Ein Vergleich der Baupolitik des Vespasians und des Domitians


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zeit der Flavier
2.1 Die Machtergreifung Vespasians
2.2 Die Regierungszeit Vespasians
2.3 Die Regierungszeit des Titus
2.4 Die Regierungszeit Domitians
2.5 Die Herrschaftsideologie der Flavier

3. Die Baupolitik der flavischen Kaiser
3.1 Die Baupolitik Vespasians
3.2 Die Baupolitik Domitians
3.3 Gemeinsamkeiten in der Baupolitik der beiden Kaiser
3.4 Unterschiede in der Baupolitik der beiden Kaiser

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die flavische Baupolitik stellt eine neue Epoche in der Baugeschichte Roms dar.1 Vor allem Vespasian und Domitian veränderten mit Bauwerken, wie dem amphiteatrum Fla- vium das Stadtbild nachhaltig. In dieser Arbeit soll geklärt werden, inwieweit sich die Baupolitik der beiden Kaiser vergleichen lässt, worin ihre Gemeinsamkeiten und Unter- schiede liegen und wie solche zu erklären sind. Dabei sollen sowohl antike Überliefe- rungen als auch moderne Forschungsansätze berücksichtigt werden. Zu Beginn dieser Arbeit soll die Machtergreifung Vespasians und die darauffolgende Regierungszeit der Flavier thematisiert werden, um im Folgenden die Baupolitik Vespasians und Domitians einordnen zu können. Dabei werden die einzelnen errichteten Bauwerke nur kurz be- schrieben oder erwähnt, da vor allem die Art der Bauwerke und deren Wirkung in dieser Arbeit eine Rolle spielen. In diesem Zusammenhang soll der Frage nachgegangen wer- den, ob es eine gemeinsame flavische Baupolitik gibt?

2. Die Zeit der Flavier

Als Vespasian 69 n. Chr. zum Kaiser proklamiert wurde begründete er eine 27 Jahre an- dauernde Dynastie der Flavier, die vor allem durch politische Stabilität gekennzeichnet war. Im Folgenden soll die Regierungszeit Vespasians, Titus und Domitians kurz umris- sen werden.

2.1 Die Machtergreifung Vespasians

Vespasian wurde 9 n. Chr. geboren und durchlief während seiner Karriere alle wichtigen Stationen eines zukünftigen römischen Senators. Er war als Kommandant an der Erobe- rung Britanniens beteiligt, später Prokonsul der Provinz Africa und ab 66 n. Chr, Ober- befehlshaber im Jüdischen Krieg.2 Im Krieg gegen die Juden bewies Vespasian erneut sein Können als Heerführer, wodurch sein Ansehen auch in Rom stieg. Gleichzeitig fiel Nero in Ungnade und am 3. April 68 ließ sich Galba zum Kaiser ausrufen. Allerdings währte seine Regierungszeit sehr kurz, da es ihm nicht gelang Soldaten und Volk hinter sich zu bringen. Aus diesem Grund wurde am 2. Januar 69 der Statthalter Vitellius in Köln von seinen Truppen zum Kaiser ausgerufen. Wenige Tage später ließ sich Otho ebenfalls zum Kaiser ausrufen und wurde sogleich vom Senat und den meisten Provinzen anerkannt. In den folgenden Wochen kam es zu einem Aufstand der Truppen am Rhein, welchen sich auch die Statthalter in Gallien, Britannien und Hispanien anschlossen. Als Folge rückte Vitellius in Italien ein und gewann am 14. April die erste Schlacht, worauf- hin Otho Selbstmord beging und Vitellius vom Senat als Kaiser anerkannt wurde. Die östlichen Provinzen hatten jedoch große Vorbehalte gegen Otho.3 So ließ der Präfekt Ägyptens, Tiberius Julius Alexander, am 01. Juli seine Truppen auf Vespasian schwören. Daraufhin folgten wenige Tage später Vespasians Truppen in Judäa. Im Herbst 69 n. Chr. traf Nero in Alexandria ein, wo er seine Herrschaft durch mehrere Wunderheilungen be- stätigte.4 Zur selben Zeit erklärten 15 Legionen, insbesondere die Donaulegionen, ihre Unterstützung für Vespasian. Unter der Führung des Feldherrn Marcus Antonius Primus drangen die Truppen in Italien ein und besiegten die Truppen des Vitellius in der Ent- scheidungsschlacht von Bedriacum. Im Folgenden kam es zu einem blutigen Kampf um Rom, an dessen Ende Vitellius gefangen und getötet wurde. Am 21. Dezember wurde Vespasian vom Senat als Kaiser anerkannt.5

