Der Nil als Segen oder Fluch für Ägypten. Stundenentwurf im Fach Gesellschaftslehre Klasse 5


Unterrichtsentwurf, 2015
25 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Lernbedingungen
1.1 Überfachliche Lernvoraussetzungen
1.2 Fachliche Lernvoraussetzungen

2 Sachanalyse

3 Didaktische Überlegungen

4 Methodische Überlegungen

5 Anhang
5.1 Einbettung in die Unterrichtseinheit
5.2 Verlaufsplan der Stunde
5.3 Bilder
5.4 Arbeits- und Hausaufgabenblätter
5.5 Sitzplan

6 Quellen

1 Lernbedingungen

Die Förderstufenklasse 5Fb besteht aus 24 Schülerinnen und Schülern1(14 männlich, zehn weiblich). Die Schüler kamen zu Beginn des Schuljahres von verschiedenen Grundschulen. Zum Halbjahreswechsel im Februar 2015 habe ich die Lerngruppe von meiner Mentorin übernommen und unterrichte seitdem dreistündig mit ihr in einer Doppelsteckung. Der Raum, in dem der Unterrichtsbesuch stattfindet, bietet die Möglichkeit des Verdunkelns. Ein transportabler Computer mit Beamer muss separat für den Unterricht vorbereitet werden. Darüber hinaus bietet der Klassenraum einen Tageslichtprojektor und zwei hintereinander gelagerte, senkrecht verschiebbare Tafeln.

1.1 Überfachliche Lernvoraussetzungen

Das Arbeitsverhalten der Klasse lässt sich als durchweg positiv beschreiben. Materialien werden selten vergessen, Hausaufgaben von nahezu jedem erledigt. Die Schüler vermitteln einen motivierten Eindruck in Bezug auf das Fach Gesellschaftslehre.

Momentan befinden sich die Schüler noch in einer Umgewöhnungsphase, in der sie den Wandel der Lehrperson vom Grundschul- zum Sekundarstufenbereich erlernen. Dazu gehört beispielsweise das Unterlassen des Duzens der Lehrperson.

Ebenso lässt sich das Sozialverhalten als positiv bewerten. Der Umgang der Schüler untereinander ist freundlich und respektvoll.

Die Klasse mag Gruppenarbeitsformen. Während Still-, Partner- oder Gruppenarbeitsphasen entstehen nur selten lautere Gespräche, die nicht das Unterrichtsgeschehen betreffen. Diese kooperativen Methoden erachte ich, in Übereinstimmung mit dem Hessischen Referenzrahmen Schulqualität, als lernförderlichste Sozialform in Bezug auf Heterogenität. Dort heißt es zum Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen: „Der Unterricht fördert kooperatives Lernen.“2Daher verwende ich in diesem Unterrichtsbesuch die Methode des Partnerpuzzles, um somit auf der einen Seite die Motivation der Schüler zu erhöhen und um andererseits ihre Sozialkompetenz fördern. Des Weiteren soll durch leistungshomogene Gruppen versucht werden, dass die Schüler einander nicht über- bzw. unterfordern. In der Klasse wurde diese Methode von mir noch nicht angewendet. Die Schüler haben allerdings in der vorangegangen Stunde die Partnereinteilung erhalten, um möglichst einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

1.2 Fachliche Lernvoraussetzungen

Das Interesse und auch die Motivation für das Fach Gesellschaftslehre (und im Besonderen für Geschichte) sind weitestgehend vorhanden. Einige Schüler berichten, dass sie sich auch Zuhause mit Geschichte auseinander setzen (Lesen von zusätzlichen Informationen im Gesellschaftslehre-Buch, Recherchen im Internet etc.).

Im ersten Halbjahr haben die Schüler im Fach Gesellschaftslehre Umwelterziehung und Erdkunde im Unterricht behandelt. Da für die Schüler der Gesellschaftslehreunterricht die erste Begegnung mit der Geschichte ist, stellen sie viele Vermutungen an. In der letzten Unterrichtseinheit wurden die Alt- und Jungsteinzeit behandelt.

Seit Beginn der aktuellen Unterrichtseinheit haben die Schüler einige Merkmale früher Hochkulturen kennengelernt. In der heutigen Stunde wird zum ersten Mal eines dieser Merkmale näher betrachtet: Zugang zu, und Nutzung von fließenden Gewässern.

