Das Shell-Haus von Emil Fahrenkamp in Berlin


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2008
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie Emil Fahrenkamp

3. Auftrag und Planungsphase: der Entwurf des Shell-Hauses in Berlin

4. Bauphase und Fertigstellung

5. Gebäudebeschreibung

6. Rezeption und Zusammenfassung

Literatur

1. Einleitung

Fahrenkamps Planung und Realisierung des Shell-Hauses in Berlin wurde in der Fachpresse oftmals zum Wendepunkt moderner Industrie- und Verwaltungsarchitektur in der Hauptstadt stilisiert, einige Kritiker meinen gar mythologisiert. Diese Arbeit wird sich im ersten Teil mit der Person und dem Werdegang des Architekten befassen. Von besonderem Interesse werden an dieser Stelle dessen Stationen auf dem Weg zu einer eigenen Formensprache und Arbeitsweise sowie der Schritt von einem regionalen zu einem Architekten von nationalem und internationalem Ruf sein. Im dritten Kapitel wird die Planungs- und Genehmigungsphase für das Shell-Haus skizziert. Hierbei sollen insbesondere die Vorgaben seitens des Bauherren und der örtlichen Behörden dargestellt werden. Im dritten Kapitel wird kurz die Bauphase des Gebäudes beschrieben. Das vierte Kapitel beschäftigt sich als Hauptteil dieser Arbeit mit den architektonischen Details des Gebäudes. Ausgehend von seiner äußeren Gestalt werden mittels eines beschreibenden Rundgangs die einzelnen Gebäudeteile hinsichtlich ihrer Gestalt und Funktion beschrieben. Im vierten und letzten Kapitel wird schließlich die Bedeutung des Shell-Hauses aus architekturkritischer Sicht betrachtet. Verdankt das Gebäude seine zeitlose Ästhetik einem genialen Schöpfer, der in der Hauptstadt ein Fanal für zeitgenössisches Bauen setzen wollte?

