Robber Baron oder Wohltäter? John D. Rockefellers Lebenswerk aus Sicht des Coroprate Social Responsibility-Ansatzes


Hausarbeit, 2014
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2.John D. Rockefeller und Standard Oil
2.1 Integrations- und Geschäftspolitik
2.2 Wirtschaftlicher Schaden und Innovationsstau
2.3 Wohlfahrtsgewinn der Gesellschaft

3. Philanthropie

4. Corporate Social Responsibility
4.1 Ökonomische Nachhaltigkeit
4.2 Ökologische Nachhaltigkeit
4.3 Soziale Nachhaltigkeit

5. Abschließende Bewertung

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Logo Standard Oil Company

Abbildung 2 „Crude oil prices since 1861“

Abbildung 3 Karikatur Puck-Magazine "What a Funny Little Government"

Abbildung 4 Drei Säulen der Nachhaltigkeit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit wird die Person John Davison Rockefeller beleuchtet. Rocke- feller wurde am 8. Juli 1839 in Richford im Staat New York geboren und starb am 23. Mai 1937 in Ormond Beach im Staat Florida. Er stammte aus einfachen Verhältnissen und wurde später einer der reichsten Menschen der Weltgeschichte. Seinen Reichtum erlangte er durch seine Anteilseignerschaft an dem Ölunternehmen Standard Oil. Er gehörte zu den fünf Gründungsmitgliedern des Unternehmens und hielt die Mehrheit der Unterneh- mensanteile.1

Die Geschäftspolitik des Unternehmens und damit auch die Politik von John Rockefeller war zu seinen Lebzeiten sehr umstritten und seine Person wird auch heute noch kontrovers diskutiert. Das Unternehmen, welches als Ölraffinerie 1870 gegründet wurde, konnte in kürzester Zeit durch den Aufkauf von konkurrierenden Unternehmen wachsen. Dabei zeichnete sich diese aggressive Expansionspolitik nicht nur durch den Aufkauf direkter Konkurrenten, sondern auch durch die Integration von vor- und nachgelagerten Unterneh- men seiner Lieferkette aus, wodurch Standard Oil rasch zu einer Monopolstellung im Öl- geschäft in den USA gelangte. Später konnte diese Monopolstellung sogar weltweit durch- gesetzt werden, wobei viele Unternehmen auch unter Druck dazu gedrängt wurden, sich Standard Oil anzuschließen.2

Aufgrund dieser Geschäftspraktiken wurde das Vorgehen Rockefellers damals in der Öf- fentlichkeit kontrovers diskutiert und er wurde von seinen Gegnern und der Presse als Räuberbaron („Robber Baron“) bezeichnet. Aufgrund der anhaltenden Kritik an dem Vor- gehen von Standard Oil oder anderen Unternehmen wie US Steel wurde 1890 der Sherman Antitrust Act vom amerikanischen Kongress verabschiedet, der die Kartellbildung und die Bildung von Monopolen verbietet. Rockefeller selbst zog sich ab 1897 immer mehr aus dem operativen Geschäft zurück und kümmerte sich vermehrt darum sein Vermögen wohl- tätigen Zwecken zukommen zu lassen. Seine Stiftung, die „Rockefeller Foundation“ enga- gierte sich unter anderem vermehrt in der medizinischen Forschung. Der Milliardär spen- dete so über die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Zwecke.3

In dieser Abhandlung wird nun das gesamte Lebenswerk von John Davison Rockefeller betrachtet und sein Handeln nach heutigen Maßstäben in einem Corporate Social Respon- sibility-Ansatz bewertet, um der Frage nachzugehen, ob man ihn nun aus heutiger Sicht als einen „Robber Baron“ oder doch eher als einen cleveren Geschäftsmann und Wohltäter betrachten kann.