2 Sachanalyse

Ob der Nil der längste Fluss der Welt ist, ist bis heute umstritten. Zweifelsohne ist er mit 6671 Kilometern der längste Fluss Afrikas.3Obwohl der Quellort des Nils südlich von Ägypten liegt, hatte und hat er für das nordafrikanische Land sowohl früher als auch heute eine existentielle Funktion: er diente als Handelsweg von Süden nach Norden und umgekehrt. Darüber hinaus sicherte er durch die alljährliche Nilflut das Überleben der ägyptischen Bevölkerung. Und schließlich sorgte der Fischfang für weitere Nahrung. Allerdings konnte die Nilschwelle negative Folgen für die Fluss nahe Bevölkerung haben (Überflutung von Häusern). Wer hingegen die Landkarte Ägyptens genauer studiert, wird feststellen, dass sämtliche Städte sich am Nil oder am Mittelmeer befinden.

Wegen des stark schwankenden Wasserstandes wurde 1970 der Assuan-Staudamm im Süden Ägyptens errichtet, welcher den Wasserstand auf einer konstanten Höhe halten sollte. Dieser Eingriff in die Natur wird allerdings kontrovers diskutiert, da der Nährstoffreiche, durch die Nil-Überflutung auf den Flussnahen Wiesen abgelegte, Nilschlamm ausbleibt.4

3 Didaktische Überlegungen

Das Thema der Stunde „Der Nil - Lebensader Ägyptens“ findet sich innerhalb der Unterrichtseinheit „Ägypten - Beispiel einer frühen Hochkultur“ sowohl im Kerncurriculum Geschichte für Realschulen des Landes Hessen wie auch im Lehrplan Geschichte für Realschule des Landes Hessen wieder. In Ersterem durch die Basisnarrative „Epochenbezug Ur- und Frühgeschichte - Herrschaft, Religion, Wirtschaft und Schrift in frühen Stromkulturen“.5Durch diese Formulierung wird die Bedeutung von Wasser für eine Gesellschaft hervorgehoben. Nicht nur auf Ägypten, sondern auch auf ein Dutzend anderer früher Hochkulturen trifft dies zu.6

Im Lehrplan findet sich innerhalb des vorgeschriebenen Themas „Ägypten - Beispiel einer frühen Hochkultur“ der verbindliche Unterrichtsinhalt „Wasser formt eine Gesellschaft“. Die Bedeutung von Wasser im Allgemeinen und im vorliegenden Fall vom Nil im Besonderen ist somit institutionell vorgegeben und unterstreicht die existenzielle Bedeutung von Wasser zum Fortleben sozialer Kulturen.

Vor diesem Hintergrund wurde die vorliegende Stunde erarbeitet. Neben der Aneignung von Wissen über die Bedeutung des Nils für das Alte Ägypten soll ebenso Umwelterziehung in den Fokus gerückt werden. Die Erziehung in diesem interdisziplinären Feld ist im Hinblick auf die gegenwärtige Trinkwasserknappheit, unter anderem im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika, eminent wichtig. Im Bereich wird hier die Sozialkompetenz mit einbezogen, insbesondere dabei die „Gesellschaftliche Verantwortung“.7

Der Nil eignet sich in besonderem Maße für den Einstieg in das Themenfeld Altes Ägypten: Auf Basis des Nils kann nahezu jede weitere Stunde der Unterrichtseinheit aufgebaut werden. Ich möchte dies an zwei Beispielen verdeutlichen: Zum Einen wurden Steinblöcke der Pyramiden mit Hilfe der Nilschifffahrt zu den Baustellen gebracht.8Ohne diese Hilfe hätten die Pyramiden wohl nicht gebaut werden können.9Zum Anderen hatte der Nil einen gottähnlichen Status. Zumindest gab es Hapi, den Gott der Nilflut.10Somit stellte der Nil ebenso ein Heiligtum für die altägyptische Bevölkerung dar.

