Die vorliegende Arbeit soll herausfinden inwieweit unsere heutige Gesellschaft sich Mills Utopie annähern konnte. 1869 veröffentlichte John Stuart Mill mit "The Subjection of Women" die damals wohl umstrittenste Arbeit seiner Karriere. Der Essay, von dem man annimmt, dass Mills Lebensgefährtin Harriet Taylor maßgeblichen Einfluss hatte, spricht sich für die uneingeschränkte Gleichstellung der Geschlechter aus. In Anbetracht der derzeit geltenden Normen und Wertvorstellungen eine unvorstellbare Forderung auf die vor allem mit Ablehnung reagiert wurde. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen sah Mill aber in der Gleichstellung der Geschlechter das Potenzial für immensen gesellschaftlichen und moralischen Fortschritt. Mill aber glaubte daran, dass die Menschheit, die seiner Ansicht nach stets im Fortschreiten begriffen sei, das Ideal einer vollkommenen Gleichstellung irgendwann erreichen würde.
Hierbei soll folgendermaßen vorgegangen werden: Zunächst soll anhand einer knappen Biographie des Autors in den Entstehungshintergrund des Essays eingeführt werden. Daraufhin soll die Position der Frau im 19. Jahrhundert nachgezeichnet werden. Im Kontrast dazu wird danach Mills Vorschlag zu einer alternativen Gesellschaftsordnung vorgestellt. Auch soll gezeigt werden, welche Vorteile diese hätte und wie sie zu erreichen sei. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, auch Mills Auffassung von Fortschritt zu klären, auf der die vorgeschlagene Gesellschaftsordnung gründet. Dabei soll eng am Text gearbeitet werden, da es sich bis hierhin vor allem um eine Nachzeichnung von Mills Gedanken handelt. Im darauffolgenden Teil soll schließlich die damalige unserer heutigen Situation anhand ausgewählter Aspekte gegenüber gestellt werden, um einige Veränderungen herauszuarbeiten und festzustellen, inwieweit diese in Mills Sinne einen Fortschritt darstellen. Im Fazit kann daraufhin eine abschließende Einschätzung erfolgen, inwieweit heute von Geschlechtergleichheit zu sprechen ist und ob Mill mit seiner Prognose, die Menschheit würde stets im Fortschreiten begriffen sein, Recht hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. John Stuart Mill
3. The Subjection of Women
3.1 Die Position der Frau im 19. Jahrhundert
3.2 Fortschritt nach Mill
4. Die Position der Frau im 21. Jahrhundert
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht John Stuart Mills Essay "The Subjection of Women" und prüft, inwieweit seine dort formulierte Vision der Geschlechtergleichstellung in der heutigen Gesellschaft Realität geworden ist. Dabei wird Mills theoretisches Konzept des gesellschaftlichen Fortschritts dem aktuellen Status quo gegenübergestellt.
- Biografischer Entstehungshintergrund des Essays von John Stuart Mill.
- Analyse der historischen Situation der Frau im 19. Jahrhundert.
- Darlegung von Mills idealer Gesellschaftsordnung basierend auf Freiheit und Gleichheit.
- Vergleich historischer Missstände mit der heutigen rechtlichen und gesellschaftlichen Lage.
- Kritische Reflexion über Mills Fortschrittsprognose im 21. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Position der Frau im 19. Jahrhundert
In diesem Kapitel soll zunächst die derzeitige gesellschaftliche und rechtliche Position der Frau nachgezeichnet und auch die von Mill gelieferten Erklärungen dafür gegeben werden, wie sich dieser von ihm als „primitive Zustand der Sklaverei“ bezeichnete Zustand entwickeln und so lange halten konnte.
