Aaron Antonovskys salutogenetische Orientierung. Werden die Kriterien im Rahmen des Ich-bin-ich Programms von Christina Krause berücksichtigt?


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 2,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Konzept der Salutogenese nach A. Antonovsky
2.1 Hintergrund der Fragestellung
2.2 Salutogenese - Pathogenese
2.3 Das Gesundheits-Krankheitskontinuum
2.4 Das Kohärenzgefühl
2.5 Stressoren
2.6 Widerstandsressourcen

3 Das Ich-bin-ich Programm
3.1 Gesundheitsförderung im Kindergarten?
3.2 Allgemeines
3.3 Inhalte/Ziele/Organisation

4 Verknüpfung
4.1 Salutogenetische Kriterien
4.2 Salutogenetische Kriterien im Ich-bin-ich Programm

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die meisten Menschen fühlen sich entweder krank oder gesund, jedoch nicht beides zugleich. Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky ist aber der Meinung, dass die Menschen immer beides sind. Man könnte es mit einer Waage vergleichen.

Antonovsky hat sich mit der interessanten Frage auseinandergesetzt, warum ein Mensch trotz gesundheitsschädigender Einflüsse gesund bleibt. Er erfand das Salutogenese-Modell, welches er der Pathogenese, die in der Schulmedizin weit verbreitet ist, gegenüber stellte. Er sieht den Begriff ergänzend und nicht ersetzend zur Pathogenese.

Nachdem ich den Hintergrund der Fragestellung des Salutogenese Modells erklärt habe, werde ich die zwei Begriffe Salutogenese und Pathogenese gegenüberstellen. Im Anschluss beschäftige ich mich mit dem Gesundheits-Krankheitskontinuum und dem zentralen Begriff Kohärenzgefühl. Zuletzt gehe ich noch auf die Stressoren und die Widerstandsressourcen ein. Im zweiten Teil meiner Arbeit beschäftige ich mich mit dem Ich-bin-ich Programm von Christina Krause. Zuerst werde ich Gesundheitsförderung im Kindergarten im Sinne des Programms erklären und anschließend Allgemeines über das Programm aufzeigen. Zum Schluss beschäftige ich mich noch mit den Inhalten, Zielen und der Organisation des Programms. Im letzten Teil der Arbeit werde ich das Salutogenese Modell und das Ich-bin-ich Programm verknüpfen. Hierbei werde ich meine Forschungsfrage: „Inwiefern werden Kriterien salutogenetischer Orientierung nach Aaron Antonovsky im Rahmen des Ich-bin-ich Programms von Christina Krause berücksichtigt?“ beantworten.

2 Das Konzept der Salutogenese nach A. Antonovsky

2.1 Hintergrund der Fragestellung

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923 - 1994) studierte nach dem Militärdienst Soziologie und emigrierte 1960 zusammen mit seiner Frau nach Israel [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S.20]. In Israel untersuchte er die psychische Gesundheit von Frauen verschiedener ethnischer Gruppen. Hierbei kam er zu einem für ihn faszinierenden Ergebnis. Unter diesen untersuchten Frauen befanden sich ca. 300, die ein Konzentrationslager überlebt hatten. 29% dieser Frauen, die vor 30 Jahren in einem dieser nationalsozialistischen Konzentrationslager gelebt hatten, waren in einem guten seelischen und körperlichen Zustand. Antonovsky empfand dies als „Wunder“ und es veranlasste ihn herauszufinden, warum diese Frauen trotz des Stresses sich so gut entwickelten [vgl. Petzold 2010, S. 6]. Er wollte also wissen, wie es Menschen gelingt, trotz vieler gesundheitsgefährdender Einflussfaktoren gesund zu bleiben und sich von Krankheiten zu erholen. Außerdem interessierte ihn welche Ressourcen einer Person bei der Bewältigung von Stressoren zur Verfügung stehen [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S.24].

2.2 Salutogenese - Pathogenese

Diese zentralen Fragen, die sich Antonovsky stellte, fallen alle unter eine bestimmte Blickrichtung. Die Richtung wird von ihm durch den Neologismus „Salutogenese“ (Salus, lat.: Glück, Heil und Genese, griech.: Entstehung) geprägt. Er stellt den Gegensatz zum bisher einschlägigen Ansatz der Pathogenese (Páthos, griech.: Leiden(schaft), Sucht und Genese, griech.: Entstehung) dar, der vor allem in der Schulmedizin verwendet wird [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S. 24]. Die Pathogenese befasst sich mit der Entstehung sowie der Behandlung von Krankheiten. Bei der Salutogenese geht es jedoch nicht nur um die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit, sondern auch darum, den Menschen gleichzeitig als krank und gesund anzusehen (vgl. Kapitel 2.3 Gesundheits-Krankheitskontinuum).

Antonovsky beschreibt den Gedanken in einem seiner Bücher wie folgt:

Ä…meine fundamentale philosophische Annahme ist, daß der Fluß der Strom des Lebens ist. Niemand geht sicher am Ufer entlang. Darüber hinaus ist für mich klar, daß ein Großteil des Flusses sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn verschmutzt ist. Es gibt Gabelungen im Fluß, die zu leichten Strömungen oder in gefährliche Stromschnellen und Strudel führen. Meine Arbeit ist der Auseinandersetzung mit folgender Frage gewidmet: ‚ Wie wird man, wo immer man sich in dem Fluß befindet, dessen Natur von historischen, soziokulturellen und physikalischen Umweltbedingungen bestimmt wird, ein guter Schwimmer?‘“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke 1997, S. 92)

Im beschriebenen Fluss, also in unserem Leben, befinden sich die Menschen immer wieder in einem mehr oder weniger gefährlichen Umfeld. Die Fähigkeit in diesem Fluss zu „schwimmen“ nennt Antonovsky Kohärenzgefühl, auf welches ich später noch zu sprechen komme (vgl. Kapitel 2.4) [vgl. Antonovsky, Übersetzung durch Franke 1997, S.92].

