die Funktion des zusammen arbeiten und zusammen leben hatte. Stabilität war hier gegeben, da es ums Überleben ging und die Kinder auch als Vorsorge für das Alter gesehen wurden.

2.1.2 Spätes 18. und 19. Jahrhundert

Durch die aufsteigende Industrialisierung und die Bauernbefreiung zogen viele Menschen vom Land in die Stadt um zu arbeiten. Kennzeichnend für diese Zeit ist die Trennung von Arbeit und Wohnstätte und eine neue Form der Familie entstand: „die bürgerliche Familie“. In der bürgerlichen (traditionellen) Familie mit zwei Erwachsenen und mindestens einem Kind verließ der Mann das Haus um arbeiten zu gehen und die Frau übernahm die Rolle der Mutter und Hausfrau. Somit gab es um das Gebilde der Familie eine klare Abgrenzung zur Arbeitsstätte, in der auch keine fremde Menschen wie im "ganzen Haus" lebten- nur noch blutsverwandte. Durch diese Privatisierung gewann die Intimbeziehung zwischen Mann und Frau ein ganz neues Leitbild innerhalb der Ehe, denn es wurde auch aus "Liebe" geheiratet. Hierbei ist jedoch zu erwähnen, dass in einer "vernünftigen Ehe" die materiellen Vorteile weiterhin eine Rolle spielten. Der Ehemann hielt die Rolle des autoritären Familienoberhauptes weiterhin inne und es wurde ihm die Rolle des Ernährers zugesprochen (vgl. Rerrich 1990, S. 40). Die Frau blieb im Heim, zog Kinder groß und kümmerte sich um den Haushalt. Auch die Kinder profitierten von der Familienform, die von der Arbeit entlastet und die eigene Lebensphase der Kindheit zugesprochen wurde; Kindererziehung fand nun Beachtung.

Dieses neue Leitbild der Familie wurde zuerst im akademisch, gebildeten Bürgertum beobachtet, was zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch selten war und gewann im Lauf der nächsten 150 Jahre in allen Schichten an normativer Umorientierung (vgl. Peukert 2012, S. 14f).

Im Gegensatz zum ganzen Haus ist hier bereits ein Wandel zu beobachten, markant ist die Privatisierung der Eheleute und die Kindererziehung. Jedoch findet man hier eine immer noch starke Abhängigkeit der Frau vom Ehemann vor, eine klare Aufgabenteilung und Stabilität.

2.1.3 Familie 1950/60

Ein Verallgemeinerungs- und Verfestigungsgrad der bürgerlichen Familie fand die moderne, traditionelle Familie ("Normalfamilie"- dieser Begriff wird weiterhin verwendet ) in den 1950er und 60er Jahren.

Die aufsteigende Etablierung der Normalfamilie wurde von Parteien und auch der Kirche propagiert: Eine lebenslange, monogame Ehe mit Kinderwunsch, in der die Frau ihren innerhäuslichen Funktionen wie Kindererziehung und Haushalt erfüllt und der Mann erwerbstätig ist und seiner Rolle des Ernährers nachgeht.

Christliche Normen waren zu dieser Zeit stark verbreitet, was sich an der KonfessionsHomogamie festmachen lässt, sprich z.B. Mischehen zwischen Katholiken und Protestanten unerwünscht waren (vgl. Peukert 2012, S. 60) Die Familie bot einen Ort, wo eigene Bedürfnisse nach Nähe und (sexueller) Intimität erfüllt werden konnte und auch Schutz und Geborgenheit gewährleistet wurde.

In der Nachkriegszeit kam es durch das Wirtschaftswunder zur Reallohnsteigerung. Somit verdiente der Mann genug, um seine Familie versorgen zu können. Frauen wollten auch nicht arbeiten und verblieben gerne in der Rolle der Hausfrau. Peukert rezitiert eine Umfrage, in der Abiturientinnen die Frage nach dem Wunsch der Erwerbstätigkeit mit Kindern gestellt wurde. 93% der Befragten antworteten, dass sie nicht erwerbstätig sein möchten (vgl. Schmidt-Relenberg 1965 in Peukert 2012, S. 16).

In diesen Jahrzehnten, in der ein nie da gewesener Heiratsboom ausgebrochen war, wurde die Ehe und Familie zur Institution und somit als Selbstverständlichkeit; nicht nur berechtigt sondern auch verpflichtend. Scheidungen sollten erschwert und die Stabilität und Verbindlichkeit der Familie und Ehe gehalten werden.

Im Gegensatz zum ganzen Haus kennzeichnet die Normalfamilie eine emotionale, intime Familienbeziehung, in der das Familienleben privatisiert ist. Es findet eine Spezialisierung von sozialen Rollen statt und den Kindern wird eine eigene Phase im Lebenslauf zugesprochen.

2.2 Definition von Familie

In der vorangegangenen historischen Betrachtung ist zu erkennen, dass sich die Gesellschaft im steten Wandel befindet und sich das Zusammenleben verändert. Daher stellt sich die soziologische Definition des Begriffes Familie als recht schwierig dar. Zum einen gibt es kulturelle Unterschiede, zum anderen muss der Begriff, wie gesehen, historisch abgegrenzt werden.

Das Wort "Familie" stammt aus dem lateinischen "familia", was eigentlich "Gesinde" bedeutet und findet seit Ende des 17. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum seine Verwendung. Zur damaligen Zeit wurden an den Begriff der Familie bereits unterschiedliche Bedeutungen geknüpft; Es wurden Abstammungslinien von Menschen bezeichnet, wie auch Haushaltsgemeinschaften von Verheirateten, Kindern und Dienern (vgl. Nave-Herz 2004, S. 29).

In der gegenwärtigen Literatur sind diverse Meinungen aufzufinden, wer zur Familie gehört und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Der Familiensoziologin Rosemarie Nave-Herz schließen sich Rüdiger Peukert, Johannes Huinink u.A. an und vereinen in ihrer Kennzeichnung jeweils die Mikro- und Makroperspektive (hierbei wird der Blick auf jede einzelne Familie in der sozialen Gruppe gerichtet, wie auch auf die Familie als Institution der Gesellschaft).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Trennung leicht gemacht? Ursachen des Wandels von Verbindlichkeiten in Familie und Partnerschaft
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Soziologie der Familie
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V314361
ISBN (eBook)
9783668143289
ISBN (Buch)
9783668143296
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie, Verbindlichkeit, Ehe, Partnerschaft, Trennung
Arbeit zitieren
Nicole Jacob (Autor), 2014, Trennung leicht gemacht? Ursachen des Wandels von Verbindlichkeiten in Familie und Partnerschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314361

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