2.2 Die Regierungszeit Vespasians

„Lange war durch die bewaffnete Revolte dreier Kaiser und deren Ermordung die Herrschaft umstritten und sozusagen schwankend gewesen; da übernahm sie das Geschlecht der Flavier und stellte sie endlich auf eine feste Grundlage.“6

Mit diesen Worten beschreibt Sueton die Machtübernahme und Herrschaft Vespasians und rückt ihn damit, wie von Vespasian gewollt, in eine Linie mit Augustus, der letzte Kaiser, dem es gelang, im ganzen Reich Frieden zu schaffen.7 Nach seiner Machtübernahme begann Vespasian sofort mit der Reformation des Heeres, der Konsolidierung der Staatsfinanzen, der Säuberung des Senats von Anhängern der alten Kaiser und mit dem Wiederaufbau des teilweise zerstörten Roms.

Vespasian war sich bewusst, dass das Heer nach dem Vierkaiserjahr ein großer Unsi- cherheitsfaktor war. Aus diesem Grund löste er Legionen auf und verlegte sie, um seine Macht zu sichern. Des Weiteren provinzialisierte er das Heer, indem er Legionäre auch außerhalb Italiens aushob.8 Gleichzeitig erreichte er eine Grenzstabilisierung durch die Eroberung des heutigen Schwarzwaldgebietes. Die Folge der einzelnen Schritte war eine Entmilitarisierung der inneren Provinzen.9

Nach Sueton säuberte Vespasian die oberen Stände, da sie „durch mancherlei Ermordung erschöpft und durch die alte Gleichgültigkeit entehrt waren.“10 Er ersetzte die freigewor- denen Posten mit ihm treu ergebenen Männern. Des Weiteren erhöhte er die Anzahl der Senatoren angeblich auf 1000 Mitglieder.11 Neben diesen Reformen war ein wichtiges Anliegen Vespasians, die Finanzen des Reiches zu stabilisieren. Er war als „Geizkragen“ und „rücksichtsloser Ausbeuter“ verschrieen, was mit den Entzug von Steuervergünsti- gungen und der Erhebung neuer Steuern zu tun hatte. Das Ziel war es die Staatseinnahmen zu erhöhen. Dazu führte Vespasian den fiscus Iudaicus, den fiscus Asiaticus und den fiscus Alexandrinus ein und entwickelte damit Steuerbezirke, die die jeweiligen Eigenarten der Provinzen nutzten. Gleichzeitig mit diesen neuen Steuern versuchte Vespasian die öffentlichen Ausgaben zu senken, indem die Spiele weniger häufig stattfanden, die Speisung des Volkes und die Geschenke an die Soldaten moderat ausfielen.12 Zur selben Zeit fördert Vespasian den Senatorenstand, Städte die unverschuldet in Not geraten sind und Schriftsteller und Künstler. Des Weiteren begann er mit einem umfangreichen Bauprogramm das teilweise zerstörte Rom wieder aufzubauen.13

2.3 Die Regierungszeit des Titus

Am 23. Juni 79 starb Vespasian im Alter von 69 Jahren. Seine Nachfolge hatt er klar geregelt. Sein Sohn Titus wurde neuer Kaiser. Er schaffte es innerhalb der kurzen zwei- jährigen Regentschaft sowohl das Vertrauen und die Anerkennung des Volkes zu gewin- nen als auch die erfolgreiche Arbeit seines Vaters fortzusetzen. Seine Regierungszeit ist durch drei Naturkatastrophen gekennzeichnet; der Ausbruch des Vesuv (24. August 79), der große Brand in Rom, welcher große Teile zwischen Marsfeld und Capitol zerstörte und der Pestausbruch in Rom.14 Durch die Bewältigung aller drei Katastrophen, durch sofort veranlasste Hilfsmaßnahmen, hat sich Titus als tadelloser Kaiser erwiesen.15 Kurz darauf starb er am 13. September 81, im Alter von 41 Jahren, im gleichen Haus wie sein Vater. Nachfolger wurde sein Bruder Domitian.

