Die Stellung Jesu im Quran und in der islamischen Theologie

Jesus als Sohn Gottes oder "nur" ein Prophet?


Forschungsarbeit, 2015

20 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jesus in den weltlichen Dokumenten
2.1. Tacitus
2.2. Flavius Josephus

3 Biblische Quellen und Christliche Zeugnisse

4. Jesus der Prophet

5. Jesus im Quran
5.1. Jesu Herkunft
5.2. Jesu Geburt
5.3. Jesu Wirken
5.4. Jesu Tod

6. Die Kreuzigung
6.1. Ein Prophet am Kreuze?
6.2. Erlösung der Menschheit

7. Die Auferstehung

8. Sohn-Gottes contra Prophet

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Christentum und der Islam sind aufgrund ihrer gemeinsamen Vorgeschichte und ihres Bekenntnisses zu dem „einen“ Schöpfer der Welt, der sich den Menschen offenbart mittels seiner Propheten, zutiefst miteinander verwurzelt: „Gott ist einer” (Der Brief an die Römer, Kapitel 3,30) „Er ist Gott, ein einziger” (Sure 112,2, nach der Übersetzung der Ahmadiyya) Diese Tatsache ändert sich nicht, obwohl die Beziehungen zueinander über Jahrhunderte von sich stark abgrenzenden und gegensätzlichen Modellen geprägt waren, die sich bis heute gesellschaftlich und politisch auswirken. Der Islam ist die einzige Glaubensgemeinschaft, die sich in ausdrücklicher Weise und auf ihre heilige Schrift berufend, vom Jesusbild im Christentum abgrenzt und die christliche Heilslehre in Frage stellt. Die folgenden Ausführungen untersuchen Aussagen des Koran, der heiligen Schrift der Muslime, über Jesus, den Religionsstifter und Herrn der Christen. Der Koran bezieht sich in 93 Versen1 auf ihn (dort in der Schreibweise „Isa“ und andere Attribute und Namen).2 Dieses Häufigkeit, die ohne Parallelen in anderen Religionen ist, mag daher rühren, dass der Islam aus judenchristlichen Gruppierungen hervorgegangen ist. Noch der Kirchenvater Johann Damascenus (gestorben 750) betrachtete den Islam als christliche Ketzerei.3 So kann der christlich-islamische Dialog „ von beiden Seiten her auf der Basis der jeweiligen Heiligen Schrift4 geschehen bzw. ist schon durch die Abfassung des Koran in Gang gesetzt. Im Folgenden wird der Versuch unternommen, dass Jesusbild im Koran nachzuzeichnen, um herauszuarbeiten, inwiefern sich der Prophet „Isa abu Maryam“ von „Jesus von Nazareth“ in der Bibel unterscheidet.

Im 2. Kap. der Arbeit wird auf die weltlichen Dokumente über Jesus eingegangen, um aufzuzeigen, dass es diesbezüglich auch verschiedene Ansichten über sein Leben und Wirken gibt. In Kap. 3. wird dann auf die biblischen Quellen eingegangen. Das 4. Kapitel geht kurz auf den Begriff Prophet im islamischen Sinne ein. Danach folgt die Gliederung der Arbeit chronologisch, aus der Sicht des Quran, am Leben Jesu entlang: Herkunft (Kap.5.1) Geburt (Kap. 5.2), irdisches Wirken (Kap. 5.3), Jesu Tod (Kap. 5.4). Danach wird im Kap.6 die Kreuzigung behandelt. Zum Schluss werden in den Kapiteln 7 und 8 die Auferstehung und Trinität dezidiert polemisch behandelt. Es wird dabei durch den Verfasser versucht, zu den Aussagen des Koran über Jesus, sein Leben, seine Lehre und sein Wirken aus christlicher (neutestamentlicher oder dogmatischer) Perspektive Stellung zu beziehen.

