Der Marxismus - Ideologisierung und terroristische Instrumentalisierung


Hausarbeit, 1999
36 Seiten, Note: zwei

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Ideologisierung
2.1 Grundbegriffe
2.1.1 Der Sozialismus
2.1.2 Der Marxismus
2.1.3 Der Kommunismus
2.2 Das Manifest der Kommunistischen Partei
2.2.1 Bourgeois und Proletarier
2.2.2 Der Klassenkampf
2.2.3 Die Kommunisten
2.3 Der Marxismus-Leninismus
2.4 Der Stalinismus
2.5 Das Menschenbild im Marxismus

3. Terroristische Instrumentalisierung
3.1 Das politische System der Sowjetunion
3.1.1 Die Entwicklung unter Lenin
3.1.2 Die Ära Stalins
3.1.3 Trotzki und die revolutionäre Umgestaltung
3.2 Mittel der Terrorisierung und revolutionäre Umgestaltung
3.2.1 Die Tscheka und ihre Nachfolgeorganisationen
3.2.2 Geiselnahmen
3.2.3 Deportationen und Konzentrationslager
3.2.4 Der Genozid durch Hungersnöte und Säuberungen
3.2.5 Liquidierungen

4. Aufarbeitung und Rechtfertigung
4.1 Kommunistische Befreier
4.2 Die Ära ChruӅevs

5. Schlußbemerkung

6. Literatur

1. Einleitung

Meine Aufgabe soll es sein, den Marxismus in seiner Ideologisierung und terroristischen Instrumentalisierung zu beschreiben. Obwohl zu diesen beiden Themen in den letzten Jahrzehnten viel spekuliert und geschrieben wurde, möchte ich mich nur auf Schriften beziehen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden und die neuesten Forschungsergebnisse berücksichtigen. Eine Ausnahme bleibt das „Kommunistische Manifest“, daß einen erheblichen Einfluß auf die spätere Entwicklung der Ideologie hatte, selbst aber von keiner festen Ideologie beeinflußt ist. Es ist also mehr der Bodensatz, auf dem das Entscheidene entstand.

Neben diesem „Kommunistischen Manifest“, waren mir „Das Schwarzbuch des Kommunismus“ und die „Geschichte der Sowjetunion 1917-1991“ eine große Hilfe. Beide Bücher sind erst in diesem Jahr in Deutschland erschienen. Neben diversen Handbüchern und Veröffentlichungen der Kirchen, griff ich auch auf den Bericht der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“ von 1995 zurück. Ich bin mir bewußt, daß es noch eine Vielzahl von möglichen Veröffentlichungen geben kann, ich glaube aber, daß diese kleine Auswahl trotzdem ein interessantes und abgerundetes Bild dieser Thematik geben wird.

2. Ideologisierung

2.1 Grundbegriffe

2.1.1 Der Sozialismus

Der Sozialismus gehört neben dem Liberalismus, der Christdemokratie und dem Konservatismus zu den großen politischen Strömungen der Neuzeit. Sein Kern liegt in der Neugestaltung der Wirtschaftsordnung durch die Überwindung kapitalistischer Eigentums-, Ausbeutungs- und Klassenverhältnisse. Der Sozialismus tritt in drei Dimensionen auf:

- Als Idee, bzw. theoretische Konzeption
- Als politisches Handeln in Gestalt einer Bewegung
- Als realisierte gesellschaftliche und politische Struktur

Demgemäß werden auch drei Entwicklungsperioden unterschieden:

- Der „Früh- oder utopische Sozialismus“
- Der Herausbildung von Bewegungen und Parteien
- Die Struktur der UdSSR, insbesondere der „Kalte Krieg“

Mit der Beendigung dieser dritten Periode, ist der Sozialismus nur noch in der „Dritten Welt“ von Bedeutung.[1]

