Ressourcenkonflikte. Die Rolle von Diamanten im zentralafrikanischen Bürgerkrieg


Hausarbeit, 2015

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. THEORIE

3 DIE RESSOURCE DIAMANTEN

4. FALLBEISPIEL

5. DIE INTERESSEN DER INTERVENIERENDEN STAATEN

6. POLICY ADVICE

7. SCHLUSSFOLGERUNGEN

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Die Zentralafrikanische Republik ist eines der ärmsten Länder dieser Erde und verfügt gleichzeitig über enorme Diamanten-Vorkommen, der wohl wertvollsten Ressource überhaupt. Die ehemalige Kolonie Frankreichs wurde im Jahr 1960 in die Unabhängigkeit entlassen und hat seitdem eine Vielzahl von Rebellionen erlebt- seit einigen Jahren versinkt das Land jedoch zusehends im Bürgerkrieg. Die verfeindeten Gruppen der „Séléka-Rebellen“ und der „BalakaMilizen“ haben das Land de facto geteilt und finanzieren sich im großen Stil durch den illegalen Abbau und Handel von Diamanten (Amnesty International 2015a).

Diese Arbeit widmet sich der Forschungsfrage, welche Rolle die Ressource Diamanten im zentralafrikanischen Bürgerkrieg spielt. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, ob es den Bürgerkriegsparteien um den Zugang und der Ausbeutung der Ressource an sich geht, oder ob sie damit ein politisches Ziel verfolgen. In der Literatur zur Konfliktforschung wurde diese Frage in einem größeren Zusammenhang bereits eingehend diskutiert und auch der Ressource Diamanten als Konfliktursache große Aufmerksamkeit gewidmet (Vgl. Lujala et al. 2005/ Malaquias 2001/ Ross 2006). Quantitative Studien können dabei aber nur größere Zusammenhänge zwischen den Variablen identifizieren. Jedoch können detaillierte Fallstudien ein differenzierteres Bild über den Zusammenhang zwischen Bürgerkrieg und einer konkreten Ressource liefern: „Recent case studies have brought us much closer to the causal dynamics of the natural resources-civil war relationship“ (Ross 2006). Diese Arbeit leistet den Beitrag, dass sie qualitativ vorgeht und anhand eines Fallbeispiel und einer Ressource die zugrundliegenden, kausalen Mechanismen offenlegt. So können konkrete Aussagen darüber getroffen werden, was die Parteien des Bürgerkrieges dazu veranlasst hat in den bewaffneten Kampf zu ziehen. Erwartet wird, dass die geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen von Großmächten einen Einfluss auf den Bürgerkrieg ausüben.

In einem ersten Schritt wird hierzu die Forschungslage diskutiert und darauf aufbauend werden die besonderen Merkmale der Ressource Diamanten vorgestellt. Dabei wird auch auf den industriellen Abbau und den Handel mit der Ressource Diamanten eingegangen. Anschließend wird das Fallbeispiel des Bürgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik untersucht und wiederrum ein besonderes Hauptaugenmerk auf die Ressource Diamanten gelegt. Der nächste Abschnitt ist den Interessen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreichs und dem Tschad als direkten Nachbarn der Zentralafrikanischen Republik gewidmet. Bevor die Ergebnisse in den Schlussfolgerungen diskutiert werden, gibt diese Arbeit einen konkreten „Policy Advice“ an die entsprechenden Akteure der Diamanten-Industrie.

