Das Frauenbild nach Jean-Jacques Rousseau


Hausarbeit, 2004
26 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Die Gleichheit aller Menschen

2 Das Frauenbild nach Jean-Jacques Rousseau
2.1 Mann und Frau - Gleichartigkeit und Unterschied
2.2 Die Rolle der Frau
2.2.1 Die List der Frau
2.2.2 Aufgaben und Pflichten der Frau
2.3 Die Erziehung der Frau
2.4 Die Bildung der Frau
2.5 Die Persönlichkeit der Frau

3 Die Verknüpfung des Frauenbildes mit der geschichtsphilosophischen Theorie

4 Ein Rechtfertigungsversuch

5 Olympe Marie de Gouges

6 Resümees

7 Literaturverzeichnis

8 Anlage

1 Die Gleichheit aller Menschen

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“[1]

Zahlreiche Gesetze schreiben die Gleichheit und Gleichberechtigung aller - unabhängig von Geschlecht, Rasse, Religion u.ä. - fest, doch zeigt und zeigte sich die Wirklichkeit häufig gegenteilig.

In den mitteleuropäischen Staaten der heutigen Zeit ist dieser Grundsatz in den jeweiligen Verfassungen zu finden und auch nahezu umgesetzt beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“[2] „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“[3]

Es ist jedoch nicht lange her, dass dies auch in Mitteleuropa noch nicht gesetzlich festgeschrieben war und die Rechte und Pflichten von Männern und Frauen noch durch die Kirche begründet waren. Demgegenüber standen wiederum die Meinungen der Philosophen, die häufig Naturgesetze als Basis des menschlichen Zusammenlebens heranzogen. Hierzu zählt zum Beispiel als französisches Beispiel der Philosoph und Pädagoge Jean-Jacques Rousseau (1712-1778).

Im Folgenden sollen die Rolle und das Bild der Frau in der Gesellschaft nach Jean-Jacques Rousseau beleuchtet werden. Diese Arbeit wird sich an Rousseaus Werk „Emile oder Über die Erziehung“ orientieren. Ausschlaggebend ist hier das fünfte Buch „ Sophie oder die Frau“. Als Leitfaden wird die Unterteilung des Autors übernommen, der sich zu Beginn mit Mann und Frau an sich beschäftigt, bevor er genauer auf Rolle, Erziehung, Bildung und die Persönlichkeit der Frau eingeht.

Im zweiten Teil der Arbeit soll das beschriebene Frauenbild in der geschichtsphilosophischen Theorie Jean-Jacques Rousseaus begründet werden. Hierzu wird das Werk „Das moralische Geschlecht“ von Lieselotte Steinbrügge herangezogen.

Im Anschluss soll herausgestellt werden, dass Jean-Jacques Rousseaus Frauenbild auch als Utopie des Autors angesehen werden kann, bevor abschließend Olympe Marie de Gouges als „die Ge­genpo­sition zu Rousseau.“[4] beschrieben wird.

2 Das Frauenbild nach Jean-Jacques Rousseau

2.1 Mann und Frau - Gleichartigkeit und Unterschied

Zu Beginn des fünften Buches „Sophie oder die Frau“ klärt Jean-Jacques Rousseau, inwiefern er Mann und Frau gleichsetzt, beziehungsweise unterscheidet. Er spricht ihnen die gleichen Organe, Bedürfnisse und Fähigkeiten zu, zieht sogar den Vergleich zur Gleichartigkeit von Maschinen, die aus gleichen Teilen aufgebaut sind, die gleichen Bewegungsabläufe vollziehen und sich durch ähnliche Gestalt annähernd gleichen. Er nennt es ein Wunder der Natur, zwei so ähnliche und doch verschiedene Wesen hervorgebracht zu haben: Weiterhin stellt er heraus: „Sie [die Erfahrung] zeigt zugleich, wie töricht es ist, über den Vorrang oder die Gleichberechtigung der Geschlechter zu streiten. Als ob nicht jedes von beiden, wenn es nach seiner Sonderveranlagung die naturbedingten Ziele anstrebt, vollkommener wäre, als wenn es dem anderen ähnlicher zu sein trachtete!“[5] Die Gemeinsamkeiten rechnet Jean-Jacques Rousseau der Art Mensch zu, Mann und Frau – die Geschlechter – dagegen, grenzt er voneinander ab: „Der eine muß aktiv und stark sein, der andere passiv und schwach: notwendigerweise muß der eine wollen und können; es genügt, wenn der andere wenig Widerstand leistet.“[6] Er folgert hieraus, dass die Frau einzig und allein dazu geschaffen ist, dem Mann zu gefallen, er ihr dagegen nicht notwendigerweise ebenfalls gefallen muss: „sein Vorzug liegt in der Kraft; er gefällt allein dadurch, dass er stark ist.“[7] Jean-Jacques Rousseau erweckt hiermit den Eindruck, die Frau sei völlig untergeordnet, doch er gesteht ihr die indirekte Macht über den Mann zu. Die Natur habe das schwache Geschlecht mit Eigenschaften ausgestattet, „um sich das starke untertan zu machen“[8]. Denn sie besitzt ihre Reize, denen der Mann nicht zu widerstehen im Stande ist. Die Frau ist befähigt, ihm Widerstand zu leisten, den er wiederum zu brechen bemüht ist. Auf diese Weise fühlt er sich als starker, kühner Sieger über die zurückhaltende, ängstliche Frau. Da sie den Mann mit Ihren Reizen stets beherrschen könnte, hat die Natur sie darüber hinaus mit Schamgefühl ausgestattet, ihn dagegen neben der Leidenschaft mit Vernunft, wodurch sich beide gegenseitig und auch selbst kontrollieren, sowie einander ergänzen.