2.1.2 Der Marxismus

Beim Marxismus handelt es sich um einen Sammelbegriff, der eine Vielzahl von theoretischen Ansätzen, die sich auf die Lehre von „Karl Marx“ (*05.05.1818 in Trier; + 14.03.1883 in London) berufen. Diese Lehre ist kein abgeschlossenes System, sondern ein theoretisches und praktisches Programm, daß seinen Anhängern unterschiedliche Anknüpfungspunkte bietet. Die marxistische Sicht der Wirklichkeit beruht auf der Grundüberzeugung, daß das politische, geistige, kulturelle und sonstige Leben der Gesellschaft, von dem ihr zugrunde liegenden ökonomischen Strukturen und Verhältnissen bestimmt wird und sich reproduziert. Bei der Marxschen Lehre lassen sich drei Entwicklungsstufen unterscheiden:

- Der Humanismus des jungen Marx, der durch die Junghegelianer (B. Bauer, L. Feuerbach) und den Frühsozialismus in den 1840er Jahren zu den sozialphilosophischen Konzeption führte, die die Aufhebung der menschlichen Entfremdung zum Ziel hatte;
- Die Revolutionstheorie. Um den Selbstbewußtwerdungsprozeß der in Bewegung geratenen Arbeiter zu fördern und die Bildung des proletarischen Klassenbewußtseins anzuleiten, versuchten „Karl Marx“ und „Friedrich Engels“ im „Kommunistischen Manifest“ von 1848 in einer geschichtsphilosophischen Reflexion, die revolutionären Bestrebungen in einem allgemeinen historischen Erklärungsrahmen zu integrieren. Hauptthese war, daß die Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen gewesen war;
- Die Kritik der politischen Ökonomie (ab 1850), in der Marx in einer systematischen Darstellung die nationalökonomische Literatur und somit die kapitalistische Produktionsweise kritisiert.

Nach dem Tod von Marx versucht Engels die Lehre zu systematisieren und zu popularisieren. Der „Dialektische Materialismus“ Marx's sollte die Grundlage einer „proletarischen Weltanschauung“ werden. Bis zu den 20er Jahren lassen sich anschließend verschiedene Richtungen feststellen:

- Der Ökonomismus, bei dem die Probleme der kapitalistischen Ökonomie im Vordergrund standen und der Zusammenbruch dieses Systems propagiert wurde.
- Der Revisionismus, der um 1890 von Bedeutung war und bei der Sozialdemokratie eine Abkehr von Marx verursachte.
- Der Bolschewismus, die These vom Klassencharakter des zaristischen Staates und der Notwendigkeit, diesen zu zerschlagen und durch eine Rätedemokratie oder den Demokratischen Zentralismus zu ersetzen. Nach Lenin wollen die Bolschewisten das alte ökonomische Denken überwinden und die sozialen und politischen Zusammenhänge, im Gegenzug zum Revisionismus, mit Hilfe der dialektischen Methode erklären, die als Kern des historischen und dialektischen Materialismus angesehen wurde.

- Der Austromarxismus, der eine Zwischenstellung zwischen Revisionismus und Bolschewismus einnimmt. Nach 1918 versucht der Austromarxismus die Unterschiede zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus zu überwinden und einen integralen Sozialismus herauszubilden.
- Der Hegelmarxismus, der Versuch eine Theorie des Klassenbewußtseins oder eine Philosophie des Proletariats auszuarbeiten. Die Wirklichkeit wird als Verdinglichungszusammenhang begriffen, der vom Historischen Materialismus theoretisch und der Arbeiterklasse praktisch aufgebrochen werden sollte.

Nachdem in den 30er Jahren die sozialstaatliche und demokratisch organisierten Gesellschaften des Westens durch den Faschismus und Nationalsozialismus abgelöst wurden, verwandelte sich in der Sowjetunion die Diktatur des Proletariats in eine Diktatur der Partei und letztendlich in die Diktatur Stalins. Die marxistische Lehre schrumpfte zu einigen Formeln, die als verbindliche Weltanschauung festgeschrieben wurde. Die Revolutionstheorie von Lenin wurde zur Theorie der Berufsrevolutionäre als Avantgarde des Proletariats, zur Legitimationsdoktrin der herrschenden, in bürokratischen Strukturen erstarrenden Partei mit ihrem Personenkult. In China bildete sich eine neue Form des Marxismus heraus, der nach dem Lehrer „Mao Zi-dong“ (*26.12.1893 in Shaoshan; +09.09.1976 in Beijing) Maoismus genannt wird, sich ab 1949 theoretisch und praktisch durchsetzte und in seiner Theorie der permanenten Revolution und des Guerillakrieges einen starken Einfluß auf die Befreiungsbewegungen der Dritten Welt haben.

