Das Lernfeldkonzept. Gründe der Einführung, didaktische Grundlagen und Auswirkungen auf die Berufsausbildung


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Gründe für die Einführung des Lernfeldkonzeptes
2.2 Charakterisierung beruflicher Handlungskompetenz nach Handreichung der KMK

3. Wesentliche Bestandteile des Lernfeldkonzeptes
3.1 Strukturen des Lernfeldkonzeptes
3.2 Didaktische Implikationen des Lernfeldkonzeptes

4. Schlussbetrachtung

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Das Lernfeld-Konzept stellt hierbei einen pragmatischen Lösungsansatz dar, der davon ausgeht, dass durch den stärkeren Berufs- und Handlungsbezug des schulischen Unterrichts die Anwendung von Wissen im beruflichen Tätigkeitsfeld erleichtert und der Erwerb von Handlungskompetenz als übergeordnetes Ziel der beruflichen Bildung unterstützt wird.“1

So fasst Monika Stöhr den an beruflicher Handlungskompetenz orientierten Ausweg aus den bisher fachsystematisch strukturierten Curricula zusammen. Auch in anderer Literatur wird die Einführung des Lernfeldkonzeptes als eine „Antwort auf die Kritik der schulischen Berufsausbildung, vor allem der Dominanz des Fachunterrichts“2 verstanden. Eingeführt wurde das Lernfeldkonzept 1996 durch die Strukturierung der Rahmenlehrpläne der KMK für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule nach Lernfeldern.3 Diese in der Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der KMK für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe geforderte Strukturierung der Rahmenlehrpläne nach Lernfeldern bezieht sich jedoch ausschließlich auf die duale Berufsausbildung.4 Doch wenn die Fächersystematik kritisiert wird und der Lernfeldansatz einen Ausweg aus dieser Problematik darstellt, welche Strukturen stehen dann -im Gegensatz zur Fächersystematik- konkret hinter dem Lernfeldkonzept und welche weiteren didaktischen Folgen impliziert das selbige?

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die Frage zu klären, welche zentralen Elemente des Lernfeldkonzeptes dazu beitragen, berufliche Handlungskompetenz in der Berufsausbildung zu erreichen? Um diese Zielstellung zu erfüllen, ist die Arbeit folgendermaßen gegliedert. Zunächst werden die Gründe für die Einführung des Lernfeldkonzeptes sowie die Charakterisierung beruflicher Handlungskompetenz nach Handreichung der KMK als theoretische Grundlagen umrissen. Im darauffolgenden Kapitel werden die wesentlichen Elemente, also die Strukturen und didaktischen Implikationen des Lernfeldkonzeptes erläutert, um die eingangs gestellte Fragestellung zu beantworten. Abschließend fasst eine Schlussbetrachtung die wichtigsten Aspekte der Arbeit zusammen und dient zugleich der Rückführung zum Thema.

Die Quellen zur Bearbeitung der Kapitel wurden über den Internet Katalog der sächsischen Landes- Staats- und Universitätsbibliothek Dresden sowie den OPAC-Katalog der Universitätsbibliothek Greifswald herausgesucht. Weiterhin wurden die Internetpräsens sowie die Datenbanken der Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland als Quellen für die Bearbeitung genutzt. Dabei dienten Suchbegriffe wie Lernfeld, Lernfeldkonzept, Handlungsfeld, Lernsituation, Berufs- und Pflegeausbildung, Handlungskompetenz sowie Didaktik zur Findung geeigneter Quellen. Von den aufgeführten und gefundenen Quellen wurden im Nachhinein diejenigen zur Bearbeitung des Themas verwendet, die ein aktuelles Datum und verlässliche Quellen vorzuweisen hatten. Dazu besuchte ich die universitären Bibliothekseinrichtungen und wählte an den im Internet gefundenen Standorten die passende Literatur durch stichprobenartiges Lesen der Inhaltsverzeichnisse und der entsprechenden Kapitel aus. Bei meiner Literaturrecherche stellte sich schnell heraus, dass zu dem Thema Lernfeldkonzept reichlich deutsche Literatur zur Verfügung steht. Zu der Umsetzung der didaktischen Teilkonzepte jedoch, die unabwendbar mit der Umsetzung des Lernfeldkonzeptes einher gehen, äußerten sich vorrangig und ausführlich Kordula Schneider, Elfriede Brinker-Meyendriesch und Alfred Schneider. Daher diente hauptsächlich der Beitrag Der Lernfeldansatz und seine Teilkonzepte von Kordula Schneider zur Beantwortung des Hauptteils.