2.John D. Rockefeller und Standard Oil

Bereits in jungen Jahren arbeitete John Rockefeller neben der Schulzeit unter anderem als Tellerwäscher. Darauf ist auch die heutige Redewendung „vom Tellerwäscher zum Milli- ardär“ zurückzuführen. In der Schule lernte er auch seine spätere Frau Laura Celestia Spelman kennen, die er 1864 ehelichte.4 Nach der Highschool begann er 1855 in Cleveland bei dem kleinen Speditionsunternehmen Hewitt and Tuttle eine Ausbildung zum Buchhal- ter, wodurch er sich ein gutes Zahlenverständnis aneignete. Bereits kurz nach seiner Aus- bildung gründete er 1858 mit seinem Freund Maurice Clark eine Maklerfirma, die Clark & Rockefeller Company. Dabei handelten sie mit den unterschiedlichsten Dingen wie Fleisch oder Getreide.5

Zusätzlich zu Ihrer Vermarktungstätigkeit erhielten sie auch Aufträge für Ölbohrungen in Pennsylvania. Dieses neue Geschäftsfeld stellte sich in kürzester Zeit als äußerst gewinn- trächtig heraus. Erst wenige Jahre zuvor, am 27. August 1859 bohrte Francis Drake in Ti- tustown, Pennsylvania, zum ersten Mal erfolgreich nach Erdöl. Das junge Unternehmen hatte nun sein Kerngeschäft für sich gefunden. 1862 wurde der britische Chemiker Samuel Andrews zum Teilhaber des Unternehmens ernannt. Allerdings weniger wegen des Kapi- tals, das dieser mitbrachte, sondern vielmehr wegen seines Know-Hows und seiner Patente für die Raffinierung von Rohöl zu Kerosin. Das Unternehmen firmierte nun also um in Andrews, Clark & Co und erwarb 1863 seine erste eigene Raffinerie.6

Doch bereits 1865 kam es zum Zerwürfnis der Gesellschafter über die weitere Ausrichtung der Unternehmensführung. Man einigte sich darauf, dass das Unternehmen unter den Ge- sellschaftern versteigert werden sollte. Der Meistbietende sollte den Zuschlag über das gesamte Unternehmen erhalten. Rockefeller erhielt den Zuschlag für 72.000 US-Dollar. Im Anschluss daran machte er Andrews wieder zu seinem Geschäftspartner. 1866 erwarb das Unternehmen nun zwei weitere Raffinerien in Cleveland, welche sich durch den techni- schen Wissensvorsprung den Samuel Andrews mitbrachte, von Ihren Konkurrenten abset- zen konnten.7

Im Jahre 1867 konnten Andrews und Rockefeller Henry Flagler als Teilhaber gewinnen. Henry Flagler brachte 100.000 Dollar Kapital mit, welches er sich bei seinem Stiefbruder Stephen V. Harkness geliehen hatte. Flagler hatte zuvor mit Getreide gehandelt, wodurch sich er und Rockefeller im Rahmen dessen Maklertätigkeiten kennen gelernt hatten. Ab 1862 hatte er sich jedoch mit seinem Schwager Barney York selbstständig gemacht und die Flagler and York Salt Company gegründet. Sie erlitten dabei, bedingt durch die gesunkene Nachfrage während des amerikanischen Sezessionskrieges zwischen 1861 und 1865, Schiffbruch. Dennoch war das Kapital, wie auch seine Expertise in Bohrtechniken für den späteren Erfolg von Standard Oil wichtig.8 Die damals gängigen Bohrtechniken für die Ölgewinnung beruhten nämlich auf denen zur Salzgewinnung mit Hilfe von Salzwasser- brunnenbohrern. Ab 1867 hieß die Firma demnach Rockefeller, Andrews und Flagler.9

Am 10. Januar 1870 wurde dann die Standard Oil Company of Ohio gegründet. Die Grün- dungsmitglieder waren John Rockefeller, sein Bruder William Rockefeller, Samuel Andrews, Henry Flagler und dessen Stiefbruder Stephen V. Harkness. Von den Grün- dungsanteilen, welche die Gesellschafter untereinander aufgeteilt hatten, hielt Rockefeller die meisten.10

Abbildung 1 Logo Standard Oil Company

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:www.commons.wikimedia.org/Old_standard_Oil_sign.jpg

2.1 Integrations- und Geschäftspolitik

Mit der Umfirmierung des Unternehmens in Standard Oil Company sollte nun der Grundstein für den rasanten Aufstieg des Unternehmens gelegt sein. Das junge Unternehmen verfügte durch seine Gesellschafter über einen soliden Kapitalstock und Expertisen in verschiedenen Schlüsseldisziplinen.