Das Leben einer Frau im 19. Jahrhundert zeichnete sich weniger durch Freiheit oder Selbstbestimmung als durch Ergebenheit und Aufopferung aus, was Mill dazu veranlasst, die Situation der Ehefrau mit dem Zustand der Leibeigenschaft gleichzusetzen: „[Die Frau ist] tatsächlich noch heute die Leibeigene ihres Mannes, und zwar [...] in keinem geringeren Grade als diejenigen die man gewöhnlich mit dem Namen Sklaven bezeichnet.“ Mill geht noch weiter und argumentiert im Laufe der Schrift, die Situation der Ehefrau sei noch prekärer als die des Sklaven, denn „kein Sklave ist Sklave in solcher Ausdehnung und in so vollem Sinne des Wortes wie es die Frau ist.“ Hiermit spielt er darauf an, dass die Frau kein Leben außerhalb dieser Leibeigenschaft hat, nicht nur weil sie mit ihrem Herrn permanent zusammenlebt sondern auch weil sie vollständig von diesem abhängig ist. Eine Reihe von konkreten Beispielen verdeutlicht den ungleichen Status, auch vor dem Gesetz: Der Frau war es nicht gestattet, eigenen Besitz zu beanspruchen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk "The Subjection of Women" ein und definiert die Forschungsfrage, ob Mills Utopie einer vollständigen Gleichstellung heute erreicht wurde.
2. John Stuart Mill: Das Kapitel bietet einen biografischen Exkurs zu den prägenden Einflüssen auf Mill, insbesondere durch seinen Vater James Mill und seine Ehefrau Harriet Taylor.
3. The Subjection of Women: Dieses Kapitel analysiert das theoretische Fundament des Essays, die historische Unterdrückung der Frau im 19. Jahrhundert sowie Mills Konzept eines stetigen gesellschaftlichen Fortschritts.
4. Die Position der Frau im 21. Jahrhundert: Hier erfolgt ein Vergleich der damaligen Missstände mit der heutigen Situation, wobei rechtliche Fortschritte und verbleibende Ungleichheiten kritisch betrachtet werden.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass zwar erhebliche emanzipatorische Fortschritte im Sinne Mills erreicht wurden, eine vollständige Gleichstellung jedoch noch aussteht.
6. Literatur: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Fachliteratur und Online-Quellen.
Schlüsselwörter
John Stuart Mill, The Subjection of Women, Geschlechtergleichheit, Emanzipation, Frauenrecht, Gesellschaftsordnung, Utilitarismus, Fortschritt, Gleichberechtigung, Erziehung, Leibeigenschaft, Frauenwahlrecht, Bildungszugang, Gender, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert John Stuart Mills Essay "The Subjection of Women" im Kontext der historischen Frauenunterdrückung und prüft, inwiefern seine Vision der Gleichstellung im 21. Jahrhundert realisiert wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Bereiche Biografie des Autors, historische Rechts- und Lebensverhältnisse der Frau, utilitaristische Gesellschaftstheorie sowie moderne Entwicklungen bei Frauenrechten und Bildungszugang ab.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage ist, inwieweit unsere heutige Gesellschaft Mills Utopie einer vollkommenen Gleichstellung der Geschlechter tatsächlich angenähert ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive und vergleichende Analyse vorgenommen, bei der Mills Thesen aus dem 19. Jahrhundert anhand aktueller gesellschaftlicher Aspekte und Rechtslagen überprüft werden.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen und der historischen Situation im 19. Jahrhundert sowie einen systematischen Vergleich mit der heutigen Situation in Deutschland und der westlichen Welt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie John Stuart Mill, Frauenrecht, gesellschaftlicher Fortschritt, Emanzipation und Gleichberechtigung charakterisieren.
Welche Bedeutung misst Mill der Erziehung bei?
Mill betrachtet die Erziehung als zentrales Instrument für gesellschaftlichen Wandel, da Frauen durch die erlernten Rollenbilder in ihrer persönlichen und intellektuellen Entfaltung massiv eingeschränkt werden.
Wie bewertet der Autor die aktuelle Situation bezüglich einer Frauenquote?
Die Arbeit deutet an, dass eine starre Frauenquote wahrscheinlich nicht im Sinne Mills wäre, da er stets die individuellen Fähigkeiten und die Befähigung der Einzelperson als Maßstab für berufliche Positionen hervorhob.
- Quote paper
- Natalja Fischer (Author), 2012, Über den Fortschrittsgedanken in John Stuart Mills „The Subjection of Women“ und dessen Verwirklichung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314500