Die Entwicklung von Bindungsbeziehungen bei 0 bis 3-jährigen Kindern aus Sicht der Bindungstheorie

John Bowlby und Lieselotte Ahnert im Vergleich


Seminararbeit, 2011

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundlagen der Bindungstheorie
1.1 Die Postulate der Bindungstheorie
1.1.1 Die Phasen der Entwicklung einer Bindung
1.1.2 Bindung und Bindungsverhalten
1.2 Bindungsqualität
1.2.1 Bindungstypen

2. Vergleich um die Entwicklung von Bindungsbeziehungen bei Bowlby und Ahnert
2.1 John Bowlby und die Mutter-Kind-Bindung
2.1.1 Untersuchungsergebnisse nach John Bowlby
2.1.2 Grenzen und Widersprüche der klassischen Bindungstheorie
2.2 Lieselotte Ahnert und die Entwicklung der Mutter-Kind-Bindung
2.2.1 Aktuelle Untersuchungsergebnisse der Bindungstheorie

3. Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Die zentrale Frage aber war, ob bestimmte Betreuungsbedingungen die Bindungssicherheit eines Kindes gefährden? Die Antwort ist nein“ (Ahnert 2010a, 170).

„Wenn ein kleines Kind merkt, dass es ohne die ihm vertraute Elternfigur unter Fremden ist, ist es nicht nur in dieser Situation äußerst unglücklich, sondern auch seine spätere Beziehung zu seinen Eltern wird davon, wenigstens vorübergehend, beeinträchtigt“ (Bowlby 1980, 99).

Diese beiden Zitate machen, wenn man die Jahreszahl betrachtet, deutlich, wie stark sich die Bindungsforschung im Laufe der Jahre gewandelt hat. Lieselotte Ahnert (2010) und John Bowlby (1980) beschreiben die Bindungssicherheit zwischen dem Kleinkind und seinen Eltern, kommen aber zu unterschiedlichen Auffassungen. Ahnert ([22.12.2010b], 1) ist der Ansicht, dass Kleinkindern Fremdbetreuung nicht schadet, sofern die ErzieherInnen feinfühlig sind und auf die persönlichen Bedürfnisse der Kinder eingehen. Auch die Qualität der Mutter-Kind-Bindung leidet, nach Ahnert (2010, 170), in Folge von außerfamiliärer Betreuung nicht. Im Gegensatz dazu, postuliert Bowlby (1980) aber für eine kontinuierliche Betreuung durch die Eltern und ist der Meinung, dass durch außerfamiliäre Betreuung die spätere Beziehung zu den Eltern gefährdet wird. Doch Großfamilien, in denen junge Eltern unterstützt werden, indem sie den Großeltern das Kind für einige Stunden zur Obsorge hinterlassen können, während sie ihrem Beruf nachgehen, sind seltener geworden. So stehen die jungen Eltern vor der Frage, wie sie eine gute Betreuung für das Kind finden. Häufig ist die einzige Möglichkeit das Kleinkind in eine so genannte Kinderkrippe zu bringen. Jedoch steht die Kinderkrippe oftmals im Mittelpunkt von zwiespältigen Diskussionen um die angemessene und gute Entwicklung von Kleinkindern (Ahnert [22.12.2010b], 1).

Im Rahmen dieser Arbeit besteht das Erkenntnissinteresse darin, zwei unterschiedliche und gegensätzliche Sichtweisen, welche den Wandel der Bindungsforschung betonen, in Bezug auf die frühe außerfamiliäre Betreuung zu vergleichen. Die erste Sichtweise, welche bearbeitet wird, wird von John Bowlby (1980) vertreten. Er betont in seinen wissenschaftlichen Werken die offensichtliche Abhängigkeit des Kleinkindes von der Mutter und ist der Meinung, dass eine optimale kindliche Entwicklung nur gelingen kann, wenn es (das Kind) dauerhaft von der primären Bindungsperson betreut wird. John Bowlby ist ein wichtiger Vertreter der Bindungstheorie und im Zuge der Beantwortung der zentralen Fragestellung wird es als wichtig erachtet, auch ältere Literatur hinzuzuziehen. Die zweite Sichtweise wird von einer aktuellen Forscherin dargestellt. Lieselotte Ahnert (2010) beschreibt die Bindungsforschung aus gegenwärtiger Sicht, welche nicht mehr gegen frühe Fremdbetreuung und eine damit verbundene Verschlechterung der Eltern- Kind- Bindung spricht. Daher lautet die zentrale Fragestellung dieser Proseminararbeit: „ Welchem Wandel unterliegt die fr ü he au ß erfamili ä re Betreuung in Bezug auf die Entwicklung von Bindungsbeziehungen bei 0- 3 j ä hrigen Kindern aus der Sicht der Bindungstheorie?". Mit dieser Arbeit soll die Diskussion um die Kinderkrippe neu angeregt und die Dringlichkeit dieser Erörterung deutlich gemacht werden. Denn noch immer herrscht Unklarheit darüber, inwieweit eine Institution wie die Kinderkrippe, die Entwicklung des Kleinkindes beeinflusst.