2. Theorie

Zu Zeiten des Kalten Krieges sprach man bei kriegerischen Auseinandersetzungen, die mehr oder weniger auf die Unterstützung der beiden Supermächte USA und Sowjetunion zurückgeführt werden können, von „proxy wars“. Heute sind unter dem Begriff „low intensity conflicts“ nicht nur offene Bürgerkriege, sondern auch das Nacheinander von bewaffneten Kämpfen, fragilen Kompromissen und erneut bewaffneter Auseinandersetzungen gemeint. Diese Konflikte haben zudem die traditionellen, zwischenstaatlichen Kriege abgelöst. Während der geregelte zwischenstaatliche Konflikt nach Clausewitz nicht als Fortsetzung der Politik bezeichnet werden konnte, so könnte man bei den „low intensity“-Konflikten als eine Fortsetzung der Ökonomie mit anderen Mitteln sprechen (Ehrke 2002). Diese Zuspitzung nimmt Bezug auf die Ursachen der Konflikte, die anders als häufig behauptet nicht in irrationalen ethnischen oder religiösen Gegensätzen zu suchen sind, sondern ganz rational gemäß Kosten-Nutzen-Kalkül nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entstehen. These wars are now being fought mainly for control of important natural resources like diamonds, not as a means for undertaking fundamental changes in the character of society (Malaquis 2001). Aus sozialanthropologsicher Sicht lässt sich die Theorie der Gewaltmärkte heranführen (Vgl. Elwert 1997). Ihr zufolge sind Kultur und Religion als Ursachen für einen Bürgerkrieg nur ein Vorwand, hinter dem sich Akteure mit wirtschaftlichen Interessen verstecken. Sogenannte Gewaltmärkte stabilisieren sich dann, wenn die profitablere Gewaltanwendung friedliche Aktivitäten verdrängen. Wenn es gelingt, neben dem Bereicherungsmotiv eine sekundäre Motivation (Religion, Kultur) zu mobilisieren, können die Gewaltökonomien jahrelang bestehen. Die bewaffneten Konflikte führen zu einer Veränderung der Ökonomie in einem Land, denn die wirtschaftlichen Aktivitäten verschieben sich zunächst im Hinblick auf die Arbeitskräfte, die sich am bewaffneten Kampf beteiligen und den friedlichen Wirtschaftssektoren fehlen. Darüber hinaus wird der Sold der Kämpfer durch Plünderung, Erpressung von Schutzgeldern oder der Kontrolle über den Handel ergänzt. Des Weiteren kann es zur Ausbeutung von Arbeitskräften, zur Aneignung von natürlichen Ressourcen oder humanitären Hilfsgütern kommen. Demzufolge ist auch der Begriff Bürgerkrieg irreführend, denn mit ihm wird meist die militärische Auseinandersetzung um die Staatsmacht assoziiert. Heutige Konflikte hingegen lassen sich nur schwer generalisieren und die Konfliktursachen sind vielfältig. Dennoch ist als eine der häufigsten Konfliktursachen der Kampf um Ressourcen eines Landes zu nennen (Ehrke 2002).

Warum eine Vielzahl der Bürgerkriege auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden, liegt nicht zuletzt an dessen kolonialer Vergangenheit. Sowohl die Kolonialmächte als auch ihre postkolonialen Nachfolger übten staatliche Souveränität meist nur in unvollständiger Form aus und beschränken sich auf die Herrschaft über die Hauptstädte, wirtschaftliche Schlüsselzonen und Verkehrswege. Das territoriale Machtvakuum wurde häufig von nicht-staatlichen Akteuren gefüllt. Der Abzug der Kolonialmächte führte ebenso wie das Ende des Kalten Krieges zu einem Rückgang der ausländischen Unterstützung für die afrikanischen Regierungen oder Rebellengruppen. Viele Staaten wurden damit abhängig vom Export ihrer Ressourcen und dies brachte ein höheres Risiko von politischer Instabilität und bewaffneter Auseinandersetzung mit sich (Le Billion 2001).

Dabei hat sich auch die Perspektive der Rebellengruppen in den afrikanischen Staaten verschoben. Während sie zu Zeiten des Kalten Krieges noch aus ideologischer Motivation heraus kämpften, zeigen sie heutzutage keinerlei Ambitionen die Staatsmacht zu übernehmen und effektiv auszuüben. Stattdessen sind andere Interessen in der Vordergrund gerückt: But now, in the absence of a global ideological divide, both old and new wars are sustained by more regional, national, even local factors of political economy, ethnicity, religion, personal ambition and greed (Malaquis 2001). Das führt zu der grundlegenden Frage, was überhaupt die Motivation von Rebellengruppen ist in den bewaffneten Kampf zu ziehen. Nach Lujala et al hängt dies von drei Punkten ab nämlich Motivation, Möglichkeit und Identität. Zunächst brauchen die Rebellen ein Motiv, das aus negativer Sicht die Ablehnung des Staates („grievance“) oder aus positiver Sicht der Wunsch reich zu werden („greed“) sein kann. Zweitens müssen die Rebellen auch in der Lage sein ihre Ziele zu erreichen, sonst entscheiden sie sich ganz rational, zum Beispiel aufgrund von fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten, gegen den bewaffneten Kampf. Und letztlich brauchen die Rebellen eine gemeinsame Identität, um sich überhaupt als Gruppe zu identifizieren. Natürliche Ressourcen sind für jeden dieser drei Punkte relevant, denn die Einnahmen durch Ressourcen können sowohl Grundlage sein für eine korrupte oder repressive Regierung als auch für den Wunsch der Rebellen, sich zu bereichern oder zu finanzieren. Dementsprechend kann auch die Eroberung der Ressourcen durchaus identitätsbildend wirken (Lujala et al. 2005).

