Können sich psychische Traumata bereits im Mutterleib entwickeln? Ursachen und Folgen eines pränatalen Traumas


Hausarbeit, 2015
26 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0. Einleitung

2.0. Definition psychisches Trauma

3.0. Die pränatale Entwicklung
3.1. Die Befruchtung
3.2. Das Nervensystem
3.3. Die Sinnesorgane
3.3.1. Tasten und Fühlen
3.3.2. Schmecken und Riechen
3.3.3. Sehen und Hören
3.4. Erste Lernerfahrungen
3.5. Von der Seele des Ungeborenen und der Existenz vorgeburtlicher Traumata

4.0. Pränatale Traumata – Ihre Ursachen sowie Folgen

Fazit

Literaturverzeichnis

Bücher:

Internetquellen:

1.0. Einleitung

Zunächst möchte ich den Rahmen dieser Hausarbeit entfalten, der aufgrund der thematischen Reichweite des Themas entsprechend eingegrenzt werden muss. Es sei angemerkt, dass aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich männliche Formen des Sprachgebrauchs oder neutrale Begrifflichkeiten verwenden werde. Dies geschieht nicht um das weibliche Geschlecht auszugrenzen oder zu diskriminieren. Zunächst wird definiert, worum es sich bei einem Trauma handelt bevor auf die Fragestellung des Vorliegens der psychologischen und physiologischen Voraussetzungen und deren Vorhandensein bei Ungeborenen eingegangen wird. Um zu klären, ob sich psychische Traumata bereits im Mutterleib entwickeln können ist es sodann auch nötig die pränatale Entwicklung zu skizzieren angefangen vom Vorgang der Befruchtung, über die Entwicklung des Nervensystems bis hin zur Entstehung der Sinnesorgane, die ersten Lernerfahrungen und die Entstehung der Seele des Ungeborenen. Anschließend wird auf die Folgen pränataler unaufgelöster Traumata sowie auf deren mögliche Ursachen eingegangen. Es sei noch erwähnt, dass diese Arbeit nur einen thematischen Abriss darstellt und versucht einen fundierten Überblick zu geben ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.