2. Biografie Emil Fahrenkamp

Emil Gustav Fahrenkamp wurde am 8. November 1885 als Sohn des Zigarrenfabrikmeisters Louis Fahrenkamp und seiner Frau Wilhelmine in Aachen geboren. Nach vier Jahren Volksschule besuchte Emil Fahrenkamp sechs Jahre die Oberrealschule. Von 1901 bis 1908 genoss er eine Architektenausbildung bei Carl Sieben und von April 1908 bis März 1909 arbeitete er als leitender Architekt der Aachener Villenbaugesellschaft des Architekten Albert Schneiders. Nicht zu datieren sind zum einen sein Besuch der Gewerbeschule, an der er konstruktive Fächer studierte und seine Tätigkeit im Bau- und Stuckgeschäft Max Fischers, bei dem er nach eigenen Angaben ein Jahr lang modellierte und „Details für Bildhauerarbeiten“ herstellte.[1] Anhand des engen Kontakts zu Carl Sieben, der auch in Fahrenkamps Zeit in Düsseldorf aufrechterhalten wurde, lassen sich einige Parallelentwicklungen im Werk beider Architekten erkennen. Während Schneider vor der Jahrhundertwende seine Fassaden mit barockisierenden Stuckornamenten ausstattete und Sieben Rennaissanceformen verwendete, wurde die üppige Dekorausstattung nach der Jahrhundertwende, also zur Zeit von Fahrenkamps Ausbildung, verdrängt durch die Klärung der architektonischen Form. Die wichtigsten Strömungen formulierten sich im Werkbund-Gedanken, in der Heimatschutzbewegung, im Neubiedermeier und im Neobarock. Aus der Zeit Fahrenkamps bei Sieben sind insbesondere einige Villen im Stil des Neobarock bekannt. Am 1. April 1909 wurde Fahrenkamp 1. Architekt des Privatateliers von Wilhelm Kreis. Als Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule vermittelte Kreis Fahrenkamp auch eine Lehrtätigkeit an der Schule, die er im Jahre 1911 antrat.[2] Während Fahrenkamps Bauten häufig stilistische Anleihen bei Sieben aufweisen, sind sie gegenüber dem Werk von Kreis eher eigenständig. In der Reformbestrebung des 1907 gegründeten Werkbundes, der sich für eine klare, einfache und kubistische Bauweise einsetzte, fand Fahrenkamp eher seine eigene Formsprache als Kreis, der nach wie vor gern mit barockisierendem Dekor arbeitete. Erst ab 1910 tendierten beide zu einem Neoklassizismus der sich durch einfache, kompakte Baukörper, vertikale Gliederungen und sparsam eingesetzte Dekors klassizistischer Formrepertoires (Akroterien, Füllhörner) auszeichnete.[3] Der Ausbruch des 1. Weltkriegs brachte für Fahrenkamp einige bedeutende Umbrüche. Zunächst zog die Stadt Düsseldorf im September 1914 den für 1915 geplanten Baubeginn der „Großen Ausstellung Düsseldorf 1915“ zurück, für die Fahrenkamp die Halle „Armee und Marine“, seinen ersten Monumentalbau, hätte entwerfen sollen. Am 17. März 1915 wurde er zum Militärdienst eingezogen und an der Ostfront verwundet. Ein Durchschuss der linken Schulter beeinträchtigte zwar die Mobilität seines linken Armes, als Rechtshänder bedeutete dies aber keine starke Beeinträchtigung seiner Arbeit. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg konzentrierte sich Fahrenkamp zunächst auf Landhausentwürfe. Mit Eingliederung der Kunstgewerbeschule in die Kunstakademie Düsseldorf avancierte er mit Unterstützung von Wilhelm Kreis, zum Professor der Akademie und übernahm das Meisteratelier für „Künstlerische Durchbildung im Einzelnen, Wohnungsbau und Raumkunst“.[4] In der Phase zwischen 1912 und 1919 sticht insbesondere das Schaubild eines Zechengebäudes für die Zeche Adolf in Herzogenrath heraus. Die von jeglichen Detailformen freie, neoklassizistische Gestaltung mit ihrer streng monotonen Rhythmik kann als Grundlage für Fahrenkamps Industriebauten der 20er Jahre gelten.[5] Als Akademieprofessor erlangte er eine gesellschaftliche und berufliche Stellung, in der er, ebenfalls durch Vermittlung von Kreis, zunächst zahlreiche private Bauvorhaben der großbürgerlichen und vermögenden rheinischen Gesellschaftsschicht übernahm. Diese Kontakte bescherten ihm letztlich mehrere Aufträge für die Rheinstahl AG, die ihn, über die Grenzen des Rheinlandes hinaus, als anerkannten Industriearchitekten bekannt machten. Für das Unternehmen übernahm er von 1921-1923 die Planung mehrere Produktions- und Verwaltungsbauten in Frankfurt a. M., Hamburg, Erfurt und Düsseldorf. Insbesondere die Firmenzentrale in Düsseldorf zeigte Fahrenkamps expressive Arbeit mit horizontalen und vertikalen Linien und die Verwendung verschiedener Baustoffe mit markanter Oberflächenstruktur wie Back-/Naturstein und Putz.[6] Mit Beginn der 20er Jahre erfolgte eine Expansion seiner Tätigkeit nach Berlin, wo er für die Rheinstahl ein Verwaltungsgebäude in Berlin-Neukölln und für Rheinstahl-Direktor Ballin ein Wohnhaus in Berlin-Schmargendorf entwarf. Bereits zu dieser Zeit entwickelte und kultivierte Fahrenkamp eine Arbeitsmethode, die er zuvor bei Wilhelm Kreis bereits gesehen hatte und bei der er Ideen und Komponenten aus Grundrissordnung und Fassadenstruktur von bereits realisierten Bauprojekten wieder verwendete oder weiterentwickelte.