Analyse und Interpretation eines Unterrichtstranskripts

Eine Betrachtung der Unterrichtsphasierung im Fach Deutsch


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Transkriptanalyse und –interpretation

3. Ergebnisreflexion vor dem Hintergrund fachdidaktischer Positionen

4. Reflexion der Transkriptanalyse als Methode

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die klare Strukturierung ist das Schlüsselmerkmal guten Unterrichts, denn kein anderes Merkmal hat so großen Einfluss auf den Lernerfolg [...].“1

Dementsprechend gewährt Brand unter der Überschrift Zehn Merkmale eines guten Deutschunterrichts der klaren Strukturierung des Unterrichts den Vorzug, indem er diese als erstes Merkmal von Zehn benennt und näher erläutert. Dabei nennt er als wesentliches Instrument zur Strukturierung die „Phasierung des Unterrichts“2. Durch diese „Schrittung einer Unterrichtsstunde“3 wird das didaktisch-methodische Vorgehen festgelegt, wodurch sowohl „Ziel-, Inhalts-, Sozial- und Handlungsstruktur des Unterrichts zusammengeführt (werden) als auch dessen Prozessstruktur in Hinblick auf eine gewünschte Lernprogression beschrieben“4 wird. Kurz gesprochen wird eine Unterrichtsstunde in eine zweckmäßige Reihenfolge von Phasen untergliedert, welche der Erreichung eines übergeordneten Stundenziels dienen sollen. Diesbezüglich nennt Brand als allgemeingültiges „Grundmuster einer Deutschstunde“5 eine Aufeinanderfolge der Schritte Einstieg, Erarbeitung und Ergebnissicherung, welchen er wiederum verschiedene Elemente zuordnet. Dementsprechend definiert sich der Einstieg über Möglichkeiten der Begrüßung, der Stundeneröffnung, der Zielbestimmung, der Einstimmung und viele mehr und die Erarbeitung über die Übung, die Vertiefung, den Transfer, die Anwendung, die Verallgemeinerung und andere. Die letzte Phase, die Ergebnissicherung, kann durch eine Zusammenfassung, Präsentationen, Vergleiche oder auch Dokumentationen geprägt sein. Dabei lassen sich die Schritte unterschiedlich variieren. Allerdings lassen sich weitere Bausteine einer Stunde wie die Pause, die Metakognition und der Ausstiegs nur schwer in das oben genannte Grundmuster einordnen.6

Entsprechend der oben erläuterten hohen Relevanz der klaren Strukturierung des Unterrichts mit dem wichtigsten Strukturierungsmittel der Phasierung des Unterrichts, soll im Folgenden das Transkript von Lohe7 mit dem Titel Lyrik: Goethe in der 10 Klasse untersucht werden. Dabei soll das Transkript im Besonderen hinsichtlich der folgenden drei Fragen analysiert und interpretiert werden. Welche Phasen sind erkennbar und wie werden diese Phasen durch die Lehrperson markiert? Welche Funktion schreibt die Lehrperson den Phasen zu und wie nehmen die Lernenden sie auf ? Sind Phasenübergänge ersichtlich und wenn ja, wie sind diese gestaltet? Um diese Fragen näher zu betrachten, soll sich die Analyse und Interpretation des Transkripts fragengeleitet gestalten und sich ebenso -zumindest in groben Zügen- an die Forschungsmethode des sequenziellen Interpretierens8 anlehnen. Daraufhin sollen die Ergebnisse der Analyse und Interpretation im 3. Kapitel vor dem Hintergrund fachdidaktischer Positionen reflektiert werden. Das letzte Kapitel soll zum Abschluss die Methode der Transkriptanalyse in Hinsicht auf ihre Chancen und Grenzen reflektieren.