2.0. Definition psychisches Trauma

Jede Disziplin hat einen eigenen Begriff von Trauma. Es gibt auch keine eindeutige Begriffsbestimmung. Semantisch betrachtet bedeutet das Wort ,,Trauma“ Wunde und kommt aus dem Griechischen. Im Rahmen dieser Hausarbeit ist die Verwendung des Begriffs und dessen Bedeutung in der Medizin und Biologie, sowie in der Psychologie relevant. In der Medizin und in der Biologie steht ein Trauma für die Verletzung oder Schädigung des Orgnismus durch Gewalteinwirkung und in der Psychologie ist damit eine von außen herbeigeführte, starke Erschütterung der psychischen Integrität des Menschen gemeint, welche im Unterbewusstsein noch lange wirksam ist. (vgl. Url: http://www.duden.de/rechtschreibung/Trauma, abgerufen am 19.08.2015, um 21.15 Uhr).Traumata können somit sowohl körperlich, durch schwere Unfälle, als auch psychisch bedingt sein (vgl.Url: http://flexikon.doccheck.com/de/Trauma, abgerufen am 19.08.2015, um 21.03 Uhr). Ein Trauma im psychologischen Sinne ist, was es im Folgenden zu charakterisieren gilt: Nach der Definition der WHO von 1990 handelt es sich dabei um ,,ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausmaßes (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verstörung auslösen würde“1 (Weiß,2008:19). Ruppert schreibt:,, Das Spezifitätskriterium für ein Trauma ist meines Erachtens die Tatsache, dass die menschliche Psyche traumatische Lebenserfahrungen nicht verarbeiten und in die Lebensbiographie integrieren kann, sondern sich aufspalten muss, um das Erinnern einer traumatischen Erfahrung aus dem Bewusstsein fernzuhalten.“ (Ruppert,2014,19). Angesichts dessen gehen mit einem traumatischen Erleben Ohnmachtsgefühle, Angst, Wut, Trauer und Verzweiflung sowie ein Gefühl des Ausgeliefertseins einher. Dies ist charakteristisch und Betroffene versuchen diese traumatischen Gefühle abzuspalten und zu verdrängen, um sich ein Überleben zu ermöglichen. Eine traumatisierte Psyche so Ruppert, könne sich daher nicht unbefangen dem Strom der Realitätseindrücke auseinandersetzen. Sie befinde sich grundsätzlich in der Realitätsabwehr, was sich im Verleugnen und Nicht-Wissen-Wollen der traumatischen Erfahrungen ausdrücke. Von traumatisierenden Erlebnissen könne man sich auch nicht einfach erholen, wie dass bei stressvollen Erfahrungen durchaus der Fall sei. Sie blieben so lange aktiv, bis sie gezielt aufgearbeitet würden, so Ruppert weiter (vgl. ebd.). Daraus folgt, dass der traumatisierte Anteil der Psyche unbearbeitet immer im Alarmzustand und im Schock des traumatischen Erlebens verweilt und die Handlungsfähigkeit einschränkt. Traumata überfordern vorhandene Anpassungsstrategien und stellen eine Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit dar. Sobald die betroffene Person in ihrem Handlungsspielraum durch ein Trauma blockiert ist und weder einfrieren und erstarren noch wegrennen eine Option sind, wird das Selbstschutzvermögen überfordert und Betroffene geraten in ein traumatisches Erleben (vgl. Weiß, 2008,19). Nach Alberti ist Trauma eine Erfahrung, die unsere Fähigkeiten überfordert, auf uns einströmenden Schrecken, Angst und Stress zu verarbeiten [weil der Stress in einer traumatischen Situation zu groß ist, als das wir ihn ertragen könnten]. Die Funktion einer gestressten Psyche, erhöht Wachsam zu sein und zu fokussieren würde unter Umständen sogar die Schädigung des Organismus bedeuten, weshalb die Psyche überwältigende Eindrücke in dem Moment eines traumatischen Erlebens abspaltet und damit die Realität ausblendet, um Überleben zu ermöglichen]. (vgl. Alberti, 126). ,,An der Schnittstelle noch gelingender Verarbeitung belastender Ereignisse [durch Träumen und der Herstellung eines guten Gleichgewichts zwischen seelischer Beanspruchung und Entspannung, sowie mit anderen zu sprechen und dabei Wut, Trauer aber auch Schmerz zu artikulieren] und uns überfördernden Erfahrungen liegt Trauma (Alberti: ebd.). Festzuhalten gilt es an dieser Stelle, dass eine einheitliche Definition eines psychologischen Traumas nicht existiert, weshalb ich hier einige vorgestellt habe, die meines Erachtens unterschiedliche Aspekte das Phänomens gut zum Ausdruck bringen. Nachdem nun eine Vorstellung davon existiert, worum es sich bei einem psychischen Trauma handelt, möchte ich an dieser Stelle noch anmerken, dass ein gesellschaftlich anerkanntes Krankheitskonzept der Traumaforschung seit Jahren immer wieder einen schweren Stand beschert hat, da man in der Auseinandersetzung mit dem Phänomen Trauma auf menschliche Abgründe stößt und sich auch mit sich selbst befassen wird, nimmt man diesen Forschungszweig ernst. Mitunter mag das schwerfallen, weil dadurch auch eigene Unzulänglichkeiten zu Tage treten können und generell ist es einfacher wegzusehen, Betroffene zu etikettieren und sie nach international anerkannten Klassifikationssystemen einzuordnen und sie mit einem vordefinierten Symptombildern zu brandmarken. Dennoch finde ich persönlich, dass die Psychotraumatologie als wissenschaftliche Disziplin eine sinnvolle Erweiterung zum vorherrschenden Krankheitsmodell darstellt, die neue Perspektiven eröffnet und die in den letzten Jahren, nachweislich eine beachtliche und in der Vergangenheit leider immer wieder unterbrochene Entwicklung genommen hat. Als nächstes möchte ich wie angekündigt auf die Fragestellung eingehen, ob die Voraussetzungen bei Ungeborenen bereits vorliegen damit ein Trauma entstehen kann und hierfür erscheint es mir zunächst zweckmäßig einen Blick auf die pränatale Entwicklung des Menschen zu werfen.

