Die Aussage materieller Hinterlassenschaften über die Systemfeinde Roms

Was der Legionsadler unter seinem Federkleid verbirgt


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2013

5 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Es versteht sich von selbst, dass unser heutiges Wissen über die Antike keinen universellen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und nur selektive Teilaspekte möglicher „Wahrheiten“ skizziert. Da das Geschichtsverständnis des 21. Jahrhunderts auf materiellen Hinterlassen-schaften basiert, hängt der Wert und die Aussagekraft einer Quelle maßgeblich davon ab, wer als deren Urheber, Autor oder auch als Auftraggeber im Hintergrund zu erkennen ist[1]. Behält man sich das im Hinterkopf, umso interessanter ist die Frage: Woher haben wir unser Wissen über die Feinde Roms? Feinde? Gab es je welche? Vielleicht waren es nur Völker, die nicht wussten, dass sie nach einer gewaltsamen Okkupation im tiefsten Herzen eigentlich Römer sein wollten? Welche Informationsträger stehen uns heutzutage zur Verfügung um dieses monoimperialistische Weltbild etwas zu dezentralisieren? Da es sich bei der germanischen um eine schriftlose Kultur handelt, bleiben dem Archäologen in diesem Fall nur Funde und Befunde um sich einen Einblick in eine historische „Realität“ zu verschaffen. Historische römische Quellen sind dabei unverzichtbar, aber nur bedingt repräsentativ, zumal man mit diesen Werken einen bestimmten Zweck verfolgt hatte.

Bei Caesars Sichtweise über die Germanen handelt es sich um ein ausgeklügeltes Propagandainstrument. Mit den Commentarii de bello Gallico rechtfertigte der römische Feldherr seine Expedition vor dem Senat um sein Handeln im günstigen Licht erscheinen zu lassen. Und natürlich erstrahlt der Feldherr umso heller, je düsterer er die Feinde Roms darstellt. Besonders gut für den Entwurf eines furchterregenden, stereotypen Barbarenbildes eigneten sich die Germanen. Mit polemischen Feingefühl begründet er damit einen richtungsweisenden Auftrag für seine Nachfolger, die Römer vor den „aggressiven, wilden“ und nomadisierenden Germanen zu beschützen. Aber er geht noch einen Schritt weiter. Caesar hält der römischen Bevölkerung einen moralischen Spiegel vor Augen, indem er die Tugenden der „noch unverdorbenen Wilden“ überspitzt hervorkehrt. Des Weiteren legitimiert Caesar mit einer klaren Kosten-Nutzen-Abschätzung seine rückwärtige Truppenbewegung, nachdem er um 50 v. Chr. die Eroberung Galliens für das Imperium Romanum erfolgreich abgeschlossen hatte. Warum weiter römisches Blut vergießen? Erstens sind diese „wild blickenden blauäugigen“ Naturburschen noch gefährlicher als die Gallier und zweitens wäre bei ihnen ohnedies nicht viel zu holen, da sie Gold und Silber nicht sonderlich reizte. Diese „halbnackten rötlich-blonden“ Hünen verehrten lieber heilige Haine und in ihnen ihre Götter, statt zu kapieren, dass der Wert des Holzes ihnen zu Wohlstand verhelfen würde. Hier zeigt sich deutlich eine differenzierte Weltanschauung, ein anderes eigentümliches Wertesystem,

[...]


[1] W. Hameter – S. Tost (Hgg.), Alte Geschichte. Der Vordere Orient und der mediterrane Raum vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. VGS Studientexte 3 (Wien 2012) 16 f.

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Die Aussage materieller Hinterlassenschaften über die Systemfeinde Roms
Untertitel
Was der Legionsadler unter seinem Federkleid verbirgt
Hochschule
Universität Wien  (Klassische Archäologie)
Veranstaltung
Das römische Militär
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2013
Seiten
5
Katalognummer
V314671
ISBN (eBook)
9783668135130
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aussage, hinterlassenschaften, systemfeinde, roms, legionsadler, federkleid
Arbeit zitieren
Alexander Schobert (Autor), 2013, Die Aussage materieller Hinterlassenschaften über die Systemfeinde Roms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314671

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