In dieser Hausarbeit geht es thematisch zunächst darum, welche motivationalen und erkenntnismäßigen Bedingungen des Lernens bei Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung im Erwachsenenalter vorliegen. Es macht daher Sinn, den Versuch zu unternehmen, die Beeinträchtigung im Rahmen einer begrifflichen Diskussion zu definieren, um in der Folge auf die Besonderheiten der kognitiven Prozesse und motivationale Besonderheiten bei Menschen mit geistiger Behinderung einzugehen.
Des Weiteren wird mit Hilfe der daraus gewonnen Erkenntnisse, darauf eingegangen, wie eine Bildungsmaßnahme der Erwachsenenbildung beschaffen sein muss, welche Ziele sie unter welchen Rahmenbedingungen zu erfüllen hat, wenn sie aus pädagogischer Sicht als erfolgreich bezeichnet werden soll. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass nur neutrale oder männliche Formen des Sprachgebrauchs Eingang in diese Ausarbeitung finden, was sich in der einfacheren Lesbarkeit der Ausführungen begründet und nichts mit einer diskriminierenden Haltung des Verfassers, gegenüber dem weiblichen Geschlecht zu tun hat. Der Begriff der geistigen Behinderung wird synonym mit dem Begriff der kognitiven Beeinträchtigung verwendet, um im Verlauf meiner Ausführungen sprachlicher Monotonie vorzubeugen.
Inhaltsverzeichnis
1.0. Einleitung
2.0. Das Problem einer Begriffsbestimmung der geistigen Behinderung
2.1. Begriffsdiskussion rund um einen problematischen Terminus
3.0. Intellektuelle Prozesse bei Menschen mit geistiger Behinderung
3.1. Die Komponenten mentaler Verarbeitungsprozesse im Einzelnen
3.2. Motivationale Besonderheiten bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
4.0. Ziele und Rahmenbedingungen von Erwachsenenbildung bei Menschen mit geistiger Behinderung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die motivationalen und erkenntnismäßigen Lernvoraussetzungen von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung im Erwachsenenalter, um daraus Anforderungen an eine erfolgreiche pädagogische Bildungsarbeit abzuleiten.
- Begriffsbestimmung und historische Einordnung geistiger Behinderung
- Analyse kognitiver Prozesse und mentaler Funktionen
- Untersuchung motivationaler Aspekte und Störfaktoren
- Normalisierungsprinzip als Basis für die Erwachsenenbildung
- Praktische Implikationen für die Gestaltung von Bildungsangeboten
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Komponenten mentaler Verarbeitungsprozesse im Einzelnen
Komponenten eines Verarbeitungsprozesses sind die weiter oben bereits angesprochenen mentalen Funktionen und exekutiven Prozesse, die im Folgenden zunächst näher beschrieben werden sollen, wobei in der Folge Aufmerksamkeit und Wahrnehmung als eine Einheit betrachtet werden, da sie kaum isoliert voneinander zu messen seien, so Sarimski (vgl. Sarimski in Irblich/Stahl:2003,151). Eine Information trifft auf die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung. Zeitgleich werden mehrere Anforderungen an das Individuum gestellt. Es muss erkennen, um welche Information es sich handelt, was von dieser Information im Kern in diesem Moment der Wahrnehmung bedeutsam ist (selektive Aufmerksamkeit und Unterscheidung), irrelevante äußere Reize müssen ausgeblendet werden damit die Fokussierung der Aufmerksamkeit aus dem Reizangebot heraus, auf eine oder mehrere wesentliche Dimensionen einer Aufgabe gerichtet werden kann.
Zugleich muss es zu einer Hemmung irrelevanter Reaktionen kommen, die in diesem Moment der Situation nicht angemessen sind in der sich das Individuum befindet. Gelingt dies kommt es zur Kurzzeitspeicherung im Kurzzeitgedächtnis. Es handelt sich hier um eine vorübergehende Speicherung neuer Informationen, die durch aufgabenspezifische Bearbeitungsstrategien, wie Wiederholung, Auseinandersetzung und Organisation für andere Zwecke verfügbar gehalten werden. Wenn sie nicht mehr benötigt werden, vergisst das Individuum die Information oder verbindet sie mit bereichsspezifischem Wissen in seinem Langzeitgedächtnis, als permanente Information für den künftigen Abruf und Gebrauch.