3.0. Die pränatale Entwicklung

Nach der Aufassung Chamberlains hat die Wissenschaft hinsichtlich der pränatalen Entwicklung mittlerweile viel herausgefunden. ,,Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte tragen die Frauen ihre Kinder aus, aber sie konnten noch nie so in ihr Inneres sehen, wie es heute möglich ist. Das Wachstum im Dunkel des Mutterleibes ist nicht länger von Geheimnissen umgeben und dem Verständnis entzogen“ (Chamberlain:2014,32).

3.1. Die Befruchtung

Beginnen wir mit dem Anfang allen Lebens und dem dafür nötigen Vorgang der Befruchtung, der den Ausgangspunkt der pränatalen Entwicklung bildet, weil es nahe liegt, dass funktionale und strukturelle Reifungsprozesse während ihrer Entwicklung bei einem Embryo nicht voneinander zu trennen sind, insbesondere weil Hüther und Krens nicht müde werden diese Dependenz an verschiedenen Stellen auszumahlen und auch erwähnen das es daher als lebender Organismus mit seiner Umwelt in Wechselwirkung steht und sich gegebenen Einflüssen anpassen muss, (vgl. Hüther/Krens:2013,60).

Das männliche Spermium besteht aus einem Schwanz, welcher als Außenbordmotor fungiert und der Fortbewegung dient und einem Kopf in dem sich väterliches genetisches Material befindet (vgl. Hüther/Krens:2014,45). Die Eizelle enthält ihrerseits den mütterlichen Anteil des nötigen Genmaterials um das Wunder der Befruchtung geschehen zu lassen. Sie reift einmal im Monat in den Eierstöcken heran, springt heraus (Eisprung), und wird vom Eileiter aufgefangen und wandert von dort bis zur Gebärmutter. Auf diesem Weg hat das Spermium nur 24 Stunden lang die Chance seinen Teil zur Befruchtung beizutragen, weil die Eizelle ein lebender Orgnismus ist, der Stoffwechselprodukte aufnimmt und wieder ausscheidet – notwendiger Weise ist sie dabei Umweltbedingungen, wie Nährstoffversorgung, der Temperatur und der Beschaffenheit des Eileitersekrets abhängig. Der Weg des Spermiums durch den Gebärmutterhals, die Gebärmutter und den Eileiter zur Eizelle ist für ein heroisches Spermium ziemlich weit, allerdings kann man von ihnen nur im Plural sprechen, da es pro Ejakulation bis zu 300 Mio. von ihnen gibt und daher, wenn zwei Partner zum rechten Zeitpunkt Sex haben, auch tatsächlich ein Kind entstehen kann. Allerdings werden ziemlich viele von ihnen ihr Ziel nicht erreichen, weil sie nicht gut schwimmen können oder andere Handicaps haben, nur wenige schaffen es bis zum Eileiter. Enzyme entwickeln sich am Kopfende der Spermien so, dass diese in die Eizelle eindringen können, so sie mit dem Sekret des Eileiters in Berührung kommen. Durch die Hülle der Eizelle bohren sie sich mit wilden Stakkato Bewegungen, mit denen sie sich einen Tunnel bohren. Es findet zwischen Eizelle und Spermien Kommunikation und Interaktion statt, in dem die Eizelle Signale aussendet, die die Spermien zu Höchstleistungen animieren, um den Weg zum Ei in wenigen Minuten zurückzulegen. Nach dem Eindringen des Spermiums in die Eizelle wird diese durch Veränderung der chemischen Zusammensetzung ihrer Zellmembran, innerhalb von Sekunden für andere Spermien undurchlässig und ihr Stoffwechsel kommt in Gang und der Sauerstoffverbrauch steigt. Weiblicher und männlicher Vorkern mit den jeweiligen Erbgutinformationen bilden sich innerhalb der nächsten Stunden und treffen in der Eizelle aufeinander. Die Kernmembran zwischen ihnen löst sich auf und die Chromosomen beider Vorkerne