Goethes Sprache - Shakespeares Sprache


Referat (Handout), 2001
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Goethes erste Shakespeare Impression

3. „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“

4. Die Epoche des Sturm-und-Drang und ihre Orientierung an Shakespeare

5. „Shakespearismen“
5.1. Allegorien
5.2. Hyperbeln
5.3. Negative Metaphorik
5.4. Quibbles
5.5. Sonstige

6. Nachwort

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Shakespeare wird als der erfolgreichste Bühnenautor aller Zeiten bezeichnet. Er wurde wahrscheinlich 1564 in Stratford-upon-Avon geboren und starb 1616, ebenfalls in Stratford. Seine Schaffenszeit war das „Elizabethan Age“. Er galt als Genie, da er eine unglaubliche Fülle an Tragödien und Komödien in der kürzesten Zeit schrieb (z.B. schrieb er Viel Lärm um Nichts, Das Leben von König Heinrich V., Die Tragödie von Julius Cäsar, Wie es Euch gefällt und Hamlet innerhalb von 24 Monaten). Er war Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur zugleich. Oft probte er morgens ein Stück und führte am Nachmittag ein anderes auf.

Die Genialität seiner Kunst lag außerdem in seiner Sprache und im Stil seiner Werke.

Die Stürmer und Dränger betrachteten Shakespeare „als das Genie schlechthin, das sich selber Gesetze macht und Kunstregeln in der unverwechselbaren Individualität fundiert“[1]

Auch Goethe hat dies erkannt und nutzte Shakespeare als Vorbild, was sich inhaltlich, stilistisch und sprachlich deutlich in der Erstfassung des „Götz von Berlichingen“ („Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand - dramatisiert“) widerspiegelt .

Inwiefern shakespearischer Inhalt, shakespearischer Aufbau, sowie Stil von Goethe übernommen wurde, wird im folgenden betrachtet.

Besonders aber wird Goethes Übernahme und Orientierung an der shakespearischen Sprache untersucht.

2. Goethes erste Shakespeare Impression

Goethes erste Bekanntschaft mit Shakespeare geht auf das Jahr 1766 zurück, in dem er mit „Beauties of Shakespeare“, verfaßt vom englischen Hofprediger William Dodd, ein Werk liest, das ihn in Shakespeares Bann reißt.

In „Dichtung und Wahrheit“ bezeichnet Goethe die Zeit dieser Lektüre als eine der schönsten seines Lebens („...und so erinnere ich mich noch als einer der schönsten Epochen meines Lebens derjenigen, welche gedachtes Werk bei mir bezeichnete.“[2]) .

Goethe widmet Shakespeare in seiner essayistischen Prosa eine Rede, in der seine übewältigende Impression von Shakespeare deutlich wird:

„Die erste Seite, die ich ihm las, machte mich auf zeitlebens ihm eigen, und wie ich mit dem ersten Stücke fertig war, stand ich wie ein blindgebohrner, dem eine Wunderhand das Gesicht in einem Augenblicke schenkt.“[3].

Dennoch läßt sich in diesem Zusammenhang sagen, daß der Einfluß Shakespeares eher auf die Inhalte und Formen in Goethes frühen Werken zu erkennen ist. Die Übernahme der shakespearischen Sprache läßt sich hauptsächlich an der Erstfassung des „Götz von Berlichingens“ ausmachen, dem sogenannten „Urgötz“.

3. „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“

Die erste vorliegende Niederschrift, der „Urgötz“, stammt aus dem Jahre 1771 mit dem Titel „Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand - dramatisiert.“

Diese verfaßte Goethe in lediglich sechs Wochen.

Die zweite Fassung lag als überarbeitete Auflage im Jahre 1773 vor, mit dem heutigen Titel „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“. Eine weitere Fassung erschien im Jahre 1787 mit weitgehend sprachlichen und wenig stilistischen Verbesserungen.

Im weiteren entstanden diverse Theaterfassungen, die aber im Zusammenhang mit Shakespeare nicht von Bedeutung sind.

Unter Betrachtung des „Urgötz“ muß erwähnt werden, daß Goethe einen großen Wert auf die Meinung Herders (1744 - 1803) legte, der ihn sprachlich stark beeinflußte und sich intensiv mit Shakespeare beschäftigte.