Nach der Entdeckung des Erdöls, welches zunächst vor allem in Form von Petroleum als Leuchtmittel genutzt wurde, entstand, parallel zum Goldrausch in Colorado, nach kurzer Zeit ein regelrechter Ölrausch. Nun versuchten viele Menschen ein Stück Land für sich zu gewinnen, um dort zu bohren und möglicherweise ebenfalls auf Öl zu stoßen und damit ein Vermögen zu machen. Der Markt bestand 1871 demnach aus vielen kleinen Raffinerien und Anbietern von Rohöl. Für die großen Abnehmer von Rohöl und Petroleum, wie auch die Eisenbahnunternehmen, war dies eine schwierige Situation, da Sie weder mit konstan- ten Liefermengen, geschweige denn konstanten Preisen rechnen konnten. Der Markt war also volatil und unbereinigt.11

Die Standard Oil Company und Rockefeller erkannten das und setzten alles daran Markt- anteile zu generieren, da der größte Anbieter die Preise diktieren konnte. Das Unternehmen erwarb 1871 die Mehrheitsanteile am South Improvement Company Trust. Dieser Trust bestand aus mehreren Öl-Unternehmen und vor allem Raffinerien, die durch ihren Zusam- menschluss bessere Transportkonditionen mit den Eisenbahnunternehmen aushandelten. Zudem überzeugte man die Eisenbahnunternehmen davon, höhere Preise von Anbietern zu verlangen, die nicht Teil der Allianz waren. Dies gelang auch dadurch, dass man sich ge- genüber der Eisenbahn als legitime Vertretung aller Ölgesellschaften ausgab, obwohl die Allianz wohl nur etwa zehn Prozent aller ansässigen Unternehmen repräsentierte.12

Nach kurzer Zeit wurden die konspirativen Preisabsprachen mit den Eisenbahngesellschaf- ten allerdings publik. Viele Ölförderunternehmen, die nicht Teil des Trusts waren, boykot- tierten daraufhin die Raffinerien von Standard Oil als Mehrheitsanteilseigner des Trusts. Dieser Konflikt wurde als Ölkrieg von 1872 international bekannt. Standard Oil wiederrum schloss als Reaktion auf den Boykott der Ölförderer seine Raffinerien. Das Unternehmen verfügte seinerzeit über einen größeren Kapitalstock als die vielen kleinen Ölförderunter- nehmen, die auf die Umsätze aus der Belieferung Standard Oils angewiesen waren.13 In der Folge befand ein Gericht die Preisabsprachen des Trusts mit der Eisenbahn zwar für rechtswidrig, aber das Unternehmen ging dennoch ökonomisch als Sieger aus dem Konflikt hervor, da die Ölförderer ihren Boykott aufgrund ihrer finanziellen Lage aufgeben mussten und das Unternehmen ihre Rabatte mit der Eisenbahn weiterhin erhielt.14 Während des Konfliktes bildeten die Ölförderer die Petroleum Producers´Association, welche als Vorläufer für die heutige OPEC gesehen werden kann.15

Standard Oil erlangte seine umfangreichen finanziellen Mittel allerdings nicht nur durch die Einlagen seiner Gesellschafter, sondern auch von Banken und anderen Investoren. Be- reits kurz nach der Gründung von Standard Oil versprach man Investoren überdurch- schnittliche Dividenden in Höhe von 40 Prozent. Dadurch erhöhte sich das Eigenkapital der Gesellschaft auf 3,5 Millionen US-Dollar. Das vorhandene Kapital nutzte Standard Oil, um die anderen in Cleveland ansässigen Unternehmen aufzukaufen. Dabei bot man den Eigentümern entweder Anteile von Standard Oil oder eine Auszahlung ihrer Abfindungen an.16 Das Unternehmen ging dabei sehr aggressiv vor, Konkurrenten, die sich weigerten ihr Unternehmen an Standard Oil zu verkaufen, wurden durch geringe Preise aus dem Markt und damit in den Bankrott gedrängt. Innerhalb von kürzester Zeit kaufte Standard Oil 22 von 26 Unternehmen in Cleveland auf und wurden kurz darauf die einzige Ölgesellschaft vor Ort.17 Dieses Vorgehen ging als „Cleveland-Massaker“ in die Geschichte ein.18