2.4 Die Regierungszeit Domitians

Domitian wuchs im Schatten seines Vaters und Bruders auf, die beide versuchten, die Familie als Einheit auftreten zu lassen. Vespasian hatte mit Blick auf die Absicherung der Herrschaft auch Domitian alle Ehren zukommen lassen, welche Titus besaß. Titus hatte ihm dann beim Regierungsantritt als consors successorque (Teilhaber und Nachfolger) bezeichnet. Allerdings hatte der neue Kaiser Domitian andere Vorstellungen von einem modernen Staat, als sein Vater und Bruder.16 Er versuchte nicht seine umfassende Macht zu verbergen, sondern zeigte sie offen. So bekleidete er ohne Unterbrechung das Amt des Konsuls, des Weiteren übernahm er ab 85 n. Chr. die ständige Zensur als censor perpetuus.17 Damit kontrollierte Domitian den gesamten Senat und konnte in dessen Zusammensetzung und in die senatorische Gerichtsbarkeit eingreifen. Wie ein Monarch hatte er in allen Belangen die oberste Entscheidungsgewalt.18

Die senatorische Geschichtsschreibung beschreibt Domitian als Tyrannen und Schurken, was sich jedoch mit der Zurückstellung einflussreicher Senatoren erklären lässt, die nach seinem Tod wieder zu Einfluss erlangt sind. Ihm war mehr an anderen gesellschaftlichen Schichten gelegen. So ließ er immer mehr Ritter in den kaiserlichen Rat aufnehmen und sein allgemeines Interesse galt eher dem zweiten, als dem ersten Stand.19 Des Weiteren ließ Domitian wahrscheinlich mehrere Senatoren hinrichten, schickte andere in die Verbannung und beschlagnahmte ihr Eigentum.20

In der Außenpolitik setzte Domitian die Politik der Grenzsicherung fort, da er kostspielige Kriege vermeiden wollte. Während seiner Regentschaft brachen an der Donau immer wieder Kämpfe mit samatischen Jazygen und mit Dakern aus, welche den Römern meh- rere Niederlagen zufügten. Daraufhin verlegte Domitian Truppen und griff selber in den Kampf ein. 89 n. Chr. nahm der Kaiser Friedensverhandlungen mit Decebalus, dem Füh- rer der dakischen Stämme auf. Dieser unterwarf sich Rom, bekam aber römische Zahlun- gen und Wiederaufbauhilfe im Gegenzug zur Waffenhilfe der Daker. Der Senat bewertete die Außenpolitik von Domitian sehr kritisch, was wohl auch am Zurückdrängen seines Einflusses auf die Regierungsgeschäfte lag.21

Auch auf moralischer und sittlicher Ebene berichten die antiken Quellen negativ von Do- mitian: „Domitian war von übermäßiger Wollust. (…) Man sagte auch, er enthaare seine Liebchen selbst und schwimme mit den gemeinsten Dirnen.“22 Inwieweit diese und ähn- liche Aussagen den Tatsachen entsprachen, lässt sich schwer feststellen.

[...]


1 Vgl. Gering, Domitian, dominus et deus, S. 206.

2 Vgl. König, Die römische Kaiserzeit, S. 85.

3 Vgl. Bengtson, Die Flavier, S. 56.

4 Vgl. Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, S. 9.

5 Vgl. Bengtson, Die Flavier, S. 59.

6 Sueton, Vespasian I 1

7 Vgl. Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, S. 19 f.

8 Vgl. Köster Die Wiederauferstehung Roms unter Kaiser Vespasians Herrschaft und seine diesbezügliche Selbstdarstellung, S. 11.

9 Vgl. Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, S. 21.

10 Sueton, Vespasian IX 2

11 Aurelius Victor, Liber de Caesaribus IX 9, vgl. Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, S. 23.

12 Vgl. König, Die römische Kaiserzeit, S. 90.

13 Vgl. Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, S. 21 f.

14 Vgl. König, Die römische Kaiserzeit, S. 93.

15 Vgl. Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, S. 51.

16 Vgl. König, Die römische Kaiserzeit, S. 94.

17 Cassius Dio LXVII 4,3

18 Vgl. König, Die römische Kaiserzeit, S. 95.

19 Vgl. Pfeiffer, Die Zeit der Flavier, S. 57.

20 Sueton, Domitian X 2-4

21 Vgl. König, Die römische Kaiserzeit, S. 97 f.

22 Sueton, Domitian XXII

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Baupolitik des Vespasians und des Domitians
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Antike)
Veranstaltung
Die Flavier
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V315468
ISBN (eBook)
9783668149250
ISBN (Buch)
9783668149267
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Domitian, Vespasian, Flavier, Baupolitik, Rom, Antike
Arbeit zitieren
Christian Mangold (Autor), 2014, Ein Vergleich der Baupolitik des Vespasians und des Domitians, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315468

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