Kulturtransfer in der Literatur. Transferprozesse in Chinua Achebes "Things Fall Apart"


Seminararbeit, 2015
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kulturtransfer
1.1 Begriffsbestimmung
1.2 Strukturelemente des Kulturtransfers
1.2.1 Selektionsprozesse
1.2.2 Interkulturelle Vermittlungsprozesse
1.2.3 Rezeptionsprozesse

2. Things Fall Apart
2.1 Literarische Einordnung und geschichtlicher Hintergrund
2.2 Die Igbo-Kultur
2.3 Chinua Achebe
2.4 Inhalt und Interpretation

3. Beschreibung des Kulturtransfers nach Chinua Achebe
3.1 Selektionsprozesse
3.2 Interkulturelle Vermittlungsprozesse
3.2.2 Herr Brown
3.2.3 James Smith
3.3 Rezeptionsprozesse
3.3.1 Allgemeine Ablehnung
3.3.2 Übergangsperiode
3.3.3 Kapitulation und offenes Ende

4. Schlussfolgerung
4.1 Beantwortung der Forschungsfrage

5. Resümee und Conclusio
5. Bibliographie
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur
5.2.1 Selbstständige Werke
5.2.2 Internetquellen mit bekannter Autorin/bekanntem Autor

6. Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Die folgende Arbeit, die am Zentrum für Translationswissenschaft verfasst wurde, trägt den Titel „Kulturtransfer in der Literatur am Beispiel Chinua Achebes Things Fall Apart “.

In der Literatur gibt es zahlreiche Werke, die sich mit kulturellem Transfer auseinandersetzen und auch Probleme zwischen zwei Kulturen charakterisieren und analysieren. Der Roman, auf den in den folgenden Kapiteln noch genau eingegangen wird, wurde ausgewählt, weil er als der meistgelesenste Roman Afrikas gilt. Diese Erzählung spielt etwa im Zeitraum der Jahre um 1890 und hat den Zerfall eines afrikanischen Clans durch westliche Missionare (und in Folge durch deren Kulturtransfer) zum Thema. Im Mittelpunkt steht dabei das Scheitern der Hauptperson, Okonkwo. Der Titel Things Fall Apart ist auf das Gedicht The Second Coming von Wiliam Butler Yeats angelehnt (vgl. Sutherland 2014:101).

In dieser Seminararbeit, die sich eingehend mit dem oben genannten Werk Chinua Achebes beschäftigt, soll die folgende Frage möglichst ausführlich beantwortet werden:

„Wie beschreibt der Autor Chinua Achebe den Kulturtransfer in seinem Werk Things Fall Apart ?“

Um diese Frage so detailliert wie möglich analysieren zu können, ist die Arbeit in mehrere Kapitel mit verschiedenen Unterthemen gegliedert.

Zu Beginn erfolgen mehrere Begriffsdefinitionen, um den Inhalt der Seminararbeit unmissverständlich für die LeserInnen zu klären. Dabei wird zunächst der Begriff Kulturtransfer genau definiert, weil die Arbeit unter diesem Oberbegriff steht und verfasst ist. Im Anschluss sollen auch Strukturelemente des Kulturtransfers genannt werden. Dabei werden die drei Begriffe Selektionsprozesse, Interkulturelle Vermittlungsprozesse und Rezeptionsprozesse definiert, weil die Untersuchung der Forschungsfrage anhand dieser Termini erfolgt. Diese Fachwörter stammen aus dem Werk Kulturtransfer – methodisches Modell und Anwendungsperspektiven von Hans-Jürgen Lüsebrink.

Das zweite Kapitel konzentriert sich auf den Inhalt des ausgewählten Werkes und den Autor Chinua Achebe. Es soll auch einen kurzen, aber verständlichen Überblick über den geschichtlichen Hintergrund des Romans und über die Igbo-Kultur geben, weil diese beiden Aspekte sich als nicht uninteressant für die Beantwortung der Forschungsfrage darstellen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Arbeit sich nur um den Inhalt des oben genannten Werkes dreht und keine Analyse der realen historischen Ereignisse erfolgt.