Da Eltern häufig schon eine vorgefertigte Meinung über Kinderkrippen haben, ist es wichtig, die

beiden genannten wissenschaftlichen Positionen, die noch oft vertretene Position von John Bowlby (1980) und die aktuellen Beiträge zur Bindungsforschung von Lieselotte Ahnert (2010), gegenüberzustellen und zu vergleichen. So denken möglicherweise Betroffene erneut über die Vor- und Nachteile einer Krippe nach. Seit der britische Kinderpsychologe John Bowlby (1980) die Bindungstheorie entwickelt hat, ist sie eine bedeutende Theorie der Psychologie und wurde von mehreren Wissenschaftlern aufgegriffen und weiterentwickelt. Mit der nachstehenden Untersuchung werde ich mich in die Diskussion um die Krippenerziehung einbringen und mithilfe von wissenschaftlicher älterer und aktueller Literatur den Wandel in der Bindungsforschung erläutern. Neben Bowlby (1980), Ahnert (2010) und Dornes (2004) wird in den ersten Kapiteln noch auf das Ehepaar Grossmann (2006) Bezug genommen. Als Methode verwende ich die Literaturanalyse.

Im ersten Teil meiner Proseminararbeit, werde ich auf die Grundlagen der Bindungstheorie eingehen, um dem Leser dieser Proseminararbeit darzulegen, worauf die Bindungsforschung ihr Augenmerk legt. Dabei thematisiere ich speziell die Bindungsforschung im Säuglingsalter, die unteranderem von Karin und Klaus Grossmann (2006) behandelt wird. Nach Grossmann (2006, 116) ist die Regulation von körperlichen und seelischen Bedürfnissen des Säuglings durch die Mutter die Basis für die Entwicklung von Bindungsbeziehungen. Im Anschluss daran werde ich auf meine zentrale Fragestellung - die Bedeutung früher außerfamiliärer Betreuung für die kindliche Entwicklung von Bindungsbeziehungen- eingehen. Zuerst beleuchte ich, wie bereits erwähnt, die Position von Bowlby (1980). Winnicott (1990) verkündete einst, dass es ein Baby alleine nicht gibt. Es gibt nur das Baby und einen Anderen. Damit meint er in erster Linie nicht die Hilflosigkeit eines Säuglings. Er spricht von der Mutter- Kind- Bindung, welche die einzig wahre Bindung ist, die einem Kind zu der optimalen Entwicklung verhilft. Lieselotte Ahnert (2010), welche die aktuellere Position in dieser Proseminararbeit vertritt, beschreibt in ihrem Buch „Wieviel Mutter braucht ein Kind? Bindung- Bildung- Betreuung: öffentlich und privat“ die Nachhaltigkeit der Mutter-Kind-Bindung. Sie zeigt deutlich, dass das Bindungssystem „nicht dazu eingerichtet wurde, dass ein Kind dauerhaft am Rockzipfel der Mutter hängt“ (Ahnert 2010a, 44). Auch Martin Dornes (2004) schreibt: „Entscheidend für die Art der mit einem Jahr erreichten Bindung ist nicht die Quantität, sondern die Qualität der Interaktion im ersten Lebensjahr“ (Dornes 2004, 45). Nach Dornes (2004) können also auch Eltern die berufstätig sind, sichere Beziehungen zu ihren Kindern aufbauen. Im letzten Teil werde ich diese zwei Sichtweisen miteinander vergleichen, um auf die erwarteten Ergebnisse zu stoßen. Diese werden so aussehen, dass der Forschungsstand in der Bindungstheorie neue Erkenntnisse aufgeworfen hat, welche möglicherweise nicht mehr gegen frühe außerfamiliäre Betreuung sprechen. Eltern und betroffene Personen sollen dafür sensibilisiert werden, was es für die kindliche Entwicklung bedeutet, für einige Stunden von der Mutter getrennt zu sein.

