Im Indischen Ozean gibt es seit Jahrhunderten Bewegungen zwischen Indien, Afrika und der Arabischen Halbinsel. Es wurden auf dem Ozean nicht nur Handelsgüter transportiert, sondern auch schon immer Menschen und Ideen. Am deutlichsten ist das am Beispiel der Verbreitung des Islams in diesem Gebiet zu sehen.
Bis zum fünfzehnten Jahrhundert existierten verschiedene Handelsmächte friedlich nebeneinander, jedoch war der Handel seit dem achten Jahrhundert vornehmlich unter der Kontrolle muslimischer Händler der arabischen Halbinsel und dem Indischen Subkontinent. Mit der ökonomischen Expansion ging auch die Verbreitung des Islam einher.
Die Verbreitung des Islam an der gesamten ostafrikanischen Küste ab ca. 780 n.Chr. verdeutlicht besonders gut die frühe historische Vernetzung der Region des Indischen Ozeans und die intensiven Kulturkontakte zwischen den einzelnen Regionen. Die Verbindung von Handel und Islam ermöglichte somit eine enge Vernetzung der Region. Die Entdeckung des Seeweges nach Indien 1497/8 unter Umsegelung der Südspitze Afrikas Richtung Osten durch Vasco da Gama, markiert den Anfang der Kolonialisierung der östlichen Welt durch die Europäer.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handelsniederlassungen in China.
a. Anfänge der Persischen und Arabischen Handelsbeziehungen mit China
b. Entwicklung der Handelsbeziehungen der Muslime mit China
III. Die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handels niederlassungen in Afrika und Indien.
a. Muslimischer Handel mit Afrika.
b. Muslimischer Handel mit Indien und Südostasien.
IV. Die Ausbreitung des Islams im Indischen Ozean.
a. Die Wirtschaftlichen und Machtpolitischen Aspekte für die Ausbreitung des Islams.
b. Der soziokulturelle Aspekt der Islamisierung.
V. Schluss: Die europäische Expansion in den Indischen Ozean
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen islamischen Handelsnetzwerke und die maritime Seefahrt im Indischen Ozean bis zum Einbruch der portugiesischen Kolonialmacht. Dabei wird analysiert, wie wirtschaftliche, politische und soziokulturelle Faktoren die Verbreitung des Islams in den Anrainerregionen von Ostafrika bis Südostasien beeinflussten und den Indischen Ozean zu einem islamisch geprägten Wirtschaftsraum machten.
- Entwicklung islamischer Handelsverbindungen und Niederlassungen in China, Afrika und Indien.
- Wechselspiel zwischen ökonomischer Expansion und religiöser Islamisierung.
- Bedeutung der arabischen Sprache und des islamischen Rechts für die Handelsregulierung.
- Auswirkungen der europäischen Expansion und der damit einhergehende Wandel der Handelsdominanz.
Auszug aus dem Buch
b. Entwicklung der Handelsbeziehungen der Muslime mit China.
Im Jahre 758 nahmen die Ta-shih und Po-sse Kanton ein, was kurzfristig zu einem Stopp des Handelsverkehrs führte.8 Kanton (arab. Khānfū) in Südchina wurde über Jahrhunderte als wichtigster östlicher Punkt einer Handelskette beschrieben, die sich vom Mittelmeerraum in den asiatischen Raum hin erstreckte. Zwar war den Händlern auch die Küste nördlich Kantons bekannt, und Muslime kamen bis Korea (arab. as-Sīla oder ash-Shīla), Khānfū aber war das wichtigste Handelszentrum im Osten. Die muslimische Handelsgemeinde (neben anderen) war so groß, dass ihr von der chinesischen Verwaltung ein eigener Qādhī zugestanden wurde. Auf dem Weg nach Kanton konnten diverse indische Häfen, die Malediven und Ceylon angelaufen werden. Danach wurde die Straße von Malakka (arab. Salāt) durchfahren, bevor an der Küste Indochinas erneut gestoppt wurde: Die Häfen Champas (arab. Sanf) und Hanoi (arab. Lūqīn) waren wichtige Stationen auf der Reise nach China. Für die ganze, nach den Monsunwinden geplante Reise inklusive kürzerer Zwischenaufenthalte berechnet Hourani mindestens ein halbes Jahr.9 Es gab sehr viele Muslimische Kolonien in Handelsstützpunkten entlang des indonesischen Archipels. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts kam es zu einem abrupten Ende des Handels zwischen Sīrāf bzw. al-Ubulla und Kanton, herbeigeführt durch politische Veränderungen in beiden Regionen. In China ging die Zeit der T´ang-Dynastie ihrem Ende zu. Auf der arabischen Seite verlagerte sich der Handelsschwerpunkt vom Persischen Golf auf den Süden der Halbinsel, begünstigt durch die wachsende Vormachtstellung der Fatimiden in Ägypten, mit Aydhāb als Sammelort an der ostafrikanischen Küste und Aden als „gateway“ to China. Der Seehandel aber ging auch nach dem 10. Jhdt. weiter. Arabische und chinesische Schiffe trafen sich im Hafen von Kalāh an der Westküste der Halbinsel von Malakka.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die historische Bedeutung des Indischen Ozeans als Handels- und Kulturraum und definiert das Ziel der Arbeit, die islamische Seefahrt und deren Verdrängung durch europäische Mächte zu untersuchen.