Im Laufe dieser Unterrichtseinheit sollen die Schüler wesentliche Merkmale des Alten Ägyptens erlernen und vor allem sensibilisiert werden im Bereich der „Wahrnehmungskompetenz für Kontinuität und Veränderung in der Zeit“.11Die Leistungen der Ägypter sollen ihnen als innovativ, fortschrittlich und prägend in Erinnerung bleiben.

Die vorliegende Stunde ist als ein Resultat eines langen Reflexions- und Abwägungsprozesses zu sehen. Ein erster Entwurf sah vor, die Schüler in Gruppenarbeit drei Tätigkeiten am Nil ausarbeiten zu lassen. Diese waren Landwirtschaft, Schifffahrt und Fischfang. Auf Grundlage dessen wäre die Existenz erhaltende Funktion des Nils zwar deutlich geworden. Allerdings schien es mir unangemessen, die Nachteile der Nilschwelle unbeachtet zu lassen. Des Weiteren sollten die Schüler in dieser Stunde nicht überrumpelt werden mit den Merkmalen der frühen Hochkulturen, sondern deren Kennzeichen peu à peu kennenlernen.

Ein zweiter Entwurf drehte sich um den Stundeneinstieg und den Gegenwartsbezug: sollen ein oder zwei Bilder des Elbehochwassers gezeigt werden? Oder soll die Kontroverse um den Assuan-Staudamm an die Schüler didaktisch vereinfacht herangetragen werden? Schließlich hätte eine weitere Form der Umwelterziehung eingebracht werden können, indem die fiktive Situation angenommen wird, dass der Sudan einen Staudamm baut und somit die Wasserzufuhr nach Ägypten reguliert.12

Entschieden habe ich mich letztlich für die Lebenswelt der Schüler. Jede und jeder unter ihnen wird sich dazu äußern können, wie sich ihr oder sein Leben verändern würde ohne Wasser. Gerade in der fünften Jahrgangsstufe, wo die Schüler allmählich an unsere Geschichte herangeführt zu werden, darf die kindliche Phantasie nicht ausgeschlossen werden. Ebenso wird hierdurch versucht, den Schülern Raum zu geben, um die Bedeutung von Wasser für das Leben zu erahnen.

Begonnen werden soll zunächst durch zwei Bilder: Erstens eine politische Karte, die einen Überblick geben soll, wo sich Ägypten in Relation zu Deutschland befindet. Zweitens ein Satellitenbild, welches den Nil und sein fruchtbares Land in Ägypten zeigt und links und rechts dessen eine Wüstenlandschaft zeigt. Jenes Bild bietet den Schülern einen anfänglichen Eindruck, dass Leben in Ägypten ausschließlich in der Nähe des Nils bzw. des Mittelmeers stattfinden kann.

Es wird anschließend übergeleitet in die Erarbeitungsphase. Hierbei sollen die Schüler mit Hilfe der Methode Partnerpuzzle zwei Texte bearbeiten, wobei einer die Nilschwelle positiv der andere negativ darstellt. Text A ist eine veränderte Variante des häufig zu Ägypten genutzten Zitats von Herodot. Um den Ansprüchen von Ditmar von Reeken gerecht zu werden, war eine Quellenarbeit hier unerlässlich.13Im Sinne der didaktischen Reduktion und zur Vermeidung von Überforderung14mussten teilweise Wörter ergänzt bzw. geändert werden. Eine Entstellung der Quelle liegt jedoch meines Erachtens nicht vor. Text B ist ein eigenständig verfasster Text, da es keinerlei Gespräche mit Bauern in Form von Quellen öffentlich zugänglich gibt, die ein solches Ereignis wiedergeben.

Im Anschluss an die Lesephase vermitteln sich je zwei (im Falle einer ungeraden Schüleranzahl auch drei) gegenseitig ihren jeweiligen Text.15Mit Hilfe der Texte sollen die Schüler erfahren, dass der Nil sowohl Fluch als auch Segen für die Ägypter sein konnte, jedoch der Segen überwog. Nicht zuletzt dadurch, als sich die Ägypter an die Hochwasserzeiten anpassten und lernten, mit dem Wasser zu leben.

