Der digitale Wandel vollzieht sich inzwischen seit über zwei Jahrzehnten. Nachdem er andere Bereiche der Wirtschaft wie die Musik- und Medienindustrie grundlegend revolutionierte, setzt dieser nun auch in der Finanzbranche ein. Mit dem Internet steht den Anbietern von Finanzdienstleistungen ein weiterer Distributionskanal zur Verfügung, der erst seit kurzem von vielen jungen Unternehmen zum Angriff auf die etablierten Dienstleister genutzt wird und das Potential großer Machtverschiebungen in sich birgt.
Da im Internet auch kleine Anbieter sehr erfolgreich große Kundengruppen erreichen können verschärft sich die Wettbewerbssituation. Dies erhöht die Notwendigkeit, sämtliche Aktivitäten konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden und derer Befriedigung auszurichten, um in Zukunft am Markt bestehen zu können. Daher ist es für alle Wettbewerber unabdingbar fortlaufend in Erfahrung zu bringen, was die Kunden vom eigenen Unternehmen erwarten.
Mit dieser Arbeit wird die aktuelle Situation der Branche, speziell der Finanzberatung zum Vertrieb von Kapitalanlageprodukten und ihre Rahmenbedingungen dargestellt. Es wird aufgezeigt, wie das Internet dazu zwingt, die klassischen Marketingaktivitäten durch die Anwendung eines innovativen Instrumentariums zu ergänzen und welche technischen Möglichkeiten zur Platzierung eigener Online-Angebote beispielsweise bereits existieren.
Mittels einer durchgeführten Befragung wurden die aktuellen Bedürfnisse und Vorstellungen einer ausgewählten Gruppe von Personen bzgl. der Finanzdienstleistung ermittelt, um aus dem Ergebnis Chancen und Risiken von Beratungsplattformen im Internet für den Finanzdienstleistungsanbieter ableiten zu können. Hierfür wurde in Erfahrung gebracht, wie Finanzdienstleistungen heute bevorzugt in Anspruch genommen werden und welche Wünsche die Befragten für die zukünftige Handhabung hegen. Denn nur wenn die Digitalisierung den Wünschen der Kunden entspricht, kann dies ein zukunftsweisender Weg sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau dieser Arbeit
1.3 Abgrenzung
2 Grundlagen der Kapitalanlagevermittlung
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Erlaubnispflicht
2.3 Kunden
2.4 Kapitalanlageprodukte
2.5 Aktuelle Marktsituation
3 Theorie des Marketings
3.1 Erfolgsfaktoren des Marketing
3.2 Marketingziele und Marketing-Strategien
3.3 Marketing-Mix
3.3.1 Distributionspolitik
3.3.2 Distributionskanal
3.3.3 Multi-Channel-Strategien
3.3.4 Multi-Channel-Vertriebswege
4 Online-Marketing
4.1 Grundbedürfnisse und Anspruchsdenken
4.2 Vom Web 1.0 zum Web 4.0
4.3 Internetnutzung
4.3.1 Internet-Nutzung durch Nachfrager
4.3.2 Internet-Nutzung durch Anbieter
4.4 Zielgruppen des Online-Marketing
4.5 Instrumente des Online-Marketing
4.6 Instrumente des Mobile-Marketing
4.7 Corporate Website
4.7.1 Usability der Corporate Website
5 Beratungsplattformen im Internet
5.1 Begriffserklärung
5.2 Crowd-Investing-Plattform
5.3 Social-Media-Plattform
5.4 Personal-Finance-Management-Plattform
5.5 Anlageplaner
5.6 Peer-to-Peer Lending-Plattform
5.7 Ein allgemeines Beispiel – vaamo.de
5.8 Ein allgemeines Beispiel – consorsbank.de
6 Empirische Untersuchung
6.1 Fragestellungen und Zielsetzung
6.2 Methodik
6.3 Grenzen der Untersuchung
6.4 Durchführung
6.5 Ergebnisse
6.6 Zusammenfassung
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Bachelor-Thesis untersucht, wie der digitale Wandel die Finanzdienstleistungsbranche verändert, speziell im Hinblick auf Beratungsplattformen im Internet für die Kapitalanlagevermittlung. Ziel ist es, Chancen und Risiken dieser neuen Distributionskanäle zu identifizieren, Kundenbedürfnisse zu analysieren und zu prüfen, inwieweit digitale Angebote die traditionelle Finanzberatung ersetzen oder ergänzen können.
- Aktuelle Marktsituation der Finanzdienstleister im digitalen Wandel
- Theoretische Grundlagen des Marketings und Online-Marketings
- Analyse verschiedener digitaler Finanz-Beratungsplattformen
- Empirische Untersuchung der Erwartungshaltung von Privatanlegern
- Chancen und Risiken digitaler Beratungsmodelle für Finanzdienstleister
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Der digitale Wandel ist in vollem Gange. In zunehmendem Maße sehen sich Anbieter von Produkten und Dienstleistungen damit konfrontiert, dass junge Wettbewerber das Internet nutzen, um Marktanteile zu gewinnen. Etablierte Unternehmen kommen dadurch in Bedrängnis, insbesondere, wenn es sich um das Geschäft mit voll digitalisierbaren Produkten wie Bücher, Filme, Musik oder auch Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen handelt. In der Finanzdienstleistungsbranche setzt dieser Wandel erst spät ein. Beispielsweise sind heute bereits Schallplattenläden aus den Innenstädten fast vollständig verschwunden, währenddessen es Bankfilialen noch buchstäblich an jeder Ecke gibt. Erschwerend sehen sich Banken und Versicherungen nun gleichzeitig mit den Herausforderungen konfrontiert, welche aus dem Vertrauensverlust der vergangenen Jahre resultieren. Die Auswirkungen der letzten Weltwirtschaftskrise mit ihrem Höhepunkt im Jahr 2008, die zahlreichen Kapitalanlagen empfindliche Verluste zufügte und die bis heute anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank lässt die Möglichkeiten der Sparer unattraktiv erscheinen.
Anbieter wie vaamo, Zinsland, fidor BANK oder BERGFÜRST, um nur einige Beispiele zu nennen, sehen in dieser aktuellen Situation ihre historische Chance. Sie setzen auf einfache, transparente Konzepte im Internet, die auf eine persönliche Beratung verzichten. Ein Teil der zunehmend internetaffinen Bevölkerung nimmt diese Angebote in Anspruch. Das Erstarken einer ganzen Szene namens FinTech, die hip und trendy daherkommt und gerade in den wichtigsten Finanzzentren der Welt wie London, Berlin oder Frankfurt aktuell zahlreiche StartUp´s hervorbringt, läutet nun eine weitere Digitalisierungswelle ein. Die jungen Unternehmen ersetzen vielfach nicht einfach die vorhandenen Anbieter, sondern erweitern die Wertschöpfungskette, indem sie die Möglichkeiten, die ihnen der Kommunikationskanal Internet bietet ausschöpfen und damit dem Kunden ein gänzlich neues Erlebnis der Finanzdienstleistung bieten. Experten sprechen von einem Megatrend, den der Finanzsektor erfasst oder auch einer nächsten Generation der Finanzdienstleister.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt den digitalen Wandel in der Finanzbranche, die Problemstellung durch neue FinTech-Anbieter und den Aufbau der Arbeit.
2 Grundlagen der Kapitalanlagevermittlung: Definiert die rechtlichen Rahmenbedingungen, Erlaubnispflichten und Kundensegmente im Bereich der Kapitalanlage.
3 Theorie des Marketings: Erläutert klassische Marketing-Erfolgsfaktoren, Strategien und den Marketing-Mix mit Fokus auf die Distributionspolitik.
4 Online-Marketing: Analysiert die spezifischen Anforderungen und Instrumente des Online-Marketings sowie die Bedeutung des Internets für Kunden und Anbieter.
5 Beratungsplattformen im Internet: Stellt verschiedene digitale Konzepte wie Robo-Advisors, Crowd-Investing und P2P-Plattformen sowie Praxisbeispiele vor.
6 Empirische Untersuchung: Dokumentiert die Durchführung, Methodik und Ergebnisse einer Befragung zur Akzeptanz von digitalen Finanzdienstleistungen.
7 Fazit: Fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten der Finanzberatung im Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und persönlichem Kontakt.
Schlüsselwörter
Kapitalanlagevermittlung, Online-Marketing, Finanzberatung, FinTech, Digitalisierung, Distributionskanal, Kundenbedürfnisse, Robo-Advisor, Crowd-Investing, Online-Banking, Multi-Channel-Strategie, Marktorientierung, Käufermarkt, Usability, Finanzdienstleistungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Finanzdienstleistungsbranche, insbesondere wie Beratungsplattformen im Internet als neuer Distributionskanal für die Kapitalanlagevermittlung dienen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf dem klassischen Marketing und Online-Marketing, einer Einordnung digitaler Finanzplattformen (z.B. Robo-Advisors, P2P-Lending) und der empirischen Analyse des Anlegerverhaltens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Chancen und Risiken von digitalen Beratungsplattformen für Anbieter aufzuzeigen und zu prüfen, wie Kundenbedürfnisse durch digitale Prozesse bestmöglich erfüllt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Neben einer theoretischen Literaturanalyse führte der Autor eine empirische Online-Befragung unter 92 Teilnehmern durch, um aktuelle Präferenzen und Einstellungen zu Finanzdienstleistungen im Internet zu erfassen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Marketingstrategien im digitalen Zeitalter, die detaillierte Vorstellung existierender digitaler Finanzdienstleistungs-Konzepte und die Auswertung der durchgeführten empirischen Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Kapitalanlagevermittlung, Online-Marketing, Finanzberatung, FinTech, Digitalisierung und Kundenbedürfnisse.
Welche spezifische Rolle spielt das "Vaamo"-Beispiel in der Untersuchung?
Vaamo dient als praxisnahes Beispiel für ein junges FinTech-Unternehmen, das versucht, durch ein einfaches, digitales Konzept und eine hohe Usability die Geldanlage am Kapitalmarkt für Privatanleger zu vereinfachen.
Welches Fazit zieht die Untersuchung bezüglich des persönlichen Finanzberaters?
Trotz der zunehmenden Digitalisierung betont die Arbeit, dass das persönliche Beratungsgespräch weiterhin eine hohe Relevanz besitzt und das Internet den stationären Berater vor Ort derzeit nicht vollständig ersetzen kann.
- Arbeit zitieren
- Daniel Kunz (Autor:in), 2015, Beratungsplattformen im Internet. Chancen und Risiken als digitaler Distributionskanal für die Kapitalanlagevermittlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315020