Phonologie der deutschen Laut- und Gebärdensprache


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die deutsche Lautsprache
2.1 Vokale
2.2 Konsonanten

3. Die Deutsche Gebärdensprache
3.1 Manuelle Komponenten einer Gebärde
3.2 Nonmanuelle Komponenten einer Gebärde

4. Phonologische Grundbegriffe
4.1 Phonologie
4.2 Phonem
4.3 Minimalpaaranalyse

5. Phoneme in der deutschen Laut- und Gebärdensprache
5.1 Phoneme der deutschen Lautsprache
5.2 Phoneme der deutschen Gebärdensprache

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sagittalschnitt durch das Ansatzrohr

Abbildung 2: Vokaldreieck des Deutschen

Abbildung 3: Artikulatorische Klassifikation der wichtigsten Konsonanten

Abbildung 4: Die sechs international verbreitete Handformen

Abbildung 5: Handform-Phoneme der Deutschen Gebärdensprache

Abbildung 6: Gebärde „MÄDCHEN“ und „GRÜN“

Abbildung 7: Gebärde „SEGELN“ und „ORIENTIERUNG“

Abbildung 8: Gebärde „POLIZEI“ und „STILL“

Abbildung 9: Handform-Phoneme der Deutschen Gebärdensprache

1. Einleitung

Sprachen sind das wichtigste Mittel zwischenmenschlicher Kommunikation. In der Regel werden sie von Menschen unter Zuhilfenahme von Organen produziert und wahrgenommen. Doch nicht jedem Menschen ist es möglich Sprachen wahrzunehmen und in der Folge zu reproduzieren. Aus dieser Notwendigkeit entstand die Gebärdensprache, mit der es möglich ist, über Zeichen zu kommunizieren.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit zwei Sprachen des Deutschen, der Lautsprache und der Gebärdensprache. Dabei wird ein Fokus auf die Phonologie gelegt und letztendlich ein kontrastiver Vergleich hergestellt.

Im zweiten Kapitel wird auf die deutsche Lautsprache hinsichtlich der Produktion von Vokalen und Konsonanten näher eingegangen, wohingegen in Kapitel drei die manuellen und nichtmanuellen Komponenten einer Gebärde in der deutschen Gebärdensprache genauer betrachtet werden. Das vierte Kapitel liefert ausführliche Beschreibungen zur Phonologie, dem Phonem und der Minimalpaaranalyse und gibt so einen Einblick in phonologische Grundbegriffe. In Kapitel fünf werden die Phoneme der deutschen Laut- und Gebärdensprache untersucht indem die Minimalpaaranalyse angewandt wird. Abschließend erfolgt in einem Fazit eine Gegenüberstellung der deutschen Laut- und Gebärdensprache.

2. Die deutsche Lautsprache

Wie jede andere Lautsprache auch, basiert die deutsche Lautsprache auf Lauten. Ein Laut ist jedes auditiv wahrnehmbare Fragment, welches mittels Schallwellen durch menschliche Organe produziert wird. Die Schallwellen entstehen durch Initiation, also Luftströme, die während des Ein- und Ausatmens in Schwingung versetzt werden (vgl. Staffeldt 2010, 28). Die in dem Kehlkopf befindlichen Stimmbänder sind für die Schwingungen zuständig, da sie sich bei druckvollen Luftströmen binnen einer Sekunde sehr schnell öffnen und schließen. Dieser Prozess wird als Phonation oder auch Stimmtonerzeugung bezeichnet. Der nächste und somit entscheidende Prozess zur Unterscheidung von Lauten ist die Artikulation, bei der die ausströmende Luft im Mund-, Nasen- und Rachenraum auf verschiedene Wegen und Weisen entweicht (vgl. ebd., 31). Das sogenannte Ansatzrohr beschreibt eben diesen Raum oberhalb des Kehlkopfs (Abbildung 1). An dieser Stelle findet eine bewusst herbeigeführte Manipulation des Luftstroms durch den Sprecher zur Erzeugung eines bestimmten Lautes statt.

An der Lauterzeugung sind also unter anderem die Lunge (pulmo), der Kehlkopf (larynx), der Rachen (pharynx) und der Gaumen, als auch die Zähne (dental), Zunge (lingua) und Lippen (labia) beteiligt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sagittalschnitt durch das Ansatzrohr; Quelle: POMPINO-MARSCHALL: Einführung in die Phonetik, S. 44

2.1 Vokale

Sprachlaute, bei denen der Luftstrom ohne Hindernisse, also ungestört, das Ansatzrohr entweichen kann, werden Vokale genannt. Sie können aus Monophthongen (einfacher Vokal) oder aus Diphthongen bestehen, bei denen zwei Vokale direkt aufeinander folgen und eine einsilbige Verbindung miteinander eingehen. In der Regel werden sie stimmhaft gebildet und nur selten stimmlos (vgl. Pompino-Marschall 1995, 217). Vokale lassen sich durch vier artikulatorische Merkmale kennzeichnen, die Artikulationsdauer oder auch Quantität, die vertikale Zungenlage (Zungenhöhe), die horizontale Zungenlage und die Lippenrundung. Anders als bei Konsonanten wird eine Differenzierung der Vokale ausschließlich auf Grund der Lage der Zunge im Mundraum und der Lippenstellung hergestellt. Die artikulatorischen Merkmale der Konsonanten werden in Kapitel 2.2 näher beschrieben.

Bei der Artikulationsdauer erfolgt eine Unterscheidung der Vokale hinsichtlich der Gespanntheit der Muskeln. Dabei werden kürzere Vokalvarianten ungespannt und längere Vokalvarianten gespannt klassifiziert (vgl. ebd., 217). Beispiele für Kurz- und Langvokale sind z.B. stellen [ɛ] und stehlen [e:] sowie Stadt [a] und Staat [a:].