In der Forschung wird die tragende Rolle von Ressourcen als Konfliktursache von Bürgerkriegen eingehend untersucht. Eine Vielzahl von Arbeiten beschäftigt sich mit Frage, ob die es reine Habgier ist, die Konflikte verursacht (Vgl. Collier/ Hoeffler 2001). Ein Argument legt dar, dass die Rebellengruppen die Einnahmen durch die Ressourcen dazu nutzen wollen, um ihren bewaffneten Kampf fortzusetzten. Andererseits könnten sie auch einen bewaffneten Konflikt beginnen, um die Kontrolle über die Ressourcen zu erlangen und sich schlicht an ihnen zu bereichern. Eine entscheidende Rolle spielt die Art der Ressource und damit ihre Ausbeutbarkeit („Lootability“). Unter diesem Begriff versteht man unter anderem Ressourcen, die einen hohen Wert haben und einen leichten Marktzugang vorweisen (Findley/ Mitchell 2011). Zu unterscheiden sind Ressourcen, die produziert oder angebaut werden müssen, so zum Beispiel Drogen, und Ressourcen, die bereits entstanden sind und nur noch abgebaut werden müssen, wie Mineralien. Dementsprechend unterscheidet sich auch die Form der Gewalt oder des Konflikts. Bei Mineralien geht es darum das Abbaugebiet zu kontrollieren. Zu produzierende Ressourcen können zwar an fast jedem Ort angebaut werden, sie brauchen zum Wachstum allerdings Zeit. Damit ist die Form der Gewalt eher strukturell, das heißt, es wird um Arbeitskräfte oder dem Marktzugang anstatt um ein konkretes Gebiet gekämpft. Lujala et al gehen in diesem Sinne differenzierter vor und unterscheiden nicht nur die Ressourcen voneinander, sondern gehen auch der Frage nach, inwieweit entsprechende Rebellengruppen überhaupt in der Lage sind die Ressourcen auszubeuten (Lujala et al. 2005/ Lujala 2009). Anderen Autoren wiederum ist die Konzentration auf das Motiv Gier schlichtweg zu kurz gegriffen, da die Missstände in den Bürgerkriegsstaaten entproblematisiert werden. Der wissenschaftliche Fokus auf der Gier der Bürgerkriegsparteien hat den Effekt, dass eine mögliche soziale oder politische Legitimität der Parteien von vorneherein ausgeschlossen ist (Ehrke 2002). In der Literatur gibt es eine Vielzahl von Ansätzen mit unterschiedlichen Einflussfaktoren, um die Rolle von Ressourcen in Bürgerkriegen zu erforschen. Einige Arbeiten gehen dabei methodisch nicht korrekt vor und vernachlässigen das Endogenitäts- Problem. Dies besteht im umgekehrten kausalen Zusammenhang zwischen Bürgerkrieg und Einnahmen durch natürliche Ressourcen. Häufig wird dementsprechend die Forschungsfrage gestellt, ob das Vorhandensein von Ressourcen zu einer höheren Gefahr von Bürgerkriegen führt. Ressourcen als Größe werden dann anhand von Exportdaten gemessen. Der kausale Fehler liegt hier in der Tatsache, dass der Export von Ressourcen gerade im Fall von Bürgerkriegen ansteigt, da sie häufig die einzig verbleibende Einnahmequelle bieten. Zusammengefasst kann nicht zufriedenstellend geklärt werden, ob Ressourcen tatsächlich für Bürgerkriege ausschlaggebend sind (Ross 2006). Einige Fallstudien gehen differenzierter vor und unterscheiden nicht nur die Ressourcen an sich, sondern auch die Art des Abbaus (Lujala 2005). Andere wiederum beleuchten den Effekt von Ressourcen auf die Dauer eines Konflikts (Lujala 2009). Nichtsdestotrotz kommen die meisten quantitativen Studien zu dem Ergebnis, dass es einen Zusammenhang zwischen Ressourcenreichtum und bewaffneten Konflikten gibt. Doch liegt der Fokus beispielsweise auf Bürgerkriegen in Ländern mit Diamanten- Vorkommen, so fanden im Zeitraum von 1960-1999 lediglich 12 der 90 Bürgerkriege in Ländern mit Diamanten-Vorkommen statt. Allein vier davon waren in der Demokratischen Republik Kongo, was die statistische Signifikanz erheblich abschwächt (Ross 2006). Dadurch, dass natürliche Ressourcen an einen Ort gebunden sind und einen hohen materiellen Wert aufweisen, sind sie auch von Interesse von Drittstaaten, die deswegen in einen Bürgerkrieg intervenieren könnten.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ressourcenkonflikte. Die Rolle von Diamanten im zentralafrikanischen Bürgerkrieg
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (IWS)
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V314377
ISBN (eBook)
9783668130814
ISBN (Buch)
9783668130821
Dateigröße
718 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ressourcenkonflikte, rolle, diamanten, bürgerkrieg
Arbeit zitieren
Carsten Müller (Autor), 2015, Ressourcenkonflikte. Die Rolle von Diamanten im zentralafrikanischen Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314377

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