Die Grundlagenquelle sowie die Quelle zur Bearbeitung -insbesondere des zweiten Kapitels- wurden über die Datenbanken Archiv für pädagogische Kasuistik Universität-Frankfurt am Main und Online Fallarchiv Schulpädagogik Universität-Kassel sowie -insbesondere für das dritte Kapitel- über den Internet-Katalog der sächsischen Landes- Staats- und Universitätsbibliothek Dresden ausgewählt.

2. Transkriptanalyse und –interpretation

Das der Analyse und Interpretation zugrunde liegende Transkript basiert auf einer Videoaufnahme einer Deutschstunde, die bei einer 10. Klasse des Gymnasiums aufgezeichnet wurde, wobei das übergeordnete Thema der aufgenommenen Stunde Lyrik war. Dabei wurde im speziellen das Gedicht Gesang der Geister über dem Wasser (erschienen 1789) von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) behandelt. Entsprechend dieser Daten trägt das Transkript von Lohe aus dem Jahre 2007 den Titel Goethe in der 10. Klasse. Dasselbe soll im Folgenden hinsichtlich der durch die Lehrperson zugrunde gelegten Phasierung analysiert und interpretiert werden.9

Wird das Transkript unter fachdidaktischer Perspektive vor allem in Hinblick auf den Stundenverlauf grob in Sinnabschnitte/Untereinheiten zerlegt, werden fünf Abschnitte -teilweise mit verschiedenen Bausteinen- erkennbar. Zunächst projiziert die Lehrende drei verschiedene Bilder mit Wassermotiven an die Wand, welche jeweils durch die Lernenden Rückmeldung erfahren sollen, indem diese schildern, was sie auf denselben sehen. Abschließend wird kurz das Thema der Bilder durch die Lehrerin hinterfragt. (Abschnitt 1: Z. 1-19310 ). Danach sollen die SchülerInnen überlegen und mündlich äußern, welche Assoziationen sie mit dem Thema Wasser verbinden, welche die Lehrende daraufhin an der Tafel verschriftlicht (Abschnitt 2: Z. 194-298). Im Anschluss teilt die Lehrende das Gedicht von Goethe aus, welches zunächst vorgelesen sowie thematisch und inhaltlich von den Lernenden erschlossen werden soll. Danach erhalten die SchülerInnen den Auftrag, das Gedicht daraufhin zu untersuchen, welche Beziehung zwischen der Seele des Menschen und dem Wasser in den einzelnen Strophen erkennbar ist. Ihre Ergebnisse sollen die Lernenden in Tabellenform festhalten, wobei nach der Bekanntgabe der Aufgabenstellung eine, durch die Lehrende eingeschobene, Debatte darüber entsteht, was eine Metapher und was ein Vergleich ist. (Abschnitt 3: Z. 299-459) Nachdem diese beiden Begrifflichkeiten in einem Unterrichtsgespräch geklärt wurden, kommt es zur Auswertung -der zuvor durch die Lehrende- gestellten Aufgabe. Dazu werden die Ergebnisse der SchülerInnen durch die Lehrkraft schriftlich an der Tafel festgehalten. (Abschnitt 4: Z. 460-495) Zum Abschluss der Unterrichtsstunde verweist die Lehrende, welche in der nächstmöglichen Deutschstunde ein Elterngespräch durchführen will, darauf, dass die Lernenden in dieser Zeit einen Arbeitsauftrag erledigen sollen und ihre Ergebnisse an der Tafel festzuhalten haben. Danach verabschiedet sich die Lehrende. (Abschnitt 5: Z. 496-522)

