Wasserprivatisierung in Lateinamerika. Akteure, Strategien, Widerstand


Facharbeit (Schule), 2008
35 Seiten, Note: 13
Anonym

Leseprobe

Inhalt:

1. Exposition der Fragestellung

2. Wasser, ein Bedürfnis

3. Der Weltwasserrat
3.1 Das Weltwasserforum
3.2 Die Weltwasservision

4. Die Akteure: Interessen und Strategien
4.1 Transnationale Konzerne
4.1.1 Veolia Environment
4.1.2 Suez Environment
4.2 Nichtregierungsorganisationen
4.2.1 Die Weltbank
4.2.2 Der Internationale Währungsfonds
4.2.3 Die Welthandelsorganisation
4.3 Regierungen

5. Neoliberale Hegemonialansprüche in Lateinamerika
5.1 Der „Wasserkrieg“ von Cochabamba
5.2 Weitere Privatisierungsprojekte in Lateinamerika
5.3 Die Bank des Südens

6. Prämissen einer befriedigenden Wasserversorgung

Abkürzungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Exposition der Fragestellung

Trotz ausreichender Verfügbarkeit von Wasser befinden wir uns in einer Wasserkrise. Laut dem Auswärtigen Amt hatten 2007 etwa 1,1 Milliarden Menschen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser und mehr als doppelt so viele keinen Zugang zu sanitä­ren Einrichtungen.[1] Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der damit einhergehen­den Etablierung der freien Marktwirtschaft als einzig denkbare Wirt­schafts­form der Welt, muss man konstatieren, dass es eben dieser Wirtschaftsform nicht gelungen ist, alle Menschen in ihren elementarsten Bedürfnissen zu befriedigen, geschweige denn allen Nationen zu Wohlstand zu verhelfen. Um das Problem der Wasserversorgung zu lö­sen, wurden im Jahr 2000 die Millennium Development Goals von den Vereinten Natio­nen verabschiedet. Punkt sieben, die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit, ist in Be­zug auf die Wasserproblematik von Bedeutung, da sich die Mit­gliedsstaaten in Zielvorgabe 10 dazu verpflichten, „bis 2015 den Anteil der Menschen um die Hälfte zu senken, die keinen nachhaltigen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Ein­richtungen haben“[2]. Dem neoliberalen Zeitgeist folgend wird bei der Lösung des Prob­lems auf die Privatwirtschaft vertraut. (Umstrittenen) Schätzungen der Weltbank fol­gend müs­sen 180 Milliarden US-Dollar im Wasserbereich investiert werden, um das Ziel zu er­rei­chen. Davon werden ca. 70 bis 80 Milliarden von den bestehenden Finanzie­rungsin­stru­menten erbracht.[3] Die Lücke von knapp 100 Milliarden US-Dollar soll von der Privatwirt­schaft gefüllt werden. Die in Deutsch­land unter dem Begriff Daseinsvorsorge zu­sammen­gefassten Aufgaben des Staates, Maß­nahmen zu ergreifen, die der Absicherung der Exis­tenz dienen, stehen weltweit zum Verkauf. Für das Ka­pital bieten sich hier neue Anla­ge­möglichkeiten in Bereichen, die bis­her aus gutem Grund vor privaten Investoren ge­schützt waren. Bildung, Gesundheit, Telekommunikation, Strom- und Wasserversor­gung sind Be­reiche in denen der private Sektor kontinuierlich mehr Einfluss gewinnt und somit den Re­gie­rungen zunehmend ihren Handlungsspielraum nimmt. Der große Ausverkauf ist in vol­lem Gange und neue, mit hohen Renditen lockende Märkte entstehen überall, vor al­lem aber in