In den darauffolgenden Jahren kam es auf dem Ölmarkt zu einem Preisverfall. Die Raffine- rien und Produzenten produzierten immer größere Mengen an Öl, um Marktanteile zu ge- nerieren. Die Tagesproduktion stieg zwischen 1872 und 1874 von 15.800 Barrel auf fast 30.000 Barrel. Durch das Überangebot sank der Ölpreis im selben Zeitraum von 4,40 US- Dollar auf 1,15 US-Dollar. Dies stellte bereits den zweiten Preisverfall in der jungen Ge- schichte des Ölmarktes in den USA dar, nachdem die Preise mit dem Ende des Sezessions- krieges schon einmal einen Verfall erlitten hatten. Viele Unternehmen gerieten durch die Situation in Schieflage, was es für Standard Oil in der Folge erleichterte seine Expansions- politik auszubauen und die angeschlagenen Unternehmen zu geringen Preisen aufzukau- fen.19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Crude oil prices USA 1861-1894

Quelle: Statista http://de.statista.com/statistik/daten/studie/245941/umfrage/entwicklung-der- zeitgenoessischen-jahresdurchschnittspreise-von-rohoel/.

Auf diese Weise wuchs das Unternehmen und die Anzahl der Beteiligungen an anderen Unternehmen stetig an, bis diese schließlich ebenfalls 1882 unter dem Standard Oil Trust vereinigt wurden.20

Man erkennt, dass Standard Oil und Rockefeller eine aggressive Expansionspolitik ver- folgten, welche das Unternehmen in kürzester Zeit Marktanteile gewinnen ließ. Dabei be- schränkte der Konzern sich nicht nur auf eine rein horizontale Integration von Unterneh- men der gleichen Produktionsstufe, also anderen Raffinerien, sondern erkannte früh, dass man sich einen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten verschafft, indem Standard Oil auch die Kontrolle über vor- und nachgelagerte Stufen der Lieferkette mittels vertikaler Integration erlangt.21

Ein Schlüssel dazu waren sicherlich auch die Rabattverträge mit den Eisenbahngesellschaf- ten, aber bereits 1873 erwarb man die Devoe Manufacturing Company, welche den Nord- osten Amerikas mit Ölfässern belieferte. Zugleich wurden auch Anteile an der Chess- Carley Company erworben, die zu dieser Zeit größte Maklergesellschaft in Kentucky, dem Nachbarstaat von Ohio, auf welchen sich das Geschäft bisher beschränkt hatte.

[...]


1 Vgl. Hidy (1976), S. 1-5.

2 Vgl. Manning (1960), S. 1-5.

3 Vgl. Gordon 12.08.2015.

4 Vgl. Segall (2001), S. 19.

5 Vgl. Manning (1960), S. 1.

6 Vgl. Hidy (1976), S. 5.

7 Vgl. Seim (2013), S. 8.

8 Vgl. Josephson (1934), S. 112.

9 Vgl. Manning (1960), S. 1.

10 Vgl. Josephson (1934), S. 111-112.

11 Vgl. Mayhew (2008), S. 14.

12 Vgl. Hidy (1976), S. 16.

13 Vgl. Mayhew (2008), S. 16.

14 Vgl. Hidy (1976), S. 16.

15 Vgl. Brewer (1970), S. 20-22.

16 Vgl. Josephson (1934), S. 119.

17 Vgl. Brewer (1970), S. 14.

18 Vgl. Seim (2013), S. 8.

19 Vgl. Hidy (1976), S. 17.

20 Vgl. Hidy (1976), S. 40.

21 Vgl. Brewer (1970), S. 21.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Robber Baron oder Wohltäter? John D. Rockefellers Lebenswerk aus Sicht des Coroprate Social Responsibility-Ansatzes
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Wirtschafts-, Sozial- und Technologiegeschichte)
Veranstaltung
Big Business - Unternehmensstrukturen in den USA 19./20. Jh.
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V314532
ISBN (eBook)
9783668132184
ISBN (Buch)
9783668132191
Dateigröße
1177 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rockefeller, Standard Oil, Philanthropie
Arbeit zitieren
Alexander Weuthen (Autor), 2014, Robber Baron oder Wohltäter? John D. Rockefellers Lebenswerk aus Sicht des Coroprate Social Responsibility-Ansatzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314532

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