verdoppeln sich. Aus zwei Geschlechtszellen entsteht so der Keim eines neuen Organismus der Zygote genannt wird und mit diesen abgeschlossener Entwicklung die Befruchtung endet. Die Zygote macht sich letztendlich nach der Empfängnis auf den Weg um durch die Eileiter in die Gebärmutter zu gelängen, wo sie sich einnistet. Die Zygote macht sich durch die Aussendung winziger Mengen eines Hormons, in den Blutkreislauf der Mutter bemerkbar. Im Uterus angekommen, entwickeln sich die inneren Zellen der Zygote zum Embryoblast- daraus wird später der Embryo. Aus den äußeren Zellen der Zygote, dem Trophoblast wird die Plazenta erwachen. Der Embryo schafft sich so sein eigenes Versorgungssystem aus Eigengewebe und erwächst selbst aus dem Embryoblast. Der kleine Baumeister richtet sich sein zu Hause selbstständig ein. Die Zygote wird sich etwa 6 Tage nach der abgeschlossenen Befruchtung an die Gebärmutterwand anhaften. Die Zellen des Trophoblasten teilen sich dafür sehr schnell und sein Gewebe nimmt auf der nährstoffreichen Gebärmutter so viel Platz wie möglich ein und etabliert den kindlichen Teil der Plazenta. Es entwickeln sich tausende fingerartige Auswüchse und suchen Anschluss an die mütterliche Blutzufuhr. Ein weiterer mütterlicher Teil der Plazenta bildet für den mütterlichen Organismus ein sehr effektives Blutzufuhrsystem das sich mit dem kindlichen Anteil der Plazenta verbindet. Der Trophoblast sendet außerdem nach erfolgter Einnistung ein Hormon aus, damit die Frau den ,,Fremdkörper“ nicht abstößt und hemmt die Menstruation. So ist und bleibt die Frau schwanger, wobei der Körper in den nächsten neun Monaten von Sexualität auf Versorgung umgestellt wird. Das Versorgungssystem des Embryos, welches ihn mit Sauerstoff und Nährstoffen, sowie Flüssigkeit aus dem Blut der Mutter versorgt und seine Stoffwechselabfallprodukte entsorgen hilft, den Gasaustausch regulieren hilft, reift in den folgenden Wochen weiter aus. Die Plazenta wird zu einem Netzwerk aus Blutgefäßen. Sie stellt Hormone und Impfstoffe her, die eine Schwangerschaft aufrechterhalten und den kleinen Gast schützen, indem sie in gewisser Weise als Filter gegen Krankheitserreger und Schadstoffe fungiert. Leider gibt es dennoch viele exogene Gifte die ungehindert in den Blutkreislauf des Kindes dringen (Nikotin, Alkohol, Medikamente und andere Umweltschadstoffe. Gegen Ende der Schwangerschaft bildet sich die Plazenta zurück, da der Fötus schrittweise selber in der Lage ist, verschiedene dieser Funktionen eigenständig durchzuführen. Die Embryogenese ist nach 8 Wochen abgeschlossen, weil sich die meisten Organe gebildet haben und der Fötus, wie er ab diesem Zeitpunkt genannt wird eigentlich nur noch auszureifen und zu wachsen braucht und es muss sich auf sein Leben nach der Geburt vorzubereiten. (vgl. Hüther/Krens:2013, 41-59). Dies bedeutet für das Embryo, dass es bereits während der Ausformung seiner Extremitäten deren spätere Funktion einübt, lernen und sich entwickeln sind damit untrennbar verbunden und alle Grundanlagen späterer Leistungen werden in der embryonalen Frühentwicklung angelegt. Was pränatal geschieht kann demnach grundlegenden Einfluss auf die spätere Ausformung von kindlichen und sogar erwachsenen Funktionen und Fähigkeiten haben. Es gibt intrauterine positive Bedingungen, die diese Entwicklung fördern oder eben negative, die behindern, so Hüther und Krens. (vgl. Hüther/Krens:2013,60.61).