den Entwicklungsländern. Die internationale Entwicklungshilfe „unterstützt“ die Staaten bei Liberalisierungs-, Privatisierungs- und Deregulierungsvorhaben oder leitet diese in die Wege. Seit den 1990er Jahren wird alle Hoffnung bei der Wasserversor­gung in die Pri­vatwirtschaft gesetzt und die zumeist schlechten Ergebnisse, die eine Trans­forma­tion des Wassers zur Handelsware zur Folge haben, werden ignoriert. Vor allem in Ent­wicklungs­län­dern in­vestieren die global agierenden Konzerne, ist dort das Wasser doch be­sonders knapp und somit besonders renditeträchtig. Lateinamerika, wo sich über 26 % des weltweit ver­fügbaren Süßwassers befinden (bei sechsprozentigem Anteil an der Weltbe­völkerung[4] ), ist ein lukrativer Markt für Konzerne, die möglicherweise auch das Ziel ha­ben, Was­ser ir­gendwann im großen Stil zu exportieren. Dieser Beitrag zeigt die Konse­quenzen der Was­serprivatisie­rung in Lateinamerika auf und erläutert weshalb diese oft katastro­phale Folgen nach sich zieht. Ebenso wird geklärt welche Anstrengungen unter­nommen werden müssen, um die Inwertsetzung des Wassers zu verhindern bzw. rückgän­gig zu ma­chen. Zunächst wird in Kapitel 2 erörtert welche theoretischen Folgen es hat, wenn das öf­fentli­che Gut Wasser zu einer Handelsware wird. Kapitel 3 geht auf die Lob­byarbeit der Kon­zerne in­nerhalb des Weltwasserrates ein. Eine Organisation, die an der Deklaration des Wassers als Ware fest­hält und sich als Denkfabrik, welche Entschei­dungsträgern bei Was­serfragen be­ratend zur Seite steht, definiert. In diesem Kapitel wird auf seine Instrumente, das alle drei Jahre statt­findende Weltwasserforum sowie die von ihm mit ausgearbeitete „World Water Vision“ eingegangen. Danach werden in Kapitel 4 die beteiligten Akteure einer Wasserpri­vatisie­rung vorgestellt und die einzelnen Strategien erläutert. Transnatio­nale Konzerne, die mög­lichst viel Gewinn zu erwirtschaften versu­chen, die Nichtregie­rungsor­ganisationen, welche den Unternehmen das Eindringen in bis dato öffentliche Sektoren ermöglichen sowie die Regierungen, die unter dem Druck von Weltbank, Inter­nationalem Währungs­fonds und Welthandelsorganisation ihr Kapital aus der Hand geben. In Kapitel 5 werden die Ursa­chen und die Folgen einer Privatisierung der Wasserversor­gung anhand der Bei­spiele Boli­vien, Argentinien und Nicaragua analysiert. Die Formen des Wider­stands, des­sen Zusam­mensetzung sowie dessen Möglichkeiten wer­den in diesem Kapitel exempla­risch aufge­zeigt. Im Zusammenhang mit den Beispielen wird auch auf den Beitrag der deutschen Ent­wicklungshilfe eingegangen, die, um den Rahmen dieser Arbeit einzu­halten, nicht geson­dert vorgestellt wird. Die Ziele der von Hugo Chávez gegründeten Bank des Südens wer­den innerhalb dieses Kapitels ebenfalls dargestellt. Zuletzt werden in Kapitel 6 die Prämissen einer vernünftigen Wasserver- und Abwasserentsorgung erläutert. Hier wird erörtert, wes­halb der private Sektor keine Rolle bei der Wasserversorgung spie­len darf und warum aus einer öffentlichen Bereitstellung des Wassers nicht zwangsläufig eine adäquate Versorgung resultiert.