2.2 Die Rolle der Frau

2.2.1 Die List der Frau

Neben den Reizen sagt Jean-Jacques Rousseau der Frau eine List nach: „Die gewöhnliche List der Frauen ist, diesen Zweifel immer zwischen sich und ihm bestehen zu lassen.“[9] Er spricht hier von dem Zweifel, „ob die Schwäche der Kraft gewichen ist oder ob sich der Wille ergeben hat.“[10] Es bleibt also stets das Geheimnis der Frau, warum sie wie handelt. Sie alleine kann Stärke und Dauer ihres Widerstandes bestimmen und dadurch den Mann entweder glauben lassen, er habe durch Kraft und Kühnheit gesiegt, oder sie sei zur Vernunft gekommen. „Damit der Angreifer siegreich sei, muss der Angegriffene es ge­schehen lassen.“[11] Sie nutzt ihre Schwäche, um den Mann zu beherrschen, ruht sich geradezu in dieser Schwäche aus, indem sie ihm Glauben macht, sie sei tatsächlich nicht stärker und er sei der Herrscher über sie. Die Schwäche stellt für sie Schutzschild und Macht zugleich dar.

„Die Frauen herrschen nicht, weil die Männer es wollen, sondern weil es die Natur so will.“[12] Jean-Jacques Rousseau begründet die Herrschaft in diesem Zusammenhang bereits in der Antike: „Derselbe Herkules, der den fünfzig Töchtern des Thespios Gewalt anzutun glaubte, musste bei Omphale spinnen; […] Diese Herrschaft gehört den Frauen und kann ihnen nicht genommen werden, selbst wenn sie Missbrauch damit treiben. Hätten sie sie jemals verlieren können, so hätten sie sie längst verloren.“[13]

Wie in den folgenden Abschnitten noch deutlich werden wird, beschränkt Jean-Jacques Rousseau die erwähnte Macht und Herrschaft der Frau über den Mann allerdings auf das Privatleben, die Liebe, somit die Familie. Bezüglich der Öffentlichkeit spricht er dem weiblichen Geschlecht jegliche Machtansprüche, sogar Rechte, wie wir sie heute kennen und haben, ab. Das Leben außerhalb der eigenen Familie ist allein Männersache, weshalb Frauen, wie später beleuchtet wird, diesbezüglich keine Bildung erhalten sollen.

2.2.2 Aufgaben und Pflichten der Frau

Wie bereits erwähnt, ist das Dasein der Frau auf das Haus und die Familie beschränkt. Hier finden sich dementsprechend ihre Aufgaben und Pflichten wieder, die sich direkt aus der Beschreibung des weiblichen Charakters ergeben. Passivität nach außen, aber eine sehr große Emotionalität, die sich besonders innerhalb der heimischen Sphäre von Bedeutung zeigt. „Um die Kinder zu erziehen, braucht sie Geduld und Zärtlichkeit, Eifer und Liebe […] Wieviel Liebe und Sorge braucht sie nicht, um die Einigkeit in der ganzen Familie aufrechtzuerhalten! Und das alles […] aus Lust und Liebe, ohne die das Menschengeschlecht längst untergegangen wäre.“[14] Dadurch, dass die Frau die Familie zusammenhält und umsorgt, gesteht Jean-Jacques Rousseau ihr eine wichtige Rolle zu – denn sie sichert den Fortbestand der Menschheit und indirekt der Gesellschaft, indem sie dem Mann ermöglicht, sich ohne Kummer rational in diese einzubringen.

