Der Einfluss kultureller Faktoren auf eine potentielle NATO-Mitgliedschaft


Essay, 2014
8 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einführung

2) Forschungsstand

3) Diskussion

5) Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1) Einführung

Die Nato, mit Sitz in Brüssel, wurde im Jahr 1949 als internationale Organisation zur politischen und militärischen Verteidigung gegründet. Die vier Buchstaben N-A-T-O stehen für die englisch sprachige Bezeichnung North Atlantic Treaty Organization, welche derzeit rund 28 Mitglieder vereint. Zum 50. Geburtstag der Nato im Jahre 1999 traten Polen, Tschechien und Ungarn bei. Fünf Jahre später folgten Bulgarien, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Estland, Lettland und Litauen. Albanien und Kroatien sind die jüngsten Mitglieder und schlossen sich der Allianz im Jahre 2009 an. Seit der Gründung der Nato haben sich im Laufe der Zeit die Zielabsichten vollkommen geändert. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg galt es zunächst die Expansion des Kommunismus einzudämmen, insbesondere die Verteidigung gegenüber der Sowjetunion und dem Warschauer Pakt. Heutzutage kennzeichnet der Einsatz für Frieden und Freiheit, sowie deren Verteidigung, das wichtigste Ziel der Nato. Demnach ist die Nato vorwiegend eine Verteidigungsorganisation, obgleich sie auch als Militärbündnis betrachtet werden kann. Die Aufnahme neuer Mitglieder ist im Nato-Vertrag geregelt, wonach zumal jeder europäische Staat dem Bündnis beitreten kann. Voraussetzung hierfür ist, dass die Richtlinien und Prinzipien der Nato befolgt werden müssen und zur Sicherheit der nordatlantischen Region beigetragen werden muss. Trotz der zahlreichen Neuaufnahmen in den vergangenen Jahren wird nicht primär das Ziel einer territorialen Erweiterung verfolgt, sondern man versucht die Sicherheitsinteressen souveräner demokratischer Staaten durchzusetzen. Darüber hinaus verfolgt die Nato wirtschaftliche, kulturelle und politische Ziele und Interessen, die den Mitgliedstaaten zu Gute kommen.

Dieses Forschungsdesign beschäftigt sich jedoch weniger mit der Zielsetzung der Nato, sondern zielt auf die Beantwortung der Frage ab, inwiefern kulturelle Faktoren einen Einfluss auf eine potentielle Nato-Mitgliedschaft haben. Die Entscheidungen die in der Nato gefällt werden, folgen dem Prinzip des Konsens. Das Funktionieren dieser Entscheidungsfindung ist vor allem den sich ähnelnden Weltbildern der Mitgliedstaaten zu verdanken. Dessen Kulturen ähneln sich und vereinfachen somit die Entscheidung im Konsens. Demzufolge soll der Einfluss der Kultur, mit Schwerpunkt auf eine Nato-Mitgliedschaft, näher untersucht werden. Die Clash of Cvilization Theorie von Samuel P. Huntington, sowie die Globalisierungstheorie von Roland Roberts stecken hierbei den theoretischen Rahmen ab. Daran knüpft sich die Diskussion an, in der ich die Kulturbegriffe von Huntington und Roberts gegenüberstelle und kritisch hinterfragen werde. Zudem versuche ich anhand der Türkei den kulturellen Einfluss zu verdeutlichen.

2) Forschungsstand

Samuel P. Huntington veröffentlichte 1993 einen Artikel für das Wissenschaftsjournal Foreign Affairs in dem er, sowie in dem drei Jahre später erschienenen Buch „Kampf der Kulturen“, eine politische Theorie der internationalen Beziehung für einen Konflikt zwischen verschiedenen Kulturräumen entworfen hat.