2. Wasser, ein Bedürfnis

„Zum bloßen Bedürfnis erklärt, wird Wasser den Kräften von Angebot und Nachfrage auf einem globalisierten Markt unterworfen, der die lebensnotwendigen Güter an jene verteilt, die sie bezahlen können.“[5]

Die internationale Entwick­lungs­hilfe orientiert sich bis heute an den vier Beschlüssen der internationalen Was­ser- und Umweltkon­ferenz von Dublin 1992.[6] „Furore“[7] machte vor al­lem der vierte Be­schluss: „Wasser hat ei­nen wirt­schaftlichen Wert. Alle Menschen haben ein Grundrecht auf Wasser und Sanita­tion zu einem angemessenen Preis. Wasser als wirt­schaftliches Gut zu betrach­ten ist ein guter Weg zu effi­zientem und angemessenem Verbrauch.“[8] Die Kom­modifizie­rung der Res­source als Lösung zu betrach­ten wird durch fol­gende Theorien be­gründet: Agiert Wasser als Ware, wird es zu einem kostendeckenden Preis verkauft, welcher auch die Investitionen in die Ressour­cengewin­nung sowie in die Instandhaltung des Ver­sorgungs­systems um­fasst.[9] Wasserverschmut­zung und -verschwen­dung konnten bisher also nicht verhindert wer­den, da der niedrige Preis nicht dem für den Menschen hohen Wert ent­sprach. Dieser Umstand soll durch die Preisbildung auf dem Markt korrigiert wer­den, da ein an­gebots- und nachfrageorientierter Preis den Wert des Gutes widerspiegelt und somit auch zu einem sparsamen Umgang mit selbigem führt. Die­ses neue Paradigma „be­stach durch seinen Re­alismus, seinen pragmati­schen Lösungsansatz und die mögliche, schnelle Umsetzung“[10]. Wasser, das für jedes Indivi­duum von essentiel­ler Bedeutung ist, ver­kommt zur Handels­ware die eine Nachfrage deckt. Eine Nachfrage besteht, sobald ne­ben dem Be­dürfnis genug Kauf­kraft vorhanden ist um das Bedürfnis zu stillen. Demzu­folge deckt der Markt zwar die Nach­frage, jedoch bleibt bei Menschen mit geringer Kauf­kraft das Bedürf­nis bestehen, das heißt der Zugang zu einem überlebensnot­wendigen Gut verwehrt. Die einzige Mög­lichkeit in einem solchen System den Zugang zu sauberem Wasser für alle zu gewährleis­ten be­steht folglich darin, die Preise dem Einkom­men der Konsumenten an­zu­passen, das Gut im Extremfall kos­tenlos bereitzustellen. Diese Vorraus­setzung kann in einem auf Kapitalak­kumulation ausge­rich­teten Unternehmen, das davon ausgeht, in seinen Profitbestrebungen von einer „unsicht­ba­ren Hand“[11] geleitet zu wer­den, die das Ge­mein­wohl fördert, kaum erfüllt werden. In der Folge wird armen Verbrauchern ein Wasserzugang verwehrt bleiben.

3. Der Weltwasserrat

In den Folgejahren der Kommodifizierung des Wassers durch die Dublin-Konferenz wurde 1996 die Wasserorganisa­tion mit dem größten Einfluss, der Weltwasserrat (World Water Council, WWC), gegründet. Seine Aufgabe ist es, “to promote awareness, build political commitment and trigger action on critical water issues at all levels, including the highest decision-making level, to facili­tate the efficient conser­vation, protection, development, planning, manage­ment and use of water in all its dimen­sions on an environmentally sus­tainable basis for the benefit of all life on earth”[12]. Finan­ziert wird der Rat durch die Bei­träge seiner Mitglie­der[13], zu denen unter anderen UN-Orga­nisati­onen, Nichtregierungs-orga­ni­sationen, Polit­iker, Wissenschaftler und internatio­nale Wasser­kon­zerne zählen[14]. Ge­rade wegen letzterer ist die Neutralität des Rates nicht gegeben, der des­halb von Kritikern als „Politbüro der Privatisierung“[15] bezeichnet wird.

3.1 Das Weltwasserforum

Der WWC organisiert seit 1997 alle drei Jahre eine internationale Konferenz, das Welt­was­serforum (World Water Forum, WWF), die laut Kritikern einzig eine PR-Inszenie­rung der weltweiten Wasserlobby ist.[16] Das zweite WWF in Den Haag kam zu dem Ergeb­nis, dass öf­fentlich-private Partnerschaften (Public-Private-Partnerships, PPPs), also die Be­teili­gung privater Firmen, die einzige Lösung für das Bewältigen der Wasser­krise sind.[17] Das von Aus­schreitungen begleitete vierte WWF in Me­xiko-Stadt (2006) hielt an der De­klara­tion des Wassers als Ware fest[18] und sah somit die Libe­rali­sie­rung der Was­sermärkte, trotz bis dato schlechter Ergebnisse, als bestmöglichen Weg an, die Men­schen mit Wasser zu ver­sorgen. Dieses Ergebnis ist aufgrund der nicht vor­han­denen Neutralität nicht wei­ter verwunderlich, denn eine Deklaration des Wassers als allei­niges Menschen­recht hätte eine Überantwortung der Wasserversorgung an die Regierun­gen be­deu­tet. Ziel des WWFs ist es, laut Angabe des WWCs, unter anderem: „To support the deepening of dis­cussions to­wards the solution of interna­tional water issues in the 21st century“.[19] Laut dem Internatio­nal Rivers Network setzen die Lösun­gen, die das WWF erarbeitet, zum größten Teile dar­auf, Ent­wick­lungshilfe­organisa­tionen als Sponsoren zu gewinnen. Zum ei­nen werden sie für kapi­tal­intensive Infra­strukturprojekte (Großstaudämme), zum anderen für Fi­nanzga­rantien um das Risiko der privaten Investoren abzudecken gebraucht. Ebenso soll die inter­nati­onale Entwicklungs­hilfe als Druckmittel ge­gen­über Entwicklungs­län­dern gewon­nen werden, da oftmals nur so ei­ne Libe­ralisierung von Was­sermärkten erreicht werden kann.[20]

