Eingewöhnungsmodelle finden beim Übergang von der Familie in die Kita oft Anwendung, allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass pädagogische Modelle und Konzepte ohne Sicherstellung der notwendigen Rahmenbedingungen nicht in einem qualitativ hochwertigen Ausmaß umsetzbar sind, von dem die Kinder profitieren können.
Cord Wellhausender, stellvertretender Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, greift genau diese Problematik auf, um die es in dieser Seminararbeit geht:
„Was nützen die Bildungspläne, wenn die Rahmenbedingungen in den Kitas nicht verbessert werden (…). Wem das notwendige Werkzeug fehlt, der kann auch mit der besten Gebrauchsanleitung nichts anfangen“ (vgl. Goers 2009, o.S.).
Im Rahmen dieser Seminararbeit wird darum auf das notwendige „Werkzeug“ eingegangen, über das Kinderkrippen und Kindergärten zur qualitätsvollen Eingewöhnung verfügen sollten. Die Angaben in dieser Seminararbeit beziehen sich ausschließlich auf deutsche und österreichische Literatur.
Die konkrete Forschungsfrage „Welche personellen und institutionellen Rahmenbedingungen sind notwendig, um Modelle zur Eingewöhnung in die Kita realisieren und anwenden zu können?“ bildet den Grundstein dieser Seminararbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Warum Eingewöhnungsmodelle alleine nicht ausreichen
2. Zur Bedeutung einer hochwertigen Eingewöhnung
3. Rahmenbedingungen
3.1 Personelle Rahmenbedingungen
3.2 Institutionelle Rahmenbedingungen
3.2.1 Gruppengröße
3.2.2 ErzieherIn-Kind-Relation
3.2.3 Qualifikation
4. Analyse des Berliner Eingewöhnungsmodells
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht, welche personellen und institutionellen Rahmenbedingungen in Kinderbetreuungseinrichtungen zwingend erforderlich sind, um pädagogische Eingewöhnungskonzepte erfolgreich und zum Wohle des Kindes umzusetzen. Dabei wird aufgezeigt, dass methodische Modelle alleine nicht ausreichen, wenn die strukturellen Voraussetzungen fehlen.
- Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Eingewöhnung für die kindliche Entwicklung
- Anforderungen an personelle Rahmenbedingungen, insbesondere Bindungsfähigkeit
- Strukturqualität durch Gruppengröße und Betreuungsschlüssel
- Qualifikation des pädagogischen Fachpersonals in Deutschland und Österreich
- Kritische Analyse des Berliner Eingewöhnungsmodells im Praxiskontext
Auszug aus dem Buch
4. Analyse des Berliner Eingewöhnungsmodells
Um anhand eines Beispiels die Bedeutung der Sicherung der notwendigen Rahmenbedingungen darstellen zu können, wird das Berliner Eingewöhnungsmodell im folgenden Abschnitt auf seine Verwirklichungsmöglichkeiten und –bedingungen näher untersucht. Damit soll aufgezeigt werden, warum pädagogische Modelle und Konzepte ohne die notwendigen Rahmenbedingungen nicht sinnvoll realisiert werden können.
Das Berliner Eingewöhnungsmodell wird sehr gerne angewendet, da es als sehr erprobt gilt. Es hat sich zum erfolgreichsten Modell für die Eingewöhnung im Laufe der Zeit entwickelt (vgl. Runge 2013, S. 38). Dieses Modell wurde in den 1980er Jahren von Hans-Joachim Laewen, Beate Andrés und Éva Hédervári am Berliner Infans Institut entwickelt und stützt sich auf die Bindungstheorie von John Bowlby. Die Beachtung der Bindung des Kindes an seine Mutter und die verschiedenen Bindungsqualitäten stehen dabei im Mittelpunkt. Die Eingewöhnung nach diesem Modell dauert im Durchschnitt zwischen sieben und maximal 21 Tagen (vgl. Braukhane / Knobeloch 2011, S. 2). Grundlegend ist, dass jedes Kind die Dauer der Eingewöhnungszeit innerhalb des vorgegebenen Rahmens selber bestimmen kann. Je nach Qualität der Bindung an die Mutter oder den Vater kann die Eingewöhnung kürzer oder länger dauern (vgl. ebd., S. 3).
