Reduzierung der Prozesskosten von C-Teilen durch ein elektronisches Marktplatzsystem


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 C-Teile im Rahmen der ABC-Analyse
2.2 Wesentliches zum C-Teile-Management
2.3 Definition und Ziele des E-Procurements
2.4 Abgrenzung wichtiger elektronischer Marktplatzsysteme

3 Darstellung wesentlicher Prozesskosten im Einkauf
3.1 Bedeutung der Prozesskosten am Beispiel des Eisbergprinzips
3.2 Darstellung des Purchase-to-pay-Prozesses
3.3 Möglichkeiten der Prozesskostensenkung

4 Kritische Betrachtung eines elektronischen Marktplatzsystems
4.1 Funktionsweise eines elektronischen Marktplatzsystems
4.2 Wichtige Erfolgsfaktoren für die Integration eines elektronischen Marktplatzsystems in ein Unternehmen
4.3 Chancen und Risiken des elektronischen Marktplatzsystems

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Beispielhafte Mengen-Wert-Darstellung einer ABC-Analyse

Abb. 2: Verhältnis zwischen C-Teilen und Prozesskosten am Eisbergprinzip

Abb. 3: Beispielhafte Prozessschritte für einen Purchase-to-pay-Prozess

Abb. 4: Purchase-to-pay-Prozess bei Nutzung eines B2B-Marktplatzes

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Beschaffungsumfeld in Unternehmen verändert sich seit einigen Jahren grundlegend. Die Aufgaben des Einkaufs entwickeln sich von den einfach zu erzielenden, kurzfristigen Einsparpotentialen zu langfristigen und aktiven Veränderungen für den gesamten Einkaufsprozess.1 Folglich liegen die Möglichkeiten im Einkauf nicht mehr nur in dem Beitrag zur Kostensenkung, sondern zusätzlich in der Steigerung der Einkaufseffizienz.2 Die Chance, Prozesse im Einkauf effektiver zu gestalten, formiert sich mit dem Einsatz der sogenannten elektronischen Beschaffung (E-Procurement). Das Potential der elektronischen Geschäftsabwicklung über elektronische Medien ist enorm und bietet die Möglichkeit, erhebliche Einsparungen zu erzielen. Dies ist vor allem dann notwendig, wenn Bestellungen im Einkauf nur einen geringen Wert aufweisen, da unabhängig von dem Bestellwert die gleichen Abwicklungskosten verursacht werden. Viele Unternehmen haben diese Notwendigkeit erkannt und wollen das World Wide Web daher für eine effektivere Prozessabwicklung gewinnbringend nutzen.3 Mit Hilfe des Internets können dafür Geschäftsprozesse optimiert und eine informationstechnische Vernetzung bereitgestellt werden.4 Sogenannte Online-Marktplätze5 können durch Veränderungen in der traditionellen Beschaffung diesen Prozess unterstützen.6 Dadurch kann der Einkauf unter Kosten- und Zeitaspekten einen wichtigen Beitrag für den Unternehmenserfolg beisteuern.7

Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, die Möglichkeiten der Prozesskosteneinsparung durch den Bereich E-Procurement aufzuzeigen. Der elektronische Marktplatz soll dafür als Beispiel dienen. Im zweiten Kapitel werden zu diesem Zweck zunächst grundlegende Begrifflichkeiten erläutert, bevor die Bedeutung der Prozesskosten im Einkauf sowie deren Einsparpotential im dritten Kapitel genauer aufgezeigt werden. Im vierten Kapitel wird der B2B8 -Marktplatz kritisch betrachtet und die grundlegenden Funktionen, wichtige Erfolgsfaktoren sowie Chancen und Risiken näher erläutert. Das fünfte Kapitel gibt eine kurze Zusammenfassung und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungstendenzen im Bereich der elektronischen Märkte.

