Analyse eines Diagnostischen Gesprächs. Explorative Fragen und Einzeltechniken zur Informationsgewinnung


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Techniken diagnostischer Gesprächsführung
1. Explorative Fragetechniken
a) Funktionale Fragen
b) Formale Fragen
c) Suggestivfragen
2. Einzeltechniken zur Informationsgewinnung
a) Techniken zur Informationspräzisierung
b) Kooperative und Bezug nehmende Gesprächstechniken
3. Struktur herstellende Gesprächstechniken.

II. Analyse des diagnostischen Gesprächs
1. Zusammenfassung des Gesprächs
2. Gesprächsvorbereitung
3. Durchführung und Auswertung des Gesprächs

III. Fazit

Literatur

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit geht es um die verschiedenen Techniken diagnostischer Gesprächsführung, die in einem diagnostischen Gespräch umgesetzt werden sollen. Die Arbeit besteht aus drei Teilen: dem theoretischen Teil, dem praktischen Teil und dem Fazit. Im ersten - theoretischen Teil - werden die Techniken diagnostischer Gesprächsführung von H-J. Fisseni, R. Lutz und M. Henninger & H. Mandl kurz dargestellt. Diese Gesprächstechniken werden in einem diagnostischen 40-minütigen Gespräch umgesetzt. Im zweiten – praktischen Teil – wird das Gespräch ausgewertet, indem einige, gut gelungene und weniger gut gelungene Stellen aus dem Gespräch ausgewählt und analysiert werden.

I. Techniken diagnostischer Gesprächsführung

1. Explorative Fragetechniken

Damit ein Gespräch erfolgreich verläuft und der Befrager das eigentliche Ziel am Ende des Gesprächs erreicht, muss er die richtigen Fragen stellen, die den Befragter zum Reden anregen. Dafür bietet Hermann-Josef Fisseni1 bestimmte Fragetechniken („explorative Fragetechniken“) an. Die Exploration (lat. „explorare“ - ausforschen, ermitteln, erkunden, untersuchen, prüfen, einer Sache auf den Grund gehen) als „Gespräch“ umschreibt ein Vorgehen, das darauf abzielt, den „subjektiven Lebensraum des Probanden zu erkunden“2.

H-J. Fisseni unterscheidet drei Gruppen der Fragen und klassifiziert sie nach ihrer unterschiedlichen Aufgabe: funktionale Fragen, formale Fragen, Suggestivfragen.

a) Funktionale Fragen

Funktionale Fragen haben Gelenk- und Schaltfunktion und ihre Aufgabe ist, größere Einheiten des Gesprächs zu steuern.

Zu funktionalen Fragen gehören:

- Kontakt- oder Einleitungsfragen. Sie sollen Vertrauen herstellen und es dem Befragten ermöglichen, in die diagnostische Situation einzutreten.
- Überleitungs- oder Übergangsfragen. Sie sollen von einem Thema zum anderen führen.
- Kontrollfragen. Sie sollen dazu beitragen, Unklarheiten aufzuhellen, scheinbare Widersprüche aufzuklären oder wirkliche Widersprüche aufzudecken.

b) Formale Fragen

Formale Fragen beziehen sich auf einzelne Teile des Gesprächs. Sie legen fest, in welcher Form der Befragte die Bereiche darstellen soll. Dazu gehören offene und geschlossene Fragen, direkte und indirekte Fragen und zirkuläre Fragen.

Bei geschlossenen Fragen gibt der Befrager die Antwortoption vor, sodass der Befragte im Extremfall nur mit „Ja“ oder „Nein“ zu antworten braucht. Bei offenen Fragen (W-Fragen (Wer? Was? Wo? Welche? Warum? usw.) gibt der Befrager zwar die Frage vor, überlässt die Antwortform aber dem Befragten. Beide Fragenarten haben Vor- und Nachteile. Die geschlossenen Fragen führen das Gespräch schneller voran und vereinheitlichen die Information. Dabei bekommt man oberflächliche Information und es ist schwer, den Befragten zum Reden zu animieren, d.h. man würde bei den schweigsamen Personen ziemliche Probleme bekommen, weil die Person unzureichende Antworten geben würde. In diesem Fall liegt der größte Gesprächsanteil beim Befrager. Eine Variante der geschlossenen Fragen ist „Oder-Fragen“. Sie werden häufig in Alltagsgesprächen genutzt und lösen eher eine negative Wirkung auf das Gespräch aus, weil sie meist schon Auskunft geben, was der Befrager vom Befragten hören möchte. Die offenen Fragen regen den Befragten im Gegenteil dazu an, ausführlich über sich und sein Erleben zu reden und lassen ihm einen größeren Freiraum. Die bloßen Ja-/Nein- Antworten sind in diesem Fall unmöglich. Problematisch könnte es bei den offenen Fragen dann werden, wenn die befragte Person sehr redselig ist und weitschweifig wird. In diesem Fall geht das Gespräch langsamer voran, man bekommt überflüssige Information und möglicherweise auch die Antworten auf die Fragen, die man erst später stellen wollte.