2. Theoretische Grundlagen

Bevor die Umstrukturierung der beruflichen Ausbildung erfolgte, wurde an den berufsbildenden Schulen auf der Grundlage der Fächersystematik unterrichtet. Aufgrund von gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen und den daraus resultierenden neuen Anforderungen sowie der Kritik an der bisherigen Fächersystematik bestand die Notwendigkeit, die Berufsausbildungen neu zu überdenken und neu zu konstruieren. Als Ergebnis der Neukonstruierung der Ausbildung wurde das Lernfeldkonzept hervorgebracht.5 Durch dieses Lernfeldkonzept soll die Erreichung von Handlungsfähigkeit und beruflicher Handlungskompetenz realisiert werden, die durch die KMK klar dargelegt wird.6

2.1 Gründe für die Einführung des Lernfeldkonzeptes

Wie bereits erwähnt, sind neben vielfältigen Veränderungen auf unterschiedlichsten Ebenen auch „grundlegende soziale und ökonomische Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt“7 Gründe für die Einführung des Lernfeldkonzeptes. Vor allem aber ist das Lernfeldkonzept eine „Antwort auf die Kritik der schulischen Berufsausbildung, vor allem der Dominanz des Fachunterrichts“8. Dabei sind es die folgenden Kritikpunkte, die die bisherige berufliche Ausbildung auf Grundlage der Fächersystematik in Frage stellen und damit die Einführung des Lernfeldkonzeptes begründeten. Zum einen ging es in der bisherigen Ausbildung vorrangig um ein Stoffschütten von Faktenwissen, wobei der Unterricht disziplinarisch ausgerichtet war. Was bedeutet, dass ein umfangreiches Wissen an theoretischen Fachinhalten gleichgesetzt wurde mit vorhandener beruflicher Handlungskompetenz. Zum anderen wird diskutiert, dass das damit vermittelte Fachwissen eine Art träges Wissen sei, was in der Berufspraxis keine Anwendung bei der Problemlösung fände. Sei es, weil die Lernenden keine Kenntnis darüber haben, wie sie auf das bereits vorhandene Wissen zugreifen können, weil das vermittelte Fachwissen selbst keine Nutzung zulässt oder weil es an keine bestimmte situative Gegebenheit geknüpft ist. Weiterhin wird bemängelt, dass wissenschaftliche Inhalte herausgelöst von ihrer Relevanz für die beruflichen Anforderungen und Handlungen in einem vorrangig lehrerzentrierten Unterricht betrachtet werden. Daraus ergibt sich, dass beispielhaftes Lernen und die Motivation der Lernenden gehemmt und die Praxisferne gefördert wird. Zudem wird durch die Passivität der Auszubildenden die Herausbildung der für die berufliche Handlungskompetenz erforderlichen Kompetenzen vernachlässigt. Letztendlich sehen Kritiker in den geistig orientierten Lernerfolgskontrollen, die auf eine ausschließliche Wiedergabe von Faktenwissen begrenzt sind, einen Grund, der die Einführung des Lernfeldkonzeptes rechtfertigt und erforderlich macht.9

2.2 Charakterisierung beruflicher Handlungskompetenz nach Handreichung der KMK

Die geforderte Handlungskompetenz wird in der Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der KMK für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe klar definiert. Danach definiert ist berufliche Handlungskompetenz die „Bereitschaft und Befähigung des Einzelnen, sich in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten“10.

Aus dieser Definition ist bereits zu erkennen, dass sich berufliche Handlungskompetenz aus drei weiteren Kompetenzen zusammensetzt. Dazu gehört die Fachkompetenz, unter welcher man die Bereitwilligkeit und Fähigkeit versteht, „auf der Grundlage fachlichen Wissens und Könnens Aufgaben und Probleme zielorientiert, sachgerecht, methodengeleitet und selbstständig zu lösen und das Ergebnis zu beurteilen“11. Zum anderen gehört dazu die Selbstkompetenz, die beschrieben wird als „Bereitschaft und Fähigkeit, als individuelle Persönlichkeit die Entwicklungschancen, Anforderungen und Einschränkungen in Familie, Beruf und öffentlichem Leben zu klären, zu durchdenken und zu beurteilen, eigene Begabungen zu entfalten sowie Lebenspläne zu fassen und fortzuentwickeln“12 und Eigenschaften wie „Selbstständigkeit, Kritikfähigkeit, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein“13 umfasst. Als drittes wird die Sozialkompetenz als ein weiterer Bestandteil der Handlungskompetenz betrachtet, welche die Bereitwilligkeit und Fähigkeit, „soziale Beziehungen zu leben und zu gestalten, Zuwendungen und Spannungen zu erfassen und zu verstehen sowie sich mit anderen rational und verantwortungsbewusst auseinanderzusetzen und zu verständigen“14 sowie die „Entwicklung sozialer Verantwortung und Solidarität“15 bedeutet.

