Verslumung als Folge von Metropolisierung. Soziale Lebensbedingungen in Mexico-City


Facharbeit (Schule), 2014
16 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Metropolisierung
2.1 Der Begriff „Metropolisierung“
2.2 Metropolisierung in Mexico-City
2.3 Ursachen für die Metropolisierung
2.4 Folgen der Metropolisierung

3. Verslumung
3.1 Die Slums von Mexico-City
3.2 Missstände in den Slums
3.3 Auswirkungen auf das Leben der Einwohner

4. Lösungsmaßnahmen
4.1 Möglichkeiten für bessere Lebensverhältnisse

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In unserer globalisierten Welt lebt heute mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung in Städten. Bis 2015 soll es weltweit 26 Megastädte geben. Das sind Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Allein in den Entwicklungs- und Schwellenländern befinden sich 22 dieser Art. Fraglich dabei ist: Wieso sind so viele Menschen in den Städten? Wo finden all diese ihr Zuhause? Wie leben die Stadtbürger? Was sind die wirtschaftli- chen Folgen dieser Zentralisierung? Welchen Einfluss hat die Metropolisierung auf die Umwelt?

Es ist offensichtlich, dass die modernen Großstädte kein Paradies auf Erden darstellen. Vielmehr sogar höllengleich in so mancher Hinsicht sind. Trotz dieser allgemeinen Feststellung nimmt die Anzahl der Megastädte allerdings stetig zu. Woran das liegen kann ist eine ebenfalls zu beantwortende Fragestellung.

Die Megastädte sind weltweit verteilt. Trotz gleicher Entwicklungsprozesse ist jede Stadt differenziert zu betrachten. Andere Kulturräume und geographische Situationen nehmen unterschiedlichen Einfluss auf die Entstehungen der Megacitys. In dieser Facharbeit wird der Metropolisierungsprozess in Mexico-City thematisiert, einschließ- lich seiner Ursachen und Folgen. Genauer wird dabei auf die dadurch eingetretene Verslumung eingegangen, die in Mexico-City flächenmäßig die größte Entwicklung aufweist. Interessant dabei ist, welchen Bedingungen die dort lebenden Menschen ausgesetzt sind. Darüber hinaus werden grundlegende Lösungsmaßnahmen genannt, die das Ziel haben, positive Veränderungen in der Hauptstadt herbeizuführen.

Die Metropolregionen sind heutzutage großer Bestandteil der Weltgeographie. Sie ha- ben ökonomische, ökologische, politische und gesellschaftliche Auswirkungen auf in- ternationaler Ebene. Sie sind Zustand und Problem unseres Zeitalters. Aus diesem Grund habe ich mich für die Thematisierung der Metropolisierung und Verstädterung entschieden.

Zur Informationsbeschaffung diente die Unibibliothek Duisburg-Essen, sowie das Inter- net.

2. Metropolisierung

2.1 Der Begriff „Metropolisierung“

Eine universelle Definition des Begriffes „Metropolisierung“ existiert derweil nicht. Um dennoch eine Festlegung des Ausdrucks aufzustellen, ist es vorerst hilfreich zu klären, was eigentlich eine Metropole ist. Wenn es auch hier für nicht eindeutige Begriffserklä- rungen gibt, kann man grundlegend sagen, dass eine Metropole ein wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum eines Landes ist - oftmals die Hauptstadt -, das in ihrer Einwohnerzahl, politischen Bedeutung und Wirtschaftskraft allen anderen Städten weitaus überlegen ist. Ein Richtwert zur Benennung einer Stadt als „Metropole“ ist das Überschreiten der fünf Millionen Einwohnergrenze, wobei auch dieser nicht offiziell be- stimmt ist.