Das darauffolgende Kapitel widmet sich der Analyse der beiden Kulturen des Buches Things Fall Apart. Dabei soll auch konkret der kulturelle Transfer analysiert werden, der als Kern der Forschungsfrage gilt. Hierbei wird auf die oben genannten Termini aus dem Werk Lüsebrinks eingegangen, wobei die Rezeptionsprozesse den größten Stellenwert einnehmen.

Im Anschluss daran sollte es möglich sein, die zu Beginn gestellte Frage zu beantworten und genauer darauf einzugehen. Dies geschieht im Rahmen einer Schlussfolgerung und Zusammenfassung, die die wichtigsten Punkte beinhalten, die behandelt worden sind. Die Seminararbeit schließt mit einem kurzen Resümee und einer Conclusio ab.

1. Kulturtransfer

Wie bereits in der Einleitung erwähnt wurde, ist diese Arbeit thematisch dem Oberbegriff Kulturtransfer einzuordnen. Zu Beginn dieses Kapitels muss der Ausdruck Kulturtransfer also definiert werden, um eine weitere Auseinandersetzung mit diesem Thema zu ermöglichen. In einem nächsten Unterkapitel geht es um Strukturelemente des Kulturtransfers und die Differenzierung dreier Prozesse. Diese Prozesse sind für die Analyse der Forschungsfrage von zentraler Bedeutung und müssen daher im Vorhinein genau definiert werden.

1.1 Begriffsbestimmung

Der Terminus Kulturtransfer wird als dynamischer Prozess verstanden und bezieht sich auf sogenannte interkulturelle Wechselbeziehungen, die sowohl raum- als auch gesellschaftsübergeifend stattfinden können (vgl. Espagne/Werner 1985:502ff.).

Das heißt, dass es innerhalb einer Kultur oder in zwei oder mehreren Kulturen immer wieder zu einer Übernahme kultureller Erscheinungen bzw. Eigenheiten kommt. Der Begriff konzentriert sich vor allem auf den Ablauf dieser Übernahme. Den Grund für seine Dynamik stellt auch die Unterscheidung dreier Prozesse dar, auf die im nächsten Punkt noch genauer eingegangen wird: Selektionsprozesse, Interkulturelle Vermittlungsprozesse und Rezeptionsprozesse.

Eine einfacher verständliche Definition gibt Hans-Jürgen Lüsebrink, der von Kulturtransfer als „die interkulturelle Vermittlung von Texten, kulturellen Objekten, Diskursen und Praktiken in einem [...] kulturellen System“ ausgeht. (Lüsebrink 2001:213)

Dabei können die vermittelnden Objekte sowohl materiellen als auch geistigen Hintergrundes sein (vgl. Croes 2010:4).

Im Gebiet der Archäologie ist Kulturtransfer vor allem durch Funde bzw. Befunde nachweisbar, die aufzeigen, dass Praktiken oder Bräuche einer Kultur in ein geographisch oder kulturell anderes Gebiet übertragen worden sind (vgl. Kleingärtner 2009:12).

Die Forschung über Kulturtransfer ist ein eher junger Ansatz der Kulturwissenschaften. Dabei kommt es zur Untersuchung der Relationen und Verknüpfungen zwischen Kulturen. Zusätzlich wird ein Vergleich der dabei ablaufenden Prozesse und Phänomene angestrebt (vgl. Mitterbauer).

1.2 Strukturelemente des Kulturtransfers

Wenn Kulturtransfer als Vermittlung von Texten, Diskursen, Objekten oder auch Praktiken definiert wird, ergeben sich drei Untersuchungsebenen, die von zentraler Rolle sind: das kulturelle System der Ausgangs- und der Zielkultur und die Gegenstände etc., die vermittelt werden.