Hierbei ist es sehr grundlegend, als ErzieherIn über die Bindungstheorie Bescheid zu wissen. Da sich das Berliner Eingewöhnungsmodell darauf stützt, kann es ohne Hintergrundwissen zum Bindungsverhalten nicht umgesetzt werden. Durch ein ausgiebiges Informationsgespräch mit den Eltern sollten vor der Aufnahme des Kindes Besonderheiten oder Auffälligkeiten im Bindungsverhalten besprochen werden. Nur so kann die/der ErzieherIn Rücksicht auf die Individualität des Kindes nehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht, dass pädagogische Eingewöhnungsmodelle nur bei gesicherten Rahmenbedingungen effektiv wirken können und definiert die Forschungsfrage sowie den Begriff der Kita.
2. Zur Bedeutung einer hochwertigen Eingewöhnung: Dieses Kapitel legt dar, dass eine angemessene Eingewöhnung traumatische Trennungserfahrungen verhindert und maßgeblich zum Wohlbefinden sowie der Entwicklung des Kindes beiträgt.
3. Rahmenbedingungen: Es wird erörtert, dass personelle und institutionelle Faktoren wie Bindungsaufbau, Gruppengröße und Qualifikation die essenzielle Basis für eine gelungene pädagogische Arbeit bilden.
4. Analyse des Berliner Eingewöhnungsmodells: Das Kapitel untersucht die Voraussetzungen und Stufen des Berliner Modells und verdeutlicht, dass dieses stark von der individuellen Bindungsqualität des Kindes und den institutionellen Gegebenheiten abhängt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Konzepte ohne entsprechende Ressourcen wirkungslos bleiben und betont die Notwendigkeit einer hohen Fachkraftqualität und passender struktureller Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Eingewöhnung, Kita, Rahmenbedingungen, Bindungstheorie, Berliner Eingewöhnungsmodell, pädagogische Qualität, Gruppengröße, ErzieherIn-Kind-Relation, Qualifikation, Elementarpädagogik, Transitionen, frühkindliche Entwicklung, Betreuungsschlüssel, Bindungsqualität, Professionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der notwendigen Qualitätssicherung in Kinderbetreuungseinrichtungen im Kontext der Eingewöhnungsphase von Kleinkindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die personellen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung einer sicheren Bindungsbeziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Welche personellen und institutionellen Rahmenbedingungen sind notwendig, um Modelle zur Eingewöhnung in die Kita realisieren und anwenden zu können?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse von Fachliteratur, Studien und relevanten gesetzlichen Rahmenbedingungen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Relevanz der Eingewöhnung, die Personalsituation, Aspekte der Gruppengröße und Qualifikation sowie das Berliner Eingewöhnungsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Eingewöhnung, Rahmenbedingungen, Bindungstheorie, Prozessqualität und Elementarpädagogik stehen im Zentrum.
Warum reicht das Berliner Eingewöhnungsmodell als Konzept alleine nicht aus?
Das Modell ist ein theoretischer Leitfaden; ohne ausreichende personelle Ressourcen und eine stabile institutionelle Basis kann es seine Wirkung nicht entfalten.
Welche Rolle spielt die Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte?
Eine tiefgründige Ausbildung ist entscheidend, um kindliche Bedürfnisse zu erkennen, Bindungsverhalten zu verstehen und professionell auf Familien einzugehen.
Wie unterscheidet sich die Anforderung an Fachkräfte in Österreich?
Es wird aufgezeigt, dass Anforderungen regional stark variieren und teilweise nur eine minimale Ausbildung vorgesehen ist, was die Notwendigkeit der Akademisierung unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Astrid Pusch (Autor:in), 2015, Rahmenbedingungen zur Realisierung von Eingewöhnungsmodellen in der Kita, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315548