Im Folgenden möchte ich die Differenzierungsmaßnahmen innerhalb der Unterrichtsphasen darstellen: Innerhalb der Erarbeitungsphase erfolgt die Differenzierung zum Einen zunächst durch heterogene Partnereinteilungen und schließlich durch eine homogene Zuteilung, um so einer Unter- bzw. Überforderung vorzubeugen. Zum Anderen werden schwierige Wörter in den Texten hervorgehoben und näher erläutert. Bei den lernschwächeren Schülern werden zusätzlich wichtige Passagen im Text markiert. In der Reflexions- und Transferphase erfolgt die Differenzierung durch Bildimpulse, die die Schüler zu Hilfe nehmen können, jedoch nicht müssen.

[...]


1Im Folgenden ist mit dem Begriff „die Schüler“ die Gemeinschaft der Lerngruppe gemeint. Sollte eine Geschlechterdifferenzierung notwendig sein, wird dies explizit ausgeschrieben. Gelegentlich werden die Schülerinnen und Schüler auch mit „SuS“ abgekürzt.

2Hessisches Kultusministerium (Hg.): Hessischer Referenzrahmen Schulqualität. Qualitätsbereiche, Qualitätsdimensionen und Qualitätskriterien. Wiesbaden 2011, S. 25.

3http://www.planet-wissen.de/natur_technik/fluesse_und_seen/nil (zul. abgerufen am 13.6. 2015, 20:19 Uhr)

4http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2010-01/assuan-staudamm/seite-2

5Hessisches Kultusministerium: Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das neue Kerncurriculum für Hessen. Sekundarstufe I - Realschule. Geschichte. Wiesbaden 2011, S. 21.

6Vgl. dazu: Fromm, Dr. Hermann (Hg.): Basiswissen Schule. Geschichte. 7. Klasse bis Abitur. Berlin 2011, S. 46- 47.

7Hessisches Kultusministerium: Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das neue Kerncurriculum für Hessen. Sekundarstufe I - Realschule. Geschichte. Wiesbaden 2011, S. 9-10.

8Rudyk, Ellen (Hg.):Menschen Zeiten Räume 1. Arbeitsbuch für Gesellschaftslehre Hessen. Berlin 2010, S. 212- 213.

9Vgl. Wagener, Elmar: Der Nil, Lebens- und Verkehrsader Ägyptens. In: Praxis Geschichte 4/2013. Braunschweig 2013, S. 13 und 17.

10Vgl. Wagener, Elmar: Der Nil, Lebens- und Verkehrsader Ägyptens. In: Praxis

Geschichte 4/2013. Braunschweig 2013, S. 13 und 17.

11Hessisches Kultusministerium: Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das neue Kerncurriculum für Hessen. Sekundarstufe I - Realschule. Geschichte. Wiesbaden 2011, S. 14.

12Vgl. dazu den Konflikt im Nahen Osten: http://www.tagesspiegel.de/politik/euphrat-und-tigris-wenn-das-wasser- knapp-wird/1593794.html (zul. abgerufen am 15.6.2015, um 21:50 Uhr).

13von Reeken, Dietmar: Quellenarbeit. In: Günther-Arndt, Hilke: Lehr-Lernkonzepte. In: Günther-Arndt, Hilke:

Geschichts-Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II. 3. Aufl., Berlin 2010, S. 154-168, hier S. 154.

14Vgl. Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in Didaktik und Methodik. 8. Aufl., Seelze-Felber 2009, S. 108.

15Hans-Jürgen Pandel erachtet die Fähigkeit der Narration von Geschichte als wichtiges, wenn nicht gar als wichtigstes Prinzip der Geschichtsdidaktik. Vgl. dazu: Pandel, Hans-Jürgen: Erzählen. In: Mayer, Ulrich et al. (Hg.) : Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht. 3. Aufl., Schwalbach/Ts. 2011, S.408-424, hier: S. 408.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Nil als Segen oder Fluch für Ägypten. Stundenentwurf im Fach Gesellschaftslehre Klasse 5
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V315907
ISBN (eBook)
9783668309074
ISBN (Buch)
9783668309081
Dateigröße
2086 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterricht, Geschichte, Nil, Ägypten
Arbeit zitieren
Moritz M. Mansson (Autor), 2015, Der Nil als Segen oder Fluch für Ägypten. Stundenentwurf im Fach Gesellschaftslehre Klasse 5, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315907

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