Der Kulturbegriff nach Huntington definiert sich über die Geschichte der Menschheit, welche eine Geschichte von Kulturen darstelle. Die Menschen würden all das in ihrer Kultur verankern, womit sie sich identifizieren (vgl. Huntington 1993). Hauptsächlich im Hinblick auf ihre Religion und Herkunft. Kulturkreise vereinen Menschen über ihre Sprache, geografische Lage und Religion. Huntington teilt die Welt in große Kulturkreise ein und vermutet in den Grenzen dieser Kreise ein zukünftiges Konfliktpotential. „The conflicts of the future will occur along the cultural fault lines separating civilizations“ (Huntington 1993: S. 25). Huntington differenziert zwischen dem westlichen Kulturkreis, dessen Vorreiter die USA sind, dem orthodoxen Kulturkreis mit russischem Leitbild, dem sinischen, japanischen und hinduistischen Kulturkreis mit den dazugehörigen Staaten China, Japan und Indien, sowie dem islamischen Kulturkreis. Die Kulturkreise würden die höchste kulturelle Zusammenführung von Menschen bilden und beinhalten die allgemeine Ebene kultureller Identität (vgl. Frindte 2013).

Roland Robertson grenzt sich mit seiner Globalisierungstheorie vom Kulturbegriff Huntington´s ab und bringt einen anderen Ansatz hervor. Jörg Dürrschmidt hat sich in seinem Beitrag „Kultur im Spannungsfeld der Globalisierung“, erschienen im Jahre 2006 im Sammelband „Kultur. Theorien der Gegenwart“, mit den Ansätzen von Robertson auseinandergesetzt. In Anlehnung an die Systemtheorie von Parsons, die Gesellschaften als funktional nach innen gerichteten Institutionen beschreibt, veröffentlichte Robertson in seinem Hauptwerk „Globalization. Social Theory and Global Culture“ 1992 seine Globalisierungstheorie. Sein Forschungsgebiet kennzeichnete die Verknüpfung von soziokulturellem Schwerpunkt mit internationalen Dimensionen im Zuge der Globalisierung. Der Fokus lag hierbei besonders auf die kulturellen Dynamiken der Globalisierung. Infolgedessen beschäftigte sich Robertson mit der Frage nach der kulturellen Stabilität eines internationalen gesellschaftlichen Systems und wie sich kulturelle Kontinuitäten, die sich nicht von Nationalstaatsgrenzen einengen lassen, auf die ökonomische und politische Ebene auswirken würden (vgl. Dürrschmidt 2006). Eine allgemeingültige Definition des Kulturbegriffes sucht man bei Robertson jedoch vergebens, da man die globale Kultur, aufgrund ihrer Komplexität, nicht in ein vorhandenes Muster pressen könne (vgl. Dürrschmidt 2006). Hingegen bringt er zum Ausdruck:

„I do not mean that globalization involves in and of itself the crystallization of a cohesive system. On the other hand I do maintain that globalization involves the development of something like a global culture - not as normatively binding, but rather as a whole and its variety.“ (Robertson 1992: S. 135)

Demnach sieht Robertson die Kultur als eigenständige Dimension globaler Entwicklung und hebt sich somit von der Theorie der Einteilung der Welt in Kulturkreise ab.

3) Diskussion

Nicht nur Roberts distanziert sich von der Clash of Civilization Theorie von Huntington. Diese stößt zunehmend auf Ablehnung und kritischer Auseinandersetzung. Demnach sei die These, die Konflikte würden nicht mehr von Religionen, Staaten oder Ideologien, sondern von Kulturen ausgetragen werden zu knapp und leicht zu wiederlegen. Ferner würde sie nicht erklären wieso zum Beispiel Saudi Arabien als vertrauenswürdiger Verbündeter der USA gilt, obwohl sie unterschiedlichen Kulturkreisen angehören. Der kulturelle Faktor sei zwar wichtig und bestimmend für jegliche Handlungsmuster, würde jedoch durch andere Prozesse gebrochen werden. So könnten die Kooperationszwänge der Handelsstaaten der Wirtschaftswelt oder die Machtrivalitäten der Staatenwelt den kulturellen Faktor relativieren. Hinzu kommt, dass die meisten Konflikte innerhalb eines Kulturkreises ausbrechen würden. So zum Beispiel die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Irak und dem Iran, obwohl beide Nationen dem islamischen Kulturkreis angehören (vgl. Frindte 2013). Auch Robertson kann keinen genauen Aufschluss über den Kulturbegriff geben. Sein Ansatz sei keine „grounded theory of globalization“ (Dürrschmidt 2006: S. 526), sondern eher ein kontinuierlicher Vorentwurf der Anknüpfung sucht und bietet. Mit diesen theoretischen Ansätzen von Huntington und Roberts im Hinterkopf, versuche ich folglich den Einfluss kultureller Faktoren anhand der Nato-Mitgliedschaft der Türkei zu erklären. Dabei werde ich zwei wissenschaftliche Artikel heranziehen, die im Hinblick auf die kulturellen Faktoren und der Türkei als Nato-Mitglied eine unterschiedliche Betrachtung aufweisen. Mesut Yilmaz ist der Meinung, dass seit Herbst 2002, als die religiöse Partei AKP die Wahl gewonnen hat, die Türkei einen rasanten Wandlungsprozess durchlaufen hat. Nicht nur der Wunsch nach einer Aufnahme in die europäische Union prägen diesen Prozess, sondern auch die außenpolitische Neuorientierung mit dem an Einfluss verlierendem Militär, hat die Türkei verändert. Die durch Militärputsche gehemmte türkische Demokratie hat sich erholt und schlägt durch Modernisierungsprozesse und der zunehmenden Westorientierung den richtigen Weg ein. Hinzu kam die Erfüllung politischer Kriterien und eine umfassende Strukturreform, die der noch jungen Demokratie Stabilität verlieh. Seit der Gründung der türkischen Republik, wird stets eine enge und nahe Beziehung zum Westen gepflegt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Türkei sowohl in der Vereinten Nationen, als auch in der Nato ihren Platz gefunden hat (vgl. Yilmaz 2003).

Joachim N. Steinhöfel bewertet die Mitgliedschaft der Türkei in der Nato als alles andere als gerechtfertigt und stellt sich die Frage, wie lange diese in der Nato noch gewünscht, verantwortbar und interessengerecht ist. Schon 2003 kam es zwischen den USA und der Türkei zu einem Interessenkonflikt, als die Türkei den Einmarsch amerikanischer Truppen im Krieg gegen Saddam Hussein verhinderte. Stattdessen kooperierte die Türkei mit dem Iran, der als größter Geldgeber des Terrorismus bekannt ist. Hinzu kommt, dass die Türkei gemeinsam mit Brasilien den Versuch unternahm, die Bestrebungen der USA gegen den Iran zu blockieren und stimmte gegen die UN-Resolution. „Das politische Verhaltensmuster der Türkei ist mit dem Selbstverständnis der EU oder der NATO grundsätzlich nicht mehr kompatibel“ (Steinhöfel 2010: S. 1). Steinhöfel betont, dass die Sympathien gegenüber einem Land, welches den Terrorismus unterstützt, für ein Nato-Mitglied inakzeptabel sind und kommt zu dem Entschluss, dass es Zeit wird, „dem anti-semitischen Amokläufer aus Ankara den Stuhl vor die Tür zu stellen“ (Steinhöfel 2010: S. 1).

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Details

Titel
Der Einfluss kultureller Faktoren auf eine potentielle NATO-Mitgliedschaft
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Autor
Jahr
2014
Seiten
8
Katalognummer
V315426
ISBN (eBook)
9783668147591
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Türkei, NATO, Politikwissenschaft, Internationale Beziehungen, Kultur, Mitgliedschaft
Arbeit zitieren
Jannis Kuper (Autor), 2014, Der Einfluss kultureller Faktoren auf eine potentielle NATO-Mitgliedschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315426

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