Der Begriff der Metropolisierung beschreibt also den Prozess einer Entwicklung in ei- nem Land, bei dem sich der Abstand zwischen einer oder mehreren Metropolen und dem ländlichem Raum, beispielsweise durch Zunahme der Bevölkerung, maßgeblich vergrößert. Man spricht unter Verwendung des Begriffes jedoch nicht nur vom Vorgang, sondern zugleich vom erreichten Zustand der Metropolisierung. Häufiger ist dieser Prozess in Entwicklungsländern zu registrieren. Der „Metropolisierungsgrad“ steigt in den gegebenen Ländern, was bedeuten soll, dass der Anteil der Bevölkerung, der in Metropolen lebt, immer größer wird1. Diese Bevölkerungsgruppe wird auch als „Metro- politanbevölkerung“ bezeichnet (vgl. Bähr/Mertins, 1995, S. 27). In diesem Zusam- menhang tritt auch die „Verstädterung“ auf. Sie gleicht dem Metropolisierungsbegriff und beschreibt den Zustand oder Prozess des Bevölkerungswachstums (vgl. Bähr/ Mertins, 1995, S. 21). Grund dafür, dass gerade in Entwicklungs- und Schwellenlän- dern die Metropolisierung enorm hoch ist, liegt unter anderem an den drastisch unter- schiedlichen Lebensbedingungen auf dem Land und in der Stadt, wie später noch nä- her erläutert wird2.

2.2 Metropolisierung in Mexico-City

Mexico-City ist die Hauptstadt der südlich liegenden Nordamerikanischen Bundesre- publik; die Vereinigten Mexikanischen Staaten. Sie ist eine der ältesten Städte Ameri- kas und gehört zu den fünf größten Metropolregionen auf der Erde1. Bekannt ist sie nicht nur für ihre hohe Kriminalitätsrate, chaotischem Verkehr und einer ungesunden Atmosphäre, sondern auch für ihre Universitäten, den weltberühmten Museen und etli- chen Bauwerken im kolonialen Stil, denn sie bildet sowohl das politische und wirt- schaftliche Zentrum des Landes, als auch den kulturellen Mittelpunkt2. Neben den al- tertümlichen Gebäuden ragen allerdings auch hunderte Wolkenkratzer in die Höhe, was die Metropolisierung in der Stadt seit vorkolonialer Herrschaft bis zum heutigen Zeitpunkt deutlich erkennbar macht.

In der Zeit der Aztekischen Herrschaft wurde die Stadt Tenochtitlán auf einer Insel des damals noch voll existierenden Texcocosees, der heute fast gänzlich ausgetrocknet ist, gegründet und war mit etwa 150.000 Einwohnern schon früher eine Großstadt. Sie lag also in einem optimalen Ökosystem und wurde mit der Zeit zu einem immer größeren Machtmittelpunkt. Mexico-City kann somit mit dem Begriff „Kolonialmetropole“ be- schrieben werden, was sich bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in der Architektur der Stadt vollkommen widergespiegelt hat. Ab dann jedoch entwickelte sie sich immer mehr zu einer modernen und pulsierenden Landesmetropole, was der Verdienst der entstandenen Neubauten ist, wobei - wie bereits erwähnt - auch heute noch die kolo- niale Bauweise nicht in den Hintergrund geraten ist. Das 20. Jahrhundert ist im Verlauf des Metropolisierungsprozesses jedoch das ausschlaggebende Zeitalter, denn mit Be- ginn der Industrialisierung verfolgte man ein starkes Wirtschaftswachstum, wodurch es in Mexico-City zu einem erheblichen Bevölkerungs- und Stadtwachstum kam. Schon um 1930 wuchs die Stadt über den „Distrito Federal“ heraus, den bundesunmitellbaren Hauptstadtbezirk, der keinem anderen Bundesstaat in der Republik angehört (vgl. Parnreiter, 1999, S. 65ff). Dem entgegengesetzt fand auf dem Land eine immer drasti- scher werdende Verarmung der Bauern statt, da sie mit den städtischen Industriefir- men nicht mithalten konnten. Letztere expandierten im großstädtischem Raum immer weiter und Bauern flüchteten in die Städte um zu Arbeit zu gelangen, die dort ange- sichts der rasanten Industrialisierung versprochen war. Um sich ein Bild vom Wirt- schaftswachstum machen zu können sind folgende Daten zu betrachten: Seit 1940 wuchs das mexikanische Bruttoinlandsprodukt jährlich um mehr als 6 %. Dabei nahm der Anteil der Hauptstadt von 27,2 % im Jahr 1940 auf 48,6 % im Jahr 1970 zu. Daran anlehnend vermehrten sich die industriellen Betriebe in der Stadt von etwa 3.200 im Jahr 1930 bis über 34.500 im Jahr 1975. Erkennbar wird das Wirtschaftswachstum von Mexico-City auch in der Quote des entstandenen Produktionsvolumen. Dieses steiger- te sich von 28,5 % auf 46,8 % im ähnlichem Zeitraum (vgl. Parnreiter, 1999, S. 69). Mit dem immensen Wirtschaftswachstum und der daran anschließenden Zuwanderung in die Hauptstadt expandierte die Stadt weitaus über den Distrito Federal hinaus in den