Kulturtransferprozesse sind interkulturelle Vermittlungsvorgänge. Diese werden – im Gegensatz zu Abläufen wie Akkulturation und Rezeption als dynamisch angesehen, weil sowohl die sogenannten dinglich-materiellen als auch die geistig-intellektuellen Phänomene von Kulturen im Fokus sind. Des Weiteren wird der qualitativ-interpretierende Ansatz mit einer quantitativ-seriellen Erfassung und Bearbeitung kombiniert (etwa bei größeren Textcorpora) (vgl. Lüsebrink 2001:214). Hierbei erfolgt auch die Differenzierung der drei Prozesse, die bereits in Kapitel 1.1 genannt wurden: Selektions-, Interkulturelle Vermittlungs- und Rezeptionsprozesse. Diese genannten Abläufe stammen aus dem Werk Kulturtransfer – methodisches Modell und Anwendungsperspektiven von Hans-Jürgen Lüsebrink. Eine einführende Erklärung, worum es bei den Prozessen geht, erfolgt in den anschließenden Unterkapiteln. Diese ist notwendig, um die Forschungsfrage ausführlich beantworten zu können.

1.2.1 Selektionsprozesse

Wie das Wort Selektion bereits verrät, geht es hierbei um die spezifische Auswahl der Objekte, Texte oder anderer Güter, die dem Kulturtransfer unterliegen sollen, und mit welcher Intensität diese von der Zielkultur übernommen werden. Dabei spielen vor allem Quantität und Qualität eine zentrale Rolle. Ein konkretes Beispiel wird anhand von Übersetzungen gegeben: Nicht alle Bücher (zum Beispiel aus dem französisch Raum) werden übersetzt, sondern nur diejenigen, die für die Zielkultur von großem Wert oder Interesse sein könnten, oder gerade im Trend liegen (vgl. Lüsebrink 2001:215f.).

1.2.2 Interkulturelle Vermittlungsprozesse

Der Begriff Vermittlung impliziert bereits, dass es jemanden oder etwas geben muss, der (oder das) die Transferfunktion erfüllt. Diese sogenannte Mittlerebene umfasst

- personale Vermittler: Journalisten, Reisende, Auslandskorrespondenten oder auch Lehrer
- Mittlerinstitutionen: Kulturinstitute, kulturpolitische Abteilungen, Fernsehsender, die zwei Kulturen umschließen, Verlage mit Spezialisierung auf ausländische Literatur
- und mediale Mittlerinstanzen: Printmedien, Hörfunk, audio-visuelle Medien. (vgl. Lüsebrink 2001:216).

Eine ähnliche Aufzählung differenziert zwischen individuellen, professionellen und institutionellen Vermittlern, umschließt aber nicht die mediale Ebene (vgl. Emrich 2014:131).

Bei der Analyse der Interkulturellen Vermittlungsprozesse wird das Modell von Lüsebrink verwendet, weil auch die anderen beiden untersuchten Prozesse aus seinem Werk stammen.

1.2.3 Rezeptionsprozesse

Als Rezeption wird die Form der Aneignung und Integration von Kulturgütern (Objekten, Texten oder auch Praktiken) verstanden. Hierbei wird zwischen den folgenden fünf Kategorien der Integration differenziert:

1. Übertragung: zum Beispiel eine Übersetzung oder ein Nachbau transferierter kultureller Artefakte
2. Nachahmung: Arten von Eigenschöpfungen, in denen das Muster der Ausgangskultur jedoch noch zu erkennen ist
3. kulturelle Adaption: Veränderungen von transferierten Objekten je nach Werten und Standpunkten der Zielkultur
4. Kommentarformen: Hinzufügen eines Kommentars, also diskursive Bedeutungsgebung und -interpretation
5. Produktive Rezeption: das Gegenteil einer Nachahmung; eher eine Umdeutung oder ein sogenannter „negativer Kulturtransfer“ (vgl. Lüsebrink 2001:216ff.).

Beim negativen Kulturtransfer wird die Bedeutung der transferierten Objekte abgeändert oder sogar ins komplette Gegenteil umgewandelt (vgl. Croes 2010:5).