3.2. Das Nervensystem

Die Hirnentwicklung vollzieht sich bei Menschen langsamer als im Vergleich zu anderen Säugern, was den Vorteil mit sich bringt, dass wir schon als ungeborene Kinder ein enorm leistungsfähiges Gehirn haben, dass viel speichern kann und uns erlaubt die Vorgänge in unserer Umwelt wahrzunehmen und komplexere Lernerfahrungen zu sammeln, die uns zu klugen Wesen heranreifen lassen. Prägung erfolgt somit eher, auch bereits im Mutterleib durch Lernen, denn durch angeborene Verhaltensweisen. Somit kann sich das menschliche Gehirn im Verlauf der Schwangerschaft aber auch noch nachgeburtlich auf die Umweltanforderungen angemessen einstellen. (vgl. Hüther/Krens:2013,63-65). Für die Entwicklung des neuronalen Nervensystems bildet sich ein Neuronalrohr, dass sich auf dem Rücken des Embryos als langgestreckte Rille darstellt und im weiteren embryonalen Entwicklungsverlauf immer tiefer ins Innere einsinkt und den gesamten Rücken des Embryos durchzieht. Es entstehen Nervenzellen, die sich immer neu teilen und sich durch den Teilungsprozess vermehren. Die Nervenzellen wandern durch das Neuronalrohr in verschiedene Bereiche des Embryos und sich damit bereits auf eine Funktion spezialisieren werden. Im oberen Teil des Neuronalrohrs wird durch dortige Nervenzellen das Gehirn angelegt. Im unteren Teil entsteht das Rückenmark. Durch weitere Zellteilungen entstehen in den verschiedenen Bereichen Tochterzellen, die in verschiedenen Bereichen des embryonalen Körpers gleichsam spezialisierte Funktionen ausführen, wie sie für Gehirnzellen, Rückenmarkszellen, oder die Sinnzellen typisch sind. Bereits entstandene Zellen besitzen bestimmte Erkennungsmoleküle auf ihrer Oberfläche und sondern spezifische Signalstoffe an die Umgebung ab und bewirken somit eine weitere Differenzierung neu entstehender Tochterzellen, die sich ihrerseits darauf hin beginnen auf bestimmte Leistungen zu spezialisieren. Welche das sind ist in den genetischen Anlagen der Nervenzellen festgeschrieben. Wie sie sich entwickeln hängt davon auch davon ab welche Spezialisierungssignale und Wegweiser sie für Neuankömmlinge bereitstellen und welche Rahmenbedingungen sie vorfinden. Alles was neu dazukommt, richtet sich nach dem was bereits existiert und jede Nervenzelle findet spezifische, für sich genommen andersartige Rahmenbedingungen vor, in die sie sich einfügt- womit sie einen notwendigen Anpassungsprozess durchläuft. Auch die im Gehirn allmählich entstehenden Fortsätze wachsen entlang der unsichtbaren Strömungen von Signalstoffen. Es entstehen immer komplexere Verzweigungen zwischen ihnen, es bilden sich synaptische Kontakte und ein zunehmend komplexes Zusammenspiel in einem Netzwerk aus Nervenzellen ermöglicht. Jetzt sind über Erregungsmuster Lernvorgänge möglich. Über diese zunächst noch rudimentären im Verlauf der Entwicklung immer besser ausgeprägten Erregungsmuster können in der Folge zunehmend Reaktionen ausgeführt werden, die ihre eigenen Ursachen für entstandene Erregung unterdrücken oder gar abstellen können. Ist die Unterdrückung oder Abstellung erfolgreich entstehen Regelkreise, die umso besser funktionieren je häufiger sie aktiviert werden, was durch Wiederholung und Einübung erreicht werden kann. Aus der Außenwelt oder aus verschiedenen Körperbereichen treffen verschiedene Signale im Gehirn ein, die von denjenigen Nervenzellen am Anfang einer Reaktionskette liegen und von denen die Erregung normalerweise ausgelöst, umgeformt und weitergeleitet wird. Die ankommende Erregung wird von anderen Nervenzellen am Ende der Reaktionskette, auf Muskel-, Drüsen und andere Köperzellen weitergegeben, die immer bei entsprechender Erregung eine bestimmte Reaktion in Gang setzen (Kontraktion von Muskeln oder Ausschüttung eines Hormons. Die voneinander abhängigen Organfunktionen und Stoffwechselprozesse, die vom neuronalen Regelsystem koordiniert und organisiert werden und dass sich im Mittel- und Zwischenhirn ausbildet besteht aus komplizierten Verschaltungsmustern zwischen Nervenzellen, die letzten Endes als ein solches neuronales Regelsystem auch die Aufgabe haben, einfache und schematische Bewegungsabläufe und Reaktionen zu steuern. In Mittel- und Zwischenhirn werden auch die aus dem Körper und von verschiedenen Sinnesorganen eintreffenden Signale zu einem zunächst schematischen jedoch zunehmend ganzheitlichen Bild zusammengefügt. Im Mittel- und Zwischenhirn ablaufende Prozesse der Vernetzung sind komplex und bleiben als Verschaltungsmuster unser ganzes Leben bestimmend hinsichtlich aller unbewussten Wahrnehmungen, beispielsweise wenn wir hungrig werden oder der Blutzuckerspiegel absinkt, uns etwas besonders gut schmeckt und wir ein Wohlgefühl entwickeln bzw. gegenteilig besonderen Ekel empfinden und in diesem Zusammenhang ein flaues Gefühl im Magen oder wir es mit der Angst zu tun bekommen. Vorgeburtlich werden neuronale Verzweigungen in Stammhirn, Mittel und Zwischenhirn zuerst ausgebildet. Erst spät zum Zeitpunkt der Geburt erlischt die Teilungsfähigkeit der meisten Nervenzellen im Vorderhirn. Diese dort entstehenden Nervenzellverbindungen sind zum Überleben nicht unbedingt maßgeblich aber bilden die Basis für jene kognitiven und physischen Leistungen, die für unser späteres Leben wichtig sind. Kulturtechniken, das Sprechen, aufrecht zu Gehen, planvolles zielgerichtetes Handeln oder die Ausbildung psychosozialer Kompetenz etc. entspringen dem Vorderhirn. Das Kind muss um diese Fähigkeiten zu erlangen sich nachgeburtlich weiterentwickeln und durchläuft fortwährend Lernprozesse. Wie gut ihm das gelingt hängt jedoch in viel stärkerem Maße als bisher angenommen davon ab, wie sicher und fest das Fundament ist, das bereits vor der Geburt in Form der bis dahin entwickelten neuronalen Verschaltungen angelegt wurde. (vgl. Hüther/Krens:2013,66-75).