In diesem Zusammenhang muss vorausgeschickt werden, dass der Verfasser es nicht für falsch hält, den Koran auf seine „Fehler“ hin zu untersuchen. Wenn wir die Maßstäbe einer historischkritischen Exegese an unsere eigene Heilige Schrift legen, halte ich es sogar für geboten, den Koran genauso zu betrachten. Diese Problematik ist in der zeitgenössischen Theologie nicht unumstritten, der zitierte Martin Bauschke und Johan Bouman stehen jeweils für eine Extremposition in dieser Frage.5 Desweiteren ist anzumerken, dass die Quranstellen, die in dieser Arbeit benutzt wurden, aus der Online Quran Übersetzung der Ahmaddiya Gemeinde stammen.6

2. Jesus in den weltlichen Dokumenten

Etwa vierzig Jahre nach Jesu Tod, erwähnten auch einige nichtchristliche Autoren Jesus erstmals. Ihre wenigen Notizen zeigen verschiedene Haltungen, die von Sympathie und neutraler Distanz bis zu Ablehnung und Verachtung reichen. Bei einigen ist unsicher, ob sie sich auf Jesus von Nazaret beziehen und auf eigenen Nachforschungen beruhen oder ob sie lediglich auf christliche Überlieferung reagieren. Deshalb ist ihre Relevanz für die Historische Jesusforschung umstritten. Zumindest geben sie Aufschluss über die Rezeption urchristlicher Jesusüberlieferung in der nichtchristlichen Geschichtsschreibung des 1. und 2. Jahrhunderts. Da die vorliegende Hausarbeit aber nicht die Historische Jesusforschung im Fokus hat, sollen nur zwei der Autoren zu Wort kommen.

2.1 Tacitus

Publius Cornelius Tacitus (55-ca.117 n. Chr.), ein zuverlässiger römischer Historiker,7 Senator, Prokonsul und Statthalter über Asien schrieb um 116 n. Chr. in seinen Annalen im XV. Buch über den Brand Roms (6 Tage lang konnte der Brand nicht gelöscht werden und so wurden von 14 Bezirken 10 fast vollständig zerstört, also ca. 70% der Stadt) und das hartnäckige Gerücht, Nero habe den Brand legen lassen, (der um 64 n. Chr. stattfand) folgendes:

„[…] Der Urheber dieses Namens, Christus , wurde auf Befehl des Procurators Pontius Pilatus (26 - 36) hingerichtet, als Tiberius Kaiser war (14 - 37). Aber der tödliche Kult, obwohl er eine Zeit lang unter Kontrolle gehalten wurde, brach nicht nur in Judäa aus, dem Ursprung diesesübels, sondern auch im gesamten Rom, wo alle scheußlichen und geschmacklosen Ideen aus der ganzen Welt eindringen und bereitwillige Nachfolger finden.[…]“8

2.2 Flavius Josephus

Flavius Josephus (Joseph ben Mathitjahu), ein jüdischer Historiker (37-100 n. Chr.) und Pharisäer schrieb in seinem Werk „ Jüdischen Altertümer

„Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihnüberhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger ihm nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorherverkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht das Volk der Christen, die sich nach ihm nennen, fort.“9

Die kursiv gesetzten Worte sind wohl christliche Zusätze. Seit der Reformation und dem beginn der historischen Jesus Forschung, werden einige Teile als interpolation christlicher Kopisten beurteilt.10 Die zweite Stelle (Jakobusnotiz) bei Josephus erwähnt die Hinrichtung des Jakobus ( jhr.65) unter dem sadduzäischen Hohenpriester Hannas II.:

Zur Befriedigung seiner Hartherzigkeit glaubte Ananus jetzt, da Festus gestorben, Albinus aber noch nicht angekommen war, eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben. Er versammelte daher den Hohen Rat zum Gericht und stellte vor diesen den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ. “ 11

Laut Gerd Theißen wirkt diese Aussage nicht als Einfügung. Dennsie zeigt kein Interesse da an Jesus, sondern ihn lediglich nennt, um seinen Bruder Jakobus zu bestimmen. Was die Intention des Verfassers auch ist. Auch der Christustitel erscheint nur, um Jesus von anderen Juden dieses Namens, dreizehn kommen allein in den „Altertümern“ vor, zu unterscheiden.12

3. Biblische Quellen und Cristliche Zeugnisse

Die biblischen und Christlichen Zeugnisse, die wir über Jesus haben, werden primär aus den vier kanonischen Evangelien, den Paulusbriefen, einigen Apokryphen und außerhalb davon überlieferten Einzelworten gewonnen. Diese Texte stammen von Urchristen jüdischer Herkunft, die an die Auferstehung Jesu Christi glaubten (Mk 16,6; Apg 2,32).13 Das NT überliefert die Botschaft von Jesus Christus in verschiedenen Literaturformen für verschiedene Zwe>

- in 21 Briefen an bestimmte christliche Gemeinden oder einzelne Personen mit missionarischen, seelsorgerlichen, praktischen und lehrhaften Inhalten
- in vier Evangelien, von denen zwei Jesu Geburt, alle vier sein Auftreten, Reden und Handeln, vor allem aber sein Leiden, Sterben und Auferstehen erzählend darstellen,
- in einer Apostelgeschichte, die den Verlauf der urchristlichen Mission unter Lenkung des Heiligen Geistes von Jesu Erscheinung nach seinem Tod bis zu der Überführung des Paulus von Tarsus nach Rom darstellt,
- in der Johannesoffenbarung, die Endzeitvisionen in der Tradition der jüdischen Apokalyptik

[...]