1 Grundlagen der Bindungstheorie

Wie einleitend bereits angekündigt, wird in diesem Kapitel Einblick in die Anfänge der Bindungstheorie gegeben, um den Leser in die Thematik einzuführen. Dabei werden zunächst die Postulate der Bindungstheorie und die Phasen der Entwicklung einer Bindung beleuchtet, welche vom Ehepaar Karin und Klaus Grossmann (2006) beschrieben werden.

1.1 Die Postulate der Bindungstheorie

„Bindung wird als imaginäres Band zwischen zwei Personen gedacht, das in den Gefühlen verankert ist und das sie über Raum und Zeit hinweg miteinander verbindet“ (Grossmann 2006, 68).

Diesem Zitat ist zu entnehmen, dass eine Bindung einen großen Teil des Lebenszyklus anhält. Wenngleich frühe Bindungen, welche in der Kindheit geschlossen wurden, in der Adoleszenz schwächer werden und durch neue ergänzt werden, wird eine Bindung nicht leicht aufgegeben und besteht weiter. Häufig bindet sich eine Person die körperlich schwächer ist an eine Person, welche ihr Schutz und Geborgenheit bieten kann. Bei Kleinkindern steht diese Person, mit welchen es (das Kind) gebunden ist, in einer Beliebtheits- Hierarchie. Geht es dem Kind in seiner körperlichen Verfassung schlecht, wendet es sich eher einer seiner primären Bindungspersonen zu. Das können zum Beispiel die Eltern oder Großeltern sein (Grossmann 2006, 68).

Die fünf wichtigsten Postulate der Bindungstheorie sollen schon anfänglich deutlich machen, wie wichtig eine vorhandene Bindungsperson für die kindliche Entwicklung von Bindungsbeziehungen ist. Das erste Postulat zeigt auf, dass für eine gute seelische Gesundheit des Kindes eine kontinuierliche und feinfühlige Fürsorge von großer Bedeutung ist. Diese Fürsorge ist bei Bowlby primär die Mutter (Ahnert 2008, 76). Das zweite Postulat beschreibt die Notwendigkeit von mindestens einer Bindung, welche, wie vorangehend schon beschrieben, zu einer Person aufgebaut wird, die Schutz und Geborgenheit bieten soll. Das dritte Postulat zeigt, dass sich eine Bindungsbeziehung von anderen Beziehungen darin unterscheidet, dass bei Empfinden von Angst, die Nähe der primären Bezugsperson aufgesucht wird. Bei Kleinkindern wird dabei das „Explorationsverhaltenssystem“ (Grossmann 2006, 67) „deaktiviert“, da sie (die Kinder) sich dabei primär um das Vorhandensein ihrer Bindungsperson versichern. Bei Wohlbefinden setzt wiederum das Explorationsverhalten ein und die Aktivität des Bindungsverhaltenssystems aus, da sich das Kleinkind nun sicher ist, von seiner primären Bindungsperson beschützt zu werden. Das vierte Postulat beschreibt die Qualität von Bindungen. Es gibt individuelle Unterschiede in den Qualitäten, diese kann man nach ihrem Ausmaß an Sicherheit unterscheiden (Grossmann 2008, 67f.). Auf die Qualität von Bindungen wird in einem Subkapitel noch Bezug genommen. Das f ü nfte und letzte Postulat erklärt, dass die Bindungstheorie mit Hilfe der kognitiven Psychologie erklärt, wie früh erlebte Bindungserfahrungen geistig verarbeitet werden und zu inneren Modellvorstellungen von sich und anderen werden (Grossmann 2008, 68).

Die fünf wichtigsten Postulate der Bindungstheorie zeigen ganz deutlich die Dringlichkeit einer Bindungsperson für das Kleinkind. Die Bindung zu einem Menschen (in diesem Fall die Mutter) ist für ein Kleinkind lebensnotwendig. Doch wie entwickelt sich eine solche Bindung? Die Phasen der Entwicklung einer Bindung werden im nächsten Unterkapitel erläutert.

