Fahrenkamps Planung und Realisierung des Shell-Hauses in Berlin wurde in der Fachpresse oftmals zum Wendepunkt moderner Industrie- und Verwaltungsarchitektur in der Hauptstadt stilisiert, einige Kritiker meinen gar mythologisiert.
Diese Arbeit wird sich im ersten Teil mit der Person und dem Werdegang des Architekten befassen. Von besonderem Interesse werden an dieser Stelle dessen Stationen auf dem Weg zu einer eigenen Formensprache und Arbeitsweise sowie der Schritt von einem regionalen zu einem Architekten von nationalem und internationalem Ruf sein. Im dritten Kapitel wird die Planungs- und Genehmigungsphase für das Shell-Haus skizziert. Hierbei sollen insbesondere die Vorgaben seitens des Bauherren und der örtlichen Behörden dargestellt werden. Im dritten Kapitel wird kurz die Bauphase des Gebäudes beschrieben. Das vierte Kapitel beschäftigt sich als Hauptteil dieser Arbeit mit den architektonischen Details des Gebäudes. Ausgehend von seiner äußeren Gestalt werden mittels eines beschreibenden Rundgangs die einzelnen Gebäudeteile hinsichtlich ihrer Gestalt und Funktion beschrieben. Im vierten und letzten Kapitel wird schließlich die Bedeutung des Shell-Hauses aus architekturkritischer Sicht betrachtet. Verdankt das Gebäude seine zeitlose Ästhetik einem genialen Schöpfer, der in der Hauptstadt ein Fanal für zeitgenössisches Bauen setzen wollte?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biografie Emil Fahrenkamp
3. Auftrag und Planungsphase: der Entwurf des Shell-Hauses in Berlin
4. Bauphase und Fertigstellung
5. Gebäudebeschreibung
6. Rezeption und Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert das Shell-Haus in Berlin als architektonischen Wendepunkt und untersucht dabei sowohl den Lebensweg des Architekten Emil Fahrenkamp als auch die spezifischen planerischen und konstruktiven Herausforderungen des Gebäudes.
- Biografische Einordnung von Emil Fahrenkamp in den Kontext seiner Zeit.
- Detaillierte Darstellung der Planungs-, Genehmigungs- und Bauphase des Shell-Hauses.
- Analyse der architektonischen Gestaltung und funktionalen Grundrisslösungen.
- Technische Aspekte des Stahlskelettbaus und der Erschütterungsisolierung.
- Rezeption und kunsthistorische Einordnung des Gebäudes im Kontext der Moderne.
Auszug aus dem Buch
Gebäudebeschreibung
Die Gebäudekontur wird zunächst bestimmt durch den trapezförmigen Grundstückszuschnitt zwischen Stauffenbergstraße und Hitzigallee. Mit dem zehngeschossigen, 38 Meter hohen Bauteil an der Stauffenbergstraße nahm Fahrenkamp Bezug auf die Raumkanten, die durch die Stauffenbergstraße, das Reichpietschufer, den Landwehrkanal und die von-der-Heydt-Brücke (heute Bendlerbrücke) vorgegeben war. Fahrenkamp bezeichnete diese architektonische Dominante als „Brückenkopf“ der im hinteren Bereich der Stauffenbergstraße aufgrund behördlicher Auflagen auf sechs Geschosse zurückgestuft wurde. In diesem Bereich ist der Komplex durch einen ebenfalls sechsgeschossigen Riegel verschlossen, durch den ein Innenhof entsteht, der ehemals mit einem Glasdach überdeckt war. Proportional zur Höhenabstufung wird die Hauptfassade wellenförmig nach hinten versetzt, was ebenfalls durch den schrägen Grundstücksverlauf vorgegeben war. Fahrenkamp erläuterte die Funktionalität dieser Staffelung wie folgt:
„Das stufenweise Zurückgehen an der Königin-Augusta-Straße erzielt eine fast doppelte Außenfläche, also stark vermehrte Beleuchtungsmöglichkeiten durch die breiten Fensterbänder.“
So war die ästhetisch gelungene Fassade nicht nur dem Grundstücksverlauf, sondern auch den nutzungstechnischen Anforderungen des Bauherren geschuldet. Fensterbänder und Fassadenverkleidung zeichnen die abgerundeten Kanten des Gebäudes nach, was durch die Materialität und Oberflächenstruktur noch intensiviert wird. So sind die Fensterbänder außenbündig in die Fassade gesetzt und betonen mit den Travertinflächen die waagerechte Unterteilung von Brüstungs- und Belichtungsfeldern. Eine zusätzliche Betonung der ‚liegenden’ Ebene wir durch die kräftige Horizontalsprosse an den Fensterbändern erreicht. Die Fassadenrückschwünge werden insbesondere im Bereich der begehbaren Dachterrassen betont, indem sie abwechselnd in ein breites Steinfeld auslaufen. Dies verstärkt sowohl die horizontale Abstufung als auch den Eindruck der räumlichen Tiefe, die durch den schrägen Grundstücksverlauf gegeben war. Den dadurch entstandenen Sichteindruck beschrieb Jacob als den Effekt von „abebbenden Wellen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Shell-Hauses als Wendepunkt moderner Architektur ein und skizziert den strukturellen Aufbau der Untersuchung.