2 Grundlagen

2.1 C-Teile im Rahmen der ABC-Analyse

Die ständige Erweiterung der Funktionspalette von Unternehmen und die damit verbundene steigende Menge und Komplexität des Einkaufsvolumens, erfordern vermehrt Analysen, um die Materialwirtschaft nicht zu überlasten und diese zielgerichtet steuern zu können. Die ABC-Analyse lässt sich in allen Bereichen der Materialwirtschaft anwenden und ist eine Möglichkeit, Beschaffungsaktivitäten gezielt zu lenken. Das Ziel einer ABC-Betrachtung ist die Erkennung von Kostensenkungspotentialen und die darauf aufbauende Ableitung von Maßnahmen zur Kostensenkung.9

Bei dieser Untersuchung wird das gesamte Einkaufssortiment nach geeigneten Kriterien klassifiziert. Oft geht man von dem Wert der verschiedenen Artikel aus, da sich dieser relativ unproblematisch errechnen lässt:10 Die Ermittlung in die ABC- Klassifizierung erfolgt dann durch Multiplikation des Teilewertes mit der benötigten Teilemenge.11 Unter A-Produkten versteht man Artikel, die einen Großteil des wertmäßigen Einkaufs einnehmen, während B- und C-Artikel Sachgüter mit geringerem Einkaufsvolumen sind.12 Ein mögliches Ergebnis solch einer Analyse kann graphisch wie folgt aussehen:

Abb. 1: Beispielhafte Mengen-Wert-Darstellung einer ABC-Analyse13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier ist gut erkennbar, wie groß die Differenz von Menge und Wert bei bestimmten Artikeln ausfällt. Besonders interessant ist dieser Unterschied bei den C-Teilen, die im Folgenden näher betrachtet werden.

2.2 Wesentliches zum C-Teile-Management

Die charakteristischen Merkmale von C-Teilen sind die große Anzahl an Bestellungen, das geringe Beschaffungsrisiko, ein niedriger Stückpreis sowie die Tatsache, dass diese Artikel standardisiert und wenig erklärungsbedürftig sind.14 Daraus ergibt sich ein ausgeprägtes Automatisierungspotential.15 Typische Beispiele für C-Artikel sind Büromaterialien, Werkzeuge, Computerzubehör sowie Zeitschriften und Bücher.16

In Abbildung 1 aus Kapitel 2.1 erkennt man deutlich, dass C-Teile einen geringen Wertanteil, dafür aber ein großes Einkaufsvolumen haben: „C-Artikel sind demnach billig, kosten jedoch viel (Einkäuferweisheit).“17 Dies begründet sich vor allem dadurch, dass die Kosten eines konventionellen Bestellvorgangs unabhängig vom Bestellwert gleich sind. Weitere Ursachen sind vielfältige, komplexe und lange Beschaffungsprozesse aufgrund mehrstufiger Genehmigungsprozeduren sowie der hohe Anteil von Kleinbestellungen durch kurzfristigen Bedarf. Strategische Ansätze im C-Artikel-Management erfordern daher eine konsequente Optimierung der Prozesse, Instrumente und Strategien in der Beschaffung. Durch die daraus resultierende Kostensenkung und Prozessvereinfachung wird die Einkaufsabteilung erheblich entlastet. Weitere Ziele des C-Artikel-Managements sind die Verkürzung der Durchlaufzeiten, Verschlankung von Beschaffungsprozessen und die damit verbundene Senkung von Prozesskosten sowie die Erzielung günstiger Einkaufspreise durch Bedarfsbündelung. Die dazu notwendigen Instrumente finden sich u.a. im Bereich des E-Business und E-Procurements z.B. in Form der Nutzung eines elektronischen Marktplatzes.18

2.3 Definition und Ziele des E-Procurements

Der Begriff E-Procurement wird in der Literatur unter dem Überbegriff E-Business sehr vielfältig und unterschiedlich definiert. Fest steht, dass es sich um Geschäftstransaktionen handelt, deren Abwicklung über Rechner, Netzwerke und das Internet unterstützt wird. Dabei werden geschäftsrelevante Daten zwischen Unternehmen ausgetauscht.19 Man unterscheidet zwischen E-Sourcing, bei dem die Senkung der Produktkosten im Vordergrund steht und dem E-Ordering, das die Senkung der Prozesskosten intendiert.20 Der Bereich E-Business hat in den letzten Jahren an wirtschaftlicher Kraft gewonnen und sich zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt, der aus dem täglichen Geschäftsalltag nahezu aller Unternehmen nicht mehr wegzudenken ist.21 E-Procurement-Systeme können auf vielfältige Weise Geschäftsprozesse vereinfachen und unterstützen. Der Fokus liegt dabei auf der Beschaffung standardisierter und geringwertiger Artikel.22 Eine große Rolle spielt in diesem Punkt das Geschäftsmodell der elektronischen B2B-Marktplätze, auf die in dieser Arbeit besonders eingegangen wird.23 Hier handelt es sich um viel mehr als nur die Tatsache, dass Waren über das Internet eingekauft werden: Mit Hilfe von E- Procurement können Geschäftsabläufe effizienter gestaltet werden, Beschaffungsprozesse verkürzt und Bestände wesentlich reduziert werden.24 Die Senkung der Prozesskosten, Verkürzung der Bestelldauer, einfache Informationsbeschaffung, Workflowintegration sowie der Zugang zu neuen Anbietern sind Ziele der Implementierung von E-Procurement-Systemen.25 Durch den Einsatz von E-Procurement in Unternehmen konnten im Jahr 2012 im Durchschnitt 30% an Prozesskosten eingespart werden.26 Außerdem können mit Hilfe von E-Procurement- Lösungen etwa 300% ROI27 im ersten Jahr erreicht werden, d.h. in vier Monaten kann sich der mit der Einführung einer E-Procurement-Lösung entstandene Aufwand im Idealfall amortisiert haben.28