Baustein dieser drei Kompetenzen sind wiederum drei weitere Kompetenzen. Dazu zählen die Methodenkompetenz, die die „Bereitschaft und Fähigkeit zu zielgerichtetem, planmäßigem Vorgehen bei der Bearbeitung von Aufgaben und Problemen“16 umfasst sowie die kommunikative Kompetenz, die definiert wird als „Bereitschaft und Fähigkeit, kommunikative Situationen zu verstehen und zu gestalten“17 und wozu es gehört, „eigene Absichten und Bedürfnisse sowie die der Partner wahrzunehmen, zu verstehen und darzustellen“18. Eine weitere Kompetenz, die Baustein der Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz ist, ist die Lernkompetenz. Unter dieser wird die „Bereitschaft und Fähigkeit, Informationen über Sachverhalte und Zusammenhänge selbstständig und gemeinsam mit anderen zu verstehen, auszuwerten und in gedankliche Strukturen einzuordnen“19 sowie die „Fähigkeit und Bereitschaft, im Beruf und über den Berufsbereich hinaus Lerntechniken und Lernstrategien zu entwickeln und diese für lebenslanges Lernen zu nutzen“20 verstanden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die KMK eine Handlungskompetenz definiert, die sich aus zwei Ebenen zusammensetzt. Die unterste Ebene besteht aus der Methodenkompetenz, der kommunikativen Kompetenz und der Lernkompetenz. Alle dieser drei Kompetenzen sind Bestandteil jeder einzelnen Kompetenz der zweiten Ebene. Zu diesen gehören die Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz. Letztendlich münden alle der genannten Kompetenzen in der beruflichen Handlungskompetenz.

3. Wesentliche Bestandteile des Lernfeldkonzeptes

Das Lernfeldkonzept ist nicht als autonome Didaktik „im Sinne einer wissenschaftlich fundierten Theorie und Praxis beruflichen Lernens“21 zu betrachten, sondern vielmehr als eine Unterstützung handlungsorientierten Unterrichts. Curricula, die nach dem Lernfeldkonzept aufgebaut sind, orientieren sich somit nicht an Fächern sondern an Lernfeldern. Wesentliche Strukturen auf denen der Lernfeldansatz aufbaut, sind das Handlungsfeld, das Lernfeld und die Lernsituation.22 Ein weiterer Faktor, der mit der Realisierung des Lernfeldkonzeptes verwoben ist, ist die Integration didaktischer Elemente. Zu diesen didaktischen Implikationen zählen die Förderung und Orientierung an beruflicher Handlungskompetenz, die Verwirklichung handlungsorientierten und fächerverbindenden Unterrichts sowie die Teamarbeit.23

Im weiteren werden die oben genannten Strukturen des Lernfeldkonzeptes sowie seine wesentlichen didaktischen Elemente näher charakterisiert.

[...]


1 Stöhr, Monika (2005): Handlungsfeld, Lernfeld, Lernsituation-Begriffsklärung. In: Koch, Frank (Hg.): Themenbereiche und Lernfelder im Pflegeunterricht. München. S. 14.

2 Falk, Juliane; Kerres, Andrea (2006): Lernfelder in der Pflegeausbildung. Leitfaden zur handlungsorientierten Unterrichtsgestaltung. Weinheim; München. S. 15.

3 Vgl.: Riedl, Alfred (2011): Didaktik der beruflichen Bildung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart. S. 144.

4 Vgl.: Sekretariat der Kultusministerkonferenz (2011): Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe. S. 4. Unter:http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2011/2011_09_23-GEP-Handreichung.pdf (15.04.2012)

5 Vgl.: Schneider, Kordula; Brinker-Meyendriesch, Elfriede; Schneider, Alfred (2005): Pflegepädagogik. Für Studium und Praxis. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Heidelberg. S. 86.

6 Vgl.: Geppert, Susanne (Hg.) (2005): Lernfelder in der Pflegeausbildung. Theorie und praktische Umsetzung. Stuttgart. S. 5.

7 Falk, Juliane; Kerres, Andrea (2006): S. 16.

8 Ebd. S. 15.

9 Vgl.: Schneider, Kordula; Brinker-Meyendriesch, Elfriede; Schneider, Alfred (2005): S. 85-86.

10 Sekretariat der Kultusministerkonferenz (2011): S. 15. http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2011/2011_09_23-GEP-Handreichung.pdf (17.04.2012)

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Ebd.: S. 15-16.

15 Ebd.: S. 16.

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Ebd.: S. 32.

22 Vgl.: Schewior-Popp, Susanne (2005): Lernsituationen planen und gestalten. Handlungsorientierter Unterricht im Lernfeldkontext. Stuttgart. S.7.

23 Vgl.: Schneider, Kordula (2005): Der Lernfeldansatz und seine Teilkonzepte. In: Schneider, Kordula (Hg.): Pflegeunterricht konkret. Grundlagen-Methoden-Tipps. München. S. 34.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Lernfeldkonzept. Gründe der Einführung, didaktische Grundlagen und Auswirkungen auf die Berufsausbildung
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für berufliche Fachrichtungen)
Veranstaltung
Grundlagen gesundheits- und pflegedidaktischen Handelns
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V315366
ISBN (eBook)
9783668147539
ISBN (Buch)
9783668147546
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lernfeldkonzept, KMK
Arbeit zitieren
Henriette Bartusch (Autor), 2012, Das Lernfeldkonzept. Gründe der Einführung, didaktische Grundlagen und Auswirkungen auf die Berufsausbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315366

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