2. Biografie Emil Fahrenkamp: Dieses Kapitel behandelt den Werdegang von Emil Fahrenkamp, seine Ausbildung und seine Entwicklung hin zu einem Architekten von nationalem Ruf.
3. Auftrag und Planungsphase: der Entwurf des Shell-Hauses in Berlin: Hier werden die Wettbewerbsbedingungen, die Grundstückssituation und die komplexen Genehmigungsverfahren beleuchtet.
4. Bauphase und Fertigstellung: Der Abschnitt dokumentiert den zügigen Baufortschritt der Stahlkonstruktion und die schrittweise Inbetriebnahme des Gebäudes.
5. Gebäudebeschreibung: Diese detaillierte Analyse widmet sich der äußeren Form, der Fassadengestaltung, der funktionalen Grundrissordnung und der speziellen technischen Konstruktion des Shell-Hauses.
6. Rezeption und Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel setzt sich mit der zeitgenössischen Kritik sowie der langfristigen kunsthistorischen Bedeutung des Werks im Gesamtkontext von Fahrenkamps Schaffen auseinander.
Schlüsselwörter
Emil Fahrenkamp, Shell-Haus, Berlin, Architektur, Moderne, Stahlskelettbau, Verwaltungsbau, Bauhaus, Architekturgeschichte, Rhenania-Ossag, Fassadengestaltung, Städtebau, 1920er Jahre, Funktionalismus, Bautechnik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Planung, Errichtung und architektonischen Bedeutung des Shell-Hauses in Berlin unter der Leitung des Architekten Emil Fahrenkamp.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Biografie Fahrenkamps, den Herausforderungen des Grundstückszuschnitts, der architektonischen Moderne und den technischen Konstruktionsmethoden der Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Shell-Haus als bedeutenden Beitrag zur modernen Industrie- und Verwaltungsarchitektur zu würdigen und die gestalterische sowie funktionale Arbeitsweise des Architekten zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine architekturhistorische Untersuchung, die auf Fachliteratur, zeitgenössischen Publikationen und einer detaillierten Analyse des Gebäudes basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Entwurfsprozess, die Bauphase sowie die architektonischen und konstruktiven Details, wie die Fassade und das Grundrisssystem, detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Shell-Haus, Emil Fahrenkamp, moderne Architektur, Verwaltungsbau und Stahlskelettbau geprägt.
Wie reagierte die zeitgenössische Fachwelt auf das Gebäude?
Das Gebäude erhielt eine hohe Medienpräsenz; Kritiker lobten sowohl die funktional-sachliche Lösung als auch die expressive, geschwungene Hauptfront als ästhetisch wegweisend.
Warum war das Grundstück des Shell-Hauses besonders herausfordernd?
Der trapezförmige Verlauf und die Lage an der Stauffenbergstraße erforderten innovative Lösungen für die Gebäudekontur, was Fahrenkamp durch eine wellenförmige Fassadengestaltung löste.
Welche technische Innovation wurde am Shell-Haus erstmals angewendet?
Eine spezielle Isolierung gegen Erschütterungen durch eine Eisenbetonwanne neun Meter unter Straßenniveau sorgte dafür, dass die Gebäudestützen nahezu schwingungsfrei stehen.
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- Guido Maiwald (Author), 2008, Das Shell-Haus von Emil Fahrenkamp in Berlin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315007