3.2 Die Weltwasservision

Die Ministererklärung des ersten WWFs in Marrakesch 1997 beauftragte den WWC mit der Ausarbeitung einer „Vision für Wasser, Leben und die Umwelt für das 21. Jahrhun­dert“[21]. Zu diesem Zweck gründete der WWC 1998 die Weltwasserkommission für das 21. Jahrhundert (World Commission on Water for the 21st Century, WCW).[22] Zusammen mit der Globalen Wasserpartnerschaft (Global Water Partnership, GWP), einer Organisation mit den selben Zielen des WWCs, die allerdings enger mit Regierungen und internationa­len Entwicklungsinstitutionen zusammenarbeitet, wurde die Weltwasservision (World Wa­ter Vision, WWV) ausgearbeitet.[23] Für Public Services International ist die WWV die „Vi­sion of Suez Lyonnaise des Eaux“[24], begründet durch die Tatsache, dass der Suez-Kon­zern (einer der Global Players im Wassergeschäft, siehe Kapitel 4.1.2) strategisch wichtige obere Plätze innerhalb des WWCs, der GWP sowie der WCW einnimmt[25]. Den Vorsitz für die Ausarbeitung der WWV hatte Ismail Serageldin, damaliger Vizepräsident der Welt­bank und Vorsitzender der GWP, inne.[26] Veröffentlicht wurde die Vision pünktlich zum zweiten Weltwasserforum in den Niederlanden. Der Re­port sei nach der Konsultierung hun­derter Organisationen und Experten entstanden.[27] Nicht befragt wurden Konsumentenor­ganisationen und Gewerkschaften.[28] Laut der WWV müssen Wasserdienst­leistungen in vollem Umfang vom Verbraucher getragen werden, da sonst keine Attrakti­vität für Investitionen privater Unternehmen besteht, welche aber aufgrund ihres Kapitals und ih­res tech­nologischen Wissens unabdingbar seien. Der kostendeckende Preis würde auch ei­nen An­reiz bieten neue und effizientere Technologien für die Wasserbereitstellung zu entwickeln. Direkte Subventionen an die Armen sind laut dem Report notwendig, diese könnten ihre Wasserrechnung aber auch mit Arbeitsleistungen begleichen. Für die Land­wirte soll es keine Zuschüsse geben, auch wenn sie ohne diese kaum auf dem globa­len Markt beste­hen können. Das Prob­lem werde durch den erfor­derlichen Subventionsab­bau in den Industrieländern gelöst, da so ein echter Wettbewerb entstehe, zu dem auch die armen Län­der einen Zugang hätten. Der Staat übernimmt in der WWV die Rolle des Re­gulators, der die Unternehmen auf die Einhaltung von Umwelt- und Wasserqualitäts­stan­dards über­wacht. Der Report berechnete zudem, dass 180 Milliar­den US-Dollar jähr­lich bis zum Jahre 2025 in die Wasserversorgung investiert werden müssten. 2003 stan­den 70 bis 80 Milliarden US-Dollar zur Verfügung und die fehlende Summe von knapp 100 Milli­ar­den US-Dollar soll von privaten Firmen aufgebracht werden.[29]

4. Die Akteure: Interessen und Strategien

An der Umsetzung der WWV beteiligt sind die Konzerne, die Nichtregierungsorganisatio­nen (Non Governmental Organization, NGO) sowie die Regierungen. Die beiden größten Konzerne im Wassergeschäft sind Veolia Environment und Suez Environment. Die NGOs, die bei der Privatisierung in Entwicklungsländern eine entscheidende Rolle spielen, sind Weltbank, Internationaler Währungsfonds (International Monetary Fund, IMF) und Welt­handelsorganisation (World Trade Organization, WTO). Die Regierungen sind schlussend­lich diejenigen, die Verträge unterschreiben und dabei aus verschie­denen Gründen nicht in der Lage sind entsprechende Regulierungsmöglichkeiten zu veran­kern.

