Ca. 2,4 Millionen Exemplare der „BILD“-Zeitung werden täglich gekauft - damit ist „BILD“ nicht nur die meistgelesene Zeitung in Deutschland, sondern sogar in ganz Europa; und auch die Internetplattform „bild.de“ wird ebenfalls millionenfach pro Tag aufgerufen. Die Zeitung aus dem Axel-Springer-Verlag erreicht also unheimlich viele Menschen mit ihren Nachrichten. Wohin das führen kann, möchte ich im Folgenden aufzeigen. Aber zunächst einmal: Was sind überhaupt „Nachrichten“? Eine „Nachricht“ ist nach Definition des „Brockhaus“ eine „Mitteilung oder Botschaft im Kommunikationsprozess, eine kurz gefasste, sachliche und folgerichtige Wiedergabe eines Vorgangs oder einer Handlung.“
Der entscheidende Begriff in dieser Definition ist „sachlich“ – doch was bedeutet er? Eine „sachliche“ Darstellung ist laut Duden eine Darstellung, die objektiv ist und nicht von Gefühlen oder Vorurteilen bestimmt ist. Somit sollte eigentlich die Aufgabe des Nachrichtengeschäftes sein, die Informationen nicht zu werten und den Leser nicht in eine Richtung zu lenken. Doch ist das überhaupt möglich? Sicherlich muss man sagen, dass es keine absolute Neutralität gibt.
Ereignisse werden in den Nachrichten immer irgendwie „verpackt“ durch Fotos oder Wortwahl. Dies ist nicht zu verhindern, denn Menschen unterscheiden sich in vielen Aspekten; sie sind unterschiedlich sozialisiert und haben ganz individuelle Positionen und Meinungen. Dementsprechend ist es logisch, dass Journalisten Informationen, die sie bekommen, unterschiedlich auffassen und interpretieren. Sie müssen also sehr vorsichtig sein, was sie schreiben und vor allem wie sie schreiben, wenn es ihr Ziel ist, möglichst objektiven Journalismus zu betreiben – denn die Gefahr, dass es etwas missverstanden wird und sie angreifbar werden, ist sehr groß. Nicht jeder Verlag hat anscheinend den Anspruch, seriös und neutral zu sein – das werde ich im späteren Verlauf zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was sind Nachrichten?
3. Die Rolle des Lesers und die Funktion der BILD
4. Fallbeispiel: Rumänen und Bulgaren
5. Fallbeispiel: Libanesen und Hartz IV
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die mediale Repräsentation von Migration in der Boulevardzeitung „BILD“ und analysiert kritisch, inwieweit die dort praktizierte Berichterstattung zur Konstruktion von Vorurteilen und ausländerfeindlichen Einstellungen beiträgt sowie die Mündigkeit des Lesers beeinflusst.
- Journalistische Standards im Vergleich: Objektivität vs. Unterhaltung
- Die Macht der Wortwahl und Bildsprache in der Boulevardpresse
- Konstruktion von „Wir-Gefühlen“ und Ausgrenzung
- Einfluss der Berichterstattung auf gesellschaftliche Stimmungen
- Die Rolle der Aufklärung und kritische Medienkompetenz
Auszug aus dem Buch
Die Rolle des Lesers und die Funktion der BILD
Zunächst sollte man sich die Frage stellen, was der Leser überhaupt lesen möchte. Der Leser befasst sich aus verschiedenen Gründen mit Nachrichten – so will er sich z.B. über Themen und Vorgänge informieren, sich unterhalten oder ablenken, oder an öffentlichen Diskussionen teilnehmen. Demensprechend kann er auf verschiedene „Anbieter“ zurückgreifen, die verschiedenste Interessen bedienen. Während Zeitungen wie die „Süddeutsche Zeitung“, der „Spiegel“ oder die „Zeit“ sich eher an eine Zielgruppe richten, die sich über Angelegenheiten und Entwicklungen informieren wollen, ist eine Boulevardzeitung wie die „BILD“ aus dem Axel-Springer-Verlag an Menschen gerichtet, die in erster Linie unterhalten werden wollen. Letztere hat den Anspruch (gerade in der heutigen Zeit des Internets, in der der Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers immer größer und härter wird), 24 Stunden am Tag möglichst zu jeder Zeit als erstes Neuigkeiten zu bieten, die von (angeblich) extremer Wichtigkeit sind.