Goethe gab die Erstfassung an Herder weiter, dieser antwortete jedoch, Shakespeare habe ihn „ganz verdorben[4]. Er kritisiert, daß das Drama „ ganz in Shakespeares Geiste gedacht und nach Shakespeares Muster gearbeitet ist.“[5]

Dieser Brief Herders war der Grund für die Entstehung der Zweitfassung, in der Goethe versuchte sein Werk von der „ Überfülle der Shakespearismen zu reinigen“[6].

4. Die Epoche des Sturm-undDrang und ihre Orientierung an Shakespeare

Shakespeare wurde für die Sturm-und-Drang Generation das Vorbild für eine dramatische Gestaltung, die alles Herkömmliche ablegt.

Herder, der sich als erster in dieser Epoche mit Shakespeare auseinandersetzte, prägte diese Ansichten deutlich. In seiner Schrift: „Über die neuere deutsche Literatur“ forderte er die Rückkehr zur Natur. Er behauptete, „je mehr sie (die Sprache ) Kunst wird, je mehr entfernt sie sich von der Natur.“

Er neigte sich von den bis dahin vorherrschenden Gesetzmäßigkeiten des klassisch-französischen Theaters ab. Dieses orientierte sich stark an der antiken geschlossenen Form des Dramas, die durch die Einheit von Ort, Zeit und Handlung charakterisiert war.

Shakespeare schaffte es diese starre Form des Dramas abzulegen. Er wird von den Vertretern des Sturm-und-Drangs dafür bewundert, daß es ihm gelingt Geschehnisse in seinen Werken auf gekonnte Art und Weise zu verwickeln und die Vielschichtigkeit der Handlung nicht in Verwirrung enden zu lassen.

Wichtig in seinen Werken sind die Gefühle der Personen, die gemäß ihrer Launen und Leidenschaften handeln und nicht einer strikten Entwicklung folgen.

Die Anlehnung an das „offenen Drama“ wird in Goethes „Urgötz“ sehr deutlich, jedoch auch in den folgenden Versionen.

Sein Werk durchbricht die ursprüngliche äußere Einheit des antiken Dramas. Die Erstfassung besteht aus fünf Akten und diese sind in 60 Szenen unterteilt, welche durch häufigen Ortswechsel charakterisiert sind. Die ersten beiden Szenen spielen in einer Herberge, anschließend findet sich der Leser in Gottfrieds (später:Götz´) Schloß, dann, in der Vierten Szene, im bischöflichen Palast zu Bamberg wieder. Diese räumlichen Sprünge zwischen den Szenen sind für den gesamten Verlauf des Dramas charakteristisch (bei Shakespeare finden teilweise sogar Ortswechsel innerhalb einer Szene statt).

Die Handlung und die Geschehnisse selbst sind ebenfalls nicht durch eine nachvollziehbare Einheit gekennzeichnet. Dies läßt sich sagen, da einmal Gottfried und bald wieder Weislingen im Mittelpunkt des Geschehens steht. Der Rezipient wird mit beiden Schicksalen konfrontiert.

Ebenfalls auffällig ist das Durchbrechen der Zeit als Einheit. Gottfried ist zu Anfang noch ein strahlender, kämpfender, aktiver Held („ Gottfried setzt den Helm auf und nimmt die Lanze[7] ), am Ende des Dramas stirbt er als alter, verzweifelter Mann mit den Worten „ Freiheit. Freiheit !“[8].

[...]


[1] Ingen, Ferdinand van: Götz von Berlichingen - Grundlagen und Gedanken zum Verständnis des Dramas. Frankfurt am Main 1988. S.5.

[2] Ermann, Kurt: Goethes Shakespeare-Bild. Jerusalem 1980.

[3] Eibl, Karl (Hg.): Der junge Goethe in seiner Zeit, Bd.2: der junge Goethe bis 1775. Zum Schäkespears Tag. S.361-365. Frankfurt am Main und Leipzig 1998.

[4] Minor, J. und Sauer, A.: Studien zur Goethe Philologie. Wien 1880. S.125.

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] Sauder, Gerhard (Hg.): Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Bd. 1: Der junge Goethe 1757 - 1775. S.395.

[8] ebd. S.509.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Goethes Sprache - Shakespeares Sprache
Hochschule
Universität Lüneburg  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Goethe und die Sprache
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V3158
ISBN (eBook)
9783638119122
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethes, Sprache, Shakespeares, Seminar, Goethe
Arbeit zitieren
Imke Sander (Autor), 2001, Goethes Sprache - Shakespeares Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3158

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Goethes Sprache - Shakespeares Sprache


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden