Die vorliegende Arbeit will versuchen, die jeweilige Gestaltung des supernatural element in den beiden Macbeth-Dramen von William Shakespeare und Charles Marowitz zu vergleichen. Anders als manche Regisseure des Macbeth, die die Hexenszenen als überflüssig erachteten und deshalb kurzerhand strichen, hat Marowitz sie durchaus beibehalten, wenngleich er Veränderungen vornahm. Zudem wird deutlich werden, dass Marowitz in seiner modernen Version nicht die Erkenntnisse unserer Zeit berücksichtigt, sondern dass er in seiner Darstellung des Übernatürlichen auf sehr archaische Vorstellungen zurückgreift, die sich unter anderem auch in Shakespeares wichtigster Quelle für Macbeth, Raphael Holinsheds Chronicles of England, Scotland, and Ireland aus dem Jahr 1577, finden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Shakespeares Macbeth
1. Hexen bei Holinshed und zu Shakespeares Zeit
1.1. Holinshed
1.2. Hexenwahn unter Elisabeth I. und James I.
2. Die Hexen – Witches or Weird Sisters?
2.1. Walter Clyde Curry (1933)
2.2. Peter Stallybrass (1982)
2.3. Henry N. Paul (1978)
3. Gestaltung des supernatural element im Stück
3.1. Interpolierte Szenen – Thomas Middleton
3.2. Geschickte Anwendung durch Shakespeare
III. Charles Marowitz: A Macbeth
1. Collage und ‘debunking’
1.1. Verschränkung von Handlungssträngen
1.2. Verstärkte Bedeutung der Hexen und Lady Macbeths
2. Umbewertung des supernatural element durch Marowitz
2.1. Holinshed
2.2. Bedeutung des Voodoozaubers – ‘Effigies’
2.3. Sieg des Bösen über die göttliche Ordnung
IV. Schlussfolgerung
BIBLIOGRAPHIE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Darstellung und Funktion des übernatürlichen Elements in Shakespeares Tragödie „Macbeth“ im Vergleich zu Charles Marowitz’ dramatischer Adaptation „A Macbeth“. Ziel ist es, zu analysieren, wie beide Autoren das Motiv der Hexen und übernatürlicher Phänomene nutzen, um die moralische Ordnung sowie die psychologische Tiefe ihrer jeweiligen Stücke zu formen.
- Historische Einordnung des Hexenwahns unter Elisabeth I. und James I.
- Analyse der Hexenfiguren als Dämonen oder soziale Konstrukte
- Die Technik der Collage und des ‘debunking’ in der Marowitz-Adaptation
- Bedeutung von Voodoo-Praktiken und Wachsfiguren in Marowitz’ Inszenierung
- Vergleich der dramaturgischen Funktion des Übernatürlichen als Schicksalsmacht versus psychologischer Projektion
Auszug aus dem Buch
3. Gestaltung des supernatural element im Stück
Eine endgültige Lösung des eben erörterten Problems wird sich wohl nie finden lassen, da Shakespeare das supernatural element im Macbeth bewusst ambig gehalten hat, was natürlich zu einer Steigerung der Atmosphäre des Mysteriösen und Negativen beiträgt. Was die Hexen also tatsächlich verkörpern, ist dementsprechend zweitrangig; viel wichtiger ist, wie ihre Gestaltung im Drama zur Einheit des Stückes beiträgt. Dabei darf natürlich nicht übersehen werden, dass die Fassung, die wir kennen, anerkanntermaßen nicht die Originalversion repräsentiert.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Dieser Abschnitt legt den Grundstein für die Untersuchung und beleuchtet die anhaltende Faszination des Menschen für das Übernatürliche in der Literatur, insbesondere bei Shakespeare.
II. Shakespeares Macbeth: Hier wird der historische Kontext der Hexen sowie deren unterschiedliche literaturkritische Deutungen als Dämonen oder soziale Konstrukte analysiert.
1. Hexen bei Holinshed und zu Shakespeares Zeit: Es wird untersucht, wie historische Quellen und der Zeitgeist der Regierungszeit von James I. die Darstellung der Hexen bei Shakespeare beeinflusst haben könnten.
2. Die Hexen – Witches or Weird Sisters?: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene interpretatorische Ansätze namhafter Kritiker zur Natur der Weird Sisters.
3. Gestaltung des supernatural element im Stück: Hier wird die dramaturgische Funktion der Hexen sowie die Frage nach interpolierten Szenen, etwa durch Thomas Middleton, erörtert.
III. Charles Marowitz: A Macbeth: Der Fokus liegt auf der technischen und inhaltlichen Herangehensweise von Charles Marowitz, der das Stück durch Collagen und strukturelle Verdichtung neu interpretiert.
1. Collage und ‘debunking’: Dieses Kapitel beleuchtet Marowitz’ Arbeitsweise, die auf Verfremdung und der psychoanalytischen Neudeutung der Charaktere basiert.
2. Umbewertung des supernatural element durch Marowitz: Eine Analyse, wie Marowitz das Übernatürliche durch Voodoo-Elemente und eine stärkere Präsenz der Hexen in ein pessimistisches Weltbild überführt.
IV. Schlussfolgerung: Das Fazit stellt die unterschiedlichen Ansätze von Shakespeare und Marowitz gegenüber und bewertet die Wirkung des übernatürlichen Elements in beiden Werken.
BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Macbeth, Shakespeare, Marowitz, Übernatürliches, Hexen, Weird Sisters, Dämonologie, Collage, Debunking, Voodoo, Hexenwahn, James I., Holinshed, Dramaturgie, Literaturkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Gestaltung übernatürlicher Elemente in William Shakespeares „Macbeth“ im Kontrast zur Bearbeitung „A Macbeth“ von Charles Marowitz.
Was sind die zentralen Themenfelder dieser Studie?
Die zentralen Themen umfassen die historische Wahrnehmung von Hexerei, die literarische Interpretation der Weird Sisters als metaphysische Mächte versus soziale Konstrukte sowie die moderne Adaptationstechnik von Charles Marowitz.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Inszenierungsformen und Zeitkontexte die Interpretation übernatürlicher Elemente verändern und welche Auswirkungen dies auf das Verständnis des tragischen Falls von Macbeth hat.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historisch-kritische Quellenarbeit mit einer vergleichenden Dramenanalyse kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Hexendarstellung bei Shakespeare unter Berücksichtigung historischer Quellen wie Holinshed und anschließend in eine Untersuchung der collageartigen Neuinterpretation durch Marowitz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie „Übernatürliches“, „Hexen“, „Marowitz-Adaptation“, „Voodoo“ und „Dramengeschichte“ beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Hexen bei Marowitz von Shakespeare?
Bei Marowitz sind die Hexen deutlich präsenter, wirken durch Voodoo-Elemente aktiver auf die Handlung ein und dienen als Rahmenfigur, die die menschlichen Akteure eher zynisch und aus einer distanzierten Machtposition heraus manipuliert.
Welche Rolle spielt die Psychoanalyse in Marowitz’ Adaptation?
Marowitz nutzt moderne psychoanalytische Strukturen, um die Charaktere – insbesondere Lady Macbeth – als psychologisch gebrochen oder getrieben darzustellen, was die Hexen zu Spiegelbildern ihrer unterdrückten oder pervertierten Weiblichkeit macht.
- Arbeit zitieren
- Ralf Hartmann (Autor:in), 1997, Das "supernatural element" in Shakespeares "Macbeth" und Marowitz' "A Macbeth", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315112