2.3 Das Gesundheits-Krankheitskontinuum

Wie bereits oben schon erwähnt geht Antonovsky davon aus, dass Gesundheit und Krankheit nicht getrennt betrachtet werden können, sondern dass sich beiden Pole gegenüber stehen und auch ergänzen (Gesundheits-Krankheits-Kontinuum). Kein Mensch kann also nur gesund oder nur krank sein. Es geht vielmehr darum, wie nahe man den beiden Endpunkten „Gesund“ und „Krank“ ist [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S.32]. In Antonovskys „Salutogenese- Zur Entmystifizierung der Gesundheit“ heißt es dazu:

ÄWir sind alle sterblich. Ebenso sind wir alle, solange noch ein Hauch Leben in uns ist, in einem gewissen Ausmaß gesund. Der salutogenetische Ansatz sieht vor, daß wir die Position jeder Person auf diesem Kontinuum zu jedem beliebigen Zeitpunkt untersuchen.“ (Antonovsky 1997, S. 23)

Für Antonovsky ist aber nicht nur der Aspekt der körperlichen Gesundheit entscheidend. Es spielen für ihn noch viele weitere Befindensdimensionen eine Rolle, jedoch ist in seinem Modell die körperliche Gesundheit am wichtigsten [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S.32].

2.4 Das Kohärenzgefühl

Das Kohärenzgefühl (SOC - Sense of coherence) ist der zentrale Begriff des Salutogenese Modells. Wie in Kapitel 2.2 schon erwähnt, beschreibt Antonovsky das Gefühl als die Fähigkeit im Fluss zu schwimmen. Er versteht darunter die Grundhaltung des Menschen gegenüber dem eigenen Leib und der Welt [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S. 28].

Er definiert das Kohärenzgefühl oder auch Kohärenzsinn genannt, in seinem Buch „Salutogenese

- Zur Entmystifizierung der Gesundheit“ wie folgt:

ÄDas SOC (Kohärenzgefühl) ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, daß

1. Die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind;
2. Einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen;
3. Diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen.“ (Antonovsky, Übersetzung durch Franke 1997, S. 36)

Es ist in dem Sinne kein Gefühl, sondern vielmehr ein Einstellungsmuster, die Welt zu betrachten [vgl. Jork 2008, S. 18]. Und je ausgeprägter der Kohärenzsinn eines Menschen ist, desto schneller kann er wieder gesund werden bzw. desto gesünder ist er [vgl. Thielhorn 2008, S.19].

Aus den Interviews, die Antonovsky den Frauen aus Israel in seiner Untersuchung stellte, entnahm er, dass sich das Kohärenzgefühl aus den folgenden drei Fähigkeiten zusammensetzte: [vgl. Petzold 2010, S. 7].

1. Die Verstehbarkeit (sense of comprehensibility), d.h. Menschen haben Fähigkeiten, Stimuli verarbeiten zu können. Antonovsky meint damit ein kognitives Verarbeitungsmuster.
2. Die Handhabbarkeit (sense of manageability), d.h. Menschen sind davon überzeugt, Probleme bewältigen zu können. Hierbei sind nicht nur die eigenen Ressourcen wichtig, sondern auch der Glaube daran, dass andere Menschen oder auch eine höhere Macht dabei behilflich sein kann.
3. Die Bedeutsamkeit (sense of meaningfulness), d.h. Menschen empfinden das Leben als sinnvoll und haben positive Erwartungen an das Leben [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S.29f].

Wer diese drei Fähigkeiten besitzt, kann leichter mit stressigen Situationen umgehen. Diese Situationen sind Stressoren, die uns dauernd umgeben und den Kohärenzsinn fordern.

2.5 Stressoren

Aus Sicht der pathogenetischen Orientierung sind Stressoren immer als Risikofaktoren und als gesundheitsschädigend zu sehen. Antonovsky jedoch macht deutlich, dass Stressoren verschiedene Auswirkungen auf Menschen haben können und es auch gesundheitsförderliche Stressoren gibt (z.B. Hochzeit, Schwangerschaft).

Antonovsky definiert Stressoren als Äeine von innen oder außen kommende Anforderung an den Organismus, die sein Gleichgewicht stört und die zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes eine nicht-automatische und nicht unmittelbare verfügbare, energieverbrauchende Handlung erfordert.“ (Antonovsky 1979, S. 72)

Die drei Arten, die er unterscheidet, sind:

1. physikalische Stressoren
2. biochemische Stressoren
3. psychosoziale Stressoren [vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S. 33]

Die Spannungszustände, die durch Stressoren erzeugt werden, gibt es überall. Sie müssen von den Menschen bewältigt werden, um nicht in Stress zu geraten. Gelingt es ihnen so hat es eine gesundheitsfördernde Wirkung. [Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 1998, S. 33] Um diese Spannungszustände zu bewältigen, greifen die Menschen auf generalisierte Widerstandsressourcen zurück.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Aaron Antonovskys salutogenetische Orientierung. Werden die Kriterien im Rahmen des Ich-bin-ich Programms von Christina Krause berücksichtigt?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
2,4
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V315854
ISBN (eBook)
9783668152489
ISBN (Buch)
9783668152496
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aaron, antonovskys, orientierung, werden, kriterien, rahmen, ich-bin-ich, programms, christina, krause
Arbeit zitieren
Nina Friedmann (Autor), 2012, Aaron Antonovskys salutogenetische Orientierung. Werden die Kriterien im Rahmen des Ich-bin-ich Programms von Christina Krause berücksichtigt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315854

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