Ab den 60er Jahren kommt es vor allem in der DDR zu einem westlichen Marxismus mit der Theorie des staatsmonopolitischen Kapitalismus. Ab den 70er Jahren kommt es dann in den Sozialwissenschaften zu einer Marx-Renaissance, die durch die ökonomischen Probleme der westlichen Länder mitverursacht wurde.[2]

2.1.3 Der Kommunismus

Der Kommunismus wird als Herrschaftsform, politische Bewegung und Ideologie verstanden. Er basiert auf der Vorstellung die soziale Gleichheit, ohne privates Eigentum verwirklichen zu können. Zu seinen Erscheinungsformen werden die unterschiedlichsten Kommunebewegungen, aber auch der revolutionäre Klassenkampf und die Umsturzbewegung gerechnet. Der Kapitalismus soll beseitigt und durch eine neue gesamtgesellschaftliche Organisationsform ersetzt werden.

2.2 Das Manifest der Kommunistischen Partei

2.2.1 Bourgeois und Proletarier

In dem 1848 von Karl Marx und Friedrich Engels herausgegebenen „Kommunistischen Manifest“, wird beschrieben, wie sich durch den wachsenden Welthandel zwei neue Klassen herausbilden. Die erste wird als Klasse der modernen Kapitalisten verstanden und „Bourgeoisie“ genannt. Die zweite Klasse ist die der Lohnarbeiter, die keinen eigenen Produktionsmittel besitzen und deshalb ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Diese werden Proletarier genannt. Marx bemerkt, daß sich im gleichen Maße, wie sich der Welthandel entwickelt, die Klasse der Bourgeois und somit auch die Klasse der Proletarier vergrößern. Die alten feudalen und patriarchalischen Verhältnisse wurden durch diese neue Klasse zerstört und die alten Freiheiten durch die gewissenlose Handelsfreiheit ersetzt. Anstelle des Bandes zwischen den Menschen wurde das „nackte Interesse an der baren Zahlung gesetzt“. Was die Bourgeoisiebewegung besonders auszeichnet, ist die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlicher Zustände, sowie die ewige Unsicherheit und Bewegung. Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel, läßt sie sich überall einnisten und Verbindungen herstellen. Sie zwingt alle Nationen, die neuen Produktionsweisen zu übernehmen oder zugrunde zu gehen. Sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation einzuführen und selbst „Bourgeois“ zu werden. Da die eignen bürgerlichen Verhältnisse zu eng geworden sind, um den erzeugten Reichtum zu fassen, überwindet die Bourgeoisie die Krise, indem sie Massen von Produktivkräfte vernichtet, neue Märkte erobert und alte Märkte gründlicher ausbeutet. Die Bourgeoisie somit gleichzeitig auch die Waffen entwickelt, sich selbst den Tod zu bringen. Ebenso wie die Männer, die diese Waffen führen, die Proletarier.

„In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt, in demselben Maße entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur so lange leben, als sie Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt. Diese Arbeiter, die sich stückweise verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.“[3]