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1 International Statistical Classifikation of Diseases and Related Health Problems

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Können sich psychische Traumata bereits im Mutterleib entwickeln? Ursachen und Folgen eines pränatalen Traumas
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Veranstaltung
5.3 C
Note
2.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V315252
ISBN (eBook)
9783668149496
ISBN (Buch)
9783668149502
Dateigröße
1404 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Für den Lektor: Diese Hausarbeit ersetzt eine Teilnahme daher gab es darauf keine Note sondern nur eine Teilnahmebestätigung. Dies mindert die Qualität dieser Arbeit jedoch nicht im geringsten. Laut des Feedback meines Dozenten war diese Arbeit sogar sehr gut insofern ist die angegebene Note eigentlich eine Untertreibung, aber irgendetwas muss ich ja angeben. Ich bitte um objektive Würdigung der Arbeit und Veröffentlichung ohne Note!! Besten Dank !!
Schlagworte
Vorgeburtliche Traumata Ursachen und Folgen, vorgeburtliche Traumata, Trauma im Mutterleib, Vorgeburtliche Traumata sowie deren Ursachen und Folgen für Ungeborene, Traumata, Traumen, Vorgeburtliche Traumata- Ursachen und Folgen für Betroffene, Pränatale Traumata und deren Auswirkungen für Betroffene im späteren Leben, Effekte Traumata für Betroffene im späteren Leben
Arbeit zitieren
Stephan Walk (Autor), 2015, Können sich psychische Traumata bereits im Mutterleib entwickeln? Ursachen und Folgen eines pränatalen Traumas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315252

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