Die Einteilung in direkte und indirekte Fragen bezieht sich auf den Gegenstand des Gesprächs. Die direkten Fragen benennen explizit den Gegenstand, auf den sie zielen. Sie bringen das Gespräch schneller voran und der Befragte weiß jeweils, worauf der Befrager hinaus will. „Besondere Probleme ergeben sich bei dem Versuch, Sachverhalte zu erfragen, über die der Proband entweder nicht offen sprechen will oder über die er beim besten Willen keine gültigen Auskünfte geben kann“3. In solchen Fällen können indirekte Fragen weiterhelfen. Sie benennen nur das Umfeld, dem der Fragegegenstand angehört. Der Befrager schlägt in diesem Fall einen Umweg ein. Mit indirekten Fragen wird der Befragter angeregt ausführlicher zu berichten. Das erzeugt aber ein gewisses Risiko, weil wenn man den Gegenstand nicht direkt anspricht, kommt man nicht über eine Spekulationsebene hinaus. Das Gespräch entwickelt sich dann langsamer.

Zirkuläre Fragen betreffen die Vorstellungen von Personen über einander. Die beteiligten Personen werden der Reihe nach befragt, wie sie über andere Person denken und fühlen. Damit tragen sie dazu bei, „die Verflechtungen zwischenmenschlicher Beziehungen aufzudecken, in ihnen Problemursachen zu erkennen und aus ihnen Vorschläge für Verhaltenskorrekturen abzuleiten“4.

c) Suggestivfragen

Die Suggestivfragen sollen den Befragten beeinflussen und eine bestimmte Antwort provozieren. Sie legen sozusagen dem Befragten eine bestimmte Frage nahe. Damit verletzen sie die Neutralität. Explizite Suggestionen sollten eher die Ausnahme bleiben. „…sie [die Suggestion] ist wie ein Gift, das, in kleinen Portionen gereicht, heilen kann, das aber, in großer Dosis gegeben, tödlich wirkt“5. Das heißt, dass die Suggestion sowie nützlich als auch wertlos sein kann.

Nach H-J Fisseni sollte die explorative Befragung nicht als Frage-Antwort-Spiel ablaufen. Damit das Gespräch einwandfrei verläuft, sollte man:

- einfache Formulierungen wählen, d.h. man sollte eine Sprachebene suchen, auf der sich beide Gesprächspartner wohl fühlen.
- kurze Sätze bilden, weil kurze Fragen ein schnelles Verständnis erleichtern.
- eindeutige Formulierungen suchen, d.h. keine Doppelfragen oder Doppelverneinungen benutzen, um dem Gesprächspartner das Raten zu ersparen.
- komplexe Sachverhalte in Einzelfragen zerlegen, weil die Fragen, die dem Gedächtnis zu viel zumuten, überfordern den Gesprächspartner.
- umfangreiche Themen in Teilgebiete jedenfalls aufgliedern.
- an die Erfahrung des Probanden anknüpfen, weil es dem Befragten erleichtert, Informationen aufzunehmen und einzuordnen (Fragen an Orte, Zeiten oder Zusammenhänge, die der Befragte kennt).
- sich mit eigenen Reflexionen zurückhalten, weil man dann Gefahr laufen könnte, „die Gesprächsdynamik von der inhaltlichen Ebene auf die Beziehungsebene zu verschieben“6 und sogar die persönlichen Auseinandersetzungen zu provozieren.

Nur so kann man nach Fisseni dem Befragten den Weg zur „wahren Information“ erleichtern.

2. Einzeltechniken zur Informationsgewinnung

a) Techniken zur Informationspräzisierung

Rainer Lutz7 bietet bestimmte Techniken an, mit deren Hilfe präzise Informationen gewonnen werden können. Das sind folgende Techniken:

- In konkrete Situationen hineinführen. Diese Technik wird eingesetzt, wenn der Befragte auf Routinefragen nicht adäquat reagiert. In diesem Fall ist die Aufgabe des Befragers, in die angesprochene konkrete Situation hineinzuführen. Das sollte dem Befragten erleichtern, an das „kritische“ Verhalten zu erinnern und kann Ausgangsbasis für eine genauere Analyse und ein Zugang zu dem konkreten Erleben des Befragten sein.

- Situationen vergegenwärtigen. Diese Technik wird eingesetzt, wenn es dem Befrager nicht gelingt, den Befragten in die Situation hineinzuführen. So kann der Befrager dazu auffordern, sich in die Situation hineinzuversetzen. Solche Aufforderung soll den Befragten in die Lage versetzen, eine Situation möglichst genau zu beschreiben, z.B. Augen schließen und sich die Situation vorstellen.

[...]


1 Fisseni, Hermann-Josef. Lehrbuch der psychologischen Diagnostik. Mit Hinweisen zur Intervention (3. Auflage) – Göttingen: Hogrede, 2004. - S. 141 - 159

2 e.d. - S. 142

3 e e.d. – S. 146

4 e.d. – S. 147

5 e.d. – S. 147

6 e.d. - S. 149

7 Lutz, R. Das verhaltensdiagnostische Interview. Eine Einleitung zur Gesprächsführung in Diagnostik, Therapie und Beratung. – Stuttgart: Kohlhammer. – S. 106 - 115

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Analyse eines Diagnostischen Gesprächs. Explorative Fragen und Einzeltechniken zur Informationsgewinnung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Psychologisches Institut)
Veranstaltung
Gesprächsführung
Note
2,0
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V315306
ISBN (eBook)
9783668142114
ISBN (Buch)
9783668142121
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, diagnostischen, gesprächs, explorative, fragen, einzeltechniken, informationsgewinnung
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Analyse eines Diagnostischen Gesprächs. Explorative Fragen und Einzeltechniken zur Informationsgewinnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315306

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