I. Einleitung
Fernreisen von den „Ländern der Reichen in die Länder der Armen“ haben seit einiger Zeit Hochkonjunktur.
1986 hat der Studienkreis für Tourismus in der BRD eine Reiseanalyse durchgeführt, die ergeben hat, daß das Interesse für Fernreisen als „modische Reiseart“ zugenommen hat und 46% der Befragten Fernreisen als „in“ betrachten .
Die Sehnsucht und die Vorstellung bald an einem Ort zu sein, der Exotik, Fremdartigkeit, unberührte Völker und Landschaften, vielleicht sogar das Paradies verspricht, ist die Haupttriebkraft der Fernreisenden.
Die Fragen, die sich stellen, und diese werden in der Geographie sehr kontrovers diskutiert, sind ob diese Tatsache einen Vorteil oder einen Nachteil des potentiellen Gastlandes darstellt, und wie sich der Tourismus auf die Wirtschaft, Gesellschaft, sowie das naturräumliche Potential auswirkt.
Angesichts der Tatsache, daß der internationale Tourismus zu den am schnellsten wachsenden Sektoren der Weltwirtschaft gehört und unumstritten ein wichtiger Devisenbringer für die Gastländer darstellt, läßt sich sagen, daß er sich ökonomisch betrachtet durchaus positiv auswirkt.
Die Frage, die sich aber stellt ist, ob der wirtschaftliche Vorteil auch den Schaden kompensiert, den er der Gesellschaft und der Kultur des Gastlandes zufügt.
Am Fallbeispiel Bali und dem dortigen Kulturtourismus wird im Folgenden näher auf diese Thematik eingegangen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Tourismus in Entwicklungsländern
1. Begriffsklärung
2. Entwicklung und Geschichte
3. Wirtschaftliche Bedeutung
III. Fallbeispiel Bali
1. Zahlen und Fakten
2. Die Geschichte Balis
3. Entstehung des Tourismus auf Bali
3.1. Anziehungspunkte der Insel
3.2. Imageaufbau
3.3. Staatliche Unterstützung
3.4. Ökonomische Effekte
4. Kulturtourismus auf Bali
4.1. Kultur als Marker für Bali
4.2. Folgen und Probleme des Kulturtourismus
4.3. Lösungsansätze
IV. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Nutzen und kulturellen sowie ökologischen Auswirkungen des internationalen Tourismus in Entwicklungsländern am konkreten Beispiel von Bali, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, ob der wirtschaftliche Vorteil die negativen sozialen und kulturellen Folgen kompensieren kann.
- Strukturelle Analyse des Tourismus in Entwicklungsländern
- Historische Entwicklung und Imagebildung des Tourismus auf Bali
- Kulturtourismus und das Phänomen der "Balinization of Bali"
- Ökonomische Effekte im Vergleich zu sozio-kulturellen Kosten
- Lösungsansätze durch den "Sanften Tourismus"
Auszug aus dem Buch
3.1. Anziehungspunkte der Insel
Die Frage, die hier im Vordergrund steht ist die Frage nach den Reisemotiven der Gäste. Was sind die Besonderheiten Balis und was zieht Reisende dort hin?
Einerseits spielt das naturräumliche Potential der Insel eine große Rolle. Bali ist landschaftlich betrachtet sehr attraktiv: „It has a volcanic core with calderas, lava flowers and a limited number of upland lakes. Forested uplands give way to well-watered terraced slopes where the sawah (irrigated rice fields) constitute a beautiful, manicured, highly productive, humanized landscape which is also a tourist attraction. The island is fringed both with white and black sand beaches, cliffs, reefs and mangroves, the last remaining large example of which is to be found in Benoa Bay in the south.“ Diese eindrucksvolle Beschreibung umfaßt das breitgefächerte Landschaftsbild sehr gut. Sea-Sand-Sun sind dominierend, sowie die Möglichkeit verschiedene Outdoor-Aktivitäten auszuüben (wie river-rafting und bungee-jumping).
Ein weiterer Anziehungspunkt in der Vergangenheit war das Anfang der 1960er entstandene Image, daß Bali die Insel der freien Liebe und billigen Drogen sei.
Heute jedoch ist, neben den landschaftlichen Besonderheiten, vor allem die Kultur und Religion und die damit verbundenen Sitten und Bräuche von Bali die anziehende Kraft für Fernreisende. Bali wird in der Literatur häufig sehr treffend als „living museum“ bezeichnet. „Thus is that culture - in the case in point, mostly narrowed down to artistic and ceremonial manifestations - became Bali´s defining feature, providing the common ground on which Dutch orientalists and American anthropologists, artists and tourists could encounter each other and the Balinese.“ Auf den Kulturtourismus auf Bali wird im Weiteren noch genauer eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung des Ferntourismus und Definition der grundlegenden Problematik zwischen ökonomischen Zielen und kulturellen Auswirkungen im Gastland.
II. Tourismus in Entwicklungsländern: Erläuterung der Begrifflichkeiten, historische Einordnung in sechs Phasen und Analyse der wirtschaftlichen Chancen sowie Herausforderungen.
III. Fallbeispiel Bali: Detaillierte Betrachtung der geografischen, historischen und touristischen Entwicklung Balis inklusive der staatlichen Förderstrategien und ökonomischen Auswirkungen.
IV. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Wohlstand und kultureller Identität als zentrales, unlösbares Dilemma identifiziert.
Schlüsselwörter
Tourismus, Entwicklungsländer, Bali, Kulturtourismus, Ökonomische Effekte, Balinization, Sanfter Tourismus, Reiseverhalten, Authentizität, Sozio-kulturelle Auswirkungen, Massentourismus, Reisemotive, Kulturressourcen, Bali-Nirwana-Projekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Nutzen und den kulturellen sowie ökologischen Herausforderungen durch den internationalen Tourismus in einem Entwicklungsland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung des Tourismus, die wirtschaftliche Bedeutung für Entwicklungsländer, der spezielle Fokus auf den Kulturtourismus auf Bali sowie Lösungsstrategien für eine nachhaltigere Tourismusgestaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob der durch den Tourismus erzielte wirtschaftliche Fortschritt die potenziellen negativen sozialen und kulturellen Auswirkungen auf das Gastland tatsächlich kompensieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geographische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, Reiseanalysen, offiziellen Berichten (Weltbank, UN) und verschiedenen Fallstudien zum Thema Tourismus auf Bali basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Tourismus und Entwicklung, die verschiedenen Phasen der Tourismusgeschichte, die spezifische Situation auf Bali (Image, Geschichte, staatliche Steuerung) sowie das Dilemma des Kulturtourismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Tourismus, Bali, Kulturtourismus, Ökonomische Effekte, Sanfter Tourismus und Authentizität.
Wie wird das Phänomen der "Balinization of Bali" definiert?
Der Begriff beschreibt den Prozess, in dem die balinesische Kultur gezielt zu einer marktfähigen Ressource (Capital statt nur Heritage) für den Tourismus umgewandelt wurde, um sich gegen zerstörerische Einflüsse zu wappnen.
Welche Rolle spielt das Bali-Nirwana-Projekt in der Analyse?
Das Projekt dient als Fallbeispiel für die negativen Auswirkungen und die Vernachlässigung lokaler religiöser Bedürfnisse zugunsten ökonomischer Interessen, was zu Demonstrationen und Widerstand in der Bevölkerung führte.
- Quote paper
- Imke Sander (Author), 2000, Tourismus in Entwicklungsländern am Fallbeispiel Bali, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3156