2.2.2 Der Klassenkampf

Nach Marx ist ein Kampf zwischen diesen beiden Klassen notwendig. Für ihn beginnt er bereits mit der Existenz beider Klassen. Das massenhafte Zusammenhalten der Arbeiter ist noch lange nicht die Folge der Vereinigung des Proletariats, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie, die zur Erreichung der eigenen Ziele das Proletariat in Bewegung setzt. Es kämpft für den Sieg der Bourgeoisie gegen die Reste der absoluten Monarchie, der Grundeigentümer, die nichtindustriellen Bourgeois und die Kleinbürger. So ist das Resultat dieser Kämpfe nicht der unmittelbare Erfolg, sondern nur die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter. Durch diese immer weiter um sich greifende Vereinigung, erhält diese einen nationalen Charakter und führt zu einer Zentralisierung, die im Klassenkampf mündet. Daher ist jeder Klassenkampf seiner Meinung nach auch ein politischer Kampf. Außerdem ist das Proletariat die einzige Klasse die wirklich revolutionär ist, die Bourgeoisie ist deshalb unfähig die herrschende Klasse zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist deshalb unfähig zu herrschen, da sie nicht in der Lage ist, „ihren Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden.“

2.2.3 Die Kommunisten

Marx bezeichnet den entschiedensten immer immer weitertreibenden Teil der Arbeiterparteien aller Länder als Kommunisten. Sie haben vor allen übrigen Proletariern die Einsicht in die Bedingungen der Bewegung voraus. Ihre Aufgabe ist die Herausformung des Proletariats zur Klasse, der Sturz der Bourgeoisie und die Eroberung der politischen Macht. Die Theorie der Kommunisten basiert auf den tatsächlichen Verhältnissen in einem existierenden Klassenkampf. Was den Kommunisten auszeichnet, ist nicht die Abschaffung des Eigentums überhaupt, sondern die Abschaffung des bürgerlichen Eigentums. Damit ist aber nicht die Abschaffung des privaten Eigentums gemeint. Es wird lediglich Kapital in allen Mitgliedern der Gesellschaft angehöriges Eigentum verwandelt. Es kommt also nur zu einer Wandlung des gesellschaftlichen Charakters des bürgerlichen Eigentums, welches seinen Klassencharakter somit verliert. Das sei notwendig, besonders, weil in der bürgerlichen Gesellschaft das Kapital selbständig und persönlich ist, während das tätige Individuum unselbständig und unpersönlich ist. Marx kritisiert, daß unter Freiheit innerhalb der bürgerlichen Produktionsverhältnisse nur der freie Handel gemeint ist.

„Ihr entsetzt euch darüber, daß wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in euer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben; es existiert gerade dadurch, daß es für neun Zehntel nicht existiert.“[4]

Marx verlangt deshalb die Aufhebung der bürgerlichen Person und somit auch deren Vorstellung von Freiheit, Bildung, Recht usw. Er sieht die bürgerlichen Ideen als Erzeugnisse der bürgerlichen Produktions- und Eigentumsverhältnisse, sowie bürgerliches Recht nur der zum Gesetz erhobe Wille, dessen Inhalt durch die materiellen Lebensbedingungen vorgegeben ist.

Ziel des Klassenkampfes ist die Aufhebung der alten Produktionsverhältnisse und somit die Aufhebung der Existenzbedingungen des Klassengegensatzes. An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft, mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.

[...]


[1] Nohlen, Dieter (Hrsg.): Wörterbuch Staat und Politik, Bonn 1998, Seite 694.

[2] Nohlen, S. 406

[3] Engels; Marx: Manifest der Kommunistischen Partei, Berlin 1970, S. 50

[4] Manifest, S. 61

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Der Marxismus - Ideologisierung und terroristische Instrumentalisierung
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Marxismus, Einführung und kritische Bilanz
Note
zwei
Autor
Jahr
1999
Seiten
36
Katalognummer
V31521
ISBN (eBook)
9783638325035
ISBN (Buch)
9783638651325
Dateigröße
1019 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit geht auf die marxistische Ideologie und das Mittel des Terrorismus bis zum Stalinismus ein. Darüber hinaus werden auch alle relevanten Begriffe und Institutionen erläutert und beschrieben.
Schlagworte
Marxismus, Ideologisierung, Instrumentalisierung, Einführung, Bilanz
Arbeit zitieren
M.A. Christian Bruno von Klobuczynski (Autor), 1999, Der Marxismus - Ideologisierung und terroristische Instrumentalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31521

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