Es ist außerdem möglich, dass sich Formen der „kulturellen und mentalen Resistenz“ (Lüsebrink 2005:140) bemerkbar machen. Dabei werden fremde Kulturgüter nur ungern bzw. sehr langsam aufgenommen.

2. Things Fall Apart

Um zu analysieren, wie Chinua Achebe den Kulturtransfer in seinem Werk Things Fall Apart beschreibt, werden in diesem Abschnitt zunächst allgemeine Informationen zum Autor, dem Werk selbst und dessen Inhalt angeführt. Außerdem wird ein kurzer Überblick über den literarischen und den geschichtlichen Hintergrund des Romans gegeben. Wie bereits erwähnt, gelten all diese Angaben als essentielles Vorwissen für ein besseres Verständnis des Themas und dienen der Beantwortung der Forschungsfrage.

2.1 Literarische Einordnung und geschichtlicher Hintergrund

Der Roman Things Fall Apart erschien 1958; er entstand also in der Nachkriegsphase Nigerias und zwei Jahre vor seiner Unabhängigkeit. In diesem Zeitraum gab es ebenfalls einen starken Trend in Richtung Rückbesinnung auf afrikanische Bräuche.

Achebe verfasste mit diesem Roman das Werk der modernen Literatur Afrikas und bis heute wurden über drei Millionen Ausgaben verkauft. Das Buch existiert außerdem bereits in mehr als 30 Sprachen. Die deutsche Übersetzung stammt zum Beispiel von Dagmar Heusler und Evelin Petzold – in dieser Arbeit wird jedoch die Originalversion von Chinua Achebe behandelt. Mit Things Fall Apart möchte er Autor aufzeigen, dass Afrika bereits vor der Einwanderung von Europäern eine eigenständige Kultur besaß. Es erfolgt also keine Zivilisation durch ein fremdes Volk. Des Weiteren will Achebe die Lebensweise der Igbo beschreiben und dabei auch ihre Bräuche, Rituale und Feste beschreiben und somit anderen Menschen näherbringen, die diesen Clan nicht kennen (vgl. Heusler/Petzold 1983:2). Der reale, geschichtliche Hintergrund ist für die weitere Analyse zwar nicht relevant und wird daher relativ kurz gehalten. Er soll aber eine Erklärung dafür liefern, warum die Briten nach Afrika (und im Besonderen nach Nigeria) kamen.

Für Großbritannien spielte das Thema Handel bereits seit langer Zeit eine große Rolle – mithilfe von guten Handelsbeziehungen sollten in kurzer Zeit noch viel mehr finanzielle Mittel angesammelt werden. In diesem Zusammenhang waren die Briten vor allem an Beziehungen mit Indien interessiert, da dieses Land eine Vielzahl an Gütern besaß. Aufgrund der geographischen Lage wurde auch Afrika bald für die Briten interessant und der sogenannte Afrika-Handel bildete bald einen Teil des britischen Handelsimperiums (vgl. Wende 2012:63ff.).

Sie entdeckten unter anderem die Gold- und die Sklavenküste, von denen sie durchaus profitieren konnten. In Gebieten in der Nähe dieser Küsten (wie etwa Gambia, Sierra Leone, Nigeria und auch Togo) errichteten die Briten Kolonien, von denen sie profitieren konnten Mehrere dieser Kolonien, wie etwa die an der Goldküste, sind ursprünglich aus sogenannten Handelsstationen hervorgegangen. Da die afrikanischen Bodenschätze von besonderem Wert für Großbritannien waren, wurde in Folge deren Produktion gefördert und ein vermehrter Anbau von Gütern (z. B. Baumwolle) forciert (vgl. Wende 2012:293ff.). Abbildung 1 zeigt – für eine bessere Übersicht – die Sklavenküste mit den Gebieten Togo, Benin und Westnigeria, die Goldküste am Golf von Guinea und andere Gebiete, die von den Briten besetzt wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: OpenStreetMap - Sklavenküste (Togo, Benin, Westnigeria), Goldküste (Golf von Guinea), besetzte Gebiete (Gambia, Sierra Leone, Nigeria) Quelle: http://www.openstreetmap.de/karte.html?zoom=6&lat=5.24433&lon=-1.82275&layers=B000TT (CC BY-SA 2.0)