II. Die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handelsniederlassungen in China.: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung des Welthandelsnetzwerks nach dem Aufstieg des Islams und die spezifischen Handelsbeziehungen zwischen dem Kalifat und China.
III. Die Herausbildung islamischer Handelsverbindungen und Handels niederlassungen in Afrika und Indien.: Es wird der muslimische Handel im westlichen Indischen Ozean erläutert, inklusive der Entwicklung wichtiger Handelszentren an der afrikanischen Küste sowie in Indien und Südostasien.
IV. Die Ausbreitung des Islams im Indischen Ozean.: Dieses Kapitel analysiert die wirtschaftlichen, machtpolitischen und soziokulturellen Triebkräfte, die zur Islamisierung der Region und zur Entstehung des Dar al-Islam beitrugen.
V. Schluss: Die europäische Expansion in den Indischen Ozean: Der Schluss fasst den Zusammenbruch der muslimischen Handelsdominanz durch die Ankunft der Portugiesen und anderer europäischer Mächte zusammen.
Schlüsselwörter
Indischer Ozean, Islam, Handelsnetzwerke, Kolonialisierung, Arabische Händler, Handelsniederlassungen, Fernhandel, Islamisierung, Persien, China, Malakka, Monsunsystem, Handelsimperien, Seeweg nach Indien, Wirtschaftsraum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung islamischer Handelsnetzwerke und der islamischen Seefahrt im Indischen Ozean von der Frühzeit bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Handelswege nach China, Afrika und Indien sowie die soziokulturellen und ökonomischen Faktoren der Verbreitung des Islams in diesen Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die islamischen Netzwerke zu untersuchen und aufzuzeigen, wie diese durch die europäische Expansion und den Einbruch der Portugiesen ab 1498 nachhaltig verändert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und historischen Quellen basiert, um die Entwicklungen des Seehandels nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Handelsverbindungen in China, Afrika und Indien sowie die Analyse der verschiedenen Motive und Mechanismen der Islamisierung im Indischen Ozean.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Indischer Ozean, Islam, Handelsnetzwerke, Kolonialisierung, Islamisierung und der historische Übergang zur europäischen Dominanz.
Welche Rolle spielte Malakka für den Handel im Indischen Ozean?
Malakka entwickelte sich im 15. Jahrhundert zum bedeutendsten Handelszentrum und Drehkreuz im Malaiischen Archipel, das Händler aus aller Welt anzog, bis es 1511 von den Portugiesen erobert wurde.
Wie trug die Pilgerreise (Hadsch) zur Vernetzung der islamischen Welt bei?
Die Hadsch förderte den Austausch von Wissen, Kultur und Ideen zwischen den verschiedenen Teilen des Dar al-Islam und ermöglichte es muslimischen Reisenden, sich überall im Netzwerk heimisch zu fühlen.
- Arbeit zitieren
- Ulas Incedal (Autor:in), 2014, Die Islamische Handelsschifffahrt und die Verbreitung des Islams im Indischen Ozean vom 8. Jahrhundert bis zum 15. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315593