,,Man fürchtet, dass das ,alles verstehen’ zum ,alles verzeihen’ führen müsse.’’ Diese Worte schrieb Ernst Nolte 1985 in einem Brief an den Turiner Philosophen und Freund Augusto Del Noce. Mit seinen Thesen über den Nationalsozialismus und den Holocaust löste Nolte in den 1980er Jahren den „Historikerstreit“ aus.
In der vorliegende Arbeit soll dargestellt werden, inwiefern Noltes seit 1980 geäußerte Thesen begründbar sind und ob die Kritik an diesen gerechtfertigt gewesen ist. Dabei wird auf zwei Essays Noltes eingegangen, von denen einer den ,,Historikerstreit’’ auslöste. Anschließend werden diesen zwei Essays seines „Kontrahenten“ im ,,Historikerstreit’’, Jürgen Habermas, gegenübergestellt.
Der Fokus der Diskussion liegt auf Nolte, dessen Thesen ausführlich dargestellt werden. Die Untersuchung der Begründbarkeit Noltes Thesen erhält ihre Relevanz durch die Heftigkeit der Kritik, mit welcher dieser sich konfrontiert sah und konfrontiert sieht sowie durch die politischen Akteure, deren Ansichten durch die Thesen Noltes scheinbar fundiert werden. So verursachte der 1986 in der ,,Frankfurter Allgemeinen Zeitung’’ (FAZ) gedruckte Essay E.Noltes ,,Vergangenheit, die nicht vergehen will’’ eine Welle der Empörung auf linksliberaler Seite, welche letztlich in seiner wissenschaftlichen Isolation mündete.
Das Thema dieser Arbeit beleuchtet lediglich ein Teilaspekt des ,,Historikerstreits’’, dessen Ziel es ist, einen differenzierten Blick auf den Beginn der Debatte zu ermöglichen, der dabei helfen soll, die Grundlage der von beiden ,Seiten’ vorgebrachten Argumente bewerten zu können.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Überblick
- Ernst Nolte
- ,,Historikerstreit“
- Thesen Ernst Noltes und Kritik Jürgen Habermas'
- Ernst Nolte:,,Zwischen Geschichtslegende und Revisionismus?\"
- Ernst Nolte:,,Vergangenheit die nicht vergehen will”
- Jürgen Habermas:,,Eine Art Schadensabwicklung”
- Jürgen Habermas:,,Vom öffentlichen Gebrauch der Historie”
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Rezeption der Thesen Ernst Noltes über Nationalsozialismus und Holocaust seit 1980. Ziel ist es, die Begründbarkeit von Noltes Thesen und die Berechtigung der Kritik daran zu untersuchen.
- Ernst Noltes Thesen über Nationalsozialismus und Holocaust
- Der ,,Historikerstreit“ und die kontroversen Debatten um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung
- Die Kritik von Jürgen Habermas an Noltes Thesen
- Die politische Relevanz von Noltes Thesen und ihre Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft
- Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und die Frage der Vergangenheitsbewältigung
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung
Die Einleitung stellt das Thema der Arbeit vor und erläutert den Ausgangspunkt der Untersuchung: Ernst Noltes Thesen über Nationalsozialismus und Holocaust. Die Arbeit analysiert die Begründbarkeit dieser Thesen und die Kritik daran, die im ,,Historikerstreit“ ihren Ausdruck fand.
2. Überblick
Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die Person Ernst Noltes und zentrale Kernelemente des ,,Historikerstreits“. Es erklärt, warum Noltes Thesen erst 1986 und nicht schon 1980 heftige Reaktionen hervorriefen.
2.1 Ernst Nolte
Der Abschnitt beleuchtet Noltes Biografie und seine frühen Schriften, insbesondere seine Habilitationsschrift "Der Faschismus in seiner Epoche". Er thematisiert Noltes Verbindung zum Nationalsozialismus durch seine Lehre bei Martin Heidegger und seine Interpretation des Antibolschewismus.
2.2 ,,Historikerstreit“
Dieser Abschnitt beschreibt den ,,Historikerstreit“ im Kontext der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland der 1980er Jahre. Er analysiert die politisch-kulturellen, fachwissenschaftlichen und medialen Strömungen, die den Hintergrund des Streits bildeten.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter und Themen der Arbeit sind: Ernst Nolte, Nationalsozialismus, Holocaust, Historikerstreit, Jürgen Habermas, Antibolschewismus, Vergangenheitsbewältigung, deutsche Geschichte, politische Kultur, Kritik, Begründbarkeit, Einzigartigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Was war der „Historikerstreit“?
Der Historikerstreit war eine intellektuelle Debatte in den 1980er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland über die Einzigartigkeit des Holocaust und die Einordnung der NS-Vergangenheit in die deutsche Geschichte.
Welche zentralen Thesen vertrat Ernst Nolte?
Nolte vertrat die These, dass der Nationalsozialismus eine Reaktion auf die „bolschewistische Bedrohung“ war und dass der Holocaust ein „kausaler Nexus“ zu den Gulags in der Sowjetunion darstellte.
Warum kritisierte Jürgen Habermas Ernst Nolte?
Habermas warf Nolte vor, durch seine Vergleiche den Nationalsozialismus zu verharmlosen und die Einzigartigkeit der Judenvernichtung in Frage zu stellen, um ein neues deutsches Nationalbewusstsein zu fördern.
Was bedeutet der Titel „Vergangenheit, die nicht vergehen will“?
Es ist der Titel eines FAZ-Essays von Nolte aus dem Jahr 1986, in dem er argumentierte, dass die NS-Zeit als „Schreckbild“ instrumentalisiert werde und eine Normalisierung des Geschichtsbildes behindere.
Welchen Einfluss hatte Martin Heidegger auf Ernst Nolte?
Nolte war ein Schüler Heideggers, was seine philosophische Herangehensweise an die Geschichte und seine Interpretation des Faschismus als Teil einer epochalen Bewegung prägte.
Führte „alles verstehen“ zu „alles verzeihen“?
Dies war eine Befürchtung in der Debatte. Kritiker meinten, dass Noltes Versuch, den Kontext der Zeit (Antibolschewismus) zu erklären, letztlich zur Entlastung der Täter führen könnte.
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- Vincent Sboron (Autor), 2015, Die Rezeption der Thesen Ernst Noltes über Nationalsozialismus und Holocaust seit 1980, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315747