Bundesstaat „Estado de México“, der den D.F. umgibt, und so kam es zu einer urbanen Agglomeration, die heute allumfassend den Namen „Zona Metropolitana de la Ciudad de México“ (ZMCM) trägt. Spricht man also von der Stadt Mexico-City, so bezieht man das gesamte Ballungsgebiet damit ein, auch wenn ursprünglich nur der Bundesdistrikt die Stadt Mexico-City bildete (vgl. Parnreiter, 1999, S. 59). Dem Stadtwachstum zufol- ge entwickelten sich auch die Armen- und die Luxusviertel in Mexico-City. Innerhalb 50 Jahre verzehnfachte sich die Bevölkerung von 350.000 Einwohnern im Jahr 1900 auf 3,5 Millionen im Jahr 1950 (vgl. Dahman, 1999, S. 227). Sechzig Jahre später hat sich die Bevölkerungszahl Mexico-Citys um mehr als das doppelte auf 8,8 Millionen erwei- tert1.

2.3 Ursachen für die Metropolisierung

Es sind durchaus verschiedene, aber gleichzeitig auch miteinander zusammenhän- gende Ursachen, die die Metropolisierung in den Vereinigten Mexikanischen Staaten stets am laufen gehalten haben. Wie zuvor schon berichtet, beginnt die Metropolisie- rung in Grundzügen schon zur Zeit der Kolonialherrschaft. Nach dem spanischen Prin- zip des Städtebaus konzentrierte man sich auf die Hauptstadt, die sich meist in geo- graphischer Mitte des Landes befand, und gegebenenfalls noch nach vereinzelten wei- teren Großstädten. Man schuf ein Stadtzentrum mit einem Hauptplatz (plaza mayor), in dessen Umgebung sich alle wichtigen Instanzen wie zum Beispiel Bischofspalast, Rathaus und Sitz der Regierung niedergelassen haben. Dazu kommt, dass man nur in gegebenen Städten ein Verkehrs- und Versorgungsnetz einrichtete (vgl. Bähr/Mertins, 1995, S. 11 & Dahman, 1999, S. 227f). So war Mexico-City aufgrund seiner zentralen Lage, des damals vorhandenen guten Ökosystems und des Verwaltungszentrums schon von jeher ein Anziehungsort für die Menschen.

Nach der Unabhängigkeit 1821 lag der Fokus nicht mehr nur noch auf den wegen der Kolonialherrschaft überzentralisierten wenigen Großstädten, sondern wurde erst im Rahmen der „[...] Restauration der mexikanischen Republik unter dem liberalen Präsidenten Benito Juárez [...]“ (Parnreiter, 1999, S. 66) weiter verstärkt, sodass erst dann, Ende des 19. Jahrhunderts, die Hauptstadt als Machtmittelpunkt allen anderen Gebieten Mexikos überlegen war und eine Zuwanderung stattfand, wenn auch nicht in überdimensionalen Massen (vgl. Bähr/Mertins, 1995, S. 17f).

Infolge der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Eintritt der Industrialisierung verfolgte der Staat Mexiko binnenwirtschaftliche Maßnahmen und setzte in diesem Zusammen- hang die importsubstituierende Wirtschaftspolitik ein (vgl. Bähr/Mertins, 1995, S. 39f & Parnreiter, 1999, S. 68). Es wird dabei die inländische Produktion gefördert, indem man unter anderem den Import beispielsweise durch Zölle einschränkt und die eigenen Produkte durch günstigere Preise vermarktet. Außerdem erleichtert der Staat die Pro- duktion durch Subventionen zu Gunsten der Unternehmer und zur Steigung des Ex- ports1. In Mexiko sprach man in den 40er Jahren vom „Milagro Mexicano“ (Mexikani- sches Wunder), denn unter der Präsidentschaft Cárdenas wurde die importsubstituie- rende Wirtschaftspolitik um jeden Preis durchgeführt, was unter anderem die Gewäh- rung großzügiger Kredite, hohe Importzölle, Subventionen für Unternehmen und die Förderung der Niederlassung von Firmen auf den hauptstädtischen Gewerbeflächen. Zudem wurden finanzielle Erträge aus der Landwirtschaft in die Stadt investiert (vgl. Parnreiter, 1999, S. 68).