1 Pöhlmann, H.G: Jesus im Islam und Christentum, in: Verantwortete Exegese. Hermeneutische Zugänge - exegetische Studien - systematische Reflexionen - ökumenische Perspektiven - praktische Konkretionen (FS Franz Georg Untergaßmair) Berlin-Münster 2006, 495-501;

2 Sohn der Maria: ibn maryam; Gesandter Gottes: rasul-ullah; Wort Gottes: kalimat-ullah; Geist Gottes: ruh-ullah; Diener Gottes : abd-ullah.

3 Glei, Reinhold (Hrsg.): Schriften zum Islam. von Johannes Damaskenos und Theodor Abu Qurra. Kommentierte griech.-dt. Textausgabe (Corpus Islamo-Christianum, Series Graeca 3). Echter, Würzburg; Oros, Altenberge 1995, S.65. „ Von dieser Zeit bis in die Gegenwart war in ihrer Mitte ein falscher Prophet namens Mohammed. Dieser Mann hatte, nachdem er etwas vom Alten und Neuen Testament undähnlichem gehört und wie es scheint Gespräche mit einem arianischen Mönch gehabt hatte, seine eigene Häresie ersonnen “

4 Bauschke, Martin: Jesus im Koran und im Islam, in: Werner Zager (Hrsg.): Jesus in den Weltreligionen, , Neukirchen-Vluyn 2004, S. 59.

5 Bauschke meint, dem Islam sehr weit entgegen kommen zu können (vgl. seine „Thesen zum christlichislamischen über Jesus“ (S. 83-86), während Bouman deutlich betont, dass sich Christusglaube und Allah gegenseitig ausschließen. Bouman , Johan: Christentum und Islam im Vergleich, Das Leben gestalten - den Tod überwinden, Brunnen Verlag, Gießen 1982, S. 82 ff.

6 http://www.ahmadiyya.de/der-heilige-koran/deutsche-uebersetzung.html. Aufgerufen am 10.07.2015

7 Schmal, Stephan: Tacitus, Hildesheim 2005. S. 12.

8 Tacitus: Annalen. Lateinisch-Deutsch. Hg. von Erich Heller. Mit einer Einführung von Manfred Fuhrmann (Sammlung Tusculum). 3. Aufl. Düsseldorf und Zürich 1997. XV,44.

9 Flavius, Josephus: Jüdische Altertümer. Übersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Heinrich Clementz. Mit Paragraphenzählung nach Flavii Josephi Opera recognovit Benedictus Niese (Editio minor), Wiesbaden 2004. XXIII, 63 - 64.

10 Siehe dazu: Theißen, Gert; Merz, Annette: Der historische Jesus: Ein Lehrbuch, Göttingen 2001, S. 75.; und Meier, John,P.: A Marginal Jew: Rethinking the Historical Jesus, Volume One: The Roots of the Problem and the Person, Yale University Press, 1991, S. 36.

11 Josephus, Flavius: Jüdische Altertümer, XX, 200.

12 Vgl. Theißen: Der historische Jesus, S. 411.

13 Bibelstellen werden nachfolgend nach der Einheitsübersetzung zitiert und den Loccumer Richtlinien gemäß abgekürzt.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Stellung Jesu im Quran und in der islamischen Theologie
Untertitel
Jesus als Sohn Gottes oder "nur" ein Prophet?
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für evangelische Theologie)
Autor
Jahr
2015
Seiten
20
Katalognummer
V315594
ISBN (eBook)
9783668153868
ISBN (Buch)
9783668153875
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stellung, jesu, quran, theologie, jesus, sohn, gottes, prophet
Arbeit zitieren
Ulas Incedal (Autor), 2015, Die Stellung Jesu im Quran und in der islamischen Theologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315594

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