Vokale werden ebenfalls nach dem höchsten Punkt der Zunge unterschieden. Die vertikale Zungenlage beschreibt die Zungenaufwölbung zum Gaumen und gliedert die Zungenhöhe in vier verschiedene Stufen. Die Höhe der Zungenaufwölbung kann demnach hoch, mittelhoch, mitteltief oder tief sein (vgl. Staffeldt 2010, 51).

Die horizontale Zungenlage bezeichnet den Ort des höchsten Zungenpunktes in horizontaler Position. Nach den verschiedenen Positionen der Zungenaufwölbung werden die Vokale in vordere (palatale), mittlere (zentrale) und hintere (velare) Vokale eingeteilt wobei vordere Vokale akustisch hell und hintere Vokale eher dunkel wahrgenommen werden (vgl. ebd., 51).

Das vierte artikulatorische Merkmal von Vokalen ist die Lippenrundung. Sie unterscheidet die Vokale in ungerundete und gerundete Vokale, wobei der Grad der Rundung sich verstärken kann.

Als Hilfestellung dient das Vokaldreieck des Deutschen, welches „die Lage der Zungenaufwölbung (Zungenhöhe) physiologisch möglichst genau“ (Altmann / Ziegenhain 2007, 42) versucht wiederzugeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vokaldreieck des Deutschen; Quelle: ALTMANN/ZIEGENHAIN: Phonetik, Phonologie und Graphematik fürs Examen, S. 42

Der Phonetiker Daniel Jones (1881 – 1967) unterteilte Vokale in primäre und sekundäre Kardinalvokale. Danach werden die primären Kardinalvokale als sprachunabhängig festgelegte Vokale klassifiziert, die sich auf die Anzahl der acht Vokale [i], [e], [ɛ], [a], [u], [o], [ɔ] und [ɑ] begrenzen. Sprachen mit einem großen Vokalinventar verfügen zudem über die sekundären Kardinalvokale wie zum Beispiel [y], [ɶ], [ɒ] und unterscheiden sich zu den primären Kardinalvokalen durch komplementäre Lippenrundungen.

2.2 Konsonanten

Konsonanten sind Sprachlaute, bei denen, im Gegensatz zu Vokalen, der Luftstrom nicht ungehindert das Ansatzrohr passieren kann. Der Luftstrom überwindet daher ein Hindernis in Form einer Friktionsenge oder einem Verschluss.

Zur Beschreibung von Konsonanten werden vier artikulatorische Merkmale bestimmt. Die Unterteilung erfolgt in Artikulationsort (Artikulationsstelle), das artikulierende Organ, die Artikulationsart oder der Artikulationsmodus und die Stimmtonbeteiligung.

Der Artikulationsort kennzeichnet die Stellen am Ansatzrohr, an denen der Laut gebildet wird, beziehungsweise den Ort der Friktionsenge oder dem Verschluss. Sie werden auch passive Artikulatoren genannt, da sie eher unflexibel sind und oberhalb der Glottis liegen. Dazu zählen der Rachen (pharyngal), das Zäpfchen (uvular), der harte und weiche Gaumen (palatal/velar), der Zahndamm (alveolar), die oberen Schneidezähne (dental) und die Oberlippe (labial).

Die Unterlippe (labial), die Zunge (koronal/dorsal) und der Kehlkopf (laryngal) oder die Glottis (glottal) gehören zu den flexiblen Bestandteilen des Ansatzrohrs. Sie sind somit die aktiven Artikulatoren und beschreiben mit welchem Organ der Laut gebildet wird. Aktive Artikulatoren werden daher auch Artikulationsorgane genannt (vgl. Staffeldt 2010, 39).

Bei der Artikulationsart wird die Art der Lautbildung skizziert. Hierbei wird eine Unterscheidung in Plosive (Verschlusslaut), Nasale (totaler oraler Verschluss mit gesenktem Velum), Vibrant (oraler Verschluss - unterbrechend) und Frikativ (zentrale geräuschverursachende Enge) getroffen. Ebenfalls dazu gehören die Laterale (seitlich geräuschverursachende Enge) und die Approximanten (zentrale nicht geräuschverursachende Enge) (vgl. Pompino-Marschall 1995, 172f.). Plosive und Frikative können auch eine Verknüpfung eingehen und Affrikaten bilden.

Letztes artikulatorisches Merkmal der Konsonanten ist die Stimmtonbeteiligung, bei der zu klären ist, ob die Stimmlippen durch die ausströmende Atemluft schwingen (stimmhafte Laute) oder die Atemluft ungehindert, als stimmlose Laute, entweichen kann (vgl. Staffeldt 2010, 39).

Zur systematischen Übersicht der Konsonanten dient die nachfolgende Abbildung von Altmann/Ziegenhain 2007, 75.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Artikulatorische Klassifikation der wichtigsten Konsonanten; Quelle: ALTMANN/ZIEGENHAIN: Phonetik, Phonologie und Graphematik fürs Examen, S. 75

3. Die Deutsche Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdensprache basiert auf Handzeichen, Mimik und Körperhaltung und ist daher eine visuell-manuelle Sprache mit einer eigenen umfangreichen Lexik sowie komplexen Grammatik, die auf eigenen Normen beruht (vgl. Deutscher Gehörlosen Bund e. V. 2014).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Phonologie der deutschen Laut- und Gebärdensprache
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Fakultät Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Laut und Schrift
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V315311
ISBN (eBook)
9783668141742
ISBN (Buch)
9783668141759
Dateigröße
878 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phonologie, laut-, gebärdensprache
Arbeit zitieren
Maria Averkamp (Autor), 2014, Phonologie der deutschen Laut- und Gebärdensprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315311

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