Durch die Teilung des Transkripts -entsprechend des Stundenverlaufs- in fünf Sinneinheiten, werden die durch die Lehrperson angelegten Phasen bereits deutlich erkennbar. Dementsprechend gestaltet sich die Phasierung der transkribierten Deutschstunde wie folgt. Abschnitt 1 („Lw projeziert ein [...] Sachen sind lebenswichtig/“ Z. 1-193) wäre gleichzusetzen mit dem Schritt des Einstiegs. Durch die an die Wand projizierten Bilder erfolgt zunächst ein Impuls als eine Art der Einstimmung in die Thematik, die dann folgen wird. Abschnitt 2 („(klappt Tafel auf) [...] Sachen sind Lebenswichtig/“ Z. 194-298) repräsentiert eine Art Gelenkstelle, welche die nächste Phase der Stunde einleitet. Dadurch, dass die Lernenden Assoziationen mit der Thematik der vorher gezeigten Bilder abrufen sollen, erfolgt eine Überleitung zum eigentlichen Gegenstand der Stunde. Dieser wird im folgenden Abschnitt 3 („ Ja. Gut. So [...] sich selber erschließen/“ Z. 299-459) eingeführt und bearbeitet. Durch die Arbeit an dem Gedicht von Goethe lässt sich an diesem Abschnitt die Phase der Erarbeitung erkennen. Dabei gestaltet sich die Erarbeitungsphase sehr kleinschrittig und ist durch mehrere Erarbeitungsphasen mit darauffolgenden kurzen Ergebniszusammenfassungen gekennzeichnet. Da im folgenden Abschnitt 4 („Ok, jetzt ham [...] redet zu leise/“Z. 460-495) und zum Ende der Stunde hin eine abschließende Aufgabenauswertung und damit Zusammenfassung von Arbeitsergebnissen stattfindet, lässt sich an dieser Stelle die Phase der Ergebnissicherung, wenn auch eher sporadisch, identifizieren. Der letzte und 5. Abschnitt („Okay. Gut, dankeschön [...] Gut. Bis später/“ Z. 496-522), bahnt mit der Aufgabenstellung für die nächste Stunde den Ausstieg aus der Deutschstunde an, welcher durch die Verabschiedungsfloskel „Gut. Bis später“ (Z. 522) vollzogen wird. Damit lassen sich entsprechend Brands Grundmuster einer Deutschstunde, welches oben erläutert wurde, die drei Phasen Einstieg, Erarbeitung und Ergebnissicherung im Stundenverlauf identifizieren, wobei die Erarbeitungsphase wiederum in sich phasiert scheint.

[...]


1 Brand, Tilmann von (2012): Deutsch unterrichten. Einführung in die Planung, Durchführung und Auswertung in den Sekundarstufen. 2. Aufl., Seelze: Klett, Kallmeyer, S. 14.

2 Ebd.: S. 111.

3 Ebd.: S. 110.

4 Ebd.

5 Ebd.: S. 111.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl.: Lohe, Viviane (2007): Unterrichtstranskript einer Deutschstunde an einem Gymnasium (10. Klasse). Stundenthema: "Lyrik: Goethe in der 10. Klasse". PDF-Dokument (1 Datei), 20 Seiten, URL: https://archiv.apaek.uni-frankfurt.de/893

8 Vgl.: Kramer, R.-T./Heinzel, F.: Sequenzielles Interpretieren. http://www.fallarchiv.uni-kassel.de/wp-content/plugins/lbg_chameleon_videoplayer/lbg_vp2/videos/Sequenzielles-Interpretieren_end.pdf, Datum des letzten Zugriffs: 13.08.2014.

9 Vgl.: Lohe, Viviane (2007): S. 1.

10 Im Folgenden beziehen sich Zitationen mit Zeilenangaben sowie vergleichende Zeilenangaben auf das Transkript von Lohe Viviane (2007): S. 1-17.)

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Analyse und Interpretation eines Unterrichtstranskripts
Untertitel
Eine Betrachtung der Unterrichtsphasierung im Fach Deutsch
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Deutschunterricht als Fall – Analyse und Reflexion von Unterrichtsdaten
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V315249
ISBN (eBook)
9783668154049
ISBN (Buch)
9783668154056
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transkriptanalyse, Transkriptinterpretation, Unterrichtsphasierung
Arbeit zitieren
M.Ed. Henriette Bartusch (Autor), 2014, Analyse und Interpretation eines Unterrichtstranskripts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315249

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