1.1.1 Die Phasen der Entwicklung einer Bindung

Nach Grossmann (2006, 73) durchläuft ein Säugling vier Phasen in der Entwicklung einer Bindung. Die erste Phase, welche Säuglinge in den ersten zwei Lebensmonaten durchlaufen, ist die Phase der „ unspezifischen sozialen Reaktionen “ (Grossmann 2006, 73, Hervorh. im Original). In dieser Phase zeigt der Säugling erste Reaktionen wie Schreien, Saugen, Klammern, Anschauen, Lächeln und Horchen. Die Mutter interpretiert diese Reaktionen als Signale des Kindes, welche an sie (die Mutter) gerichtet sind. Jedoch sind die Reaktionen des Kindes reflexartig und werden noch nicht an eine bestimmte Person gerichtet, da das Kind erst später lernt, vertraute von weniger vertrauten Personen zu unterscheiden. Die zweite Phase, die Phase der „ unterschiedlichen sozialen Reaktionsbereitschaft “ (Grossmann 2006, 73, Hervorh. im Original) erstreckt sich bis zum sechsten Lebensmonat des Säuglings. In dieser Periode reagiert das Kleinkind immer besser und schneller auf die Äußerungen und Verhaltensweisen der Mutter und der ihm (dem Kleinkind) vertrauten Personen. Das Kind kann die Mutter von anderen Personen unterscheiden und richtet deshalb auch seine Reaktionen bevorzugt an sie. Es (das Kind) lässt sich beispielsweise eher von der Mutter trösten oder zum Lachen bringen, als von weniger vertrauten Personen. Die dritte Phase wird von Grossmann als die Phase „ des aktiven und initiierten zielkorrigierten Bindungsverhaltens “ (2006, 73, Hervorh. im Original) bezeichnet, welche bei Kleinstkindern im ersten Lebensjahr angesetzt wird. Durch das erlernte selbständige Fortbewegen, wie Krabbeln oder Rutschen, kann das Kind nun selbst die Nähe zu der Mutter bestimmen. Wenn die Mutter sich von ihm (dem Kleinstkind) entfernt, kann es (das Kind) sie suchen und ihr folgen. In dieser Phase werden die Bindungsverhaltensweisen des Kindes erstmals deutlich sichtbar. Das Kind betrachtet seine Mutter nun als eine Quelle von Schutz, Fürsorge und Wohlbehagen. In der Umgebung der Mutter beginnt das Kind neugierig seine Umwelt zu erkunden. Bewegt sich die Mutter unerwartet vom Kind weg, protestiert und vermisst das Kleinkind die Mutter nach kurzer Zeit und verspürt Unwohlsein in der fremden Umgebung. Aus den ersten Umweltängsten erfährt das Kind, dass es noch immer auf Schutz angewiesen ist und versichert sich immer wieder, dass die Mutter noch anwesend ist. Diese Rückversicherung gibt dem Kind nach Grossmann (2006) Information, wohin es „fliehen“ muss, wenn es Sicherheit braucht. „Ohne seine ‚Sicherheitsbasis‘ wäre er (es; Anm.d. V.)‚ verloren“ (Grossmann 2006, 74).

In den ersten drei Phasen könnte der Säugling versuchen, die Aufmerksamkeit der Mutter durch sein Verhalten zu gewinnen. Das Kleinstkind könnte sie (die Mutter) durch seine Reaktionen beeinflussen und sie von ihrem aktuellen Tun wegholen, um zu ihm (dem Kind) zu kommen oder ihm bei etwas zu helfen. In der vierten und letzten Phase in der Entwicklung einer Bindung, welche die Phase der „ zielkorrigierten Partnerschaft “ (Grossmann 2006, 75, Hervorh. im Original) genannt wird und erst beginnen kann, wenn das Kind sprechen lernt, versteht das Kind erstmals was seine Bindungsperson (in diesem Fall die Mutter) beabsichtigt. Mit diesem Verständnis für das, was sie sagt, kann das Kleinkind seine Wünsche und Ziele mit den Äußerungen der Mutter vergleichen und somit möglicherweise auftretende Interessenskonflikte abwiegen. Diese Phase wird als zielkorrigierte Partnerschaft bezeichnet, da die Kinder nun erstmals die Absichten der Bindungsperson in ihr eigenes Denken mit einbeziehen.

In diesem Unterkapitel wurde häufig der Begriff des „Bindungsverhaltens“ verwendet. Jedoch muss man eine wichtige Unterscheidung zwischen den Begriffen „Bindung“ und „Bindungsverhalten“ treffen. Dieser Unterschied wird zur Verständlichkeit im nächsten Subkapitel näher dargelegt.