4.1 Transnationale Konzerne

Die beiden größten Versorger im Wasserge­schäft, Veolia Environment und Suez Environ­ment, sind sich laut ihren Internetpräsenzen durch­aus bewusst, welche Verantwortung sie tragen und präsentieren sich als Entwicklungs­helfer und Umwelt­dienstleister, statt als von Profitinteressen geleitete Konzerne. Die beiden französi­schen Firmen versorgen zu­sam­men knapp 200 Millionen Menschen welt­weit mit Wasser und kämpfen kontinuierlich um die Kontrolle über die Wassermärkte. Die Angst, dass private Unternehmen voll­kom­men an­dere Prioritäten setzen könnten als die öffentlichen, ist durchaus berechtigt. Nach der Lo­gik eines privaten Unternehmens, also Aufwendungen senken und Erträge erhöhen, stellt ein Leck in der Leitung nicht zwangsläufig einen Handlungsgrund dar. Erst wenn die Kosten des Was­serverlustes höher sind als die Kosten einer Reparatur lohnt sich letztere wirt­schaftlich, so­dass ein ressourcen­schonender Umgang von einem privaten Anbieter nicht erwartet wer­den kann. Die Kon­zerne versuchen zudem ihre Einnahmen abzusichern, indem sie ihre Wassergebühren an eine stabile Währung wie den Dollar koppeln (Wäh­rungsdiffe­renzen werden dann durch staatliche Zuschüsse, höhere Gebühren oder mit bei­dem ausge­glichen), indem sie sich Mindestabnahmen garantieren lassen oder indem sie sich, wie in Cocha­bamba geschehen (siehe Kapitel 5.1), Ge­winne vertraglich sichern.

4.1.1 Veolia Environment

Veolia Water ist Marktführer im Wassersektor mit einem 2007 erzielten Umsatz von 10,9 Milliarden Euro.[30] Rund 131 Millionen Men­schen welt­weit werden von Veolia Water ver­sorgt. Die Firma stellt die Wassersparte des Konzerns Veolia Environment (Umsatz 2007: 32,6 Milliarden Euro) dar, welcher in vielen Bereichen der Daseinsvorsorge tätig ist (dar­unter Abfallbe­handlung, Energiedienstleistungen sowie Personenverkehr).[31] 1853 wurde die Grün­dung der Compagnie Générale des Eaux per kaiserliches Dekret veranlasst.[32] Pa­ris (in­klusive der Vororte), Lyon und Nantes erteilten Générale des Eaux bis 1869 Kon­zes­sio­nen für die Trinkwasserversorgung.[33] In den Folgejahren expandierte das Unterneh­men erst in Europa, dann weltweit.[34] Nach der Übernahme kleinerer Firmen weitete sich das Ge­schäfts­feld auf andere Bereiche der Daseinsvorsorge aus und das Unternehmen be­nannte sich in Vivendi um.[35] 2000 fusionierte Vivendi mit Seagrams und Canal+ und grün­dete so den weltweit größten Mischkonzern seiner Art, was wiederum eine Namensände­rung in Vi­vendi Universal zur Folge hatte. Vivendi Universal bestand aus zwei großen Be­rei­chen, Vi­vendi Communication und Vivendi Environment. Während erstere in den Berei­chen Telekommunikation und Medien aktiv war, befasste sich Vivendi Environment mit den Themen Wasser, Energie, Abfallmanagement und Transport.[36] 2002 wurden die An­teile an der Sparte Vivendi Environment auf 20,4 % reduziert, sodass das Unternehmen unab­hän­gig wurde. Der Name wurde 2003 erneut geändert, diesmal in Veolia Environ­ment und 2006 wurden die vier Teilbereiche in Ve­olia Environmental Services, Veolia Energy, Veolia Transport und Veolia Water umbenannt.[37] Mit seinen knapp 83.000 Mitarbei­tern (da­von fast 3.000 in Südamerika) erwirt­schaftet Veo­lia Water etwas mehr als ein Drittel des gesamten Jahresumsatzes von Veolia Environ­ment.[38] Das Unternehmen ist momentan in insgesamt sieben lateinamerikanischen Ländern an der Wasserversorgung beteiligt, da-runter in Argentinien (Tucumán), Brasilien (São Paulo), Chile (Santiago de Chile), Ko­lumbien (Bogota), Mexiko (Mexiko-Stadt und Tlanepantla), Puerto Rico (San Juan) und Venezuela.[39] Veolia Environment belegt bei den Fortune Global 500 Platz 153 der umsatz­stärksten Unterneh­men und konnte 25 Plätze seit dem vergangenen Jahr gut ma­chen.[40]

[...]