2.2 Die Igbo-Kultur

Die Igbo-Kultur stellt einen ethischen Zweig Afrikas dar und ist hauptsächlich in den südöstlichen Gebieten Nigerias zu finden. Ihr Lebensraum wird als Igboland bezeichnet und ist in der nachfolgenden Grafik genau eingezeichnet. Die Sprache dieses Volkes heißt ebenfalls Igbo bzw . Ibo und wird heute von etwa 20 Millionen Menschen gesprochen. Obwohl alle Mitglieder des Igbolandes im Großen und Ganzen ähnliche Lebensstile und Ansichten vertreten, hat jedes Dorf eigene Bräuche, Sitten und Festakte. Dennoch sieht sich die ethische Gruppe als eine Einheit; vor allem in den Bereichen Politik und traditionelles soziales und religiöses Erbe. Der Begriff Familie umschließt für die Kultur sowohl Großeltern, Eltern und Kinder als auch Onkel, Tanten, Brüder und Schwester (und deren Kinder) und alle anderen nahen Verwandten. Familie ist für die Igbo eine Art politische Struktur, bei der vor allem die Stichwörter Ordnung und Disziplin eine tragende Rolle spielen. Bevor die religiöse Ansicht der Igbo durch die Europäer verändert wurde, glaubten die Igbo an eine Vielzahl von Göttern – zu diesen zählen etwa Chukwu, Agbara oder auch Ndichie. Der Begriff Religion hat ist in Hinsicht auf die traditionellen Werte von großer Bedeutung und umschließt alle anderen Werte – wie etwa Politik, Wirtschaft und andere soziale Aspekte (vgl. Chigere 2001:15ff.). In der Igbo-Kultur ist auch die Bedeutung von Gemeinschaftsmahlzeiten und Festen hervorzuheben. Nahrungsmittel werden sehr oft mit anderen Mitgliedern geteilt oder sogar ganze Familien zum Essen eingeladen. Sehr bekannt ist auch das Yam-Fest, das nach einem Grundnahrungsmittel, der Yam-Wurzel, benannt ist. Auf diese Wurzel geht sogar der Name einer Göttin zurück. Diese sogenannte Yam-Göttin heißt in der Igbo-Sprache Ahajioku oder Ifejioku. Der letzte Aspekt, der in diesem Kapitel behandelt werden soll, ist die Thematik des Handels, weil er für die dortige Wirtschaft von großer Wichtigkeit ist. In der Igbo-Kultur gibt es vier traditionelle Tage, an denen es Märkte gibt, wo man Nahrungsmittel oder Haushaltsmaterialien erstehen kann. Manche der dort angebotenen Produkte werden auch heute noch importiert, weil es nicht möglich ist, alle Gebrauchsgegenstände in den einzelnen Dörfern zu produzieren (vgl. Chigere 2001:74 ff.). Abschließend ist anzumerken, dass noch viele weitere, interessante Details über die Igbo-Kultur existieren. In diesem Abschnitt wurde jedoch nur eine kleine Anzahl an Informationen herausgenommen, um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen.

Abbildung 2 zeigt, wo genau in Nigeria die Igbo-Kultur lebt. Die Nähe zum Meer beziehungsweise zum Golf von Guinea ist eine mögliche Erklärung dafür, warum die Briten gerade in den Lebensraum dieser Kultur eingedrungen sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: About world languages - Lebensraum der Igbo-Kultur Quelle: https://thingsfaper1.wikispaces.com/file/view/igbo-nigeria.gif/177826395/igbo-nigeria.gif, 15.04.2015

2.3 Chinua Achebe

Albert Chinualumogu Achebe wurde in Ogidi, im Südosten Nigerias geboren und wuchs dort, zusammen mit fünf Geschwistern, in einem Igbo-Clan auf. Seine Herkunft ist auch der Grund dafür, dass er sich in den meisten seiner Werke auf die Traditionen der Igbo-Kultur konzentriert. Sein erstes Buch, Things Fall Apart, ist das in Afrika am meisten gelesene Werk und auch auf der ganzen Welt bekannt.