Zusammenfassung der Kapitel
1.0. Einleitung: Einführung in die Thematik der Lernvoraussetzungen von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
2.0. Das Problem einer Begriffsbestimmung der geistigen Behinderung: Auseinandersetzung mit der Schwierigkeit einer eindeutigen Definition des Begriffs geistige Behinderung und der Notwendigkeit formal-rechtlicher Klassifizierungen.
2.1. Begriffsdiskussion rund um einen problematischen Terminus: Historischer Rückblick auf abwertende Begrifflichkeiten und die Entwicklung hin zu modernen Klassifikationssystemen wie der ICD-10.
3.0. Intellektuelle Prozesse bei Menschen mit geistiger Behinderung: Beleuchtung der kognitiven und motivationalen Grundlagen, die für einen nachhaltigen Erfolg in der Erwachsenenbildung essenziell sind.
3.1. Die Komponenten mentaler Verarbeitungsprozesse im Einzelnen: Detaillierte Betrachtung von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutiven Funktionen im Kontext der Informationsverarbeitung.
3.2. Motivationale Besonderheiten bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung: Untersuchung der Faktoren, die Lernmotivation beeinflussen, insbesondere im Hinblick auf Selbstwertgefühl und die Rolle der Umwelt.
4.0. Ziele und Rahmenbedingungen von Erwachsenenbildung bei Menschen mit geistiger Behinderung: Ableitung pädagogischer Konsequenzen auf Basis des Normalisierungsprinzips und Forderung nach individuell angepassten Bildungsstrukturen.
Schlüsselwörter
Geistige Behinderung, kognitive Beeinträchtigung, Erwachsenenbildung, Normalisierungsprinzip, Lernmotivation, Informationsverarbeitung, Gedächtnisstrategien, Inklusion, exekutive Funktionen, Pädagogik, UN-BRK, soziale Teilhabe, Intelligenzminderung, Förderbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den kognitiven und motivationalen Lernbedingungen von Menschen mit geistiger Behinderung, um daraus zielgerichtete Konzepte für die Erwachsenenbildung zu entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Begriffsdiskussion zur geistigen Behinderung, die Analyse mentaler Verarbeitungsprozesse sowie die Gestaltung inklusiver Bildungsangebote.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Bedingungen und Anforderungen zu identifizieren, unter denen Bildungsmaßnahmen für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung als erfolgreich und förderlich gestaltet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und psychologische sowie pädagogische Modelle, wie die Entwicklungstheorie von Piaget oder das Normalisierungsprinzip, integriert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse intellektueller Prozesse, die Auseinandersetzung mit motivationalen Besonderheiten und eine Diskussion über die Rahmenbedingungen inklusiver Erwachsenenbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Geistige Behinderung, Kognitive Beeinträchtigung, Erwachsenenbildung, Normalisierungsprinzip und Inklusion.
Welche Bedeutung kommt dem Normalisierungsprinzip zu?
Das Normalisierungsprinzip bildet die normative Grundlage, um geistig behinderten Menschen ein Leben zu ermöglichen, das dem nicht behinderter Menschen so weit wie möglich gleicht, einschließlich des Rechts auf lebenslange Bildung.
Warum ist die Rolle der Umwelt so wichtig für das Lernen?
Die Umwelt trägt durch Akzeptanz und Bereitstellung angemessener Rahmenbedingungen maßgeblich dazu bei, die Selbstwirksamkeit und Motivation von Menschen mit Behinderung zu fördern.
- Quote paper
- Stephan Walk (Author), 2015, Erwachsenenbildung bei geistiger Behinderung. Kognitive Bedingungen und motivationale Besonderheiten des Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315244