Das weibliche Geschlecht gilt als das moralische und mitmenschlichere, das über einen „sozialen Instinkt“[15] verfügt. Die Frau hält die Gesellschaft aus der Familie heraus zusammen. Um dies zu gewährleisten, verlangt Jean-Jacques Rousseau von ihr Treue gegenüber ihrem Mann: „Ohne Zweifel ist es niemandem erlaubt, die Treue zu brechen, und jeder untreue Mann […] ist ungerecht und ein Barbar. Aber die ungetreue Frau […] löst die Familie auf und bricht alle Bande der Natur.“[16] Hier zeigt sich erneut ihre natürliche Bestimmung, die Zuständigkeit für Mann und Kinder, sowie die Distanz ihrer Person zur Gesellschaft. Für diese hat sie stets treu zu erscheinen, sowie bescheiden, aufmerksam und zurückhaltend zu sein.[17] Mit diesen wenigen Worten sind die Pflichten der Frau innerhalb der Gesellschaft bei Jean-Jacques Rousseau abgehandelt. Ihre wahre Bestimmung dagegen - das Familienleben - beschreibt er sehr viel umfangreicher.

Die Hauptaufgabe der Frau sieht Jean-Jacques Rousseau darin, Kinder zu gebären, und diese zu erziehen: „[…] es ist ihre Bestimmung, Kinder zu bekommen.“[18] An dieser Stelle lässt er die Sicherung des Menschengeschlechts anklingen, indem er sagt, die Frauen auf dem Land müssten die Unfruchtbarkeit der Damen in den Städten ausgleichen.[19] Auch hätten Frauen bei der Zurückgezogenheit und der häuslichen Sorge zu bleiben, ohne größere Pausen zwischen den einzelnen Schwangerschaften, da sie schließlich für diese Aufgabe bestimmt seien, und nicht dazu, Kriegerin zu sein. Die hierzu erforderliche Härte wäre wider ihre Natur und hätte zur Folge, dass auch die Männer härter werden müssten, genauso, wie im Gegensatz die Verweichlichung der Männer zu einer noch stärkeren Verweichlichung der Frauen führen würde.[20] Ziel ist es jedoch, den Status Quo zu erhalten, also sind Änderungen nicht erwünscht.

2.3 Die Erziehung der Frau

Um eine Frau nach Jean-Jacques Rousseaus Vorstellungen zu schaffen, bedarf es einer bestimmten Erziehung des Mädchens, die von der des Jungen abweichen muss: „Nachdem einmal bewiesen ist, dass der Mann und die Frau weder nach dem Charakter noch nach dem Temperament gleich gebildet sind noch sein dürfen, so folgt daraus, dass sie auch nicht die gleiche Erziehung haben dürfen. Folgen sie den Weisungen der Natur, so handeln sie wohl gemeinsam, aber sie dürfen nicht das gleiche tun. Das Ziel der Bemühungen ist das gleiche, aber die Aufgaben sind verschieden […].[21] Jean-Jacques Rousseau spricht hier erneut an, dass Mann und Frau sich gegenseitig ergänzen müssen, um das gemeinsame Ziel erreichen zu können. Daraus ergibt sich für ihn die verschiedenartige Erziehung der beiden Geschlechter.

[...]


[1] Art. 1 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

[2] Art. 1 (1) Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

[3] Art. 1 (2) Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

[4] Burmeister, K. H.: S. 19

[5] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 386

[6] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 386

[7] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 386

[8] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 386

[9] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 388

[10] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 388

[11] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 388

[12] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 389

[13] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 389

[14] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 389

[15] Vgl. Steinbrügge, L.: 1992; S. 71

[16] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 390

[17] Vgl. Rousseau, J.-J.: 1993; S. 390

[18] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 390

[19] Vgl. Rousseau, J.-J.: 1993; S. 391

[20] Vgl. Rousseau, J.-J.: 1993; S. 391

[21] Rousseau, J.-J.: 1993; S. 392

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das Frauenbild nach Jean-Jacques Rousseau
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Locke, Rousseau, Kant - Gedanken und Auswirkungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V31587
ISBN (eBook)
9783638325363
ISBN (Buch)
9783640864287
Dateigröße
1105 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenbild, Jean-Jacques, Rousseau, Locke, Kant, Gedanken, Auswirkungen
Arbeit zitieren
Astrid Jung (Autor), 2004, Das Frauenbild nach Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31587

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