„Den Tagen mehr Leben geben…” – diesen Leitspruch formulierte die Begründerin der Hospizarbeit, Cicley Saunders, und läutete damit Ende der 1950er Jahre einen Richtungswechsel im Umgang mit sterbenden Menschen ein.
In früheren Zeiten war es selbstverständlich zu Hause innerhalb der Familie zu sterben. Die Industrialisierung und der Glaube an die Medizin verlegte den Tod jedoch in Krankenhäuser. Parallel dazu ging mit den gesellschaftlichen Entwicklungen eine „Erosion der Familie“ einher. Schließlich wirkt sich der demographische Wandel entscheidend auf das Sterben aus: Immer weniger junge Menschen müssen immer mehr Alte versorgen. Aufgrund der beruflich geforderten Mobilität und Ungebundenheit leben Familien heute räumlich weit voneinander entfernt. Das traditionelle Familienmodell, das die Versorgung der Alten garantierte, trägt nicht mehr.
In dieser Situation entstanden die ersten Hospize als Orte für „würdiges Sterben“. Folgt man der aktuellen Statistik des Deutschen Hospiz und PalliativVerbandes (www.dhpv.de) existierten in Deutschland im Jahr 2011 195 stationäre Hospize, 231 Palliativstationen und rund 1.500 ambulante Hospiz- und Palliativdienste. Daneben gibt es eine ständig wachsende Zahl von Hospizvereinen und -initiativen, die die Wünsche und Bedürfnisse sterbender Menschen als Leitziel aller Begleitungs-, Betreuungs- und Behandlungsarbeit verstehen und so eine veränderte „Sterbekultur“ etablieren möchten.
Der Blick in unser Nachbarland Polen zeigt, wie sich die Hospizarbeit unter völlig anderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt hat. Wirtschaftlich und politisch bewegt das Land immer noch die sozialistische Vergangenheit. Darüber hinaus ist in Polen der Einfluss der katholischen Kirche nach wie vor groß, der Zusammenhalt der Familie hat einen hohen Stellenwert und ist gleichzeitig aufgrund der ökonomischen Lage versorgende Notwendigkeit.
Um Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten feststellen zu können, werden in Kapitel 1 die Grundgedanken der Hospizarbeit sowie die Ausgestaltung palliativer Angebote dargestellt. In Kapitel 2 folgt eine Beschreibung der historischen Entwicklung der Hospizarbeit, die auch die Entwicklungen in Deutschland und Polen nachvollzieht. Anschließend werden im dritten Kapitel anhand verschiedener Aspekte Vergleiche zwischen den Nachbarländern gezogen und Unterscheidendes sowie Verbindendes herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Hospizarbeit als „Kultur des Sterbens“
1.1 Palliative Care
1.2 Organisationsformen hospizlicher Arbeit
2. Geschichte der Hospizarbeit
2.1 Ursprünge der Hospizarbeit im Mittelalter
2.2 Hospizarbeit im 20. Jahrhundert
2.3 Entwicklung der Hospizarbeit in Deutschland
2.4 Entwicklung der Hospizarbeit in Polen
3. Vergleichende Aspekte: Deutschland – Polen
3.1 Demographische Lage
3.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen und Finanzierung
3.3 Versorgungssituation
3.4 Rolle des Ehrenamtes
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Strukturen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Hospizarbeit in Deutschland und Polen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der palliativen Versorgung herauszuarbeiten und deren Entwicklung im Kontext demographischer sowie sozioökonomischer Herausforderungen zu beleuchten.
- Historische Herleitung der Hospizidee und Palliative Care
- Vergleich der demographischen Entwicklung in Deutschland und Polen
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und Finanzierungsmodelle
- Gegenüberstellung der Versorgungssituation und ehrenamtlichen Strukturen
Auszug aus dem Buch
1. Hospizarbeit als „Kultur des Sterbens“
Der Hospizbegriff ist in Deutschland primär mit der im Duden definierten Bedeutung als „Einrichtung zur Pflege und Betreuung Sterbender“ (www.duden.de) verankert. In der länderübergreifenden Auseinandersetzung mit hospizlicher Arbeit wird jedoch deutlich, dass ein Hospizangebot nicht durch äußere formale Strukturen, sondern vielmehr durch die dort praktizierten Handlungsprinzipien beschrieben werden kann. Weltweit etablierte sich hierfür der Begriff „Palliative Care“.