[7] Ebenfalls von Kreis lernte Fahrenberg Grundelemente des jeweiligen Zeitstils zu extrahieren und in seine eigenen Kompositionen einzubeziehen. Dabei war der Umgang mit Formen meist unverbindlich, ausgerichtet auf die Verwendung monumentaler „ewiger und unvergänglicher Formen“.[8] Im Berlin der 20er Jahre boten sich für Fahrenkamp anspruchsvolle Aufgabenstellungen in einer Großstadt und somit die Möglichkeit der künstlerischen Profilierung. Der Gewinn des Wettbewerbs für das Geschäftshaus der Deutschen Allgemeinen Zeitung in der Wilhelmsstraße in Berlin Kreuzberg stellte einen weiteren Wendepunkt in Fahrenkamps Karriere dar. Erstmals stellte sich Fahrenkamp einem großen öffentlichen Interesse und seiner in Berlin bereits etablierten Konkurrenz. In diesem Wettbewerb stellte sich insbesondere die Frage, wie das überkommene historische Straßenbild Berlins mit einer „der Funktion angemessenen und modernen Gestaltung“ neu gestaltet werden könne. Fahrenkamp reichte zwei Entwürfe ein, die harmonisch zwischen traditionellen und modern-expressiven Bauformen zu vermitteln versuchten. Die mit dem ersten Preis prämierte Fassadenvariante orientierte sich mit solidem Sockel und durch Gesimsbänder akzentuierte Obergeschosse an einer geläuterten aber der Baugeschichte verpflichteten Formensprache. Die zweite, mit dem dritten Preis prämierte Variante, orientierte sich mit seiner vertikalen Gliederung und der plastischen zweiten Fassadenhaut eher am gemäßigt-modernen Lager. In Struktur und Aufbau ähnelte dieser Entwurf einem drei Jahre älteren von Wilhelm Kreis, den dieser für die Zentralverwaltung der Rheinischen Stahlwerke im Jahre 1921/22 vorgelegt hatte. Durch die beiden unterschiedlichen Entwürfe wollte der Architekt offenbar herausfinden, welche Bauweise den Wünschen des Publikums und der Jury eher entsprach.[9] Nach der Planung für das Gebäude der Kathreiner Malzkaffeefabriken und zur Erweiterung des Reichstages etablierte sich Fahrenkamp endgültig mit der Realisierung des Shell-Hauses als Spezialist für zeitgenössischen modernen Städtebau.[10] Die einsetzende Weltwirtschaftskrise im Jahre 1929 beendete jedoch zunächst die erfolgreiche städtebauliche Tätigkeit Fahrenkamps. Nachdem er gar sein Düsseldorfer Büro geschlossen hatte, konzentrierte er sich ab 1932 auf seine Lehrtätigkeit an der dortigen Kunstakademie. Seine Düsseldorfer Kontakte verhalfen ihm 1935 zur Planung des zweiten Bauabschnitts des Verwaltungsgebäudes der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Die Wünsche der neuen Arbeitgeber in Bezug auf Masse, Volumen und Monumentalität konnte Fahrenkamp problemlos erfüllen. Nach mehreren erfolgreichen Ausstellungen zu seiner Arbeit, unter anderem im Rahmen der Olympischen Spiele 1936, folgte 1937 der Auftrag zur Bauleitung der „Hermann-Göring-Meisterschule“ in Kronenburg. Am 1. Mai 1937 trat Fahrenkamp der NSDAP bei und nahm den Rang eines Gauamtsleiters ein.[11] Sein Wiederantritt als Leiter der Kunstakademie in Düsseldorf weist die Integration in das politische Gefüge der NS-Diktatur nach. Im Januar wurde Fahrenkamp zum „Generalinspekteur für die Reichshauptstadt Berlin“ ernannt. Mit Gewinn des Wettbewerbs für die „Filmstadt Babelsberg“ wurde er zum direkten Gewährsmann und Vertreter Abrecht Speers. Nach der „Rückstellung“ der Planungen aufgrund der Kriegsentwicklung im Jahre 1942 konzentrierte er sich wieder auf seine Lehrtätigkeit in Düsseldorf. Nach dem Krieg wurde seinem Wunsch zur Weiterführung seiner Lehrtätigkeit seitens der britischen Militärregierung widersprochen. Im Jahre 1948 wurde Fahrenkamp zwar als „entnazifiziert“ anerkannt, jedoch gleichzeitig in den Ruhestand geschickt. Im Jahre 1966 starb der Architekt im Alter von 80 Jahren in Breidscheid.[12]

[...]


[1] Heuter, S. 19

[2] Heuter, S. 25

[3] Heuter, S. 27

[4] Jacob, S. 26

[5] Heuter, S. 28

[6] Jacob, S. 64

[7] Jacob, S. 36/S. 51

[8] Jacob, S. 53f

[9] Jacob, S. 65ff

[10] Heuter, S. 29

[11] Jacob, S. 31

[12] Jacob, S. 32

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Shell-Haus von Emil Fahrenkamp in Berlin
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V315007
ISBN (eBook)
9783668135260
ISBN (Buch)
9783668135277
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
shell, haus, emil, fahrenkamp, berlin
Arbeit zitieren
Guido Maiwald (Autor), 2008, Das Shell-Haus von Emil Fahrenkamp in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315007

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