Dürrenmatt als Maler und Zeichner


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

21 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Dürrenmatt als Maler und Zeichner

3. Schwerpunkte in der Bildenden Kunst Dürrenmatts

4. Religion in Dürrenmatts Kunst
4.1 Die Bedeutung der Religion für Dürrenmatt
4.2 Kreuzigung, Auferstehung und der Papst
4.3 Der Turmbau zu Babel
4.4 Pilatus

5. Zusammenfassung

6. Abbildungsverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Friedrich Dürrenmatt war ein bedeutender Schweizer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Neben seinen zahlreichen literarischen Werken, die sowohl als Schul- als auch Universitätslektüre dienen, war er jedoch auch im Bereich der Bildenden Künste intensiv tätig. Neben zahlreichen Gemälden, fertigte er zeit seines Lebens beispielsweise auch viele Federzeichnungen und Karikaturen an. Dieser Tätigkeitsbereich Dürrenmatts erscheint jedoch im Glanz seiner literarischen Präsenz als oftmals sehr in den Schatten gestellt. Aus diesem Grund soll in dieser Arbeit speziell auf Friedrich Dürrenmatt als Maler und Zeichner eingegangen werden. Zunächst werden biographische Aspekte Dürrenmatts bezüglich seines bildnerischen Schaffens genauer betrachtet und die Frage gestellt, inwieweit und in welcher Form die Bildende Kunst Einfluss auf sein Leben genommen hat. Es soll die Frage nach Dürrenmatts Verständnis von Kunst im Sinne ihrer Funktion gestellt, wie auch aufgezeigt werden, aus welchen Gründen und auf welche Art und Weise Dürrenmatt bildnerisch tätig war. Anschließend sollen die thematischen Schwerpunkte in seiner Kunst aufgezeigt werden, aus denen fortfahrend einer, der der Religion, herausgegriffen und anhand von einigen Beispielen genauer betrachtet werden soll. Im Allgemeinen soll diese Arbeit als einführender und gliedernder Überblick zu dem Thema der Malerei und des Zeichnens Friedrich Dürrenmatts dienen, welcher es den Lesern erleichtern soll, ihn nicht mehr nur als Schriftsteller, sondern auch als Maler und Zeichner zu sehen und zu erleben.