1.1 Palliative Care
Palliative Care (lat. palliare „mit einem Mantel bedecken“, engl. care „Versorgung, Betreuung, Aufmerksamkeit“) wird als Oberbegriff für alle Bereiche der Versorgung Sterbenskranker und Sterbender verwendet.
Der Begriff wurde 1975 durch den kanadischen Arzt Balfour Mount in medizinischen Zusammenhängen geprägt: kurative Behandlungsansätze sind auf Heilung ausgerichtet, palliative Behandlungsansätze dagegen auf Schmerzfreiheit und Lebensqualität.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Abschnitt erläutert den Wandel der Sterbekultur durch Industrialisierung und demographischen Wandel sowie die Zielsetzung der Arbeit, die Hospizarbeit in Deutschland und Polen vergleichend zu betrachten.
1. Hospizarbeit als „Kultur des Sterbens“: Es werden die begrifflichen Grundlagen von Palliative Care sowie die wesentlichen Kennzeichen von Hospizangeboten definiert.
2. Geschichte der Hospizarbeit: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von den mittelalterlichen Pilgerherbergen bis zur modernen Hospizbewegung im 20. Jahrhundert in Deutschland und Polen nach.
3. Vergleichende Aspekte: Deutschland – Polen: Hier erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der demographischen Lage, der Finanzierungssysteme, der Versorgungsstrukturen und der Rolle des Ehrenamts in beiden Ländern.
4. Resümee: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Herausforderungen der Ökonomisierung sowie die unterschiedlichen Auswirkungen sozioökonomischer Faktoren auf die Hospizarbeit in Deutschland und Polen.
Schlüsselwörter
Hospizarbeit, Palliative Care, Deutschland, Polen, Sterbebegleitung, Ehrenamt, demographischer Wandel, Gesundheitssystem, Finanzierung, Lebensqualität, Hospizbewegung, stationäre Hospize, ambulante Hospizdienste, Sterbekultur, soziale Versorgung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich der hospizlichen Versorgung und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Sterbebegleitung in Deutschland und Polen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung, die gesetzliche Finanzierung, die aktuelle Versorgungslage sowie die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem deutschen und polnischen Hospizwesen aufzuzeigen, um Rückschlüsse auf die Qualität und den Ausbaustand der palliativen Versorgung zu ziehen.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche in wissenschaftlichen Datenbanken wie MEDLINE und CINAHL, um den europäischen Ländervergleich fundiert zu belegen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, einen Vergleich der demographischen Ausgangslagen und eine detaillierte Betrachtung der institutionellen sowie ehrenamtlichen Strukturen beider Länder.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Palliative Care, Sterbekultur, ehrenamtliches Engagement, Gesundheitspolitik und der demographische Wandel.
Welche Rolle spielt die katholische Kirche bei der Hospizarbeit in Polen?
In Polen hat die katholische Kirche einen hohen Stellenwert, der den Zusammenhalt der Familie fördert, was wiederum eine essenzielle sozioökonomische Stütze für die Versorgung Sterbender darstellt.
Warum weicht die Finanzierung der Hospizarbeit in Polen von der in Deutschland ab?
Deutschland nutzt ein System, das durch das Sozialgesetzbuch (SGB V) geprägt ist, während in Polen die Finanzierung primär über den Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) erfolgt, der jedoch keine vollständige Abdeckung aller Kosten garantiert.
- Quote paper
- Maciej Libert (Author), 2014, Hospizarbeit im gesellschaftlichen Kontext. Ein Vergleich der Nachbarländer Deutschland und Polen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314603