Neben einer riesigen „Sensation“, die täglich in der Print-Ausgabe mit einer riesigen Überschrift auf dem Titelbild angekündigt wird, kommen auch mehrfach täglich online auf dem Ableger „bild.de“ wichtige Neuigkeiten an den Leser. Untersucht man die Schlagzeilen der „BILD“, so fällt auf: Es geht in erster Linie nicht um die Verbreitung von „Wahrheit“, sondern um die Erzeugung von Emotionen – denn nur diese versprechen Unterhaltung. Ein Prinzip, das funktioniert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der medialen Konstruktion von Migration und Vorstellung der Problemstellung am Beispiel der „BILD“-Zeitung.
2. Was sind Nachrichten?: Theoretische Definition des Nachrichtenbegriffs mit Fokus auf das Kriterium der Sachlichkeit und die Grenzen journalistischer Neutralität.
3. Die Rolle des Lesers und die Funktion der BILD: Analyse der Zielgruppenansprache und des Unterhaltungsanspruchs des Boulevardjournalismus im Vergleich zu seriösen Medien.
4. Fallbeispiel: Rumänen und Bulgaren: Untersuchung der einseitigen und stimmungsmachenden Berichterstattung über Hartz-IV-Ansprüche von EU-Migranten.
5. Fallbeispiel: Libanesen und Hartz IV: Aufdeckung statistischer Manipulation und Stereotypisierung durch selektive Zitate in der Berichterstattung.
6. Fazit: Zusammenfassende kritische Betrachtung der Macht der Medien bei der Konstruktion von Realität und Appell an die mündige Mediennutzung.
Schlüsselwörter
BILD-Zeitung, Boulevardjournalismus, Migration, Vorurteile, Ausländerfeindlichkeit, Medienkompetenz, Nachrichten, Sachlichkeit, Konstruktion von Realitäten, Rassismus, Hartz IV, Journalismus, Aufklärung, Stereotypisierung, Manipulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie die „BILD“-Zeitung über Migration berichtet und welche Auswirkungen diese Berichterstattung auf die Einstellung ihrer Leser gegenüber Migranten hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der Boulevardjournalismus, die mediale Konstruktion von Vorurteilen, journalistische Ethik und die politische Verantwortung von Massenmedien.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch emotionsgeladene Sprache und selektive Faktenwahl in der „BILD“ ein Klima geschaffen wird, das Misstrauen gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienkritische Analyse, die reale Zeitungsartikel und Online-Beiträge mit den journalistischen Idealen der Sachlichkeit und Neutralität kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Fallbeispiele, etwa die Berichterstattung über Hartz-IV-Ansprüche von EU-Bürgern aus Osteuropa sowie über die statistische Erfassung von Migrantengruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Medienmanipulation, Boulevardisierung, Stereotypisierung und die Bedeutung der Aufklärung nach Immanuel Kant.
Inwiefern spielt der Slogan „BILD Dir Deine Meinung“ eine Rolle?
Die Autorin hinterfragt kritisch, ob der Leser bei der BILD tatsächlich eine eigene Meinung bildet oder ob ihm durch einseitige Formulierungsschemata eine vorgefertigte Meinung suggeriert wird.
Welchen Einfluss haben laut der Autorin Prominente auf das Image der „BILD“?
Die Autorin argumentiert, dass die Unterstützung der „BILD“ durch prominente Persönlichkeiten in Werbekampagnen deren Glaubwürdigkeit künstlich erhöht und damit die kritische Distanz der Leser schwächt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2014, „BILD Dir Deine Meinung“ und Du wirst ausländerfeindlich? Darstellung von Menschen mit Migrationshintergrund in der Boulevardpresse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315801