2. Dürrenmatt als Maler und Zeichner

Schon In Dürrenmatts Kindheit gingen im Haus seiner Eltern Maler ein und aus. Maler, auf Landschaften spezialisiert, auf Kirchen, Gebäude, kurz: Vertreter des zur damaligern Zeit vorherrschenden Stilrichtung des Impressionismus. Porträtmaler bildeten Friedrich Dürrenmatt und seine Schwester ab. Zu Dürrenmatts Enttäuschung wurde Natur gemalt, wohin er selbst entgegen seine Vorlieben in Rembrandts, Dürers und Rubens´ Malerei entdeckte. So waren es Dürers Holzschnitte zur Apokalypse oder „Amazonenschlacht“ von Rubens, die Dürrenmatt faszinierten. Er schien von der Handlung, von der Bewegung beeindruckt, die extrem von der für ihn wahrscheinlich langweiligen Darstellung der Natur abwich. Unterstützt wird diese Vermutung durch die Tatsache, dass sich Dürrenmatt neben den bereits genannten auch für Arnold Böcklin interessierte, welcher in Kämpfe verstrickte Fantasiegestalten malte.[1] Dürrenmatt selbst sprach sich gegen das für ihn uninteressante „Abmalen“ der Natur aus, er wollte aus der reinen Vorstellungskraft malen, „jenseits von jeder anatomischen und biologischen Glaubwürdigkeit“.[2] Dürrenmatt schien sich im Laufe der Zeit ein wenig von dieser Vorstellung des Malens uns Zeichnens gelöst zu haben. Für ihn war weiterhin Malen nicht ein Akt des Ab malens, sondern trennte er sich mitunter von der Darstellung reiner Fantasiegebilde und ging über zur Schilderung von Umständen. Im Laufe seines Lebens, angefangen mit den ersten Bezügen zur Malerei durch Impressionisten in seiner Kindheit, kam er immer in Berührung mit der bildenden Kunst. So lernte er weitere Künstler kennen, wie beispielsweise Walther Jonas, welchen er in seiner Studienzeit kennenlernte und durch welchen er mit dem Expressionismus in Berührung kam. Jonas malte nur in Gesellschaft von seinen Freunden, mit denen er sich gleichzeitig über Politik, Gesellschaft und Literatur unterhielt. Im Weiteren hielt Dürrenmatt einige Freundschaften zu anderen Künstlern aufrecht, so zum Beispiel zu Christiane Zufferey, Hans Aeschbacher und vor allem Willy Guggenheim, Varlin genannt, welcher zu einem engen Vertrauten Dürrenmatts wurde.[3] Jedoch sollte beachtet werden, dass Dürrenmatt selbst jedoch nicht erst zu diesem Zeitpunkt anfing zu malen und zu zeichnen, es scheint, als wäre dies für ihn vorerst wichtiger gewesen als das Schreiben. Schon als Kind wollte er Dinge verstehen. Da er sich aber immer mitunter auch mit dem Nicht-Verstehen konfrontiert sah, suchte er das daraus entstehende Gefühl der Bedrängnis und des Eingesperrtseins durch Zeichnen zu bewältigen, durch eben dies seine Gefühle zu kanalisieren, sie zu lösen. Durch das schreiben, so sagt er, habe er das nicht erreicht.[4] Gleichzeitig hielt er das, was er zu erzählen hatte, was ihn beschäftigte, bildhaft fest. Er illustrierte, sagte auch von sich selbst, er wolle einmal Maler werden, was er aber nicht geworden sei. Hier sei anzumerken, dass Dürrenmatts Mutter ihren Sohn unterstützen wollte, indem sie seine Bilder zu renommierten Künstlern brachte, die diese beurteilen sollten. Es ging hier um Dürrenmatts Entscheidung an die Kunsthochschule zu gehen. Die gewollte Unterstützung kehrte sich jedoch genau in ihr Gegenteil um, denn besagte Künstler waren impressionistisch orientiert, was zur Folge hatte, dass Dürrenmatts expressionistische, zu dieser Zeit nicht gerade typische Malweise verhöhnt wurde.[5] In dem Moment, als sich Dürrenmatt dagegen entschied an die Kunsthochschule zu gehen, gegen eine Künstlerausbildung – weswegen er im Übrigen noch lange Zeit wütend auf sich selbst war -, wird auch klar, warum sich dieser selbst nicht als Maler versteht. Er lernte Zeichnen und Malen nie. So sagt er auch von sich, dass er nie Hauptberuflich Maler werden könne, dazu fehle ihm die Idee zu malen, er wüsste nicht, was er malen sollte. Zwar male er seine Bilder naiv, jedoch denke er nicht naiv. Er habe sich sein Können autodidaktisch angeeignet, schon allein deshalb bezeichne er sich nicht als Maler. Zum anderen, weil er immer nur für sich gemalt habe, nie für andere oder im Sinne einer speziellen Kunstrichtung.[6] Gegen die Klassifizierung in bestimmte Richtungen der Kunst wehrt sich Dürrenmatt entschieden. Für ihn stellen diese Ideologien dar, denn sie haben bestimmte Programme, welche von Mitgliedern dieser Richtungen verfolgt und verinnerlicht werden. Jeder der heutigen Maler suche unbewusst nach einer Ideologie, nach etwas Allgemeinem, nach dem er sich richten könne.[7] Dürrenmatt steht aufgrund seiner Einstellung dem als Einzelgänger gegenüber. Schon in seiner Kindheit fühlte er sich als Außenseiter. Als Sohn eines Pfarrers kam ihm immer der Status von etwas Besonderem zu, jedoch nicht ausschließlich im positiven Sinn. Man war darauf bedacht, in seiner Gegenwart nicht über alltägliche Dinge zu sprechen, er könnte sie ja an seinen Vater weitergeben, welcher wiederum ein schlechtes Bild von den Leuten im Dorf bekommen könnte. Das Meiden Dürrenmatts machte ihn zu einem Einzelgänger, was er sich sein ganzes Leben hindurch zu bewahren wusste. So auch in seiner Kunst. Er wollte nicht einer bestimmten Kunstrichtung angehören, nicht nach etwas Allgemeinem suchen, weswegen er von anderen oft missverstanden wurde. Er verfügte über keine allgemein verständliche Methodik, keine Ideologie, wollte nicht einer „Herde nachtrampeln“, sondern sein eigenes Denken, und nicht das einer Gruppe, in seine Bilder einfließen lassen.[8] So spricht er sich auch gegen literarische Formen wie die der Allegorie aus, da er diese für eine Verkörperung der Ideologie ansieht, von welcher er sich ja distanzieren möchte. Er sieht die Allegorie als etwas an, wohinter ein eindeutiger Sachverhalt steht. Dürrenmatt jedoch sieht in allen Dingen die Mehrdeutigkeit, es sei nichts eindeutig, so sagt er. Auch sei er gegen das Eindeutige, er wolle nicht auf einen allgemeinen Nenner gebracht werden.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Was seine Malgewohnheiten im Einzelnen angeht, so zeichnete und malte Dürrenmatt nie im regelmäßigen Sinn. Zum Teil malte und zeichnete er lange Zeit gar nicht, was im Gegensatz zu seiner schriftstellerischen Tätigkeit steht, die er fortlaufend ausübte. Persönlich ziehe er das Malen vor, jedoch reiße dies ihn aus dem schriftstellerischen Prozess. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Zeichnungen könne er nebenher auf seinem Schreibtisch anfertigen, ohne dass er vom Schreiben wegmüsse.[10] Wenn er male, dann nachts, Nächte hindurch „ohne zu ermüden“.[11] Es scheint, als malte er in ständiger Aktion, auch einer körperlichen. Das Bild, an dem er arbeitete, werde gemalt, an die Wand gehängt, wieder abgehängt, korrigiert, und so ging es in einem ständigen „Hin- und Her“, bis Dürrenmatt in den frühen Morgenstunden müde schlafen ging. Am nächsten Morgen war es jedoch gut möglich, dass er das Bild anschaute und wieder etwas entdeckte, was ihm nicht daran gefiel,...und es erneut änderte.[12] Hier wird deutlich, wie sehr Dürrenmatt von einer rastlosen Art beherrscht war, wie sehr er sich dazu gedrängt fühlte, jene Dinge, die sich in seinem Inneren abspielten, nach außen treten zu lassen, und wie wenig ihm das in Perfektion gelang und er das Gefühl hatte, die Anspannung würde von ihm abfallen. Dass diese Anspannung zwischen Idee und Darstellung bei ihm besonders enorm war, sagte er selbst. Da er selbst eigentlich kein Maler sei, sei diese Spannung zwischen Vision und dem, was er darstellen könne sicher größer. Diese lasse sich zwar erst beim schöpferischen Akt selbst abbauen, jedoch sei dieser nie zu Ende.[13] Jedoch aus dem Anspruch heraus Ideen, die ihn beschäftigten, zu verarbeiten und diese Spannung aufzulösen, entstanden Bilder, die, konträr zu unbewegten Landschafts-Gemälden oder Stillleben, von Aktion bewegt sind, in seinen Bildern passiert etwas. Es war nicht Dürrenmatts Absicht schöne Dinge zu [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] malen, Malerei, als eine Kunst, schöne Bilder zu malen, interessiere ihn nicht.[14] Malerei funktioniere seiner Meinung nach nicht als Abbildung des Gesehen, sondern, wie schon bereits genannt, zur Schilderung gewisser Umstände. Für ihn waren bsp. Zeichnungen Hilfsmittel bestimmte Fragestellungen umzusetzen, er ging mit einer solchen an ein Bild heran und von bestimmten Grundideen aus, die sich in seinem Denken manifestierten, woraus wiederum seine Stoffe resultierten. Um diese Stoffe jedoch umzusetzen, musste er sich fast zwanghaft das Zeichnen zur Hilfe nehmen. Durch den Versuch der Rekonstruktion mittels des Zeichnens versuchte Dürrenmatt, die in seinem bloßen Denken realen Stoffe zu vergessen, sich zu befreien, Ballast abzuwerfen. Durch das Zeichnen allein schien das nicht geglückt zu sein, sodass er sich dem Schreiben zuwandte.[15] Folgend erscheint es als logisch Dürrenmatts Behauptung, der Wert der Kunst liege nicht in ihrem Ziel, sondern in ihrem Wagnis, in ihrem Weg, zuzustimmen.