2.4 Abgrenzung wichtiger elektronischer Marktplatzsysteme

Unter einem elektronischen Marktplatzsystem versteht man alle Handelsplattformen, über die ein Transfer von Gütern und Dienstleistungen in elektronischer Form abgewickelt und unterstützt werden kann.29 Angebot und Nachfrage werden in einem virtuellen Raum vereint. Anbieter präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen und Nachfrager können diese dezentral über eine Plattform abrufen. Räumliche Beschränkungen werden dabei aufgelöst, da sich Anbieter und Nachfrager nicht physisch an einem Ort treffen müssen.30

Die Gestaltungsmöglichkeiten von elektronischen Marktplätzen sind sehr umfassend. Nachfolgend werden einige Unterscheidungsmerkmale erläutert.

Zentraler Marktplatz

Auf zentralen Marktplätzen ist die Preisebildung i.d.R. direkt durch entsprechende Mechanismen wie beispielsweise die der Biet-Agenten vollständig automatisiert. Diese Mechanismen stellen den Marktteilnehmern darüber hinaus alle notwendigen Informationen zur Verfügung. Dadurch wird die Markttransparenz erhöht und die Preisfindung vereinfacht, da nicht mit jedem Marktteilnehmer individuelle Vereinbarungen getroffen werden müssen. Diese erhöhte Markttransparenz und schnelle Preisfindung sind Vorteile der zentralen elektronischen Märkte.31

Dezentraler Marktplatz

Bei dezentralen Marktplätzen werden Preise durch individuelle Kommunikation vereinbart. In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass durch die fehlende Automatisierung relativ hohe Prozesskosten entstehen, da mit jedem Marktteilnehmer unterschiedliche Vereinbarungen getroffen werden müssen.32

Vertikaler Marktplatz

Vertikale Marktplätze sind branchenorientiert und bieten eine Produktpalette speziell für industriespezifische Prozesse. Dazu gehört auch, dass nur branchenrelevante Informationen angeboten werden.33 Diese Form des Marktplatzes richtet sich also auf die Spezialisierung einer bestimmten Branche aus und existiert in Industriebereichen wie z.B. Automobil, Chemie, Luftfahrt, Telekommunikation oder Transportwesen.34

Horizontaler Marktplatz

Horizontale Marktplätze konzentrieren sich auf branchenunabhängige, standardisierte Produkte wie die der C-Teile und die damit verbundene branchenübergreifende Zusammenführung von Angebot und Nachfrage.35 Diese Marktplätze richten sich auf eine bestimmte Stufe in der Wertschöpfungskette aus und haben das Ziel der Teilnahme möglichst vieler Anbieter und Nachfrager aus unterschiedlichen Branchen.36

Offener Marktplatz

Horizontale Marktplätze sind meist offen und somit für alle Marktteilnehmer zugänglich. Viele Anbieter und Nachfrager sorgen für eine Konkurrenzsituation, eine dynamische Preisbildung und ein großes Produktspektrum, das an Sortimentstiefe und -breite einem spezialisierten Marktplatz jedoch nicht gleichkommt.37

[...]


1 Vgl. Schuh, G., Hoppe, M., (Einkaufsmanagement 2014), S. 6.

2 Vgl. Schuh, G., Patrick, A., Wemhöner, H., (Einkaufscontrolling 2014), S. 119.

3 Vgl. Böhm, A., Felt, E., (e-commerce 2001), S. V.

4 Vgl. Kortus-Schultes, D., Ferfer, U., (Logistik 2005), S. 1.

5 Die Begriffe „elektronische Marktplätze“, „Online Marktplätze“ und „B2B- Marktplätze“ werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

6 Vgl. Schütt, M., (Informationsmanagement 2006), S. VII.

7 Vgl. Schuh, G., (Einkaufsmanagement 2014), S VI.

8 „B2B, Business-to-Business = Nutzung digitaler Informationstechnologie und Kommunikationsmöglichkeiten, um Produkte, Dienstleistungen und Informationen zwischen Unternehmen auszutauschen”. Böhm, A., Felt, E., (e-commerce 2001), S. 60.

9 Vgl. Wannenwetsch, H., (Materialwirtschaft 2014), S. 31.

10 Vgl. Arnolds, H., Heege, F., Röh, C., Tussing, W., (Materialwirtschaft 2010), S. 20 ff.

11 Vgl. Bichler, K., (Lagerwirtschaft 1997), S. 93.

12 Vgl. Schuh, G., Guo, D., (Einkaufsmanagement 2014), S. 22.

13 Vgl. Maimanis, G., (ABC-Analyse 2011), Abruf am 01.05.2015.

14 Vgl. Kortus-Schultes, D., Ferfer, U., (Logistik 2005), S. 99.

15 Vgl. Reuter, U., (Beschaffung 2013), S. 125.

16 Vgl. Kortus-Schultes, D., Ferfer, U., (Logistik 2005), S. 99.

17 Wannenwetsch, H., (Materialwirtschaft 2014), S. 37

18 Vgl. Wannenwetsch, H., (Materialwirtschaft 2014), S. 39 f.

19 Vgl. Dolmetsch, R., (eProcurement 2000), S. 27, 35.

20 Vgl. Schuh, G., Aghassi, S., Bremer, D., Graw, M., (Einkaufsstrukturen 2014), S. 62.

21 Vgl. Kollmann, T., (E-Business 2013), S. V.

22 Vgl. Georg, B., (CPFR 2006), S.179.

23 Vgl. Böhm, A., Felt, E., (e-commerce 2001), S. 15 ff.

24 Vgl. Weber, R., (Materialwirtschaft 2006), S. 180.

25 Vgl. Böhm, A., Felt, E., (e-commerce 2001), S. 15 ff.

26 Vgl. Wannenwetsch, H., (Materialwirtschaft 2014), S. 202.

27 ROI = Kennzahl, die die Rentabilität einer Lösung anzeigt. Sie ist ein Maßstab für die Leistung und die Rentabilität einer unternehmerischen Tätigkeit. Vgl. Clement, R., Schreiber, D., (Internetökonomie 2013), S. 334.

28 Vgl. Wannenwetsch, H., (Materialwirtschaft 2014), S. 203.

29 Vgl. Aust, E., Diener, W., Engelhardt, P., Lüth, O., (ePurchasing 2000), S. 48.

30 Vgl. Clement, R., Schreiber, D., (Internetökonomie 2010), S. 18.

31 Vgl. Clement, R., Schreiber, D., (Internetökonomie 2010), S. 24.

32 Vgl. Clement, R., Schreiber, D., (Internetökonomie 2010), S. 24.

33 Vgl. Clement, R., Schreiber, D., (Internetökonomie 2013), S. 328.

34 Vgl. Böhm, A., Felt, E., (e-commerce 2001), S. 17.

35 Vgl. Nenninger, W., Lawrenz, O., (B2B-Erfolg 2001), S. 23.

36 Vgl. Clement, R., Schreiber, D., (Internetökonomie 2013), S. 176.

37 Vgl. Nenninger, W., Lawrenz, O., (B2B-Erfolg 2001), S. 23 f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Reduzierung der Prozesskosten von C-Teilen durch ein elektronisches Marktplatzsystem
Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V315430
ISBN (eBook)
9783668147614
ISBN (Buch)
9783668147621
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozesskosten, C-Teile, mercateo, elektronischer marktplatz, hausarbeit, beschaffung, einkauf, elektronische beschaffung, Einkaufseffizienz, Geschäftsprozesse, Prozesskosteneinsparung, E-Procurement, B2B-Marktplatz
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Reduzierung der Prozesskosten von C-Teilen durch ein elektronisches Marktplatzsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315430

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