[1] vgl. Auswärtiges Amt (2008): <http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/Themen/Menschenrechte/Wasser.html>, 14.08.08

[2] United Nations (2008), S. 2: <http://www.un.org/depts/german/millennium/mdg-ind-15jan08.pdf>, 15.08.08

[3] vgl. Wieczorek-Zeul (2003): <http://www.bmz.de/de/presse/reden/ministerin/2003/juni/rede02062003.html>, 14.09.08

[4] vgl. UNESCO (2006), S. 9: <http://www.unesco.org/bpi/wwdr/World_Water_Report_exsum_ger.pdf>, 14.09.08

[5] Barlow/Clarke (2003), S. 111

[6] vgl. Stadler/Hoering (2003), S. 46

[7] ebd.

[8] Helvetas (2005), S. 3: <http://www.helvetas.ch/global/pdf/topic/wasser/0202_wasserkonferenzen.pdf>, 07.08.08

[9] vgl. Stadler/Hoering (2003), S. 46

[10] ebd., S. 47

[11] Smith (1978), S. 371

[12] World Water Council: <http://www.worldwatercouncil.org/index.php?id=92>, 14.08.08

[13] vgl. ebd., 14.08.08

[14] vgl. Stadler/Hoering (2003), S. 47

[15] Public Services International (2000), S. 1: <www.psiru.org/reports/2000-03-W-Hclub.doc>, 14.09.08

[16] vgl. International Rivers Network (2005), S. 1: <http://www.menschen-recht-wasser.de/downloads/Hintergrund_Weltwasserforum.pdf>, 14.09.08

[17] vgl. Barlow/Clarke (2003), S. 198

[18] vgl. Castritius (2006): <http://www.tagesschau.de/ausland/meldung127316.html>, 07.08.08

[19] World Water Council: <http://www.worldwatercouncil.org/index.php?id=6>, 07.08.08

[20] vgl. International Rivers Network (2005), S. 1: <http://www.menschen-recht-wasser.de/downloads/Hintergrund_Weltwasserforum.pdf>, 14.09.08

[21] Stadler/Hoering (2003), S. 48 f.

[22] vgl. ebd., S. 49

[23] <http://www.menschen-recht-wasser.de/downloads/Hintergrund_Weltwasserforum.pdf>, 14.09.08

[24] Public Services International (2000), S. 5: <www.psiru.org/reports/2000-03-W-Hclub.doc>, 14.09.08

[25] vgl. ebd., 14.09.08

[26] vgl. Serageldin (2000), S. 69: <http://www.serageldin.com/CommissionReport.pdf>, 15.09.08

[27] vgl. Stadler/Hoering (2003), S. 49 ff.

[28] vgl. Public Services International (2000), S. 2: <www.psiru.org/reports/2000-03-W-Hclub.doc>, 15.09.08

[29] vgl. Stadler/Hoering (2003), S. 53 ff.

[30] <http://www.veoliawasser.de/de/international/Zahlen-Daten-Fakten/>, 16.08.08

[31] vgl. Veolia Wasser: <http://www.veoliawasser.de/de/international/veolia-environment/>, 16.08.08

[32] vgl. Stadler/Hoering (2003), S. 72

[33] vgl. Rosa-Luxemburg-Stiftung: <http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=10663>, 17.08.08

[34] vgl. Stadler/Hoering (2003), S. 72

[35] vgl. Veolia Water: <http://www.veoliawater.co.uk/en/aboutus/history/>, 17.08.08

[36] vgl. Barlow/Clarke (2003), S. 148

[37] vgl. Veolia Water: <http://www.veoliawater.co.uk/en/aboutus/history/>, 16.08.08

[38] vgl. Veolia Wasser: <http://www.veoliawasser.de/de/international/Zahlen-Daten-Fakten/>, 16.08.08

[39] vgl. Veolia Environment: <http://www.veolia.com/en/group/locations/index2.aspx?&area=2&activity=1>, 17.08.08

[40] vgl. Fortune (2008): <http://money.cnn.com/magazines/fortune/global500/2008/snapshots/11102.html>, 17.08.08

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Wasserprivatisierung in Lateinamerika. Akteure, Strategien, Widerstand
Note
13
Jahr
2008
Seiten
35
Katalognummer
V315180
ISBN (eBook)
9783668149236
ISBN (Buch)
9783668149243
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wasserprivatisierung, lateinamerika, akteure, strategien, widerstand
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Wasserprivatisierung in Lateinamerika. Akteure, Strategien, Widerstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315180

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