Die vorliegende Mitschrift gibt einen Überblick über das Feld der angewandten Linguistik.
Aus dem Inhalt:
-Was ist Angewandte Linguistik?
- Sprache, Kultur und Gesellschaft
- Grundbegriffe
- Anwendungsbeispiele
- Varietätenlinguistik
- Kommunikative soziale Stile
- Textlinguistik, Readability/Textschwierigkeit als
Anwendungsfall
- Korpuslinguistik, Was sind Korpora, Korpuspragmatik
- Forensische Linguistik, Traditionelle Forensische Linguistik,
Autorschaftszuschreibung
- Korpuslinguistik & Programmieren
Inhaltsverzeichnis
1. Vorlesung – Was ist Angewandte Linguistik? – Sprache, Kultur und Gesellschaft
2. Vorlesung – Gesprachslinguistik 1: Grundbegriffe
3. Vorlesung – Gesprachslinguistik 2: Anwendungsbeispiele
4. Vorlesung – Soziolinguistik 1: Varietatenlinguistik
5. Vorlesung – Soziolinguistik 2: Kommunikative soziale Stile
6. Vorlesung: Textlinguistik – Readability/Textschwierigkeit als Anwendungsfall
7. Vorlesung – Korpuslinguistik 1: Was sind Korpora
8. Vorlesung – Korpuslinguistik 2: Korpuspragmatik
9. Vorlesung – Forensische Linguistik 1: Traditionelle Forensische Linguistik
10. Vorlesung – Forensische Linguistik 2: Autorschaftszuschreibung
11. Vorlesung – Korpuslinguistik & Programmieren: Warum man programmieren lernen sollte und was die Linguistik damit zu tun hat
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vermittelt grundlegende Konzepte und methodische Ansätze der angewandten Linguistik, indem sie zentrale sprachwissenschaftliche Disziplinen und deren Anwendungsfelder systematisch darstellt und kritisch reflektiert.
- Grundlagen der Gesprächslinguistik und Interaktionsrituale
- Soziolinguistische Theorien zu Sprachvariation und Standardvarietäten
- Methoden der Textlinguistik zur Modellierung von Textschwierigkeit
- Ansätze der Korpuslinguistik und deren pragmatische Anwendung
- Kritische Analyse forensischer Linguistik und Autorschaftszuschreibung
Auszug aus dem Buch
Wirklichkeitskonstruktion im Gespräch
Arnulf Deppermann (2005): Glaubwürdigkeit im Konflikt – Rhetorische Techniken in Streitgesprächen – Prozessanalysen von Schlichtungsgesprächen
Wirklichkeitskonstruktion im Gespräch: Konstitutivität, Interaktivität, Prozessualität, Methodizität, Pragmatizität
miteinander interagieren heißt, aufeinander bezogen zu handeln und damit auch voneinander abhängig zu sein
Ein Anlaß, dieser Abhängigkeit gewahr zu werden und ihre Macht zu verspüren, entsteht, wenn die Selbstverständlichkeit des So-Seins der Welten, die wir im Gespräch aufbauen und die uns präsentiert werden, zweifelhaft wird.
Wenn kein letzter Beweis zur Verfügung steht, wird klar, daß der Sprecher davon abhängig ist, daß ihm geglaubt wird, und daß der Rezipient davon abhängig ist, daß er dem Sprecher glauben darf.
"Letzte Beweise" haben wir fast nie - und wenn, dann erweist sich meist, daß sie selbst kommunikative "Fakten" sind und nur für eine Seite "letzte Beweise" darstellen.
unsere Wirklichkeit ist nicht von sich aus gegeben, sondern hängt von unseren interpretativen Leistungen ab
Zusammenfassung: Unter Bezug auf neuere Entwicklungen der analytischen Sprachphilosophie wurde die Vorstellung von Sprache als Medium der Abbildung bzw. Repräsentation von Wirklichkeit verworfen. Sprache wird stattdessen als Werkzeug der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit verstanden. Der empirischen Erforschung der Prinzipien von Wirklichkeitskonstruktion in Gesprächen haben sich v.a. die Ethnomethodologie (insbesondere die Konversationsanalyse) und die 'discursive psychology' gewidmet. Aus diesen Forschungen wurden fünf Basisprinzipien interaktiver Wirklichkeitskonstruktion gewonnen: Konstitutivität, Interaktivität, Prozessualität, Methodizität und Pragmatizität. Diese Basisprinzipien bilden grundsätzliche Determinanten, denen die Erforschung der Verhandlung von Glaubwürdigkeit in Gesprächen Rechnung tragen muß und die den Rahmen für meine eigene Untersuchung abstecken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorlesung – Was ist Angewandte Linguistik? – Sprache, Kultur und Gesellschaft: Einführung in die Kulturtheorie und die Erkenntnislogik der Sprachwissenschaft sowie die Definition der Angewandten Linguistik als Problemlösungsdisziplin.