In der Stadt entstanden durch die ausgeführten Maßnahmen viele Arbeitsplätze in der Industrie und im Dienstleistungssektor, was für viele Menschen erstmal Arbeit und fi- nanzielle Absicherung bedeutete. Auf dem Land jedoch waren die Existenzen der Bau- ern und einfachen Leute gefährdet und sie sahen sich daher gezwungen, in die Stadt zu ziehen. Gravierend beeinflusst wurde die Entscheidung zum Umzug in die Haupt- stadt durch die so genannten push- und pull-Faktoren. Push-Faktoren sind vor allem welche, die durch die Wirtschaftspolitik des Staates entstanden sind: drückende Pacht- zinsen, fehlendes Eigenkapital und Verschuldung, mangelnde Kreditmöglichkeiten und natürlich Arbeitslosigkeit. Dem ist zu entnehmen, dass die Subventionen für die städti- schen Unternehmen auf den Kosten der Landwirte in den ruralen Gebieten gemacht worden sind. Pull-Faktoren sind dabei der breite Arbeitsmarkt - nicht zuletzt wegen des Auf- und Ausbaus des sekundären und tertiären Sektors -, die bessere Schulaus- bildung, die vorhandene Infrastruktur, bessere Lebensbedingungen, Sozialleistungen und -Wohnungen sowie die positive Vermarktung der Massenmedien über das Stadtle- ben. Mexico-City wurde einer Attraktivität angeeignet, selbst für Viertel, die diesen Titel nicht im Entferntesten verdienten (vgl. Bähr/Mertins, 1995, S. 49).

Neben dem wahrscheinlich bedeutendsten sozioökonomischen Phänomen der Land- Stadt-Wanderungen ist allerdings auch das natürliche Bevölkerungswachstum in Mexi- co-City festzuhalten, dass sich zum einen daher entwickelt hat, dass die Sterberate gesunken ist, weil die Metropole bessere und zugänglichere Versorgungsmöglichkeiten bot, als sie auf dem Land da war. Zudem lebte die Oberschicht im Gebiet Mexico-Citys, die aufgrund ihrer finanziellen Mittel und ihres besseren Lebensstandards ein geringe- res Sterberisiko aufwiesen und somit die Bevölkerungsanzahl entsprechend hoch war (vgl. Bähr/Mertins, 1995, S. 45). Zum anderen war die Auswanderungsrate in Mexico ziemlich gering, sodass es also definitiv keine Proportionalität zwischen Zu- und Aus- wanderer gab (vgl. Parnreiter, 2006, S. 165-184).

[...]


1 http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=geo_infothek&article=Infoblatt+Metropolisierung&node=Stadtge ographie

2 http://www2.klett.de/sixcms/list.php?page=geo_infothek&article=Infoblatt+Metropolisierung&node=Stadtge ographie

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_größten_Metropolregionen_der_Welt

2 http://de.wikipedia.org/wiki/Mexiko-Stadt

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Mexiko-Stadt

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Importsubstituierende_Industrialisierung

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Verslumung als Folge von Metropolisierung. Soziale Lebensbedingungen in Mexico-City
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V314511
ISBN (eBook)
9783668135727
ISBN (Buch)
9783668135734
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialwissenschaft, sowi, facharbeit, Verslumung, Mexico, metropolisierung, sozial, Lebensbedingungen, urbanisierung, Slums, Verstädterung, megastädte
Arbeit zitieren
Leonard Couvée (Autor), 2014, Verslumung als Folge von Metropolisierung. Soziale Lebensbedingungen in Mexico-City, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314511

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