1.1.2 Bindung und Bindungsverhalten

Eine Bindung besteht nach Grossmann (2006) noch nicht von Geburt an. Sie (die Bindung) entwickelt sich erst im Laufe der ersten Lebensjahre. Der Säugling kommt vorbereitet mit bestimmten Verhaltensweisen auf die Welt. Diese Verhaltensweisen gewährleisten ihm, dass er durch Laute wie Schreien, durch seine Mimik und sogar durch das Erröten seiner Hautfarbe auf sich aufmerksam machen kann, um seiner Mutter zu zeigen, was er gerade benötigt. Die Mutter erkennt normalerweise die Zeichen ihres Kindes und wird versuchen, das Kind zu umsorgen. Durch das fürsorgliche Verhalten der Mutter entsteht zwischen den beiden eine Bindung. Die markantesten Merkmale von Bindungsverhalten beim Säugling sind nach Grossmann: „...Weinen, Rufen, Anklammern, Nachfolgen sowie Protest beim Verlassen werden“ (2006, 70). Diese Bindungsverhaltensweisen haben die Aufgabe, ein Leben lang die Nähe zu der Bindungsperson herzustellen und zu erhalten. Auch bei älteren Kindern existiert noch Bindungsverhalten, jedoch in veränderter Form. Ein Weinen und Anklammern wird bei älteren Kindern zu Seufzen und Klagen. Bindungsverhalten, wird im Gegensatz zu einer Bindung zu einer Person nur dann gezeigt, wenn das Kind unter Belastung steht.

Es (das Bindungsverhalten) wird umso deutlicher, je mehr das Kind die Nähe der Bindungsperson benötigt, sei es durch eine Bedrohung, Hunger oder weil das Kleinkind erschöpft und müde ist (Grossmann 2006, 70). Wenn es dem Kind körperlich gut geht, es keine Angst verspürt und keine Gefahr der Auflösung der bestehenden Bindung vorhanden ist, hat das Kind auch keinen Grund Bindungsverhalten zu zeigen. Die Abwesenheit von Bindungsverhalten darf nicht als ein nicht Vorhandensein von Bindung verstanden werden. Unter bestimmten Belastungen aber, kann man bestimmte Bindungsverhaltensweisen beim Kind erwarten und man sollte stutzig werden, wenn das Kind kein Bindungsverhalten aufzeigt. Beispielsweise wenn es (das Kind) in einer fremden Umgebung (wie zum Beispiel der Kinderkrippe) mit fremden Menschen von der Mutter alleine gelassen wird. In dieser Situation sollte das Kind aus „ Selbsterhaltungsgr ü nden “ (Grossmann 2006, 70) unruhig werden und gezielt seine Bindungsperson suchen, um den erwarteten Schutz zu erhalten. Sucht das Kind keine Bindungsperson, ist sie (die Bindungsperson) entweder gerade nicht anwesend oder das Kind hat zu oft erfahren müssen, dass es seine Bindungsperson nicht beruhigen wird, das bedeutet, dass die primäre Bindungsperson ihre „Schutzfunktion zu selten oder gar nicht ausübt“ (Grossmann 2006, 71).

Wie ein Kleinkind bei der Trennung von seiner primären Bindungsperson reagiert, wurde mit der so genannten „Fremden Situation“ in den 1960er Jahren von Mary Ainsworth (1913-1999), die Wechselwirkung zwischen Erkundungs- und Bindungsverhalten bei ein bis zweijährigen Kindern eingehend untersucht. Dieses Experiment entsprach den Kriterien einer sicheren Bindung zwischen Mutter und Kind nach John Bowlby.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung von Bindungsbeziehungen bei 0 bis 3-jährigen Kindern aus Sicht der Bindungstheorie
Untertitel
John Bowlby und Lieselotte Ahnert im Vergleich
Hochschule
Universität Wien  (Bildungswissenschaft)
Veranstaltung
Individuum und Entwicklung - Die Bedeutung früher Transitionsprozesse für die kindliche Entwicklung
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V315837
ISBN (eBook)
9783668149533
ISBN (Buch)
9783668149540
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Transitionsprozesse, Transitionsprozess, kindliche Entwicklung, Kind, Pädaogigk, Kindergarten, Kinderkrippe, Individuum, frühkindliche Erziehung, Bowlby, Ahnert, Kleinkinder, Beziehung, Bindungsforschung, Bindungsbeziehungen, Obsorge, außerfamiliäre Betreuung, außerfamiliär, Betreuung, Kleinkind
Arbeit zitieren
Nina Belkacem (Autor), 2011, Die Entwicklung von Bindungsbeziehungen bei 0 bis 3-jährigen Kindern aus Sicht der Bindungstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315837

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