[...]


[1] Vgl. Dürrenmatt: Stoffe I-III, Zürich 1981, S.34ff.

[2] Vgl. Ebd., S.35.

[3] Vgl. http://www.duerrenmatt.de, „Varlin schweigt, Dürrenmatt nicht...“

[4] Vgl. Dürrenmatt: Die Entdeckung des Erzählens, Zürich 1996, S.118ff.

[5] Vgl. Ebd., S.121ff.

[6] Vgl. Ebd., S.248ff. und S.257.

[7] Vgl. Dürrenmatt: Bilder und Zeichnungen, Zürich 1978, Anhang.

[8] Vgl. Ebd.

[9] Vgl. http://www.duerrenmatt.de

[10] Vgl. Dürrenmatt: Die Entdeckung des Erzählens, Zürich 1996, S.252.

[11] Vgl. Dürrenmatt: Stoffe I-III, Zürich 1981, S.36ff.

[12] Vgl. Ebd., S.37ff.

[13] Vgl. Dürrenmatt: Die Entdeckung des Erzählens, Zürich 1996, S.309.

[14] Vgl. http://www.duerrenmatt.de, „Dürrenmatt: Die Geschichte seiner Stoffe“.

[15] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Dürrenmatt als Maler und Zeichner
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
Friedrich Dürrenmatt
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V31538
ISBN (eBook)
9783638325158
Dateigröße
1067 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dürrenmatt, Maler, Zeichner, Friedrich
Arbeit zitieren
Franziska Sperner (Autor), 2004, Dürrenmatt als Maler und Zeichner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31538

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