2. Vorlesung – Gesprachslinguistik 1: Grundbegriffe: Erläuterung des abbildtheoretischen Sprachbegriffs, des Kommunikationsmodells und der Grundlagen der Sprechakttheorie nach Austin.
3. Vorlesung – Gesprachslinguistik 2: Anwendungsbeispiele: Analyse von Interaktionsritualen und Face-Arbeit im Sinne von Erving Goffman sowie deren Bedeutung für die soziale Ordnung.
4. Vorlesung – Soziolinguistik 1: Varietatenlinguistik: Darstellung der soziolinguistischen Variation anhand von Labovs Studien und Einführung in die Grundbegriffe der Varietätenlinguistik.
5. Vorlesung – Soziolinguistik 2: Kommunikative soziale Stile: Diskussion der Standardsprachenideologie, der Theorie plurizentrischer Sprachen und der Sprachsituation in der Deutschschweiz.
6. Vorlesung: Textlinguistik – Readability/Textschwierigkeit als Anwendungsfall: Modellierung von Textschwierigkeit unter Berücksichtigung von Text- und Lesereigenschaften sowie historische Entwicklung der Lesbarkeitsformeln.
7. Vorlesung – Korpuslinguistik 1: Was sind Korpora: Definition von Textkorpora, Methoden der Datensammlung und Anforderungen an Repräsentativität und Qualität.
8. Vorlesung – Korpuslinguistik 2: Korpuspragmatik: Vertiefung in die Korpuspragmatik, Abgrenzung von Semantik und Pragmatik sowie Analyse sprachlicher Muster und Kollokationen.
9. Vorlesung – Forensische Linguistik 1: Traditionelle Forensische Linguistik: Einblick in die Forensische Linguistik, Konstellationen der Autorenidentifikation und die Kritik an maschinellen Identifikationsverfahren.
10. Vorlesung – Forensische Linguistik 2: Autorschaftszuschreibung: Detailliertes Vorgehen bei der Autorenidentifikation durch Profiling und die methodischen Anforderungen an einen wissenschaftlich fundierten Textvergleich.
11. Vorlesung – Korpuslinguistik & Programmieren: Warum man programmieren lernen sollte und was die Linguistik damit zu tun hat: Plädoyer für digitale Kompetenz und Programmierung als Mittel zur eigenständigen Analyse von Volltextdatenbeständen.
Schlüsselwörter
Angewandte Linguistik, Gesprächslinguistik, Soziolinguistik, Textlinguistik, Korpuslinguistik, Forensische Linguistik, Sprechakttheorie, Standardvarietät, Sprachcode, Wirklichkeitskonstruktion, Autorschaftszuschreibung, Kollokationen, Pragmatik, Sprachdaten, Programmierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Dokument bietet eine strukturierte Übersicht über verschiedene Teilgebiete der angewandten Linguistik, von der Gesprächsanalyse bis hin zur computergestützten Korpusanalyse und forensischen Textuntersuchung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören Sprache und Kultur, soziale Variation, Standardisierung von Sprachen, die Messung von Textschwierigkeit sowie Methoden zur Identifizierung von Autorschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist die Vermittlung eines fundierten theoretischen Rahmens und methodischer Instrumente, um Sprachgebrauch in verschiedenen sozialen und medialen Kontexten linguistisch zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein breites Spektrum an linguistischen Methoden aufgezeigt, darunter Konversationsanalyse, quantitative Korpusanalyse, statistische Verfahren zur Autorenerkennung und textsemiotische Analysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in elf Vorlesungen, die von den Grundlagen der Gesprächslinguistik über soziolinguistische Konzepte bis hin zu modernen digitalen Analysemethoden reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachvariation, Interaktionsrituale, Standardsprache, Korpusdesign, Autorschaftszuschreibung und sprachliche Muster.
Was besagt die Defizithypothese bei Bernstein?
Bernstein postuliert, dass Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten spezifische Sprachcodes (restringiert vs. elaboriert) entwickeln, die ihre schulischen Chancen beeinflussen und soziale Ungleichheit zementieren können.
Warum wird im Dokument für das Erlernen von Programmierkenntnissen plädiert?
Programmieren ermöglicht Linguisten den eigenständigen Zugriff auf und die Analyse von großen, unstrukturierten Textdatenmengen (Volltexten) im Internet, anstatt von starren Metadatenkatalogen abhängig zu sein.
Was ist der Kern der Kritik an der maschinellen Autorenidentifikation?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass informatische Ansätze oft fälschlicherweise von einem invarianten "sprachlichen Fingerabdruck" ausgehen, während die Linguistik betont, dass Stil situativ geprägt und einem stetigen Wandel unterworfen ist.
- Arbeit zitieren
- M.Ed. Henriette Bartusch (Autor:in), 2013, Korpora, Varietäten, Forensik. Grundzüge der angewandten Linguistik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315363