Achebe studierte Theologie, Anglistik und Geschichte in Ibada und arbeitete später für die Nigerian Broadcasting Corporation in Lagos. Aufgrund seiner Faszination für die afrikanische Kultur, ihre Bräuche und Religionen setzte er sich sehr für Unabhängigkeit ein und war überdies Sonderbotschafter in den USA und Europa.

Er verstarb 2013 im Alter von 82 Jahren in Boston. Durch sein Wirken und seine literarischen Werke erzielte er ein Umdenken in der Wahrnehmung Afrikas und seiner Kultur. Achebe gilt außerdem als Gründervater der modernen, afrikanischen Literatur und nimmt einen großen Platz in der Weltliteratur ein. Für seine Romane und sein Handeln erhielt er den Friedensnobelpreis des Deutschen Buchhandels und den Man Booker International Prize (vgl. Auguscik 2013).

2.4 Inhalt und Interpretation

In Chinua Achebes Werk Things Fall Apart geht es hauptsächlich um einen Mann mittleren Alters namens Okonkwo, sein Leben in einem Igbo-Clan aus Umuofia, ihre Traditionen und die Veränderung der eigenen Kultur durch eine andere.

Der Vater Okonkwos war aus seiner Sicht ein Versager, der sein ganzes Geld verlor und somit seine Familie nicht erhalten konnte. Aus diesem Grund will Okonkwo ein Kämpfer sein und tut alles dafür, seine Frauen und Kinder zu schützen. Unglücklicherweise ist er auch eine sehr strenge und jähzornige Person und schlägt seine Frauen häufig. Er zeigt niemals Liebe oder Gefühle, nicht einmal, als ein Junge getötet wird, den er als seinen Sohn ansieht.

Als das Gewehr von Okonkwo während einer Trauerfeier losgeht und einen jungen Buben tötet, muss er zusammen mit seiner Familie für sieben Jahre ins Exil gehen. Er kehrt somit zu seinem Geburtsort Mbanta zurück, wo ihn die Menschen mit viel Liebe aufnehmen.

In seinem zweiten Jahr in Mbanta wandern englische Kolonialisten und christliche Missionare dort und in Umuofia ein. Ihr Anführer, Herr Brown, will die Stämme vom Christentum überzeugen und stellt die Behauptung auf, es gebe nur einen Gott. Trotzdem zwingt er den Clan nicht, ihre religiöse Einstellung zu verändern. Später jedoch wird Herr Brown von James Smith ersetzt, der wesentlich strenger ist und sogar eine Kirche bauen lässt.

Eines Tages nimmt ein Mann aus dem afrikanischen Clan, der bereits zum Christentum konvertiert ist, die Maske eines Clanmitglieds, des sogenannten egwugwus und versteckt diese in der Kirche. Da es als strengstens verboten gilt, einem egwugwu seine Maske abzunehmen, entscheiden die Dorfbewohner, die Kirche zu zerstören. Daraufhin werden Okonkwo und andere Männer vom Bezirksbeauftragten verhaftet und die anderen Bewohner müssen eine hohe Geldsumme bezahlen, um sie freizukaufen.

[...]

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Details

Titel
Kulturtransfer in der Literatur. Transferprozesse in Chinua Achebes "Things Fall Apart"
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V315739
ISBN (eBook)
9783668153042
ISBN (Buch)
9783668153059
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturtransfer, literatur, transferprozesse, chinua, achebes, things, fall, apart
Arbeit zitieren
Helene Wagner (Autor), 2015, Kulturtransfer in der Literatur. Transferprozesse in Chinua Achebes "Things Fall Apart", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315739

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